Die USA haben die ersten sechs Gefangenen
ausgewählt, die vor ein Militärtribunal in dem Gefangenenlager
Guantanamo Bay auf Kuba gestellt werden sollen. Den beiden britischen
Staatsangehörigen wurde "angeboten", ihre Schuld einzugestehen und
dafür "nur" eine 20-jährige Haftstrafe statt der Todesstrafe zu
erhalten.
Einer dieser beiden Briten ist der 35 Jahre alte Moazzam Begg.
Der britische Sunday Herald berichtete am Sonntag über einige Briefe, die Begg nach Hause geschrieben
hat, seine Haftbedingungen und die Umstände seiner
Verhaftung.
Begg, dessen Frau Sally mit seinen vier Kindern - sein
jüngster Sohn, Ibrahim, wurde während seiner Gefangenschaft geboren -
jetzt wieder in Großbritannien lebt, zeigt sich in seinen Briefen, von
denen offenbar eine Vielzahl ihr Ziel gar nicht erreicht und der Rest von
Militärzensoren geprüft wird, zunehmend hoffnungslos.
In einem
Brief an seine Frau schreibt er: "Die letzten paar Wochen waren deprimierender
als sonst, besonders seit der Geburt unseres Sohnes... die Zeit vergeht so
langsam... Ich weiß immer noch nicht, was mit mir passieren wird, wohin
es geht und wann - selbst nach all dieser Zeit."
"Es gibt hier viele
Regeln, die das Warten nicht einfacher machen. Das Essen ist seit
fünfeinhalb Monaten das gleiche und die meiste Zeit habe ich
Hunger."
Unter der Schwärzung durch einen Zensor ist der Satz zu
lesen "Mir wird klar, daß ich einen großen Preis zahlen muß
für all die Fälle, wo ich undankbar war, ganz besonders Dir
gegenüber."
Die Haftbedingungen in dem amerikanischen Lager sind
von Beginn an in der Kritik. Die Gefangenen werden in kleinen Käfigen
gehalten, die sie nur unzureichend vor den Elementen schützen und haben
nur selten die Möglichkeit, diese zu verlassen, um sich etwas zu bewegen.
Häufig sind sie gefesselt und ihre Augen verbunden.
In einem Brief
erzählt er von den Tieren, mit denen sie sich die Käfige teilen
müssen, Skorpionen, Käfern, Mäusen und auch Kamelspinnen, die zwar nicht giftig, dafür
aber umso größer sind und Geschwindigkeiten von über 15
Stundenkilometern erreichen.
Beggs Vater Azmat betont, daß sein
Sohn kein Terrorist ist. Sein Sohn, der früher einen Buchladen in
Birmingham besessen hatte, hatte mehrere Jahre an einer jüdischen Schule
verbracht und hat noch immer viele jüdische Freunde.
In 2001 reiste
er mit seiner Familie nach Kabul, da er vom Schicksal der afghanischen
Bevölkerung so bewegt war, um dort eine Schule aufzubauen und die Menschen
mit Wasserpumpen zu versorgen, berichtete sein Vater.
Als der Angriff
auf Afghanistan im Oktober 2001 begann brachte er sich mit seiner Familie nach
Islamabad in Pakistan in Sicherheit. Dort wurde er im Januar 2002 von
pakistanischen Polizisten und CIA-Mitarbeitern verhaftet, in den Kofferraum
eines Wagens gesteckt und nach Kabul in Afghanistan gebracht, wo er fast ein
Jahr in einem fensterlosen Kellerraum verbrachte.
Er wurde verhaftet,
weil sein Name auf der Photokopie einer Überweisung stand, die in einem
Al-Quaida-Übungslager gefunden worden war.
Begg, der in seinen
Briefen immer seine Unschuld beteuert, droht in dem Verfahren vor dem Militärtribunal, das sich
nicht den üblichen Verfahrensregeln unterwerfen muß, die
Todesstrafe.
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