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20.07.2003 von Joao Pedro Stedile
Übersetzt von: Christian Stache
Orginalartikel: "Brazil"
ZNet
Brasilien

Die Gefahren genetisch veränderter Organismen, die Interessen der multinationalen Konzerne und die Manipulationen durch die Medien

Die brasilianische Gesellschaft wird jeden Tag mit verfälschten Nachrichten von LobbyistInnen großer multinationaler Konzerne bombardiert, die uns genetisch verändertes Saatgut aufzwingen wollen, als ob es eine Notwendigkeit wäre; eine Frage des Fortschritts. Diese Konzerne präsentieren dazu lediglich vermeintliche Vorteile und verbergen die Gefahren für die Gesellschaft sowie für unsere nationale und nahrungspolitische Souveränität. Aber was steht hier denn wirklich auf dem Spiel?

Auf der einen Seite befinden sich die transnationalen Unternehmen wie Monsato, Cargill, Bung, Du Pont, Sygenta und Bayer, die großes Interesse an der Steigerung ihrer Profite und an der Kontrolle des Monopols über jenes Saatgut haben. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der ehrlichen FarmerInnen und des brasilianischen Volkes. Dies ist die tatsächliche Konfrontation, die rund um das Thema genetisch veränderter Organismen (GVO) heraufbeschwört wird.

Bei ihren Anstrengungen, die Kontrolle über die brasilianische Landwirtschaft zu gewinnen und das Saatgutmonopol, insbesondere auf den Feldern des Soja-, Mais-, Sonnenblumen- und Baumwollanbaus, fest zu zurren, behaupten die Unternehmen und ihre LobbyistInnen, dass die GVO produktiver und Gewinn bringender als das Saatgut ihrer KonkurrentInnen seien. Wenn allerdings der Profit das entscheidende Kriterium für die Herstellung landwirtschaftlicher Produkte sein sollte, dann dürfte nur noch der Anbau von Tabak und Marihuana gefördert werden! Bauern besitzen eine Verantwortung, Nahrungsmittel zu produzieren. Gesunde Nahrungsmittel, die die gesamte Bevölkerung sicheren Gewissens zu sich nehmen kann.

Eine Sorte genmanipulierten Mais musste in den Vereinigten Staaten bereits aufgrund der fatalen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und Tiere, vollständig vernichtet werden. Und dennoch sind bislang keine Studien durchgeführt worden, um die Sicherheit von manipulierten Sojasaatgut einzuschätzen, so dass diese Pflanzen, die möglicherweise ebenfalls negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben könnten, immer noch im Umlauf sind. Außerdem ist bewiesen worden, dass die zwingend erforderliche Verbindung solchen Saatguts mit dem intensiven Gebrauch von Agrargiften über Jahre hinweg den Gehalt des Bodens und die Umwelt in verheerender Weise beeinflusst. Deshalb werden seit vier Jahren legale Maßnahmen gegen den Konzern Monsato unternommen, der es nicht bewerkstelligte, einen Bericht vorzulegen, der die Behauptungen des Unternehmens unterstützt, nach denen ihre Sojapflanzen der brasilianischen Umwelt keinen Schaden zufüge – ein Bericht, der von der Verfassung Brasiliens gefordert wird.

Auf der ganzen Welt wird auf nur 10% des bebauungsfähigen Landes genetisch manipuliertes Saatgut verwendet während 95% dieser weltweit genetisch veränderten Organismen in lediglich drei Staaten angebaut werden: in den Vereinigten Staaten, Kanada und in Argentinien, wo transnationale Konzerne den Markt kontrollieren. Warum ziehen es also alle anderen Länder vor, vorsichtiger mit dieser Sache umzugehen?

Rund um den Erdball, und insbesondere in Europa und Asien, treten die VerbraucherInnen dem Konsum genetisch veränderter Produkte, deren Risiken für die Gesundheit unbekannt sind, ablehnend gegenüber. Die Brasilianer und Brasilianerinnen heißen den Gebrauch der Biotechnologie gut und in der Tat wurde sie in der gesamten Geschichte angemessen eingesetzt. Wir halten jedoch den Einsatz biotechnologischer Mittel ausschließlich dann für sinnvoll, wenn sie gegenüber der Öffentlichkeit und der Zukunft der Umwelt verantwortbar sind.

Wenn wir jedoch die Möglichkeit besitzen, unsere Bevölkerung mit den Endprodukten eines sichereren und wesentlich gesünderen Saatgutes zu ernähren, warum sollten wir dann das Risiko genetisch manipulierter Organismen auf uns nehmen? Nur Monsatos größeren Gewinnspannen zuliebe?

Monsato versucht, den Anbau des genetisch manipulierten Saatgutes auf jede erdenkliche Weise durchzusetzen, weil es womöglich die letzte Chance des Konzerns ist. In den Vereinigten Staaten hat das Unternehmen eine Millionen U.S. Dollar verloren während die Aktien im vergangenen Jahr zusätzlich um 27% fielen. Monsato erhielt damit die geringste Notierung an der New Yorker Börse. Nichtsdestotrotz besitzt das Unternehmen die Arroganz, den brasilianischen ExporteurInnen und Bauern Patentgebühren aufbürden zu wollen. Damit begingen diese gleichteitig zwei Verbrechen: den illegalen Anbau mit Giften vermischter Sojasamen, die aus Argentinien eingeschmuggelt würden. Monsato sollte die Gebühren vielmehr von der FARSUL, einem Zusammenschluss der “Gauchos” (argentinischer GroßgrundbesitzerInnen) erheben, die das genetisch manipulierte Saatgut verteilen!

Brasilien benötigt Gesetze, die das Recht, das Volk zu schützen, garantiert und die verhindern, dass transnationalen Konzerne ein Saatgutmonopol halten und somit die nationale Souveränität attackieren. Bisher dient dazu die “vorsorgliche Maßnahme 113”, der das gesamte AbgeordnetInnenhaus zugestimmt hat und die einen zeitlich befristeten Handel mit der diesjährigen Ernte Argentiniens erlaubt, aber zugleich den Anbau genetisch manipulierten Saatguts zu Handelszwecken weiterhin strikt verbietet. Die Regierung bereitet unterdessen ein neues, endgültiges Gesetz vor, das dem Kongress innerhalb des nächsten Monat vorgelegt wird und das die “vorsorgliche Maßnahme 13” ersetzen soll.

Eine tiefgreifendere Debatte wird trotzdem mit der brasilianischen Gesellschaft – den VerbraucherInnen in den Städten - geführt werden müssen. Die BrasilianerInnen müssen ihre Stimmen erheben und Druck auf die Regierung und das Parlament ausüben.

Der U.S. Konzern Monsato hat schon Millionen für Lobbyarbeit, Kampagnen, Delegationen in die Vereinigten Staaten, Werbepropaganda in den Medien, Informationsfutter für die JournalistInnen und KommentatorInnen ausgegeben, nur um die eigenen Profite zu sichern. Wir hoffen, dass die brasilianische Regierung und die Mitglieder des Parlaments auf der Seite der Menschen und nicht auf der Seite des U.S. amerikanischen Kapitals stehen werden. Dies ist eine Frage der öffentlichen Gesundheitsversorgung sowie der nationalen und nahrungspolitischen Souveränität. Falls sich die Regierung und der Kongress aber auf die falsche Seite schlagen sollten, werden sie von den Menschen und der Geschichte zur Rechenschaft gezogen werden!

(aus dem Portugiesischen ins Englische von ALAI)

Joao Pedro Stedile ist Vorsitzender der MST (Movimento dos Sem Terra = der brasilianischen Landlosenbewegung) und von Via Campesina

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