Greenpeace: Gentechnik-Lobby mißachtet UN-Abkommen zur
biologischen Sicherheit Vertreter der US-Regierung haben am Freitag bei der
Welthandelsorganisation (WTO) in Genf endgültig die Einrichtung einer
Streitfall-Kommission durchgesetzt. Streitpunkt ist ein seit 1999 in der EU
bestehendes vorläufiges Verbot der Zulassung gentechnisch veränderter
Pflanzen, das sogenannte Genmoratorium. Bereits am 13. Mai hatten die USA
offiziell angekündigt, die EU vor der WTO zu verklagen. Bislang hatte die
EU die Einberufung eines Streitfall-Panels noch abwenden
können.
»Mit der Klage vor der WTO ignoriert
US-Präsident Bush nicht nur die Interessen der Verbraucher, sondern auch
internationales Umweltrecht«, kritisierte Ulrike Brendel von der
Umweltorganisation Greenpeace am Freitag in Hamburg. Laut UN-Abkommen zur
biologischen Sicherheit (Biosafety-Protokoll) hätten Länder das
Recht, genmanipulierte Organismen aus Gründen der Vorsorge abzulehnen.
»Das Biosafety-Protokoll, das von über 100 Ländern
unterzeichnet wurde, erkennt dabei ausdrücklich die möglichen
Gefahren der Gentechnik für die menschliche Gesundheit und die Umwelt
an«, sagte die Sprecherin. Die USA haben das Biosafety-Protokoll
allerdings nicht unterzeichnet.
»Greenpeace fordert, daß die
WTO auf ihrem Ministertreffen in Cancun internationale Umweltabkommen wie das
Biosafety-Protokoll anerkennt und unterstützt«, erklärte Ulrike
Brendel. Das Biosafety-Protokoll dürfe nicht durch die WTO-Klage
ausgehebelt werden.
In Europa werden nur in Spanien Genpflanzen
kommerziell angebaut. Dort wächst seit 1998 genmanipulierter Mais des
Schweizer Konzerns Syngenta. Die Pflanze produziert den Bacillus thuringiensis,
der für bestimmte Schädlinge tödlich ist. »In Spanien tobt
das totale Chaos. Genmais gelangt unkontrolliert auf benachbarte Felder und in
die Lebensmittel«, so Brendel. Bei Tests von spanischem Ökomais
seien bereits Verunreinigungen durch Genmais bestätigt worden, berichtet
Greenpeace. Die betroffenen Landwirte hätten ihre Ökozertifizierung
und damit ihren Absatzmarkt verloren. |