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  H.-W. Graf Zeitreport
Abgesang auf einen Mythos:

Demokratie – die süße Mär

Mit kaum einem Begriff wird so manipulativ und korruptiv, zumindest jedoch unbedacht, unbedenklich und ungeniert bedenkenlos hantiert, wie mit „Demokratie“ – zumeist noch mit  Prä-  und  Suffixen  nahezu  beliebiger  Art  („sozial-“,  „christlich-“,  „liberal-“   bzw.

„-fähig“, „-legitimiert“, etc.) garniert. Freundlicherweise darf den Nutzern dieser Versatzphrasen unterstellt werden, daß sie schlicht zu dumm sind, das Ausmaß der geistig-emotionalen Verwüstung zu erahnen, die sie mit ihrer Gedankenlosigkeit anrichten. Vielen aber muß man unterstellen, daß sie sehr wohl um die perfide Inhaltsleere dieses Begriffes wissen und ihn ganz gezielt zur Manipulation der Massen, zur Stimulierung von Zielgruppen sowie zur vorgeblichen Rechtfertigung ihrer Argumentation, ihres Handelns und der von ihnen verabschiedeten Gesetze verwenden, besser: mißbrauchen.

Christian, mein Sohn, war etwa 11 Jahre alt, als er erstmals mit den Tücken falsch verstandener Demokratie in Berührung kam: Seine Karriere im Knabenchor hatte mit sich gebracht, daß er für Auslandsreisen sehr oft vom Unterricht befreit wurde, was einerseits den Neid seiner Klassenkameraden erregte, andererseits ihn mehr und mehr zum Außenseiter werden ließ. Kurzerhand „beschlossen“ seine Schulkameraden mehrheitlich, ihn dafür „bestrafen“ zu müssen – sie plazierten auf seinem Pult eine ‚Todesanzeige’ und erklärten darin, daß ‚er für die Klasse gestorben’ sei. Eine Minderheit seiner MitschülerInnen unterlag bei dieser Abstimmung.

Meine Frau und ich nahmen dies damals zum Anlaß, ihm einerseits zu helfen, mit dieser psychologisch schwierigen Situation fertig zu werden [1] , andererseits aber auch, ihn mit dem Phänomen vertraut zu machen, daß oftmals zwar die Mehrheit den Ton angibt (und dies mitunter sehr laut), nicht selten jedoch genau diese Mehrheit nur zustande kommt, weil das entsprechende Hintergrundwissen fehlt, Entscheidungen leicht zu treffen sind, wenn man sich nicht informiert und außerdem eine quantitative Mehrheit noch nichts über die Qualität der daraus resultierenden Mehrheitsentscheidung aussagt.

In diesem Zusammenhang führten wir dann in der Familie auch unsere ganz private Demokratie ein, d.h. Christian hatte ab sofort einen Sitz und eine Stimme im Familienrat. Vorbedingung war jedoch, daß jeder nur dann sein Stimmrecht ausübt, wenn er zuvor über den zur Entscheidung anstehenden Sachverhalt eingehend informiert wird, um sein demokratisches Stimmrecht auch verantwortungsbewußt ausüben zu können.

Christian fand dieses „Spiel“ höchst interessant und aufregend – nicht selten zum „Nachteil“ seiner Eltern, die sich deshalb oftmals in heiße Diskussionen über Sachverhalte und Zusammenhänge verstrickt fanden; „wenn Demokratie, dann auch richtig“, lautete Christians Überzeugung.

Nie jedoch mißbrauchte Christian sein Votum, wenngleich er oftmals darüber klagte, daß er mit entsprechenden Vorschlägen im Kreis seiner Schulkollegen und Freunde zumeist Unverständnis und wenig Zustimmung erntete.

Die Geschichte der Demokratie ...

... ist etwa 2.600 Jahre alt und fußt auf der Idee Athener Griechen, die Entscheidungsgewalt in der polis, speziell wenn es um kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarn ging, nicht mehr ausschließlich den Herrschern zu überlassen, sondern Beschlüsse auf die jeweils Kompetentesten im Stadtstaat Athen zu verteilen. Die dazu grundlegenden Gedanken verdanken wir wohl Herakleitos von Ephesos (etwa 545 bis 480 v.u.Z.) und dem Vater der Geschichte, Herodot (ca. 484 bis 425 v.u.Z.), der auf seinen zahlreichen Reisen die Sitten und Gebräuche der Lyder, Perser, Ägypter, Babylonier und Skyten studierte. Speziell im Disput mit seinen Freunden Perikles und Sophokles und geprägt durch die Perser-Kriege, machte er sich wohl erstmals Gedanken über das Problem der Führung von Menschen in einer wissenschaftlichen Tiefe, die in früheren Zeiten undenkbar gewesen wäre. Speziell der Bruch mit der Vorstellung, der jeweilige Herrscher sei auf göttliches Geheiß eingesetzt und folgerichtig auch mehr diesem als seinem Volk gegenüber verantwortlich, öffnete den gedanklichen Korridor für das, was bereits Solon (etwa 640 bis 560 v.u.Z.) veranlaßte, die sozialen Gegensätze zu entschärfen, die Schulden der Kleinbauern zu streichen und die Sklaverei als Folge von Verschuldung zu verbieten. Es war Solon, der erstmals die Bevölkerung nach ihrem Besitzstand (also nicht nach angestammtem Adel) in Klassen einteilte (vier), denen er bestimmte politische Rechte zuordnen ließ. In Solons Verantwortungs-Zuweisung (auf vier Ebenen) kann man bereits den attischen Demokratisierungsprozeß erkennen, dem Athen seine spätere Vormachtstellung im Kranz der vielen hundert Gemeinden und (Klein- und) Stadtstaaten verdanken sollte.

Dieser Gedanke versickerte jedoch nach dem Niedergang Athens weitestgehend, und auch die Römer, deren politische Denk- und Sprach-Kultur in hohem Maße von den ionischen Griechen geprägt worden war, verschütteten den ursprünglichen Demokratiegedanken weitgehend und ersetzten ihn durch ein elitäres Senatorenwahlrecht, eine Art Rätesystem, welches bis zur Usurpation durch Cäsar staatspolitisch eher als pseudodemokratische Kosmetik denn als wirkliche Demokratie bezeichnet werden muß.

Wortgetreu muß ‚demos kratein’ als ‚Herrschaft durch das Volk’ bzw. ‚Herrschaft des Volkes’ beschrieben werden, wobei zu allen Zeiten die Bestimmbarkeit des demokratiefähigen Teils des Volkes bestimmten Regeln unterworfen wurde. Aber eben diese Unklarheit barg in sich gleichzeitig auch die originären Webfehler jeder Demokratie - und das bis heute.

Wer ist wahlberechtigter Teil der demos?

Schon die Frage, wessen Stimmrecht zählt, wirft erhebliche Probleme auf: Soll nach Köpfen – unabhängig von Alter und Geschlecht – entschieden werden? Muß man erst ein bestimmtes Alter (16, 18 oder älter) erreicht haben, um – unabhängig vom Entwicklungsstand, der Ausbildung und anderen Kriterien – Sitz und Stimme in der Gruppe der Wahlberechtigten zu haben? Muß der Stimm-berechtigte diese Stimmberechtigung durch irgendeinen Nachweis an Kenntnissen über den Sachverhalt, über den es zu entscheiden gilt, belegen? Können und dürfen sich nur von den Auswirkungen einer demokratischen Entscheidung Betroffene per demokratischer Akklamation äußern und über zur Entscheidung anstehende Sachverhalte demokratisch mitentscheiden? Gilt das demokratische Stimmrecht nur für dauerhaft Ansässige? Ist die Nationalität oder ein bestimmter Mindestaufenthalt Voraussetzung für die Ausübung eines demokratischen Votums? Dürfen national Zugehörige auch während eines Daueraufenthalts über Belange demokratisch mitentscheiden, die ihr Heimatland betreffen? Können des Lesens und Schreibens Unkundige überhaupt ein qualifiziertes demokratisches Votum abgeben? Wer trägt bei einer demokratischen Entscheidung das Irrtums-Risiko? – dies gilt insbesondere bei schwierigen politischen oder z.B. wissenschaftlichen Entscheidungen, deren geistige/funktionale Reichweite den Horizont der damit zumeist nicht befaßten, aber eben die Mehrheit stellenden Masse der Bevölkerung grundsätzlich übersteigt. Oder sollte sich das Stimmrecht an den Lebensjahren (hoffnungsbedingt: Lebenserfahrung) oder der Höhe der jeweils gezahlten Steuern orientieren?

 

Kurz: Wer bestimmt demokratisch die Spielregeln der Demokratie? Wer soll/darf unter welchen Umständen zu welchen Sachverhalten sein demokratisches Votum abgeben? Und: Wie soll man demokratisch über die Regeln der Demokratie abstimmen? 

Theorie und Praxis

Genau diese o.a. Fragen sind in sämtlichen während der letzten 2.500 tausend Jahren formierten Demokratien nie grundsätzlich beantwortet worden, vielmehr bestimmten unter den jeweiligen Verhältnissen einige Wenige über eine Grundsätzlichkeit, die eigentlich – geht man wort- und sinngetreu vor – nie von einer demokratisch qualifizierten Mehrheit beschlossen wurde. Das Ganze gleicht ein wenig der Frage, was zuerst da war: das Huhn oder das Ei? Und oftmals gelang es Despoten und anderen Machthungrigen nur durch Zwang, Irreführung, Desinformation oder auf korruptivem Wege, sich die jeweiligen Mehrheiten zu sichern, um ihren ureigenen Interessen zur Geltung zu verhelfen. Man denke hierbei an das ausschließlich von Geld und Show-Effekten beeinflußte Wahlverhalten der Amerikaner, den Stimmenkauf in Rußland, der zum Einzug in die Duma (und damit der Sicherheit gegen Strafverfolgung) verhilft. Nicht viel anders sehen die pseudo-demokratischen Verhältnisse in Deutschland aus, wo bereits lange vor den Bundestagswahlen weit mehr als 50 % aller künftigen Abgeordneten auf Listenplätzen abgesicherter sind und keinerlei Interesse am wirklichen Votum der Bürger haben. Auch Hitler wurde von 1933 bis 1939 vom europäischen Ausland als demokratisch gewählter Führer des Deutschen Reiches angesehen und hofiert, obwohl er niemals demokratisch gewählt wurde, sondern ihn der greise Hindenburg in einem letzten Akt von Hilflosigkeit mit der Führung des Deutschen Reiches betraute.

Klar (und keiner Diskussion wert) ist, daß nicht zu jedem Sachverhalt das Votum der Mehrheit (welcher? s.o.) eingeholt werden kann. Aber wenn man das Delegationsprinzip und die demokratische Zuordnung von aktiven Wahlrechten auf nächst höhere Ebenen konsequent durchzöge, bliebe immer noch die Frage, warum die Stimme eines Singles quasi ebenso viel zählt wie die eines mit einer ausländischen Ehefrau verheirateten Deutschen, der zwei oder drei Kinder in seiner Familie ernährt.

Ein ganzer Kranz von ketzerischen Fragen tut sich auf, wenn man die kleptomanischen Züge der Parteien-Demokratur im deutschen Parlamentarismus einer Prüfung nach dem demokratischen Urgedanken unterzöge. Beamte, öffentlich-(un)rechtlich Bedienstete (vor allem Lehrer und Juristen) und (halb)staatliche Institutionen haben sich sämtliche Kommunal-, Landes-Parlamente sowie den Bundestag längstens unter den Nagel gerissen [2] und beherrschen wie ehedem die Clans der Fürsten, Barone und Grafen (mit einem höchst undemokratisch gewählten König/Kanzler an der Spitze) dieses Land mit seinen 82 Millionen Einwohnern. Dabei kümmern sich diese Reichsverweser zum eigenen Nutzen nur in unvermeidbaren Fällen um das reichlich löcherige, vor allem jedoch in keiner Weise demokratisch verabschiedete Grundgesetz. Was (überparteilich) allen Parlamentariern dient, führt auch ganz schnell zu – pseudo-demokratisch beschlossenen – Änderungen des Grundgesetzes –  mehr als 50 mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949.

Die meisten Bundestagsabgeordneten haben bezüglich der fachlichen Inhalte der Gesetze, über die sie – „demokratisch“ legitimiert – beschließen, nicht den Hauch einer Ahnung. Wo bleibt da der demokratische Auftrag? [3]

Fraktokratie

Da es immer mehr Arme als Reiche, Mieter statt Vermieter, Unselbständige statt Selbständiger, Ängstliche statt Mutiger, Verantwortungsarme statt Verantwortungsbereiter, weniger Gebildete statt Gebildeter geben wird, ist es – eine entsprechende Verantwortungslosigkeit, Machtgier und Skrupellosigkeit vorausgesetzt – ein Leichtes, mit der jeweiligen Mehrheit im Rücken die beinahe natürliche Minderheit auszuhebeln, diese zu enteignen, in ihren Rechten zu beschneiden und dem Willen der Mehrheit zu unterwerfen. Etwas polemisch ausgedrückt könnte man sagen: „Gewinne die Masse der Dummen durch populistische Versprechen und ausgrenzende, demagogische Hetze gegen Minderheiten, dann ist sie auf „demokratischem“ Wege leicht zum Sieg über die Gebildeten, Wohlhabenderen und sonstig zahlenmäßig unterlegene Gruppen zu führen“.

Dieses „Rezept“ funktionierte im Laufe der Geschichte immer wieder und bereitete damit – unter der wehenden Fahne frakturierter Demokratie – den Boden für unzählige Katastrophen und Kriege.

Auf demokratischem Wege gelang den Menschen noch niemals eine wirkliche Reform, die Besinnung auf einen natürlicheren Umgang mit der Welt, der Natur und ihren Schätzen. Die verantwortungslose Ausnutzung der Beliebigkeit, Bequemlichkeit und Unselbständigkeit der Massen schaffte zwar oftmals den scheinbar demokratischen Rahmen für gewaltige Veränderungen in den Lebensumständen der Menschheit, dies ging jedoch – von Historikern im nachhinein mühsam erklärt – regelmäßig vor allem zu Lasten derjenigen, die zuvor durch ihren  erhöhten Einsatz überhaupt erst ermöglichten, daß die von ihnen geschaffenen Umstände durch frakturierte, pseudo-demokratisierte Aktivitäten ausgenutzt oder über den Haufen geworfen werden konnten. Mithin herrschen nicht die Mitglieder der demos, sondern entsprechend manipulierte, mit Versprechungen geköderte, ansonsten aber fachlich, sachlich und inhaltlich völlig unbeteiligte Fraktionen – weshalb ich mir erlaube, den (sicher ehrlicheren) Begriff der ‚Fraktokratie’ (= der jeweilige Bruchteil der demos herrscht) einzuführen.

Das korruptive Mäntelchen der Demokratie

Seit der Aufklärung zermarterten sich Denker und Philosophen in Westeuropa in bisweilen regelrecht putzig anmutender Weise den Kopf – manche schwadronierten auch bloß im Sinne des Zeitgeistes über die Frage, nach welchen Regeln und Gesetzen man eine demokratische Grundordnung im Sinne eines modernen Staates errichten könne. Stand hierbei zu Beginn vor allem die radikale Ablehnung des Adels und eines ihn krönenden Usurpators, so kamen auch große Denker wie Hegel und Kant realiter keinen Schritt weiter; sie alle scheiterten am Desinteresse der Massen, die sie weder mit ihren Worten erreichen, noch mit ihren Schriften dazu motivieren konnten, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Früher oder später zogen sie sich dann in die apolitische Ecke (Goethe, Schopenhauer, Nitzsche) zurück oder wuchteten in literarischer Weise gegen den drögen Untertanengeist und tumben Stumpfsinn der Massen in ihrer Zeit (Schiller). Die Vertreter der Frankfurter Schule – gefährliche Pseudo-Demokraten auf der Schleimspur des Sozialkriminellen Marx (dem gnädigstenfalls unterstellt werden muß, er habe „seinen“ Hegel nie wirklich verstanden) -, dürfen als Kollaborateure eines Gedankens genannt werden, den man am besten mit „pseudo-demokratisch verkleisterter Aufwiegelung (vorgeblich) unterprivilegierter Massen“ beschreiben könnte.

Dem Urgedanken der Demokratie nach solonischem Denken, demzufolge es der Masse der Bevölkerung dann gut/besser gehen würde, wenn ihr die Chance der qualifizierten (nicht quantifizierten!) Mitbestimmung, des Gehörtwerdens und des persönlichen Einbringens gestattet wäre, folgten die „demokratischen“ Rattenfänger [u.a. die Vertreter der ‚Frankfurter Schule’ und ihre (noch) lebenden Nachfahren] ganz sicher nicht. Nur pars pro toto: Weder wäre – unter wirklich demokratischen Gesichtspunkten – jemals ein Krieg ausgebrochen, noch kann es im (ursächlich) demokratisch verstandenen Sinne der Mehrheit sein, daß z.B. das Gesundheits- und Rentenwesen, die Schulbildung und eine, jeden Bürger der Freiheit zur persönlichen Entfaltung beraubende Arbeitswelt nur nach Bequemlichkeits- und Beliebigkeitskriterien geordnet und auf niedrigstem Niveau verankert und mit Unsummen verwaltet (und vergewaltigt) werden.

Die persönliche Freiheit kann immer nur Grundlage der persönlichen demokratischen Rechte sein, umgekehrt bedingt ein demokratisches Wahlrecht per se auch die persönliche Freiheit des Einzelnen, sich aus klarer Überlegung und wirklichem Verantwortungsbewußtsein erst dann seines demokratischen Stimmrechtes zu bedienen, wenn er sich mit dem zur Disposition stehenden Sachverhalt zuvor intensiv beschäftigt hat, um sich daraus eine eigene Meinung bilden zu können, statt sich nach opportunistischen Beliebigkeitsmomenten einer besonders laut schreienden Mehrheit anzuschließen oder systemisch verblendeten, skrupellosen Politikern das „Denken“ zu überlassen.

Unter tatsächlich demokratischen Umständen wären mutmaßlich die Bushs, Blairs, Schröders und Chiracs, aber auch die gewerkschaftlichen Maulhuren und sonstigen parasitären Profiteure der gegenwärtigen Fraktokratie längst zum Teufel gejagt worden – mit dem Gros ihrer Heloten, Zuflüsterer und Steigbügelhalter. Es gäbe keinen Euro, kein nur wenige Schmarotzer aushaltendes Zwangs-Kammerwesen. Zehntausende von Gesetzen und Verordnungen verschwänden schlagartig. Die dann (wie eigentlich schon heute) nicht mehr benötigten öff.-(un)rechtl. Bediensteten müßten sich wirklich sinnstiftende Arbeitsplätze suchen – die es aber in einem liberalisierten Arbeitsmarkt, frei von erwürgenden Steuern und staatlicher Wegelagerei mehr als reichlich gäbe. Die demos würde wieder mündig und eigenverantwortlich, weil Verweigerung und Ausstieg wieder ins Obligo des Einzelnen fiele. Daß dies nicht zu asozialer Verelendung für wirklich Bedürftige und Kranke führte, beweisen weltweit Familien, Kommunen und humanitäre Organisationen, die – aller staatlicher Willkür und unbotmäßiger Einmischung zum Trotz – da helfen, wo Not am Mann ist.

Fazit: Die Demokratie in all ihren seit 2,5 Jahrtausenden geprobten Szenarien und Facetten ist und bleibt ein Theoretikon, das nicht in anonymisierter Weise als Massenveranstaltung funktionieren kann – je amorpher die Masse der Betroffenen, desto besser! -, sondern nur im Kreise (und Kontext) einer Gruppe mit grundsätzlich gleichgerichteter Zielsetzung (Familie, mittelständischer Betrieb, Gemeinde, Wohnungseigentümergemeinschaft, etc.). Sich zur Rechtfertigung eigenen Handelns auf eine nicht dazu qualifizierte Mehrheit einer ansonsten amorphen Masse zu berufen, ist schlicht unehrlich und – im perikleischen Sinne – in höchstem Maße unethisch. Wer sich dieser Worthülse, des theoretischen Gedankenkonstruktes ‚Demokratie’ bedient, handelt zuallermeist zum Vorteil einer im Sinne der Interessen der demos schädlichen Minderheit, die er unter dem Mantel der Demokratie in zweckdienlich übler Weise manipuliert und korrumpiert, indem er ihr bequeme Vorteile und paradiesische Verhältnisse in Aussicht stellt, die sie ansonsten nur mit Mühe, Arbeit und unter persönlichem Einsatz erzielen könnte. In Wahrheit geht es ihm ausschließlich um eigene Vorteile, Macht und bequeme Vorteilsnahme – ohne den mühevollen Weg jedweder Qualifizierung und zulasten seiner Umwelt. Dies gilt für die zumeist völlig unqualifizierten Parvenues in Parteien und Gewerkschaften ebenso wie für Religionen und (andere) Sekten, Ideologien jeder Art, aber auch für sich den Zielen der Manipulation und Korruption unterwerfende Medien, Werbung und weite Teile des Finanz- und Wirtschaftslebens. Unter der Flagge demokratisch-motivierter Benevolenz segeln unser Justiz- und Bildungswesen, Bürokratie und Steuerwesen – kurz: die vornehmlich staatlichen und öffentlich-(un)rechtlichen Zwangskartelle, inklusive ihrer Subsysteme – den Lobby- und Verbändestaat, das Zwangskammerwesen der IHKs und HWKs u.v.m.

Die listige Schlange aus dem Garten Eden, Nikolaus und Weihnachtsmann, der Rattenfänger von Hameln und sämtliche weltliche wie religiöse Heilsverkünder lassen schön grüßen!

Gegen welch gewaltige Mauern man aber mit derartigen Überlegungen anrennt, mag an einem Beispiel dokumentiert werden: Welchem klar denkenden Menschen würde nicht der geballte Zorn der Massen entgegenschlagen oder gar der Scheiterhaufen drohen, wenn er auf die Unsinnigkeit der Grundlagen unserer westeuropäischen Nachbarn, der Franzosen, hinwiese, die sich jährlich rhythmisch zu Jubelfeiern am 14. Juli versammeln, um sich dem pseudo-demokratischen Wahn von Liberté,Egalité et Fraternité“ hinzugeben. Jeder über das Niveau eines Klippschülers hinaus denkende Mensch müßte eigentlich stutzig werden; Egalité/Gleichheit (aller) steht der Liberté/Freiheit (des Einzelnen) diametral gegenüber, ja sie schließen einander buchstäblich gegenseitig aus. Davon abgesehen: Die Mehrheit der in Westeuropa lebenden Menschen ist weiblichen Geschlechts. Wann endlich kommt einer auf die Idee, die Fraternité/Brüderlichkeit durch Schwesterlichkeit (Sororité) zu ersetzen?

Demokratie – in der heute mißbrauchten Wortbedeutung – ist eine verbale Farce, eine bewußte Irreführung der damit manipulierten Massen, ein intellektueller Tritt in den Hintern jedes mitdenkenden Menschen, eine Beleidigung für jedes natürlich genutzte, also noch nicht vernormierte Gehirn.

Veritable Demokratie bedingt eine auf eine generell gleich ausgerichtete Zielgröße vereinte soziale Entität, die sich endogen darauf geeinigt hat und innerhalb derer jeder ‚Teilnehmer’ das Recht wahrt, sich dem gemeinsamen Kodex zu unterstellen (s.o.) oder zu versagen, ohne damit seine Existenz gefährdet zu sehen.

Eine möglichst große – und demzufolge immer amorphere Gemeinschaft (Familie – Kommune – Region – Bundesland – Staat – EU – Welt) unter „demokratische“ Kuratel zwingen zu wollen, ist nicht nur irreal und unsinnig (das eigentliche Ziel, der Zweck der Demokratie geht damit verloren, weil die demos die Entscheidungsgrundlage gar nicht mehr als ihre eigene erkennt), sondern verrät die Motive der hinter derartigen „Demokratisierungs“bemühungen stehenden ‚Drahtzieher’ – die Unterjochung andersartiger, ihren Interesse im Wege stehender (aber schwächeren) Sozialitäten (wiederum Familien, Kommunen, ....) und entlarvt sich damit als höchst inhumane, ja sogar zynisch-menschenverachtende Brutalität, die auf andersartige Kulturalität, individuelle Lebensgestaltung und menschenwürdige Freiheitlichkeit nicht die mindeste Rücksicht nimmt. Hier lauert z.B. auch das wahre Problem der „Globalisierung“, der weltweiten Amerikanisierung, des Raubbaus an Natur und Umwelt.

Wer Ihnen – Hauptverdächtige sind hierbei die Politiker – künftig mit dem Begriff ‚Demokratie’ [4] vor der Nase herumwedelt, dem sollten Sie grundsätzlich im besonderen Maße mißtrauen; er dürfte Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – ob skrupellos oder dummdreist sei dahingestellt - belügen und schamlos ausnützen wollen.

                                                                                                                                            H.-W. Graf



[1] Der damalige „Anführer“ wurde später sein bester Freund.

[2] Rund 75% aller deutschen Parlamentarier sind öff.-(un)rechtl. Bedienstete, Beamte und Gewerkschaftler.

[3] Zumeist haben sie nicht mal zeitlich die Möglichkeit, diese zu lesen und zu studieren.

[4] Gleiches gilt für „sozial“, „christlich“, „freiheitlich“ oder „moralisch“!



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