Demokratie die süße
Mär
Mit kaum einem Begriff
wird so manipulativ und korruptiv, zumindest jedoch unbedacht, unbedenklich und
ungeniert bedenkenlos hantiert, wie mit Demokratie
zumeist noch mit Prä- und Suffixen nahezu
beliebiger Art (sozial-,
christlich-, liberal-
bzw.
-fähig,
-legitimiert, etc.) garniert. Freundlicherweise darf den
Nutzern dieser Versatzphrasen unterstellt werden, daß sie schlicht zu
dumm sind, das Ausmaß der geistig-emotionalen Verwüstung zu erahnen,
die sie mit ihrer Gedankenlosigkeit anrichten. Vielen aber muß man
unterstellen, daß sie sehr wohl um die perfide Inhaltsleere dieses
Begriffes wissen und ihn ganz gezielt zur Manipulation der Massen, zur
Stimulierung von Zielgruppen sowie zur vorgeblichen Rechtfertigung ihrer
Argumentation, ihres Handelns und der von ihnen verabschiedeten Gesetze
verwenden, besser: mißbrauchen.
Christian, mein Sohn, war
etwa 11 Jahre alt, als er erstmals mit den Tücken falsch verstandener
Demokratie in Berührung kam: Seine Karriere im Knabenchor hatte mit sich
gebracht, daß er für Auslandsreisen sehr oft vom Unterricht befreit
wurde, was einerseits den Neid seiner Klassenkameraden erregte, andererseits
ihn mehr und mehr zum Außenseiter werden ließ. Kurzerhand
beschlossen seine Schulkameraden mehrheitlich, ihn
dafür bestrafen zu müssen sie plazierten auf
seinem Pult eine Todesanzeige und erklärten darin,
daß er für die Klasse gestorben sei. Eine
Minderheit seiner MitschülerInnen unterlag bei dieser Abstimmung.
Meine Frau und ich nahmen dies
damals zum Anlaß, ihm einerseits zu helfen, mit dieser psychologisch
schwierigen Situation fertig zu werden [1]
, andererseits aber auch, ihn mit dem Phänomen vertraut zu
machen, daß oftmals zwar die Mehrheit den Ton angibt (und dies mitunter
sehr laut), nicht selten jedoch genau diese Mehrheit nur zustande kommt, weil
das entsprechende Hintergrundwissen fehlt, Entscheidungen leicht zu treffen
sind, wenn man sich nicht informiert und außerdem eine quantitative
Mehrheit noch nichts über die Qualität der daraus resultierenden
Mehrheitsentscheidung aussagt.
In
diesem Zusammenhang führten wir dann in der Familie auch unsere ganz
private Demokratie ein, d.h. Christian hatte ab sofort
einen Sitz und eine Stimme im Familienrat. Vorbedingung war jedoch, daß
jeder nur dann sein Stimmrecht ausübt, wenn er zuvor über den zur
Entscheidung anstehenden Sachverhalt eingehend informiert wird, um sein
demokratisches Stimmrecht auch verantwortungsbewußt ausüben
zu können.
Christian
fand dieses Spiel höchst interessant und aufregend
nicht selten zum Nachteil seiner Eltern, die sich deshalb oftmals
in heiße Diskussionen über Sachverhalte und Zusammenhänge
verstrickt fanden; wenn Demokratie, dann auch richtig,
lautete Christians Überzeugung.
Nie jedoch mißbrauchte Christian
sein Votum, wenngleich er oftmals darüber klagte, daß er mit
entsprechenden Vorschlägen im Kreis seiner Schulkollegen und Freunde
zumeist Unverständnis und wenig Zustimmung erntete.
Die Geschichte der Demokratie ...
... ist etwa 2.600 Jahre alt und fußt auf der
Idee Athener Griechen, die Entscheidungsgewalt in der polis,
speziell wenn es um kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarn ging, nicht
mehr ausschließlich den Herrschern zu überlassen, sondern
Beschlüsse auf die jeweils Kompetentesten im Stadtstaat Athen zu
verteilen. Die dazu grundlegenden Gedanken verdanken wir wohl
Herakleitos von Ephesos (etwa 545 bis 480 v.u.Z.)
und dem Vater der Geschichte, Herodot (ca. 484 bis 425 v.u.Z.),
der auf seinen zahlreichen Reisen die Sitten und Gebräuche der Lyder,
Perser, Ägypter, Babylonier und Skyten studierte. Speziell im
Disput mit seinen Freunden Perikles und Sophokles
und geprägt durch die Perser-Kriege, machte er sich wohl erstmals
Gedanken über das Problem der Führung von Menschen in einer
wissenschaftlichen Tiefe, die in früheren Zeiten undenkbar gewesen
wäre. Speziell der Bruch mit der Vorstellung, der jeweilige Herrscher sei
auf göttliches Geheiß eingesetzt und folgerichtig auch mehr diesem
als seinem Volk gegenüber verantwortlich, öffnete den gedanklichen
Korridor für das, was bereits Solon (etwa 640 bis 560
v.u.Z.) veranlaßte, die sozialen Gegensätze zu entschärfen, die
Schulden der Kleinbauern zu streichen und die Sklaverei als Folge von
Verschuldung zu verbieten. Es war Solon, der erstmals die
Bevölkerung nach ihrem Besitzstand (also nicht nach angestammtem Adel) in
Klassen einteilte (vier), denen er bestimmte politische Rechte zuordnen
ließ. In Solons Verantwortungs-Zuweisung (auf vier Ebenen)
kann man bereits den attischen Demokratisierungsprozeß erkennen,
dem Athen seine spätere Vormachtstellung im Kranz der vielen
hundert Gemeinden und (Klein- und) Stadtstaaten verdanken sollte.
Dieser Gedanke versickerte jedoch nach dem Niedergang
Athens weitestgehend, und auch die Römer, deren politische
Denk- und Sprach-Kultur in hohem Maße von den ionischen
Griechen geprägt worden war, verschütteten den
ursprünglichen Demokratiegedanken weitgehend und ersetzten ihn durch ein
elitäres Senatorenwahlrecht, eine Art Rätesystem, welches bis zur
Usurpation durch Cäsar staatspolitisch eher als
pseudodemokratische Kosmetik denn als wirkliche Demokratie bezeichnet
werden muß.
Wortgetreu muß demos kratein
als Herrschaft durch das Volk bzw. Herrschaft des
Volkes beschrieben werden, wobei zu allen Zeiten die Bestimmbarkeit
des demokratiefähigen Teils des Volkes bestimmten Regeln unterworfen
wurde. Aber eben diese Unklarheit barg in sich gleichzeitig auch die
originären Webfehler jeder Demokratie - und das bis heute.
Wer ist wahlberechtigter Teil der demos?
Schon die Frage, wessen Stimmrecht zählt, wirft
erhebliche Probleme auf: Soll nach Köpfen unabhängig von Alter
und Geschlecht entschieden werden? Muß man erst ein bestimmtes
Alter (16, 18 oder älter) erreicht haben, um unabhängig vom
Entwicklungsstand, der Ausbildung und anderen Kriterien Sitz und Stimme
in der Gruppe der Wahlberechtigten zu haben? Muß der Stimm-berechtigte
diese Stimmberechtigung durch irgendeinen Nachweis an Kenntnissen über den
Sachverhalt, über den es zu entscheiden gilt, belegen? Können und
dürfen sich nur von den Auswirkungen einer demokratischen Entscheidung
Betroffene per demokratischer Akklamation äußern und über zur
Entscheidung anstehende Sachverhalte demokratisch mitentscheiden? Gilt das
demokratische Stimmrecht nur für dauerhaft Ansässige? Ist die
Nationalität oder ein bestimmter Mindestaufenthalt Voraussetzung für
die Ausübung eines demokratischen Votums? Dürfen national
Zugehörige auch während eines Daueraufenthalts über Belange
demokratisch mitentscheiden, die ihr Heimatland betreffen? Können des
Lesens und Schreibens Unkundige überhaupt ein qualifiziertes
demokratisches Votum abgeben? Wer trägt bei einer demokratischen
Entscheidung das Irrtums-Risiko? dies gilt insbesondere bei schwierigen
politischen oder z.B. wissenschaftlichen Entscheidungen, deren
geistige/funktionale Reichweite den Horizont der damit zumeist nicht
befaßten, aber eben die Mehrheit stellenden Masse der Bevölkerung
grundsätzlich übersteigt. Oder sollte sich das Stimmrecht an den
Lebensjahren (hoffnungsbedingt: Lebenserfahrung) oder der Höhe der jeweils
gezahlten Steuern orientieren?
Kurz: Wer bestimmt
demokratisch die Spielregeln der Demokratie? Wer soll/darf unter
welchen Umständen zu welchen Sachverhalten sein demokratisches
Votum abgeben? Und: Wie soll man demokratisch über die Regeln der
Demokratie abstimmen?
Theorie und
Praxis
Genau diese o.a. Fragen sind in
sämtlichen während der letzten 2.500 tausend Jahren formierten
Demokratien nie grundsätzlich beantwortet worden, vielmehr bestimmten
unter den jeweiligen Verhältnissen einige Wenige über eine
Grundsätzlichkeit, die eigentlich geht man wort- und sinngetreu vor
nie von einer demokratisch qualifizierten Mehrheit beschlossen wurde.
Das Ganze gleicht ein wenig der Frage, was zuerst da war: das Huhn
oder das Ei? Und oftmals gelang es Despoten und anderen
Machthungrigen nur durch Zwang, Irreführung, Desinformation oder auf
korruptivem Wege, sich die jeweiligen Mehrheiten zu sichern, um ihren ureigenen
Interessen zur Geltung zu verhelfen. Man denke hierbei an das
ausschließlich von Geld und Show-Effekten beeinflußte Wahlverhalten
der Amerikaner, den Stimmenkauf in Rußland, der zum Einzug in die
Duma (und damit der Sicherheit gegen Strafverfolgung) verhilft. Nicht
viel anders sehen die pseudo-demokratischen Verhältnisse in Deutschland
aus, wo bereits lange vor den Bundestagswahlen weit mehr als 50 % aller
künftigen Abgeordneten auf Listenplätzen abgesicherter sind und
keinerlei Interesse am wirklichen Votum der Bürger haben. Auch
Hitler wurde von 1933 bis 1939 vom europäischen Ausland als
demokratisch gewählter Führer des Deutschen Reiches angesehen und
hofiert, obwohl er niemals demokratisch gewählt wurde, sondern ihn der
greise Hindenburg in einem letzten Akt von Hilflosigkeit mit der
Führung des Deutschen Reiches betraute.
Klar (und keiner Diskussion wert) ist, daß nicht
zu jedem Sachverhalt das Votum der Mehrheit (welcher? s.o.) eingeholt werden
kann. Aber wenn man das Delegationsprinzip und die demokratische Zuordnung von
aktiven Wahlrechten auf nächst höhere Ebenen konsequent
durchzöge, bliebe immer noch die Frage, warum die Stimme eines Singles
quasi ebenso viel zählt wie die eines mit einer ausländischen Ehefrau
verheirateten Deutschen, der zwei oder drei Kinder in seiner Familie
ernährt.
Ein ganzer Kranz von
ketzerischen Fragen tut sich auf, wenn man die kleptomanischen Züge der
Parteien-Demokratur im deutschen Parlamentarismus einer Prüfung nach dem
demokratischen Urgedanken unterzöge. Beamte, öffentlich-(un)rechtlich
Bedienstete (vor allem Lehrer und Juristen) und (halb)staatliche Institutionen
haben sich sämtliche Kommunal-, Landes-Parlamente sowie den Bundestag
längstens unter den Nagel gerissen [2]
und beherrschen wie ehedem die Clans der Fürsten, Barone und
Grafen (mit einem höchst undemokratisch gewählten König/Kanzler
an der Spitze) dieses Land mit seinen 82 Millionen Einwohnern. Dabei
kümmern sich diese Reichsverweser zum eigenen Nutzen nur in
unvermeidbaren Fällen um das reichlich löcherige, vor allem jedoch in
keiner Weise demokratisch verabschiedete Grundgesetz. Was (überparteilich)
allen Parlamentariern dient, führt auch ganz schnell zu
pseudo-demokratisch beschlossenen Änderungen des Grundgesetzes
mehr als 50 mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland
im Jahre 1949.
Die meisten
Bundestagsabgeordneten haben bezüglich der fachlichen Inhalte der Gesetze,
über die sie demokratisch legitimiert
beschließen, nicht den Hauch einer Ahnung. Wo bleibt da der demokratische
Auftrag? [3]
Fraktokratie
Da es immer mehr Arme als
Reiche, Mieter statt Vermieter, Unselbständige
statt Selbständiger, Ängstliche statt Mutiger,
Verantwortungsarme statt Verantwortungsbereiter, weniger
Gebildete statt Gebildeter geben wird, ist es eine
entsprechende Verantwortungslosigkeit, Machtgier und Skrupellosigkeit
vorausgesetzt ein Leichtes, mit der jeweiligen Mehrheit im Rücken
die beinahe natürliche Minderheit auszuhebeln, diese zu enteignen, in
ihren Rechten zu beschneiden und dem Willen der Mehrheit zu unterwerfen. Etwas
polemisch ausgedrückt könnte man sagen: Gewinne die Masse
der Dummen durch populistische Versprechen und ausgrenzende, demagogische Hetze
gegen Minderheiten, dann ist sie auf demokratischem Wege leicht zum
Sieg über die Gebildeten, Wohlhabenderen und sonstig
zahlenmäßig unterlegene Gruppen zu führen.
Dieses Rezept funktionierte
im Laufe der Geschichte immer wieder und bereitete damit unter der
wehenden Fahne frakturierter Demokratie den Boden für
unzählige Katastrophen und Kriege.
Auf demokratischem Wege gelang
den Menschen noch niemals eine wirkliche Reform, die Besinnung auf einen
natürlicheren Umgang mit der Welt, der Natur und ihren Schätzen. Die
verantwortungslose Ausnutzung der Beliebigkeit, Bequemlichkeit und
Unselbständigkeit der Massen schaffte zwar oftmals den scheinbar
demokratischen Rahmen für gewaltige Veränderungen in den
Lebensumständen der Menschheit, dies ging jedoch von Historikern im
nachhinein mühsam erklärt regelmäßig vor allem zu
Lasten derjenigen, die zuvor durch ihren erhöhten Einsatz
überhaupt erst ermöglichten, daß die von ihnen geschaffenen
Umstände durch frakturierte, pseudo-demokratisierte
Aktivitäten ausgenutzt oder über den Haufen geworfen werden konnten.
Mithin herrschen nicht die Mitglieder der demos, sondern entsprechend
manipulierte, mit Versprechungen geköderte, ansonsten aber fachlich,
sachlich und inhaltlich völlig unbeteiligte Fraktionen
weshalb ich mir erlaube, den (sicher ehrlicheren) Begriff der
Fraktokratie (= der jeweilige Bruchteil der demos
herrscht) einzuführen.
Das korruptive
Mäntelchen der Demokratie
Seit der Aufklärung zermarterten sich Denker und
Philosophen in Westeuropa in bisweilen regelrecht putzig anmutender Weise den
Kopf manche schwadronierten auch bloß im Sinne des Zeitgeistes
über die Frage, nach welchen Regeln und Gesetzen man eine demokratische
Grundordnung im Sinne eines modernen Staates errichten könne. Stand
hierbei zu Beginn vor allem die radikale Ablehnung des Adels und eines ihn
krönenden Usurpators, so kamen auch große Denker wie
Hegel und Kant realiter keinen Schritt weiter; sie
alle scheiterten am Desinteresse der Massen, die sie weder mit ihren Worten
erreichen, noch mit ihren Schriften dazu motivieren konnten, die Verantwortung
für das eigene Leben zu übernehmen. Früher oder später
zogen sie sich dann in die apolitische Ecke (Goethe, Schopenhauer,
Nitzsche) zurück oder wuchteten in literarischer Weise gegen den
drögen Untertanengeist und tumben Stumpfsinn der Massen in ihrer Zeit
(Schiller). Die Vertreter der Frankfurter Schule
gefährliche Pseudo-Demokraten auf der Schleimspur des Sozialkriminellen
Marx (dem gnädigstenfalls unterstellt werden muß, er
habe seinen Hegel nie wirklich verstanden) -,
dürfen als Kollaborateure eines Gedankens genannt werden, den man am
besten mit pseudo-demokratisch verkleisterter Aufwiegelung
(vorgeblich) unterprivilegierter Massen beschreiben könnte.
Dem Urgedanken der Demokratie nach solonischem
Denken, demzufolge es der Masse der Bevölkerung dann gut/besser gehen
würde, wenn ihr die Chance der qualifizierten (nicht
quantifizierten!) Mitbestimmung, des Gehörtwerdens und des
persönlichen Einbringens gestattet wäre, folgten die
demokratischen Rattenfänger [u.a. die Vertreter der
Frankfurter Schule und ihre (noch) lebenden
Nachfahren] ganz sicher nicht. Nur pars pro toto: Weder wäre unter
wirklich demokratischen Gesichtspunkten jemals ein Krieg ausgebrochen,
noch kann es im (ursächlich) demokratisch verstandenen Sinne der Mehrheit
sein, daß z.B. das Gesundheits- und Rentenwesen, die Schulbildung und
eine, jeden Bürger der Freiheit zur persönlichen Entfaltung
beraubende Arbeitswelt nur nach Bequemlichkeits- und Beliebigkeitskriterien
geordnet und auf niedrigstem Niveau verankert und mit Unsummen verwaltet (und
vergewaltigt) werden.
Die persönliche Freiheit kann immer nur
Grundlage der persönlichen demokratischen Rechte sein, umgekehrt
bedingt ein demokratisches Wahlrecht per se auch die persönliche Freiheit
des Einzelnen, sich aus klarer Überlegung und wirklichem
Verantwortungsbewußtsein erst dann seines demokratischen Stimmrechtes zu
bedienen, wenn er sich mit dem zur Disposition stehenden Sachverhalt zuvor
intensiv beschäftigt hat, um sich daraus eine eigene Meinung bilden zu
können, statt sich nach opportunistischen Beliebigkeitsmomenten einer
besonders laut schreienden Mehrheit anzuschließen oder systemisch
verblendeten, skrupellosen Politikern das Denken zu
überlassen.
Unter tatsächlich demokratischen Umständen
wären mutmaßlich die Bushs, Blairs,
Schröders und Chiracs, aber auch die
gewerkschaftlichen Maulhuren und sonstigen parasitären Profiteure der
gegenwärtigen Fraktokratie längst zum Teufel gejagt worden mit
dem Gros ihrer Heloten, Zuflüsterer und Steigbügelhalter. Es
gäbe keinen Euro, kein nur wenige Schmarotzer aushaltendes
Zwangs-Kammerwesen. Zehntausende von Gesetzen und Verordnungen
verschwänden schlagartig. Die dann (wie eigentlich schon heute) nicht mehr
benötigten öff.-(un)rechtl. Bediensteten müßten sich
wirklich sinnstiftende Arbeitsplätze suchen die es aber in einem
liberalisierten Arbeitsmarkt, frei von erwürgenden Steuern und staatlicher
Wegelagerei mehr als reichlich gäbe. Die demos würde wieder
mündig und eigenverantwortlich, weil Verweigerung und Ausstieg wieder ins
Obligo des Einzelnen fiele. Daß dies nicht zu asozialer Verelendung
für wirklich Bedürftige und Kranke führte, beweisen weltweit
Familien, Kommunen und humanitäre Organisationen, die aller
staatlicher Willkür und unbotmäßiger Einmischung zum Trotz
da helfen, wo Not am Mann ist.
Fazit: Die
Demokratie in all ihren seit 2,5 Jahrtausenden geprobten Szenarien und Facetten
ist und bleibt ein Theoretikon, das nicht in anonymisierter Weise als
Massenveranstaltung funktionieren kann je amorpher die Masse der
Betroffenen, desto besser! -, sondern nur im Kreise (und Kontext) einer Gruppe
mit grundsätzlich gleichgerichteter Zielsetzung (Familie,
mittelständischer Betrieb, Gemeinde, Wohnungseigentümergemeinschaft,
etc.). Sich zur Rechtfertigung eigenen Handelns auf eine nicht dazu
qualifizierte Mehrheit einer ansonsten amorphen Masse zu berufen, ist schlicht
unehrlich und im perikleischen Sinne in höchstem
Maße unethisch. Wer sich dieser Worthülse, des theoretischen
Gedankenkonstruktes Demokratie bedient, handelt zuallermeist
zum Vorteil einer im Sinne der Interessen der demos schädlichen
Minderheit, die er unter dem Mantel der Demokratie in zweckdienlich übler
Weise manipuliert und korrumpiert, indem er ihr bequeme Vorteile und
paradiesische Verhältnisse in Aussicht stellt, die sie ansonsten nur mit
Mühe, Arbeit und unter persönlichem Einsatz erzielen könnte. In
Wahrheit geht es ihm ausschließlich um eigene Vorteile, Macht und bequeme
Vorteilsnahme ohne den mühevollen Weg jedweder Qualifizierung und
zulasten seiner Umwelt. Dies gilt für die zumeist völlig
unqualifizierten Parvenues in Parteien und Gewerkschaften ebenso wie für
Religionen und (andere) Sekten, Ideologien jeder Art, aber auch für sich
den Zielen der Manipulation und Korruption unterwerfende Medien, Werbung und
weite Teile des Finanz- und Wirtschaftslebens. Unter der Flagge
demokratisch-motivierter Benevolenz segeln unser Justiz- und Bildungswesen,
Bürokratie und Steuerwesen kurz: die vornehmlich staatlichen und
öffentlich-(un)rechtlichen Zwangskartelle, inklusive ihrer Subsysteme
den Lobby- und Verbändestaat, das Zwangskammerwesen der IHKs und
HWKs u.v.m.
Die listige Schlange aus dem Garten Eden, Nikolaus und
Weihnachtsmann, der Rattenfänger von Hameln und sämtliche weltliche
wie religiöse Heilsverkünder lassen schön
grüßen!
Gegen welch gewaltige Mauern man aber mit derartigen
Überlegungen anrennt, mag an einem Beispiel dokumentiert werden: Welchem
klar denkenden Menschen würde nicht der geballte Zorn der Massen
entgegenschlagen oder gar der Scheiterhaufen drohen, wenn er auf die
Unsinnigkeit der Grundlagen unserer westeuropäischen Nachbarn, der
Franzosen, hinwiese, die sich jährlich rhythmisch zu Jubelfeiern am 14.
Juli versammeln, um sich dem pseudo-demokratischen Wahn von
Liberté, Egalité et Fraternité
hinzugeben. Jeder über das Niveau eines Klippschülers hinaus
denkende Mensch müßte eigentlich stutzig werden;
Egalité/Gleichheit (aller) steht der Liberté/Freiheit (des
Einzelnen) diametral gegenüber, ja sie schließen einander
buchstäblich gegenseitig aus. Davon abgesehen: Die Mehrheit der in
Westeuropa lebenden Menschen ist weiblichen Geschlechts. Wann endlich kommt
einer auf die Idee, die Fraternité/Brüderlichkeit
durch Schwesterlichkeit (Sororité) zu ersetzen?
Demokratie in der heute mißbrauchten Wortbedeutung
ist eine verbale Farce, eine bewußte Irreführung der damit
manipulierten Massen, ein intellektueller Tritt in den Hintern jedes
mitdenkenden Menschen, eine Beleidigung für jedes natürlich genutzte,
also noch nicht vernormierte Gehirn.
Veritable Demokratie bedingt eine auf eine
generell gleich ausgerichtete Zielgröße vereinte soziale
Entität, die sich endogen darauf geeinigt hat und innerhalb derer
jeder Teilnehmer das Recht wahrt, sich dem gemeinsamen Kodex zu
unterstellen (s.o.) oder zu versagen, ohne damit seine Existenz gefährdet
zu sehen.
Eine möglichst große und demzufolge
immer amorphere Gemeinschaft (Familie Kommune Region
Bundesland Staat EU Welt) unter
demokratische Kuratel zwingen zu wollen, ist nicht nur
irreal und unsinnig (das eigentliche Ziel, der Zweck der Demokratie geht damit
verloren, weil die demos die Entscheidungsgrundlage gar nicht mehr als
ihre eigene erkennt), sondern verrät die Motive der hinter derartigen
Demokratisierungsbemühungen stehenden
Drahtzieher die Unterjochung andersartiger, ihren Interesse
im Wege stehender (aber schwächeren) Sozialitäten (wiederum Familien,
Kommunen, ....) und entlarvt sich damit als höchst inhumane, ja sogar
zynisch-menschenverachtende Brutalität, die auf andersartige
Kulturalität, individuelle Lebensgestaltung und menschenwürdige
Freiheitlichkeit nicht die mindeste Rücksicht nimmt. Hier lauert z.B. auch
das wahre Problem der Globalisierung, der weltweiten
Amerikanisierung, des Raubbaus an Natur und Umwelt.
Wer Ihnen
Hauptverdächtige sind hierbei die Politiker künftig mit dem
Begriff Demokratie
[4] vor der Nase herumwedelt, dem sollten Sie grundsätzlich
im besonderen Maße mißtrauen; er dürfte Sie mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit ob skrupellos oder dummdreist sei
dahingestellt - belügen und schamlos ausnützen wollen.
H.-W. Graf
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