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29.07.2003   Junge Welt
US-Armee räumt Versagen ein
General Sanchez: Angriffe gegen Besatzungstruppen im Irak immer raffinierter
Der Widerstand gegen die Besatzungstruppen im Irak ist immer effektiver. Zu diesem Schluß kam der US-Oberbefehlshaber der US-Bodentruppen im Irak, General Ricardo Sanchez. Die Angriffe auf die US-Truppen seien zunehmend ausgefeilt, sagte er am Sonntag abend freimütig im US-Fernsehsender CNN. Sanchez wies zudem Berichte, seine Soldaten im Irak hätten den entmachteten Präsidenten Saddam Hussein bei einer Razzia am Wochenende nur um 24 Stunden verfehlt, als »Spekulation« zurück.

Gleichzeitig erklärte General Sanchez, der Irak werde immer mehr zu einem »Magneten für Terroristen aus dem Ausland«, für die die Amerikaner ein Gelegenheitsziel darstellten. Damit hätten die USA genau jenes Ziel erreicht, für dessen angebliche Beseitigung sie den illegalen Krieg begonnen hatten: Die Golf-Invasion war von der US-Regierung auch damit begründet worden, daß Bagdad international Terroristen unterstütze und der Irak allmählich ein Hort für Terroristen werde.

In der Nacht zum Montag wurde in Bakuba 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad erneut ein US-Soldat bei einem Guerilla-Angriff getötet. Zwei weitere amerikanische Soldaten wurden verletzt. Unklarheit herrschte zunächst über die Folgen eines Angriffs in Bagdad. Zwei US-Soldaten hätten Verletzungen erlitten, als Unbekannte am Montag von einer Brücke aus einen Sprengsatz auf einen Konvoi warfen, erklärte die US-Armee. Demnach wurde ein Militärtransporter auf einer Hauptstraße im Zentrum Bagdads getroffen. Nach Angaben irakischer Soldaten wurden dabei indes drei US-Soldaten getötet. Ein Augenzeuge sprach von zwei getöteten Soldaten.

Derweil fanden US-Soldaten in der irakischen Stadt Tikrit ein frisch angelegtes Waffenlager. Es war nur 400 Meter vom Hauptquartier der 4. Infanteriedivision entfernt eingerichtet worden. 40 Panzerminen, schwere Munition und rund 100 Kilogramm Sprengstoff seien dort vergraben worden, teilten die Besatzungstruppen am Montag mit. Die Waffen seien offenbar für Angriffe auf die US-Truppen bestimmt gewesen, sagte Major Bryan Luke. Das Gelände, auf dem sie entdeckt wurden, sei erst vor einer Woche kontrolliert worden.

Ein am Samstag festgenommener Journalist des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira wurde am Montag wieder freigelassen, wie der Sender berichtete. Die Besatzungstruppen in Mosul hätten aber seine Videoaufnahmen beschlagnahmt, die den Beschuß eines irakischen Fahrzeugs durch US-Soldaten zeigten.

In den USA wetterte derweil der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz gegen die Überbringer schlechter Nachrichten. In scharfer Form kritisierte der Pentagon-Vize arabische Medien wegen »falscher und für unsere Truppen gefährlicher Berichterstattung«. Der TV-Sender Al Dschasira habe wahrheitswidrig über eine Festnahme eines Schiitenführers berichtet, worauf es Angriffe gegen die »Sicherheitskräfte« gegeben habe, sagte Wolfowitz in einem Interview des Fernsehsenders Fox News. Mitverantwortlich seien auch die Regierungen der Länder, in denen die Medien ihren Sitz hätten. Man habe inzwischen mit der Regierung von Katar, dem Sitz von Al Dschasira, gesprochen. Die Antworten seien »nicht zufriedenstellend« gewesen, sagte Wolfowitz. Die US-Regierung müsse nun prüfen, was zu tun sei. Es sei nicht tolerabel, daß Medien, die früher dem Regime Saddam Husseins zugeneigt gewesen seien, nun Haß gegen Amerika säten.

In Bagdad trat am Montag unterdessen der von US-Zivilverwalter Paul Bremer eingesetzte »Regierende Rat« wieder zusammen. Das 25köpfige Gremium streitet zur Zeit über den Vorsitz und die Wahl der Minister. Das Ratsmitglied Ijad Alawi bestritt, daß es bereits eine von den USA fertige Namensliste gebe. Seitens westlicher Diplomaten hieß es zuvor, die britischen und US-Besatzer hätten eine entsprechende Liste vorbereitet und den Mitgliedern des irakischen Übergangsrats vorgelegt.

(AFP/AP/jW)


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