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Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
15.07.2003 Mostafa Elhady  
B. Michael, Jedioth Achronoth
Wenn es sich nicht um meinen eigenen Buckel handeln würde, und wenn nicht
Menschenleben auf dem Spiel stünden, könnte man mit kühler akademischer
Faszination beobachten, wie die beiden Gesellschaften, die israelische
und die palästinensische, sich wieder in das Spiel vertiefen, das Ehud
Barak für sie erfunden hat: Mea Culpa? Tua Culpa? Der Gewinner dieses
Spiels ist der, der es schafft, dass die andere Seite von der Welt für
den Zusammenbruch des politischen Prozess, einer erklärten Feuerpause
und auch nur einer momentären Beruhigung verantwortlich gemacht wird.Das
letzte Tournier hat Israel mit einem glänzenden Sieg gewonnen. Vor allem
deshalb, da die palästinensische Seite die Spielregeln nicht kannte und
eigentlich auch gar nicht begriff, dass es sich um ein Spiel handelt.
Wie wutentbrannte Gänse stürzten sie sich in die Fallen, die man ihnen
stellte, sowohl in Camp David als auch auf dem Tempelberg, und plötzlich
waren sie die Schuldigen an dem abscheulichen Blutbad, das
folgte.Seither sind fast drei Jahre vergangen. Jahre gegenseitigen
Tötens, hässliche Jahre, grausame, kompromisslose und nutzlose Jahre.
Und jetzt beginnt ein neues Tournier. Die erbarmungslose Welt hat Israel
wieder an den Verhandlungstisch gezwungen, und wieder stellt sich die
schicksalhafte Frage: wer wird an dem Scheitern schuld sein. Diesmal
wissen jedoch beide Seiten, um welches Spiel es sich hier handelt.
Diesmal wissen auch die Palästinenser den Wert der Schuld zu schätzen,
wenn sie der anderen Seite an den Hals gehängt wird. Es scheint, dass
die palästinensische Mannschaft die Lehren der ersten Runde
verinnerlicht und begriffen hat, dass der mörderische Rausch nur den
Theo-Faschisten und Chauvinisten beider Völker dient, und beginnt jetzt,
klug und überlegt vorzugehen.Man hätte ja eigentlich annehmen können,
dass sich in diesen drei Jahren etwas Wesentliches geändert hat. Die
traurige Wahrheit ist jedoch, dass sich an den Zielen der beiden Seiten
überhaupt nichts geändert hat. Die palästinensische Regierung will für
seine Untertanen nach wie vor einen Staat östlich der Grenzen 67 und ist
bereit, dafür mit einem Friedensabkommen zu bezahlen. Die jetzige
israelische Regierung will für seine Untertanen nach wie vor einen Staat
westlich der Grenzen 67 und ist bereit, dafür mit einer Fortsetzung des
Kriegs zu bezahlen. Und weil ziemlich klar ist, dass eine solche Kluft
ein Abkommen unmöglich macht, bleibt nichts anderes übrig, als sich auf
die Last der Schuld zu konzentrieren.Israel öffnete mit dem Einsatz
"übernehmen Sie Verantwortung". Die Palästinenser zögerten ein wenig,
erholten sich jedoch schnell und parierten mit einer Annahme des
Einsatzes. Israel regierte flink mit einer kleinen Liquidierung. Die
Palästinenser blieben cool. In einem wagemutigen Schritt nahm Israel in
einer Nacht Dutzende "gesuchte Terroristen" fest. Die Palästinenser
überraschten mit einer raffinierten Reaktion und erklärten Condoleezza
Rice die Grenzen des Trennzauns von Sharon und brachten sie damit ein
wenig auf ihre Seite..Sharon musste darauf hin ein wenig nachgeben, um
den Druck des amerikanischen Schiedsrichters zu verringern. Die
Palästinenser schickten Abu-Masen und Dahlan immer wieder an die Front,
und der unrasierte palästinensische Dämon verlor in aller Welt
zunehmende seine Hörner.Israel stand vor einem kleinen Problem. Eine
dramatische Maßnahme war angesagt. Die "Gesten-Teams" analysierten die
interessante Situation, die entstanden war, und es wurde beschlossen,
lautstark zu verkünden, dass ganz diskret die Besuche jüdischer Gruppen
auf dem Tempelberg wieder aufgenommen wurden. Ein brillanter Trick. Der
Islamische Jihad, der sich stets auf der Suche nach einem Grund für die
Rückkehr auf die mörderische Schiene befindet (ohne die er keine
Existenzberechtigung hat), verübte ganz schnell einen Mord, um "den
Tempelberg zu läutern". Ein kurzer Hoffnungsschimmer für die Fans der
israelischen Regierung, die palästinensische Führung brach jedoch nicht
zusammen.Jetzt konzentriert sich Israel auf den Trick der
"freigelassenen Häftlinge". Israel erklärt den Palästinensern immer
wieder, es würden nur einige hundert Häftlinge freigelassen, und zwar
noch folgender Aufteilung: ein Drittel von ihnen sind Häftlinge, die
niemals vor Gericht gestellt wurden, und von denen kaum jemand weiß,
warum sie überhaupt in Haft sind. Beim zweiten Drittel handelt es sich
um schwer arbeitende Familienväter, die eigentlich nur Brot nach Hause
bringen wollten und auf dem Weg ohne Aufenthaltsgenehmigung erwischt
wurden. Und das dritte Drittel setzt sich aus einer besonders
abstoßenden Mischung aus Kriminellen, Vergewaltigern, Autodieben und
Räubern zusammen, die die palästinensische Seite genauso braucht wie
eine neue Siedlung. "Wenn sie das nicht aus dem Häuschen bringt, dann
gar nichts", lacht die israelische Seite giftig. In der Zwischenzeit
beißen die Palästinenser die Zähne zusammen und versuchen, die
internationalen Schiedsrichter zu überzeugen, dass es sich um einen
klassischen Trick handelt, der schon häufig erfolgreich angewandt
wurde.So sieht es also im Moment aus: Ein Unentschieden mit leichtem
Vorsprung der Palästinenser und zunehmender Spannung auf dem
Spielfeld.Und wenn es nicht mein eigener Buckel wäre, und wenn es sich
nicht um Menschenleben handeln würde, könnte ich weiter ein faszinierter
Zuschauer sein, der gespannt auf die nächsten Spielzüge wartet.
hagalil.com 15-07-03
Mostafa Elhady


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