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14.07.2003 Rüdiger Göbel Junge Welt
Sieger in Bedrängnis
Druck auf Präsident Bush und Premier Blair wächst: Neue Rechtfertigung für Irak-Krieg
Wenn in dieser Woche der britische Premierminister Tony Blair und US-Präsident George W. Bush in Washington zusammentreffen, dann wird das kein Gipfel der Kriegsgewinner. Drei Monate nach dem Fall Bagdads lastet über beiden der Vorwurf immer schwerer, die eigene Bevölkerung im Vorfeld des Irak-Krieges belogen und betrogen zu haben. Längst ist ihr Glanz als Sieger im Irak verblaßt. Die Ironie ihrer Erfolgskriegsgeschichte: Über den schnellen Sturz von Saddam Hussein drohen auch die mächtigen Kriegsführer zu fallen. In den USA sinken die Umfragewerte für Bush mit jedem von irakischen Widerstangsgruppen getöteten GI, in Großbritannien wird Blair weiter demontiert.

Der britische Independent berichtete am Wochenende, daß das im vergangenen September von der Blair-Regierung veröffentlichte Dossier, das zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs herhalten mußte, in mehreren Punkten auf veralteten und im Internet veröffentlichten Informationen basiert. Derweil warf der ehemalige Chef der UN-Waffeninspekteure Hans Blix Blair einen »fundamentalen Fehler« bei seiner Argumentation vor dem Irak-Krieg vor. Er wisse nicht, wie die britische Regierung darauf gekommen sei, daß der Irak innerhalb von 45 Minuten biologische und chemische Waffen hätte abfeuern können, sagte Blix im Independent (Sonntagsausgabe). Mit dieser Einschätzung, die Blair vor dem Krieg dem Unterhaus des britischen Parlaments vorgetragen hatte, habe London »weit daneben« gelegen.

Blairs frühere Entwicklungshilfeministerin Clare Short forderte am Wochenende ihren Ex-chef zum Rücktritt auf. »Ich denke, das wäre im Interesse Tonys, der Labour-Partei und des ganzen Landes«, sagte Short in einem Fernsehinterview.

Der Premier trat inzwischen die Flucht nach vorn an. Er brachte auf dem Kongreß der europäischen Sozialdemokratie in Surrey bei London ein Papier in Umlauf. Es soll den Irak-Krieg auch für den Fall rechtfertigen, daß dort keine Massenvernichtungswaffen mehr gefunden werden. Der neuen »Blair-Doktrin« zufolge ist die internationale Gemeinschaft verpflichtet, ein Volk vor dem Versagen seines Staatswesens zu schützen. Sollte einem Volk infolge eines Bürgerkrieges, eines Aufstandes oder staatlichen Versagens »ernstes Unheil« widerfahren und der betreffende Staat nicht willens oder in der Lage sein, dies abzuwenden, »dann weicht das Prinzip der Nichteinmischung der internationalen Verantwortung zum Schutz«, zitierte die Zeitung aus dem Papier. Über diese Passage hätten sich Blair und Bundeskanzler Gerhard Schröder gestritten, hieß es weiter.

In den Vereinigten Staaten sprang derweil CIA-Chef George Tenet für den US-Präsidenten in die Bresche. Bush war in der vergangenen Woche unter Druck geraten, in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar wissentlich falsche Informationen über das angebliche irakische Atomwaffenprogramm verbreitet zu haben. Bush hatte der Führung in Bagdad Uran-Kaufabsichten in Niger unterstellt. Wie sich herausstellte, waren entsprechende Dokumente allerdings komplett gefälscht. Tenet übernahm nun die Verantwortung. Der Geheimdienst habe die Bush-Rede vorab gelesen und gebilligt – obwohl die Angaben zweifelhaft waren.

Das Entlastungsmanöver wackelt allerdings schon jetzt. Laut Washington Post hatte derselbe CIA-Direktor im vergangenen Oktober nämlich verhindert, daß Bush in einer Rede entsprechende Behauptungen über das irakische Atomprogramm aufstellte. Tenet habe persönlich interveniert und dabei argumentiert, die Informationen sollten nicht benutzt werden, da sie nur von einer einzigen Quelle stammten. Ausgerechnet bei der von der US-Verfassung vorgeschriebenen Rede zur Lage der Nation, die im politischen Leben der USA eine hohe symbolische Bedeutung hat, soll der Geheimdienstchef nicht mehr gewarnt haben? – Um weiteren Fragen vorzubeugen, erklärte Bushs Hauptredenschreiber Michael J. Gerson, er könne sich nicht mehr erinnern, wer die entsprechende Passage geschrieben habe.

Bush steht unter Druck. Da hilft es wenig, daß der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, am Sonntag in Bagdad einen sogenannten Regierenden Rat zusammentreten und Demokratie light simulieren ließ. Bremer behält demnach in jedem Fall und bei jeder Entscheidung das letzte Wort in Gestalt eines Vetorechts. Das Treffen sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen Verfassung und dem Ende der US-Präsenz im Irak, erklärte Washingtons erster Mann in Bagdad – wie Bush und Blair nimmt es auch Bremer mit der Wahrheit offensichtlich nicht zu allzugenau.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.