US-Besatzer planen Währungsumstellung, die Iraker teuer
zu stehen kommen könnte Die früher im Irak überall
präsenten Saddam-Hussein-Bilder sind zwar verschwunden. Zum Leidwesen der
USA grinst das Konterfei des jugendlichen Saddam auf den Banknoten des
Vorkriegsgeldes den fremden Besatzern aber noch immer siegessicher entgegen. Um
ein für allemal Saddams Bild vom Dinar zu verbannen, hat der oberste
zivile Statthalter Washingtons im Irak, Paul Bremer, seine irakischen
Untertanen am Montag wissen lassen, daß bereits im August das alte Geld
gegen ein neues Besatzungsgeld ausgetauscht werden soll. Zugleich kündigte
Bremer die Einsetzung eines neuen Stadtrats für Bagdad, den Haushalt
seiner Zivilverwaltung für den Rest des Jahres 2003 in Höhe von 6,4
Milliarden US-Dollar und die Einrichtung einer nach amerikanischem Vorbild
unabhängigen Zentralbank an.
Der neue Stadtrat von Bagdad, der
sich aus 37 US-freundlichen, von Bremer handverlesenen Mitgliedern
zusammensetzt, kann weder eigenständige Entscheidungen treffen noch Geld
ausgeben. Seine Aufgabe besteht offensichtlich darin, alle US-Maßnahmen
abzunicken und zugleich als Blitzableiter die wachsende Wut der
Bevölkerung wegen der mangelhaften Versorgung mit den lebensnotwendigsten
Gütern von den Amerikanern und ihren Soldaten abzulenken. Unter Berufung
auf leitende US-Besatzungsbeamte berichtete die New York Times am Dienstag,
daß »die Versorgung mit Wasser und Strom in Bagdad und einigen
anderen Teilen des Landes weiterhin unter dem Vorkriegsniveau liegt«.
Dies spiegele die durch Krieg, anschließende Plünderungen und
zunehmende Sabotageakte verursachten Schäden wider. In der Tat richten
sich viele Angriffe der Widerstandskämpfer gegen die schwer zu
schützenden Hochspannungsleitungen, Pumpstationen und Pipelines.
Fraglich ist indes noch, ob die irakische Bevölkerung Bremers
neues Besatzungsgeld überhaupt annehmen wird. Seit Ende der regulären
Kampfhandlungen am 1.Mai hat der US-Dollar gegenüber Saddam Husseins Dinar
erheblich an Wert verloren. Zeitweise kam es sogar zu Engpässen,
insbesondere bei 250-Dinar-Noten, so daß sich die US-Besatzer gezwungen
sahen, Zigmillionen der Noten mit Saddam-Konterfei nachzudrucken. Nicht
auszuschließen ist daher, daß die populäre
250-Dinar-Saddam-Note, die bei einfachen Menschen großes Vertrauen
genießt, neben dem neuen Geld weiterhin im Umlauf bleiben wird, was
für die USA eine riesige Blamage wäre.
Nicht geklärt ist
weiterhin, mit welchen Einnahmen Bremers Besatzungshaushalt gedeckt ist. Im
Moment importiert Irak mehr Öl und Benzin, als das Land ausführt. Das
soll sich bis Jahresende nach Aussagen von Energieexperten nicht wesentlich
verbessern, selbst wenn die Sabotageakte nachließen. Wenn die USA in
dieser Situation nicht bereit sind, die neue Währung zu garantieren, wird
der Wert des neuen Geldes auf Sand statt auf schwarzem Gold gebaut sein. |