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USA setzt 30 Staaten wegen
Strafgerichtshof unter Druck
von Katja Ridderbusch
Brüssel - Ein US-Ultimatum spaltet die Welt.
Mehr als 30 Staaten müssen seit gestern damit rechnen, künftig von
US-Militärhilfe abgekoppelt zu sein. Mehr als 50 Staaten haben dem Druck
aus Washington nachgegeben und bilaterale Abkommen unterzeichnet, in denen sie
sich verpflichten, keine des Völkermords und der Kriegsverbrechen
angeklagten US-Bürger an den Internationalen Strafgerichtshof
(International Criminal Court, ICC) in Den Haag auszuliefern.
Seit der "American Servicemen's Protection
Act" im vergangenen Jahr den US-Kongress passiert hatte, darf die
amerikanische Regierung Nicht-Nato-Staaten, die sich dem Abkommen widersetzen,
die Militärhilfe kürzen oder streichen. Die USA fürchten, dass
ihre in aller Welt stationierten Armeeangehörigen aus politischen
Gründen vor das Tribunal gebracht werden könnten. Viele kleine
Staaten, die zu den Gründungsmitgliedern des ICC gehören, haben
mittlerweile bilaterale Abkommen mit den USA unterzeichnet. Besonders
groß ist der Druck auf künftige EU-Mitgliedsländer und
EU-Aspiranten. Die EU unterstützt den Strafgerichtshof. Rumänien hat
ein Nichtauslieferungsabkommen mit den USA unterzeichnet, aber noch nicht
ratifiziert. Die Regierung in Bulgarien ist gespalten: Auf der einen Seite
hoffen Sofia wie Bukarest auf eine Aufnahme in die EU 2007. Auf der anderen
Seite steht ein verlockendes Versprechen: 21 Millionen Euro
US-Militärhilfe soll Bulgarien bekommen; außerdem sollen dort
US-Militärbasen angesiedelt werden.
Albanien und Bosnien haben den Vertrag mit den
USA bereits ratifiziert. Auch Mazedonien will in Kürze unterschreiben.
Serbien und Montenegro hat sich Bedenkzeit erbeten - "noch mehrere Monate"
werde es dauern, bis Belgrad zu einer Entscheidung komme, sagte
Außenminister Goran Svilanovic.
Washington schade sich mit der Abstrafung
vermeintlich illoyaler Verbündeter vor allem selbst, hieß es aus
EU-Kreisen. Mit dem Entzug der Militärhilfe für Staaten wie
Rumänien und Bulgarien verlören die USA strategisch wichtige
Verbündete im Kampf gegen Terror und torpedierten die Erweiterung der
Nato, die von Washington vorangetrieben worden war.
Auch die Parlamentarische Versammlung des Europarats
kritisiert den Versuch, die Autorität des Welttribunals zu
untergraben. "Juristisch zweifelhaft und politisch schädlich" sei auch die
Entscheidung des UN-Sicherheitsrats, US-Friedenssoldaten für ein weiteres
Jahr Immunität zu geben. Der Sicherheitsrat hatte am 12. Juni dem Antrag
der USA stattgegeben - bei Enthaltungen von Frankreich, Deutschland und
Syrien. |