General Sanchez: Angriffe gegen Besatzungstruppen im Irak
immer raffinierter Der Widerstand gegen die Besatzungstruppen im Irak ist
immer effektiver. Zu diesem Schluß kam der US-Oberbefehlshaber der
US-Bodentruppen im Irak, General Ricardo Sanchez. Die Angriffe auf die
US-Truppen seien zunehmend ausgefeilt, sagte er am Sonntag abend freimütig
im US-Fernsehsender CNN. Sanchez wies zudem Berichte, seine Soldaten im Irak
hätten den entmachteten Präsidenten Saddam Hussein bei einer Razzia
am Wochenende nur um 24 Stunden verfehlt, als »Spekulation«
zurück.
Gleichzeitig erklärte General Sanchez, der Irak werde
immer mehr zu einem »Magneten für Terroristen aus dem
Ausland«, für die die Amerikaner ein Gelegenheitsziel darstellten.
Damit hätten die USA genau jenes Ziel erreicht, für dessen angebliche
Beseitigung sie den illegalen Krieg begonnen hatten: Die Golf-Invasion war von
der US-Regierung auch damit begründet worden, daß Bagdad
international Terroristen unterstütze und der Irak allmählich ein
Hort für Terroristen werde.
In der Nacht zum Montag wurde in
Bakuba 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad erneut ein US-Soldat bei einem
Guerilla-Angriff getötet. Zwei weitere amerikanische Soldaten wurden
verletzt. Unklarheit herrschte zunächst über die Folgen eines
Angriffs in Bagdad. Zwei US-Soldaten hätten Verletzungen erlitten, als
Unbekannte am Montag von einer Brücke aus einen Sprengsatz auf einen
Konvoi warfen, erklärte die US-Armee. Demnach wurde ein
Militärtransporter auf einer Hauptstraße im Zentrum Bagdads
getroffen. Nach Angaben irakischer Soldaten wurden dabei indes drei US-Soldaten
getötet. Ein Augenzeuge sprach von zwei getöteten Soldaten.
Derweil fanden US-Soldaten in der irakischen Stadt Tikrit ein frisch
angelegtes Waffenlager. Es war nur 400 Meter vom Hauptquartier der 4.
Infanteriedivision entfernt eingerichtet worden. 40 Panzerminen, schwere
Munition und rund 100 Kilogramm Sprengstoff seien dort vergraben worden,
teilten die Besatzungstruppen am Montag mit. Die Waffen seien offenbar für
Angriffe auf die US-Truppen bestimmt gewesen, sagte Major Bryan Luke. Das
Gelände, auf dem sie entdeckt wurden, sei erst vor einer Woche
kontrolliert worden.
Ein am Samstag festgenommener Journalist des
arabischen Fernsehsenders Al Dschasira wurde am Montag wieder freigelassen, wie
der Sender berichtete. Die Besatzungstruppen in Mosul hätten aber seine
Videoaufnahmen beschlagnahmt, die den Beschuß eines irakischen Fahrzeugs
durch US-Soldaten zeigten.
In den USA wetterte derweil der
stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz gegen die
Überbringer schlechter Nachrichten. In scharfer Form kritisierte der
Pentagon-Vize arabische Medien wegen »falscher und für unsere
Truppen gefährlicher Berichterstattung«. Der TV-Sender Al Dschasira
habe wahrheitswidrig über eine Festnahme eines Schiitenführers
berichtet, worauf es Angriffe gegen die »Sicherheitskräfte«
gegeben habe, sagte Wolfowitz in einem Interview des Fernsehsenders Fox News.
Mitverantwortlich seien auch die Regierungen der Länder, in denen die
Medien ihren Sitz hätten. Man habe inzwischen mit der Regierung von Katar,
dem Sitz von Al Dschasira, gesprochen. Die Antworten seien »nicht
zufriedenstellend« gewesen, sagte Wolfowitz. Die US-Regierung müsse
nun prüfen, was zu tun sei. Es sei nicht tolerabel, daß Medien, die
früher dem Regime Saddam Husseins zugeneigt gewesen seien, nun Haß
gegen Amerika säten.
In Bagdad trat am Montag unterdessen der von
US-Zivilverwalter Paul Bremer eingesetzte »Regierende Rat« wieder
zusammen. Das 25köpfige Gremium streitet zur Zeit über den Vorsitz
und die Wahl der Minister. Das Ratsmitglied Ijad Alawi bestritt, daß es
bereits eine von den USA fertige Namensliste gebe. Seitens westlicher
Diplomaten hieß es zuvor, die britischen und US-Besatzer hätten eine
entsprechende Liste vorbereitet und den Mitgliedern des irakischen
Übergangsrats vorgelegt.
(AFP/AP/jW) |