Mit einer neuen Strategie will die US-Regierung
Pjöngjang provozieren Ende Mai hatte US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld die Ausarbeitung einer neue Strategie für einen Konflikt mit
Nordkorea in Auftrag gegeben: »Operational Plan 5030«. Die Existenz
von OPLAN 5030 samt einiger Details wurde jetzt in einem Artikel des
amerikanischen Nachrichtenmagazins US News and World Report (US-News)
enthüllt. Dabei seien Elemente des Plans »derart aggressiv,
daß sie einen Krieg provozieren könnten«, so das Magazin unter
Berufung auf hohe US-Beamte.
OPLAN 5030 verleiht z.B. den
US-Kommandeuren in der Region die Autorität, gefährliche Manöver
mit dem Ziel zu beginnen, die sehr begrenzten Reserven strategisch wichtiger
Ressourcen der Nordkoreaner, wie z.B. Flugbenzin oder Treibstoff für LKW
und Panzer, aufzubrauchen. Durch nicht angekündigte grenznahe
US-Manöver soll Nordkorea immer wieder in Alarmzustand versetzt werden.
Auf diese Weise hofft man, Erkenntnisse über die Lage der
Kommunikationsknotenpunkte, der militärischen Kommandozentralen und deren
Zusammenspiel im Ernstfall zu bekommen.
»Einige Dinge, die von
Fargo (Admiral Fargo, US-Oberkommandierender für den Pazifik) verlangt
werden, sind ziemlich provokant«, beurteilte ein US-Regierungsbeamter den
Plan in US-News. Für einen regulären Krieg gegen Nordkorea hat das
US-Militär selbstverständlich schon lange Pläne in den
Schubladen, wie z. B. OPLAN 5026 oder OPLAN 5027. Diese stimmen
unterschiedliche Kriegsphasen aufeinander ab und regeln das Zusammenspiel
zwischen Marine, Luftwaffe und Heer. OPLAN 5030 unterscheidet sich von diesen
Plänen dahingehend, daß es bei ihm ausschließlich um die
Einleitung einer Vorkriegsphase geht. So verwundert es nicht, daß sogar
Beamte aus dem US-Regierungslager gegenüber US-News den Plan als
»gefährlich« kritisierten, weil er die Trennlinie zwischen
Krieg und Frieden verwische.
So sieht OPLAN 5030 vor, mit den
US-Spionageflugzeugen RC-135 noch näher als bisher entlang des
nordkoreanischen Luftraums zu fliegen, um auf diese Weise Pjöngjang zu
zwingen, Abfangjäger zu starten und kostbares Kerosin zu verbrennen. Mit
überraschenden Militärmanövern sollen US-Kommandeure das
nordkoreanische Militär in die Bunker treiben, wo sie die Vorräte an
Lebensmittel und anderen Ressourcen aufbrauchen würden. Außerdem
beinhaltet OPLAN 5030 eine Reihe von taktischen Operationen zur Verbreitung von
Desinformationen.
Hinter dem Plan stünden die gleichen
Kräfte, die sich zuvor für einen »Regimewechsel« im Irak
mit Hilfe eines Krieges eingesetzt hatten, urteilt US-News. In der Tat deutet
alles darauf hin, daß OPLAN 5030 eine Blaupause für Provokationen
ist, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. Falls Nordkorea darauf reagiert und z.
B. ein US-Spionageflugzeug, das in seinen Luftraum eindringt, abschießt,
wird es damit den USA den Vorwand und die »Rechtfertigung« zu einem
Krieg liefern.
Als kürzlich der stellvertretende
US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz im Rahmen seiner Asien-Tour auch
Südkorea besuchte, hatte er mit einer »sofortigen und vernichtend
effektiven Antwort«, gedroht, falls Pjöngjang seine
»Aggressionen« fortsetze. Zugleich hatte er eine Umstrukturierung
der im Süden stationierten US-Streitkräfte befohlen. Aus ihren neuen
Positionen heraus sollen sie besser in der Lage sein, einen mobilen Krieg gegen
den Norden zu führen. Die Volksrepublik hat daher wiederholt
unterstrichen, daß sie sich mit der Entwicklung von Atomwaffen gegen die
Aggressionspläne der USA schützen will.
In der vergangenen
Woche habe Pjöngjang die Bush-Regierung wissen lassen, daß es
ausreichend Plutonium produziert habe, um ein halbes Dutzend Atomwaffen
herzustellen, und daß sie damit schnell beginnen würden, berichtete
die New York Times am Montag unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte in
Washington. |