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09.07.2003 Rainer Rupp Junge Welt
Auf Sand gebaut
US-Besatzer planen Währungsumstellung, die Iraker teuer zu stehen kommen könnte
Die früher im Irak überall präsenten Saddam-Hussein-Bilder sind zwar verschwunden. Zum Leidwesen der USA grinst das Konterfei des jugendlichen Saddam auf den Banknoten des Vorkriegsgeldes den fremden Besatzern aber noch immer siegessicher entgegen. Um ein für allemal Saddams Bild vom Dinar zu verbannen, hat der oberste zivile Statthalter Washingtons im Irak, Paul Bremer, seine irakischen Untertanen am Montag wissen lassen, daß bereits im August das alte Geld gegen ein neues Besatzungsgeld ausgetauscht werden soll. Zugleich kündigte Bremer die Einsetzung eines neuen Stadtrats für Bagdad, den Haushalt seiner Zivilverwaltung für den Rest des Jahres 2003 in Höhe von 6,4 Milliarden US-Dollar und die Einrichtung einer nach amerikanischem Vorbild unabhängigen Zentralbank an.

Der neue Stadtrat von Bagdad, der sich aus 37 US-freundlichen, von Bremer handverlesenen Mitgliedern zusammensetzt, kann weder eigenständige Entscheidungen treffen noch Geld ausgeben. Seine Aufgabe besteht offensichtlich darin, alle US-Maßnahmen abzunicken und zugleich als Blitzableiter die wachsende Wut der Bevölkerung wegen der mangelhaften Versorgung mit den lebensnotwendigsten Gütern von den Amerikanern und ihren Soldaten abzulenken. Unter Berufung auf leitende US-Besatzungsbeamte berichtete die New York Times am Dienstag, daß »die Versorgung mit Wasser und Strom in Bagdad und einigen anderen Teilen des Landes weiterhin unter dem Vorkriegsniveau liegt«. Dies spiegele die durch Krieg, anschließende Plünderungen und zunehmende Sabotageakte verursachten Schäden wider. In der Tat richten sich viele Angriffe der Widerstandskämpfer gegen die schwer zu schützenden Hochspannungsleitungen, Pumpstationen und Pipelines.

Fraglich ist indes noch, ob die irakische Bevölkerung Bremers neues Besatzungsgeld überhaupt annehmen wird. Seit Ende der regulären Kampfhandlungen am 1.Mai hat der US-Dollar gegenüber Saddam Husseins Dinar erheblich an Wert verloren. Zeitweise kam es sogar zu Engpässen, insbesondere bei 250-Dinar-Noten, so daß sich die US-Besatzer gezwungen sahen, Zigmillionen der Noten mit Saddam-Konterfei nachzudrucken. Nicht auszuschließen ist daher, daß die populäre 250-Dinar-Saddam-Note, die bei einfachen Menschen großes Vertrauen genießt, neben dem neuen Geld weiterhin im Umlauf bleiben wird, was für die USA eine riesige Blamage wäre.

Nicht geklärt ist weiterhin, mit welchen Einnahmen Bremers Besatzungshaushalt gedeckt ist. Im Moment importiert Irak mehr Öl und Benzin, als das Land ausführt. Das soll sich bis Jahresende nach Aussagen von Energieexperten nicht wesentlich verbessern, selbst wenn die Sabotageakte nachließen. Wenn die USA in dieser Situation nicht bereit sind, die neue Währung zu garantieren, wird der Wert des neuen Geldes auf Sand statt auf schwarzem Gold gebaut sein.


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