Vor zwei Wochen erhielt ein Prinz der
königlichen kuwaitischen Familie einen Anruf von einem Mitarbeiter des
US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, in dem er gefragt wurde, ob der
Komplex verfügbar wäre. Der Prinz hatte schon den Verdacht, daß
er für eins dieser geheimen Treffen, die von Washington im Golf gehalten
werden, gebraucht würde.
Am nächsten Tag landete eine Hercules
Transportmaschine auf dem kuwaitischen internationalen Flughafen. Heraus kam
eine Gruppe bleicher Männer mittleren Alters in Baumwollhemden und -hosen.
Sie hatten Laptops und dicke Aktentaschen dabei.
Für einen
zufälligen Beobachter waren sie einfach nur eine weitere Abordnung aus
Washington, die mit dem Nachkriegsirak zu tun hatte. Aber diese Männer
waren die Vorausplaner des nächsten Krieges - des Krieges gegen den
Iran.
Innerhalb von einer Stunde hatten sie sich in ihrer palastartigen
Umgebung - sicher beschützt durch US-Streitkräfte - eingerichtet und
ihre Karten des Iran ausgepackt, die Computerbilder des Geländes
heruntergeladen und begonnen, das "Ziel Iran" zu planen.
Sichere
Kommunikationskanäle mit Washington waren eingerichtet und getestet
worden. Einer ging zur CIA, ein anderer zum Pentagon. Über diese
Kanäle und ihre gesicherten Computer würden die kuwaitischen
Einsatzkräfte die neusten Geheimdienstinformationen aus dem Iran
erhalten.
Einige dieser Informationen würden aus Israel kommen -
von Mossad-Agenten in Teheran.
Sie würden dafür sorgen,
daß dem geplanten "Ziel Iran" keinerlei Informationen fehlten. Die dort
stationierten Männer sind ein Think Tank des Pentagons für den
nächsten Krieg.
Sie sind einige der "Neo-Cons" - einer neuen Art
von "konservativen" Intellektuellen, die entschlossen sind, die Bush-Regierung
in die Richtung einer noch aggressiveren Alleingangs-Haltung zu bringen. Sie
werden in Washington von dem Hardliner John Bolton, dem Staatssekretär
für Waffenkontrolle, angeführt.
Am gleichen Tag, als die
"Neo-Cons" in Kuwait landeten hatte Bolton, ein politisches Spiegelbild von
Rumsfeld, eine neue Warnung wegen einer angenommenen atomaren Bedrohung durch
den Iran herausgegeben.
Bolton tat dies auf der jährlichen
Konferenz des amerikanisch-israelischen Komitees für
Öffentlichkeitsarbeit in Washington. Sein Thema waren die atomaren
Gefahren, denen "diese Regierung entgegentreten will, wenn der Krieg gegen den
Irak vorüber ist."
Er schloß: "In der Zeit nach Saddam wird
es von gleicher Wichtigkeit sein, sich mit dem iranischen Atomwaffenprogramm zu
befassen wie auch mit der Bedrohung, die Nordkorea weiterhin
darstellt."
Sein mächtiges Publikum - viele von ihnen entscheidende
Lobbyisten für Israel in Washington - gaben ihm stehende Ovationen. Das
war es, was sie hören wollten. Nach dem Irak - Iran.
Sie
wußten, daß Bolton, ein düsterer Mann in einem grauen Anzug
mit einer farblosen Redeweise, als der Strohmann für andere mächtige
Männer in der Bush-Regierung da war. Sie schließen den
stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und den
Staatssekretär für Verteidigungspolitik Douglas Feith ein. Sie sind
nach Rumsfeld die höchsten Pentagon-Beamten.
Andere Mitglieder
dieser Gruppe sind Lewis Libby, Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney
und Elliot Abrams, verantwortlich für die Politik im Mittleren Osten im
Nationalen Sicherheitsrat. Sie alle sind entscheidende Unterstützer
Israels. Sie bilden außerdem das Herz der Verfechter von Bushs
"muskulöser Demokratie". Sie ist dem frontalen Angriff auf "Feinde"
Amerikas gewidmet.
Der frühere CIA-Direktor James Woolsey sagte vor
kurzem bei einer Rede in Los Angeles: "Der Feldzug im Irak ist wirklich erst
der Anfang des Dritten Weltkriegs und eines, der Jahrzehnte andauern
könnte."
Die Neo-Cons hatten nach Kuwait eine Liste von Zielen
mitgebracht. Unter ihnen waren Pakistan, Libyen, Saudi-Arabien, Burma, Kuba,
Nordkorea und eventuell China.
In ihren Aktentaschen befand sich eine
Kopie dessen, was zu ihrem Leitmotiv geworden ist: das Informationspapier
über die globale Strategie, das der CIA-Direktor George Tenet für
Bush vorbereitet hatte.
"Bis zum Jahr 2015 wird China viele Raketen mit
atomaren Sprengköpfen aufgestellt haben, die gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet sind, größtenteils besser überlebensfähige
mobile See- und Landraketen", so das Papier.
Um den Angriff auf den Iran
vorzubereiten - der für den Anfang des Jahres 2004 erwartet wird, weniger
als ein Jahr ab jetzt - traf sich das Team von Analysten, Logistikern und
anderen Spezialisten in der kuwaitischen Ferienanlage. Sie haben den Befehl
erhalten, ihre Pläne für den Angriff auf den Iran in Gang zu
bringen.
"Ziel Iran" wird den gleichen rücksichtslosen, alles
vernichtenden Weg gehen wie die Zerstörung des Saddam-Regimes.
In
den Plänen für den Wiederaufbau des Iraks wurden die
militärischen Flughäfen Saddams bereits für ihren Einsatz gegen
den Iran markiert.
US-Basen in Afghanistan werden es der
mächtigsten Luftwaffe der Welt erlauben, einen zangenförmigen
Luftangriff zu beginnen.
Dies wird unterstützt durch
US-Flugzeugträger und Raketen abfeuernde Kriegsschiffe im Golf.
Die
Türkei wird dazu gezwungen werden, ihren Luftraum für nördliche
Luftangriffe zu öffnen.
Die Neo-Cons vermuten, daß der Iran
in kürzester Zeit - mit den Worten Boltons - "überrollt" werden
könnte, "vermutlich schneller, als es bei Saddam gedauert hat."
Die
Mullahs in Teheran sind im Vergleich zum Irak schlecht ausgerüstet. Ich
Flugzeuge sind nach modernen Maßstäben fast altmodisch. Sie haben
nichts, um es mit den amerikanischen F-18 oder den Panzerkillern
aufzunehmen.
Es stimmt, auf dem Boden kann der Iran eine beachtliche
Armee ins Feld führen. Die ist aber wiederum schlecht ausgerüstet, um
einen modernen Techno-Krieg zu führen.
Die Neo-Cons treiben es
weiter voran - und ignorieren dabei die Warnungen altgedienter Diplomaten des
Außenministeriums.
Zwei der Berater des US-Außenministers
Colin Powell haben ihm eine Mitteilung geschrieben, in der sie vor einer
wachsenden Gefahr warnten, daß die durch Bolton und seine Gruppe
vertretene Politik "in der Welt wachsende Abneigung verbreitet".
Eine
Kopie wurde an die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice gefaxt. Es
wird sie nicht beeinflußt haben. Sie ist der Bush am nächste
Hardliner. Sie ist die leise und deutliche Stimme der Architekten der
amerikanischen Militärmacht.
In den Anfangstagen der Bush-Regierung
sorgte sie für den frieden zwischen Rumsfeld und Powell.
In einem
unvergeßlichen Satz über diesen Teil ihrer Arbeit sagte sie: "meine
Aufgabe ist es, Colin die Leute zu Tode reden zu lassen und es Donald zu
ermöglichen, zu sagen, daß er ihnen einen überziehen wird, wenn
sie nicht zuhören."
Jetzt ist sie aber komplett in der Ecke
Rumsfelds. Powell, obwohl seine mutigen Worte über den Irakkrieg wichtig
waren, wird zunehmend unwichtiger gemacht. Seine persönliche Beziehung zu
Rice hat sich auf kühles Lächeln bei Kabinettstreffen
reduziert.
Von den Treffen, die Bolton mit seinen entscheidenden
Pentagon-Beamten abhält, bei denen Rumsfeld manchmal anwesend ist, ist
Powell ausgeschlossen.
Das Schlüsselelement ihrer Pläne ist,
daß der Irak der natürliche "Fahrplan" ist, um gegen den Iran
vorzugehen.
Welchen Weg wird Bush schließlich nehmen? Die Antwort
liegt aller Wahrscheinlichkeit nach im Aufgabenbuch Washingtons.
Ein
weiteres US-Wahljahr nähert sich. Die übermächtige israelische
Lobby in den Vereinigten Staaten wird hart darauf drängen, gegen den Iran
vorzugehen, damit dieser keine Bedrohung mehr für Israel darstellen
kann.
Und wie Hardliner-Zionisten gerne sagen "nächstes Jahr in
Jerusalem", so hat der israelische Premierminister Ariel Sharon begonnen
"nächstes Jahr in Teheran - so Gott und Mr. Bush will" zu
murmeln.
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