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"Quellen" ist vielleicht
momentan im Journalismus ein zweifelhaftes Wort, aber die
Quellen für die Schläge im Irak sind tadellos. Dieser Artikel
berichtet auch über die Erschießung dreier Gefangener in Baghdad,
zwei von ihnen "während sie versuchten zu flüchten". Aber vor allem
geht es um Qais Mohamed al-Salman. Qais al-Salman ist genau die Art von Kerl,
die der US-Botschafter Paul Bremer und seine Sackgassen-Assistenten jetzt
brauchen. Er haßte Saddam, floh 1976 aus dem Irak, kam dann nach der
"Befreiung" mit dem Kopf und einer Aktentasche voller Pläne zurück,
um beim Wiederaufbau der Infrastruktur und der Wasserfilteranlagen des Landes
zu helfen.
Er ist ein Ingenieur, der in Afrika,
Asien und Europa gearbeitet hat. Er ist dänischer Staatsbürger. Er
spricht gut englisch. Er mag sogar Amerika. Er tat es jedenfalls bis zum
6. Juni diesen Jahres.
An dem Tag fuhr er auf der Abu Nawas
Straße, als sein Auto von Amerikanern beschossen wurde. Er sagt, er hat
keinen Kontrollpunkt gesehen. Kugeln trafen seine Reifen und sein Fahrer und
ein weiterer Mitfahrender rannten um ihr Leben. Qais al-Salman stand kleinlaut
neben dem Fahrzeug. Er hatte seinen dänischen Ausweis, seinen
dänischen Führerschein und medizinische Berichte dabei.
Aber
er soll die Geschichte selbst erzählen. "Ein mit
amerikanischen Soldaten besetztes Zivilfahrzeug fuhr heran. Dann mehr Soldaten
in Militärfahrzeugen. Ich sagte ihnen, daß ich nicht verstand, was
passiert war, daß ich ein Wissenschaftler war. Aber sie zwangen mich,
mich auf die Straße zu legen, fesselten meine Hände mit Plastik- und
Stahlhandschellen auf meinen Rücken und fesselten meine Füße
und brachten mich in eines ihrer Fahrzeuge."
Der nächste
Teil der Geschichte hat auch Auswirkungen auf unsere Berufe als Journalisten.
"Nach 10 Minuten in dem Fahrzeug wurde ich wieder
herausgeholt. Da waren Journalisten mit Kameras. Die Amerikaner nahmen mir die
Fesseln ab, dann zwangen sie mich wieder, mich auf die Straße zu legen.
Dann, vor den Kameras, fesselten sie meine Hände und meine Füße
aufs neue und brachten mich wieder in das
Fahrzeug."
Wenn die an gewöhnlichen Irakern
begangenen schwerwiegenden Ungerechtigkeiten und die ebenso schwerwiegenden
Mißhandlungen in den amerikanischen Gefangenenlagern hier nicht so
häufig wären, wäre Qais al-Salmans Geschichte nicht so
wichtig.
Amnesty International kam gestern nach Baghdad, um neben
Saddams ungeheuerlichen Verbrechen auch das Massengefangenenlager am Flughafen
Baghdads, wo bis zu 2.000 Gefangene in heißen. ungelüfteten Zelten
leben, zu untersuchen. Das Behelfsgefängnis wird "Camp Cropper" genannt
und es gab bereits zwei Fluchtversuche.
Beide versuchten
Flüchtlinge wurden, ohne daß dies wirklich erwähnenswert
wäre, von ihren amerikanischen Wächtern erschossen.
Gestern wurde es Amnesty International untersagt, Camp
Cropper zu betreten. Hier wurde Qais al-Salman von den Amerikanern am 6.
Juni hergebracht.
Er wurde in Zelt B gesteckt, einen großen Raum
aus Leinen, in dem bis zu 130 Gefangene waren. "Es gab hier unterschiedliche
Klassen von Leuten", sagt Qais al-Salman. "Es gab kultivierte Leute, Doktoren
und Universitäts-Leute, und es gab die dreckigsten, tierartigsten Leute,
Diebe und Kriminelle, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe.
Am Morgen
wurde ich zur Befragung zu einem amerikanischen Offizier des
Militärgeheimdienstes gebracht. Ich zeigte ihm Briefe, die belegten,
daß ich bei US-Hilfsprojekten mitgearbeitet hatte.
Er brachte eine Kennung an meinem Hemd an. Auf ihm stand
verdächtigter Attentäter'".
Nun, es gibt
vermutlich einige Attentäter in Camp Cropper. Die Guten, die Bösen
und die Abstossenden sind hier eingekerkert worden: alte Baathisten,
mögliche irakische Folterer, Plünderer und so ziemlich jeder, der dem
amerikanischen Militär in den Weg gekommen ist. Nur "ausgewählte"
Gefangene werden bei den Verhören geschlagen. Ich
wiederhole nochmal, die Quelle ist tadellos und westlich.
Qais
al-Salman wurde kein Wasser gegeben, um sich zu waschen und nachdem er versucht
hatte, seine Unschuld einem zweiten Vernehmungsbeamten zu erklären ging er
in den Hungerstreik. Keine formalen Anklagen wurden gegen
ihn erhoben. Es gab keine Regeln für die amerikanischen
Gefängnisaufseher.
"Einige Soldaten
fuhren mich nach 33 Tagen in dem Lager zurück nach Baghdad", sagt Qais
al-Salman. "Sie setzten mich in der Rashid Street ab und gaben mir meine
Dokumente und meinen dänischen Ausweis zurück und sagten
Entschuldigung'".
Qais al-Salman ging zurück zu seiner
gramgebeugten Mutter, die lange geglaubt hatte, daß ihr Sohn tot war.
Kein Amerikaner hatte mit ihr Kontakt aufgenommen obwohl sie die
US-Behörden verzweifelt um Hilfe gebeten hatte.
Nicht einer der Amerikaner hatte es für nötig gehalten, die
dänische Regierung davon zu informieren, daß sie einen ihrer
Bürger gefangengenommen hatten. Wie zu Zeiten Saddams war ein Mann einfach
von den Straßen Baghdads "verschwunden".
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