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16.07.2003 Rüdiger Göbel Junge Welt
Bush in der Klemme
USA: Rekorddefizit wegen Irak-Krieg. »Regimewechsel« in Washington gefordert
Gut drei Monate nach der Eroberung Bagdads sind die Besatzungstruppen im Irak und ihr Oberbefehlshaber, US-Präsident George W. Bush, in Bedrängnis wie nie zuvor. Die Unzufriedenheit der Iraker über die nach wie vor zerstörte Infrastruktur wächst, die Angst vor Plünderungen, Überfällen und Morden hält an. Im Gegenzug häufen sich Angriffe auf die verhaßten Besatzer. US-Soldaten und deren Verbündete sind immer öfter Ziel von immer schwereren Attacken, die die Opferzahlen nach oben treiben. Auch der Sitz des im US-Hauptquartier in Bagdad untergebrachten »Regierenden Rates«, jener von US-Zivilverwalter Paul Bremer am Wochenende eingesetzten irakischen Kollaborationsregierung, wurde mittlerweile Ziel einer Granate. Der gestürzte Saddam Hussein ist derweil immer noch auf freiem Fuß. 25 Millionen Dollar Kopfgeld brachten bislang keine entscheidenden Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Im Gegenteil: Der Gesuchte ermunterte seine Landsleute per Tonband und via TV wiederholt zur Intensivierung des Widerstands. 2500 Dollar wollen die Besatzungstruppen mittlerweile für den Verrat einfacher Guerilla-Krieger auszahlen, bar auf die Hand. Die Tips bleiben dennoch aus.

Washington bereitet indes die amerikanische Öffentlichkeit auf eine dauerhafte US-Militärpräsenz im Irak vor. Einem Bericht des Fernsehsenders CNN zufolge sollen mehrere tausend US-Soldaten auf unbegrenzte Zeit in dem Zweistromland stationiert bleiben. In Bagdad begannen die mittlerweile demoralisierten US-Soldaten, Straßennamen zu ändern: Canal Road, California Avenue oder Coors Street, benannt nach einer bekannten US-Brauerei, sind in der neuen Fassung des Stadtplans der irakischen Hauptstadt zu finden.

In den USA läuft unterdessen ob der Bush-Kriege das Staatsdefizit aus dem Ruder. Stabsmitarbeiter des Kongresses befürchten laut Washington Post und der Nachrichtenagentur Reuters ein Minus von mehr als 450 Milliarden Dollar für das Fiskaljahr 2003. Ähnliche Zahlen seien für 2004 zu erwarten. Trifft die Prognose zu, läge das Defizit 50 Prozent über den Schätzungen, die die Bush-Regierung vor fünf Monaten herausgegeben hatte. In den jetzigen Schätzungen sind erstmals die Anfangskosten der Irak-Invasion enthalten. Die Kriege in Afghanistan und Irak kosteten mit etwa 4,8 Milliarden Dollar im Monat doppelt soviel wie erwartet.

Als wäre das nicht schon genug, muß sich Präsident Bush weiter gegen Anschuldigungen wehren, seinen Landsleute vor dem Irak-Krieg nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Jeder dritte US-Bürger ist inzwischen der Meinung, Bush sei ein Lügner. Und ein Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten des US-Präsidenten ist nicht in Sicht. Der in die Defensive geratene Staatschef trat der immer lauter werdenden Kritik an seiner Begründung für den Irak-Krieg und den Informationen der Geheimdienste nun mit enthusiastischer Lobhudelei entgegen. Die Informationen, die seinen Reden zugrunde liegen, seien insgesamt »verdammt gut«, sagte Bush bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan im Weißen Haus am Montag abend (Ortszeit). Dabei wurde in den vergangenen Tagen vor allem eines deutlich: Die Angaben waren verdammt falsch. Bush hatte in seiner wichtigen Rede zur Lage der Nation im Januar mit Bezug auf britische Geheimdienstinformationen von irakischen Versuchen gesprochen, in Niger Uran zu kaufen. Die »Beweise« hierfür stellten sich mittlerweile allesamt als gefälscht heraus.

Am Wochenende hatte CIA-Chef George Tenet die Verantwortung für die Fehlinformationen übernommen, Rücktrittsforderungen aber zurückgewiesen. Bush sprach ihm sogar sein Vertrauen aus. Die oppositionellen Demokraten werfen dem Weißen Haus nun absichtliche Täuschung vor. Der US-Geheimdienst hatte zum Zeitpunkt der Bush-Rede im Januar nämlich bereits ernste Zweifel an den Angaben geäußert, die vom britischen Geheimdienst gekommen waren. London bleibt trotz zusammenbrechenden Lügenkonstrukts stur, Premierminister Tony Blair schaltete einfach auf Autopilot: Er stehe »voll und ganz« zu den Informationen, die an die Öffentlichkeit gegeben wurden. Mehr wollte er zu dem Fall nicht sagen. Seinen Außenminister Jack Straw ließ er geheimnisvoll erklären, der britische Geheimdienst verfüge über zusätzliche Informationen, die er der CIA nicht mitgeteilt habe.

Für den früheren UN-Waffeninspekteur Scott Ritter indes steht fest, daß es keinen Beweis für verbotene Waffen im Irak gibt. Am UN-Sitz in New York stellte er am Montag (Ortszeit) sein neues Buch vor. Bush habe das amerikanische Volk und den Kongreß in der Frage von irakischen Massenvernichtungswaffen belogen, sagte Ritter, der von 1991 bis 1998 eine Gruppe von UN-Waffeninspekteuren im Irak geleitet hatte. Sein Buch schließt mit den Sätzen: »Was in Amerika gebraucht wird, ist ein Regimewechsel. Irgend etwas anderes als Bush und Cheney.«


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.