Die Gefahren genetisch veränderter Organismen, die
Interessen der multinationalen Konzerne und die Manipulationen durch die
Medien Die brasilianische Gesellschaft wird jeden Tag mit
verfälschten Nachrichten von LobbyistInnen großer multinationaler
Konzerne bombardiert, die uns genetisch verändertes Saatgut aufzwingen
wollen, als ob es eine Notwendigkeit wäre; eine Frage des Fortschritts.
Diese Konzerne präsentieren dazu lediglich vermeintliche Vorteile und
verbergen die Gefahren für die Gesellschaft sowie für unsere
nationale und nahrungspolitische Souveränität. Aber was steht hier
denn wirklich auf dem Spiel?
Auf der einen Seite befinden sich die
transnationalen Unternehmen wie Monsato, Cargill, Bung, Du Pont, Sygenta und
Bayer, die großes Interesse an der Steigerung ihrer Profite und an der
Kontrolle des Monopols über jenes Saatgut haben. Auf der anderen Seite
stehen die Interessen der ehrlichen FarmerInnen und des brasilianischen Volkes.
Dies ist die tatsächliche Konfrontation, die rund um das Thema genetisch
veränderter Organismen (GVO) heraufbeschwört wird.
Bei ihren
Anstrengungen, die Kontrolle über die brasilianische Landwirtschaft zu
gewinnen und das Saatgutmonopol, insbesondere auf den Feldern des Soja-, Mais-,
Sonnenblumen- und Baumwollanbaus, fest zu zurren, behaupten die Unternehmen und
ihre LobbyistInnen, dass die GVO produktiver und Gewinn bringender als das
Saatgut ihrer KonkurrentInnen seien. Wenn allerdings der Profit das
entscheidende Kriterium für die Herstellung landwirtschaftlicher Produkte
sein sollte, dann dürfte nur noch der Anbau von Tabak und Marihuana
gefördert werden! Bauern besitzen eine Verantwortung, Nahrungsmittel zu
produzieren. Gesunde Nahrungsmittel, die die gesamte Bevölkerung sicheren
Gewissens zu sich nehmen kann.
Eine Sorte genmanipulierten Mais musste
in den Vereinigten Staaten bereits aufgrund der fatalen Auswirkungen auf die
Gesundheit der Menschen und Tiere, vollständig vernichtet werden. Und
dennoch sind bislang keine Studien durchgeführt worden, um die Sicherheit
von manipulierten Sojasaatgut einzuschätzen, so dass diese Pflanzen, die
möglicherweise ebenfalls negative Folgen für die menschliche
Gesundheit haben könnten, immer noch im Umlauf sind. Außerdem ist
bewiesen worden, dass die zwingend erforderliche Verbindung solchen Saatguts
mit dem intensiven Gebrauch von Agrargiften über Jahre hinweg den Gehalt
des Bodens und die Umwelt in verheerender Weise beeinflusst. Deshalb werden
seit vier Jahren legale Maßnahmen gegen den Konzern Monsato unternommen,
der es nicht bewerkstelligte, einen Bericht vorzulegen, der die Behauptungen
des Unternehmens unterstützt, nach denen ihre Sojapflanzen der
brasilianischen Umwelt keinen Schaden zufüge ein Bericht, der von
der Verfassung Brasiliens gefordert wird.
Auf der ganzen Welt wird auf
nur 10% des bebauungsfähigen Landes genetisch manipuliertes Saatgut
verwendet während 95% dieser weltweit genetisch veränderten
Organismen in lediglich drei Staaten angebaut werden: in den Vereinigten
Staaten, Kanada und in Argentinien, wo transnationale Konzerne den Markt
kontrollieren. Warum ziehen es also alle anderen Länder vor, vorsichtiger
mit dieser Sache umzugehen?
Rund um den Erdball, und insbesondere in
Europa und Asien, treten die VerbraucherInnen dem Konsum genetisch
veränderter Produkte, deren Risiken für die Gesundheit unbekannt
sind, ablehnend gegenüber. Die Brasilianer und Brasilianerinnen
heißen den Gebrauch der Biotechnologie gut und in der Tat wurde sie in
der gesamten Geschichte angemessen eingesetzt. Wir halten jedoch den Einsatz
biotechnologischer Mittel ausschließlich dann für sinnvoll, wenn sie
gegenüber der Öffentlichkeit und der Zukunft der Umwelt verantwortbar
sind.
Wenn wir jedoch die Möglichkeit besitzen, unsere
Bevölkerung mit den Endprodukten eines sichereren und wesentlich
gesünderen Saatgutes zu ernähren, warum sollten wir dann das Risiko
genetisch manipulierter Organismen auf uns nehmen? Nur Monsatos
größeren Gewinnspannen zuliebe?
Monsato versucht, den Anbau
des genetisch manipulierten Saatgutes auf jede erdenkliche Weise durchzusetzen,
weil es womöglich die letzte Chance des Konzerns ist. In den Vereinigten
Staaten hat das Unternehmen eine Millionen U.S. Dollar verloren während
die Aktien im vergangenen Jahr zusätzlich um 27% fielen. Monsato erhielt
damit die geringste Notierung an der New Yorker Börse. Nichtsdestotrotz
besitzt das Unternehmen die Arroganz, den brasilianischen ExporteurInnen und
Bauern Patentgebühren aufbürden zu wollen. Damit begingen diese
gleichteitig zwei Verbrechen: den illegalen Anbau mit Giften vermischter
Sojasamen, die aus Argentinien eingeschmuggelt würden. Monsato sollte die
Gebühren vielmehr von der FARSUL, einem Zusammenschluss der
Gauchos (argentinischer GroßgrundbesitzerInnen) erheben, die
das genetisch manipulierte Saatgut verteilen!
Brasilien benötigt
Gesetze, die das Recht, das Volk zu schützen, garantiert und die
verhindern, dass transnationalen Konzerne ein Saatgutmonopol halten und somit
die nationale Souveränität attackieren. Bisher dient dazu die
vorsorgliche Maßnahme 113, der das gesamte
AbgeordnetInnenhaus zugestimmt hat und die einen zeitlich befristeten Handel
mit der diesjährigen Ernte Argentiniens erlaubt, aber zugleich den Anbau
genetisch manipulierten Saatguts zu Handelszwecken weiterhin strikt verbietet.
Die Regierung bereitet unterdessen ein neues, endgültiges Gesetz vor, das
dem Kongress innerhalb des nächsten Monat vorgelegt wird und das die
vorsorgliche Maßnahme 13 ersetzen soll.
Eine
tiefgreifendere Debatte wird trotzdem mit der brasilianischen Gesellschaft
den VerbraucherInnen in den Städten - geführt werden
müssen. Die BrasilianerInnen müssen ihre Stimmen erheben und Druck
auf die Regierung und das Parlament ausüben.
Der U.S. Konzern
Monsato hat schon Millionen für Lobbyarbeit, Kampagnen, Delegationen in
die Vereinigten Staaten, Werbepropaganda in den Medien, Informationsfutter
für die JournalistInnen und KommentatorInnen ausgegeben, nur um die
eigenen Profite zu sichern. Wir hoffen, dass die brasilianische Regierung und
die Mitglieder des Parlaments auf der Seite der Menschen und nicht auf der
Seite des U.S. amerikanischen Kapitals stehen werden. Dies ist eine Frage der
öffentlichen Gesundheitsversorgung sowie der nationalen und
nahrungspolitischen Souveränität. Falls sich die Regierung und der
Kongress aber auf die falsche Seite schlagen sollten, werden sie von den
Menschen und der Geschichte zur Rechenschaft gezogen werden!
(aus dem
Portugiesischen ins Englische von ALAI)
Joao Pedro Stedile ist
Vorsitzender der MST (Movimento dos Sem Terra = der brasilianischen
Landlosenbewegung) und von Via Campesina
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