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Der alte neue Hass
Wie der Antisemitismus global
wurde
Von Daniel Jonah Goldhagen
"Anti-Globalisierungsdemo in Davos. Einer verkleidet als Donald
Rumsfeld, einer als Scharon, hinter ihm das Goldene Kalb." Eine weltweite
Bewegung hat erkannt, welche Rolle das Machtjudentum im Globalismus spielt. Nie
zuvor in der Menschheitsgeschichte wurde weltweit ein so weitreichendes Wissen
über das jüdische Programm verbreitet. Globalismus: Das
Menschheitsvermögen wird in die Taschen einiger Weniger umgeleitet. Die
Anbetung des Goldenen Kalbes.
Während seiner zweiten Ära im 19. und
20. Jahrhundert nahm der Antisemitismus eine säkulare und eher
rassistische Form an, dergemäß eine internationale Verschwörung
von Juden gegen die Menschheit arbeitete. ...
Der Brennpunkt der Animosität gegenüber
Juden hat sich in überwältigendem Maß zu Juden anderer
Länder verschoben: nach Israel und in die Vereinigten Staaten, die
angeblich die moralischen und materiellen Hauptverbrecher in der
internationalen Arena seien. Für viele ist der Zionismus zu einer
mythischen Wesenheit geworden, zu einer zerstörerischen Kraft; und der
Antizionismus ist mit dem Antiamerikanismus mittlerweile so weit verwoben, dass
nationalistische Politiker in Russland ihre Furcht vor der amerikanischen
Vorherrschaft ausdrücken, indem sie sagen, Russland sei in Gefahr,
"zionisiert" zu werden.
Das Zentrum des Antisemitismus und die Richtungen
seiner Transmission sind ebenfalls neu. In den früheren Ären des
Antisemitismus floss die Dämonologie über Juden erst vom christlichen
- dann vom europäischen - Zentrum in die Peripherie. Heute gibt es viele
antisemitische Zentren, und die Dämonologie fließt in viele
Richtungen, aus Europa in den Nahen Osten und anderswo und wieder zurück.
Im Wesentlichen hat Europa seinen klassischen rassistischen und
Nazi-Antisemitismus in die arabischen Länder exportiert, die ihn auf
Israel und Juden im Allgemeinen anwandten und mit wirklichen oder eingebildeten
Merkmalen des intensiven örtlichen Konflikts überzogen.
Anschließend re-exportierten die arabischen Länder die neue
zusammengesetzte Dämonologie zurück nach Europa und in andere
Länder rund um den Globus, indem sie von den Vereinten Nationen und
anderen internationalen Institutionen Gebrauch machten. In Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und anderswo bedient sich die intensive
antisemitische Ausdrucksweise und Propaganda von heute alter Tropen, die einst
gegen die örtlichen Juden gerichtet waren - Anklagen, dass sie Chaos
säen würden, um andere zu unterjochen -, aber sie füllen diese
Tropen mit einem neuen Inhalt, der sich vor allem gegen Juden außerhalb
ihrer Länder und ihres Kontinents richtet.
Die Bilder, die den globalisierten Antisemitismus
charakterisieren, sind neu. Der Rambo-Jude hat in der antisemitischen Phantasie
im großen und ganzen Shylock ersetzt. Der schlau und heimlich
korrumpierende Jude der ersten zwei Jahrtausende des Antisemitismus, der nun
mit seiner neuen militärischen und politischen Macht bewaffnet ist, hat
sich in den unterdrückenden, brutalen und tötenden Juden verwandelt,
der die Schmutzarbeit entweder selbst verrichtet, wie in Israel, oder andere
dazu anstellt, sie für ihn zu verrichten, wie man es - phantastischerweise
- den Juden nachsagt, die mit der Bush-Regierung zu tun haben.
Ein emblematisches Bild des globalisierten
Antisemitismus ist jenes, das Donald Rumsfeld zeigt, wie er einen gelben Stern
mit der Aufschrift "Sheriff" trägt, gefolgt von Ariel Scharon, der einen
Knüppel schwingt und von einem goldenen Kalb flankiert wird. Es ist mehr
als ein Zufall, dass diese Szene, die die (putative) weltweite Natur und die
raubtierhaften Gelüste der Juden ausdrückte, für eine
Anti-Globalisierungs-Demonstration in Davos geschaffen wurde.
Der globalisierte Antisemitismus hat noch andere
wichtige und neue Merkmale - darunter seine sofortige und weltweite Verbreitung
sowohl durch das Internet als auch die einseitigen Fernsehberichte und
aufhetzenden Bilder vom Leiden der Palästinenser, die in das
antisemitische Narrativ einfließen. Weitere Kennzeichen sind seine
Vereinigung von Elementen der Rechten und Linken in Europa und sein halb
durchlässiger Deckmantel des Antizionismus. ...
Der globalisierte Antisemitismus ist Teil der
Vorurteilsstruktur der Welt geworden. Er schwebt frei, ist in vielen
Ländern und Subkulturen beheimatet und in vielen Variationen
erhältlich - und zwar für jeden, der Einflüsse aus dem Ausland,
die Globalisierung oder die Vereinigten Staaten nicht mag. Er ist unbarmherzig
international in seiner Konzentration auf Israel als Zentrum der mit Konflikten
am stärksten geplagten Region der Welt und Amerika als
allgegenwärtige Weltmacht. Er schöpft seine Kraft aus sich selbst,
mit seinen phantastischen Konstruktionen von Juden und Zionismus - die etwas
anderes sind als legitime Kritik, die man an Israels Politik üben kann -,
und er liegt völlig außerhalb der Länder und Erfahrungen der
Leute. Und er ist immer nur ein paar Mausklicks entfernt. ...
Doch das Wiedererwachen des Antisemitismus in seiner
neuen globalisierten Form bedeutete, dass es dem Judenhass wiederum gelang,
sich zu verwandeln und seine Einflusssphäre auszubreiten - sogar bis nach
Afrika und Asien. ...
Die tiefen Wurzeln des Antisemitismus im sich immer
weiter ausbreitenden globalisierten Bewusstsein und die Beharrlichkeit und
Formbarkeit, die er bewiesen hat, machen seine Auflösung
unwahrscheinlich. (Die Welt, 28.6.2003, S.
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