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22.07.2003 Rainer Rupp Junge Welt
Schwindende Moral der GIs
Das Pentagon greift im Irak inzwischen auf alte Männer und Wochenendsoldaten zurück
»Up yours, asshole«, war die Reaktion des US-Sergeants auf das Zuwinken eines vorbeifahrenden irakischen Jugendlichen in der 200000-Einwohner-Stadt Falludscha, eines der Zentren des irakischen Widerstandes gegen die fremden Besatzungstruppen. Und er fügte hinzu: »Oh Gott, wie ich diese Leute hasse«. So zitierte jüngst der Reporter einer britischen Tageszeitung den US-Feldwebel Ronald Black von der Dritten US-Infanteriedivision. Trotz wiederholter Versprechungen, bald nach Hause gehen zu können, bekamen die US-Soldaten kürzlich den Befehl, bis zum Herbst vor Ort auszuharren.

Nach übereinstimmenden Berichten hat die Moral der US-Soldaten im Irak-Einsatz einen Tiefpunkt erreicht. Inmitten einer feindlichen Umgebung müssen sie sich in voller Montur bei 40 Grad im Schatten ständig »als lebende Zielscheiben« fühlen. Entsprechend verärgert und ungehalten reagieren die GIs bei ihren Patrouillen. Immer wieder kommt es zu tragischen »Irrtümern« der GIs, die so ihren im Irak erworbenen Ruf als brutale und schießwütige Soldateska bestätigen. Damit aber erreicht das US-Militär genau das Gegenteil dessen, was die fünf vom Pentagon eingesetzten unabhängigen Experten in ihrem jüngsten Bericht als oberste Priorität genannt haben: die »Herzen und Köpfe« der Iraker zu erobern. Ansonsten, so heißt es in dem Bericht, könnte das Land innerhalb von drei Monaten für die US-Besatzer vollkommen unregierbar werden. Kürzlich berichtete CNN, wie sich nach einem Angriff auf US-Truppen in Bagdad eine irakische Menschenmenge zusammenfand und beim Abtransport eines toten GIs in Minuten langen Jubel ausbrach.

Jüngsten Berichten zufolge gärt es sogar in den ländlichen Keimzellen des amerikanischen Nationalismus. Ein Beispiel bietet das 30000 Einwohner kleine Militärstädtchen Hinesville im US-Bundesstaat Georgia, wo die Dritte US-Infanetriedivision beheimatet ist. Hier können auch die riesigen US-Flaggen und Plakate, die an jeder Straßenecke »patriotisch« Gottes Segen für Amerika und seine Truppen im Irak erbitten, nicht über die zunehmende Unzufriedenheit der Soldatenfrauen und Angehörigen hinwegtäuschen. Medienberichten zufolge ist das »Klima von Angst bestimmt, die leicht in Wut umschlagen könnte«. Die Moral der Angehörigen und der dort noch stationierten Soldaten sei inzwischen sehr niedrig. Laut Patrick Donahue, Redakteur der Lokalzeitung Coastal Courier, sind die Soldatenfrauen »sehr enttäuscht – es grenzt fast an Wut und Verbitterung«. Die Tatsache, daß die US-Truppen im Irak nicht als Befreier gefeiert werden, ist für viele ein Schock.

Nicht nur in Briefen an Angehörige und ihre Vertreter im US-Kongreß machen die Soldaten inzwischen ihrem Ärger und der Enttäuschung über die politische und militärische Führung Luft, sondern auch in den Medien. »Ich habe meine eigene ›Liste der am meisten gesuchten‹ (Verbrecher - R.R). Die Asse in meinem Kartenspiel sind Paul Bremer, Donald Rumsfeld, George Bush und Paul Wolfowitz«, wurde ein namentlich nicht genannter US-Feldwebel von dem amerikanischen Nachrichtensender ABC-News kürzlich zitiert. »Ich habe mein Vertrauen in die Army verloren«, sagte auch US-Soldat Jayson Punyhotra, der sich nicht scheute, seinen Namen zu nennen. Und der GI Clinton Deitz sagte, er würde »Donald Rumsfeld auffordern, sofort zurückzutreten«.

Da sich solche abfälligen Äußerungen von GIs in den Medien gehäuft haben, wollen kommandierende Offiziere bereits Verfahren wegen »Wehrkraftzersetzung« anberaumen. Dennoch steht das Pentagon vor einem Dilemma. Es steht zu befürchten, daß viele der für teures Geld ausgebildeten GIs ihre Verträge nicht mehr verlängern oder vorzeitig kündigen werden. Das geschähe zu einem Zeitpunkt, zu dem das Pentagon Soldaten dringender braucht denn je. Zunehmend greift das Pentagon auch für den Einsatz im Irak auf sogenannte Wochenendsoldaten der Nationalgarde zurück und öffnet damit unfreiwillig eine weitere gefährliche Flanke. Denn diese Männer kommen mitten aus dem zivilen Leben, wo sie als Feuerwehrleute, Postboten, Techniker oder Lehrer arbeiten. Der am 9. Juli von einem irakischen Scharfschützen getötete 55jährige US-Feldwebel Roger Dale Rowe war bereits siebenfacher Großvater. Nun will das Pentagon weitere 10000 Nationalgardisten in den Irak schicken.

Mit jedem Verwundeten oder Getöteten rückt der Krieg im Irak derweil stärker ins Bewußtsein der amerikanischen Bevölkerung. Der tägliche Blutzoll und die Berichte über Beisetzungen und trauernde Familien in der Regionalpresse haben nicht nur in den Medien inzwischen Erinnerungen an Vietnam geweckt. So könnte Bushs »glorreicher Sieg« im Irak noch rechtzeitig zu den Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr zu seiner politischen Niederlage werden.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.