Enthüllung des ARD-Magazins »Monitor«.
Verheerender Bombenanschlag in Bagdad Die USA setzten im Irak-Krieg Napalm
ein. Das wurde am Donnerstag bekannt. Vertreter der US-Truppen und des
US-amerikanischen Verteidigungsministeriums haben den Einsatz von
völkerrechtlich geächteten Napalm-Bomben im Irak-Krieg zugegeben.
Laut Ankündigung des Westdeutschen Rundfunks vom Donnerstag nachmittag
sollte darüber das ARD-Magazin »Monitor« gestern abend
berichten. Demnach bestätigte Joseph Boehm, Oberst des US-Marine- Corps in
San Diego, gegenüber »Monitor«, daß die US-Truppen bei
ihrem Marsch auf Bagdad Napalm verwendet haben. »Wir haben 30 Kanister in
einem 30-tägigen Krieg verwendet«, erläuterte der
US-Militär. »Es kam einige Male zum Einsatz, als die Marines sich
auf ihrem Marsch Richtung Bagdad befanden.«
Bei den aus der Luft
abgeworfenen Bomben handelt es sich um Bomben des Typs »MK 77«,
eine Weiterentwicklung der Napalm-Bomben, die von den USA im Krieg gegen
Vietnam verwendet wurden und seitdem international geächtet sind. Ein
Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte gegenüber
»Monitor« den Einsatz der Bomben im Irak-Krieg. »Ich kann
bestätigen, daß MK-77-Feuerbomben im Gebiet von Safwan Hill an der
irakisch-kuwaitischen Grenze abgeworfen wurden,« erläuterte Colonel
Mike Daily schriftlich gegenüber dem ARD-Magazin. Bisher hatte das
Pentagon die Verwendung von Napalm im Irak-Krieg stets bestritten und
entsprechende Vermutungen von Journalisten, die mit den US-Truppen im Einsatz
waren, zurückgewiesen.
Nach Aussagen von Professor Hans-Joachim
Heintze vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres
Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum ist der Einsatz dieser Bomben
»völkerrechtswidrig, weil sie unterschiedslos wirken, in gleicher
Weise Zivilisten und militärische Ziele beschädigen und weil sie
unnötige Leiden bei den Opfern verursachen.«
Derweil starben
in Bagdad am Donnerstag bei einem Bombenanschlag auf die jordanische Botschaft
mindestens elf Menschen. Fast 60 weitere wurden verletzt. Amman bestätigte
zunächst nur acht Tote. Einem irakischen Polizisten zufolge entwickelte
die Autobombe vor der Botschaft eine gewaltige Wucht. Der Anschlagsort bot ein
Bild der Verwüstung. Zahlreiche Autos wurden komplett zerstört. Die
Mauer um das Botschaftsgebäude war teilweise weggerissen. Über die
Hintergründe war zunächst nichts bekannt. Exakt eine Woche vor dem
Attentat hatten zwei Töchter des entmachteten irakischen Staatschefs
Saddam Hussein in Jordanien Asyl gefunden. Die Regierung in Amman wollte jedoch
keinen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen einräumen. Jordanien
gehört zu den engsten Verbündeten der USA im Nahen
Osten.
(OTS/AP/AFP/jW) |