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30.08.2003 Mathias Bröckers  
Nichts Neues vom Affenfelsen


Ist Leyendecker gaga?

Am 27. 8.  hatte ich hier notiert: "Hans Leyendecker galt als Koryphäe des sogenannten "investigativen Journalismus", bis zu  seinem heutigen Morgenkommentar auf "RBB Radio Eins" in dem meine Bücher und die von  Andreas  von Bülow als Werke von "Verschwörungsidioten" und "Psychopathen"  beschimpft werden. "Investigativ" mag sich Leyendecker in Zukunft meinetwegen noch nennen, wenn er seine  Brille sucht... vom "Journalismus" hat er sich mit dieser geiferenden, faktenfreien Suada jedenfalls verabschiedet.  Warum gerade dieser Hund so betroffen bellt ? Er leitet das "Netzwerk Recherche", dem auch die Moderatorin des infamen Panorama-Beitrags Anja Reschke, und Dominik Cziesche angehören, der unlängst den Mistkübel gegen von Bülow im "Spiegel" verfaßte (siehe unten, 2.8.2003) und einen weiteren für kommende Woche vorbereitet. So stricken die Netzwerker, die sich in Sachen 9-11 seit zwei Jahren im investigativen Tiefschlaf befinden, jetzt offenbar im Verein an der Pathologisierung und Diffamierung jener Handvoll Autoren, die kritische Fragen zu den Ungereimtheiten des 11.9. und dem Versagen der Medien aufwerfen."

Als weiteren Beleg für seine Betroffenheit verfaßte Leyendecker  jetzt einen  Essay in der "Süddeutschen Zeitung": "Affen der Angst  -Nichts verkauft sich heute so gut wie miserable Bücher über die große Weltverschwörung. Sind wir noch zu retten?" - nach dessen Lektüre man befürchten muß, dass es zummindest für ihn nichts mehr wird, mit der Rettung.

"Argumentative Schwindler wie Bröckers, Bülow oder der scheinheilige Moore sind soziologisches Lackmuspapier. Es lassen sich an ihnen die Auffälligkeiten einer Gesellschaft erkennen. 19 Prozent der Bundesbürger halten es nach einer Forsa-Umfrage für möglich, dass die US-Regierung die Terroranschläge in Auftrag gegeben hat. Ist jeder fünfte Deutsche gaga? Sogar 31 Prozent der unter 30-Jährigen glauben an die ganz, ganz große Konspiration."

Dass 70% aller Deutschen in dieser Umfrage bekundeten , dass sie den Informationen der Medien in Sachen 9-11 und Irak  mißtrauten, erwähnt Leyendecker nicht, denn das hätte ihm seine dürre Argumentation versaut, die lieber die Bevölkerung für "gaga" erklärt als die hehren Wahrheitsinstanzen der FAZ, der Süddeutschen und des Medien-Mainstreams anzweifeln zu lassen:

"Aber es ist schon Chuzpe, dass Leute wie der Journalist Bröckers über Medien räsonieren, die angeblich nicht die Wahrheit erkunden wollten. Die etablierten Medien werden von Verschwörungstheoretikern ignoriert, denn die etablierten Medien – und so natürlich auch die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung – befinden sich entweder in der Hand der Geheimdienste oder gar der Weltregierung. (Schade, dass weder Geheimdienste noch Weltregierung in der Lage waren, die allgemeine Anzeigenkrise zu verhindern, die sie aber andererseits zuvor vermutlich selbst erfunden hatten, nicht wahr?) "

Nur wenn er schwindelt, oder als  Investigativjournalist  die Bücher, über die er räsoniert,  nicht liest,  kann Leyendecker den aberwitzigen Unfug behaupten, die "Verschwörungstheoretiker" ignorierten die etablierten Medien - wer die Quellenverzeichnisse studiert wird finden, dass die weit überwiegende Anzahl der zitierten Quellen eben solche Medien sind: BBC, CNN, Washington Post, NYT usw. Die Belege für die angeblichen Hijacker etwa, die nach dem 11.9. lebten und interviewt wurden, stammen aus ebensolchen seriösen Quellen - und zeigen, dass auf der Liste der 19 mindestens sechs Identitäten völlig ungeklärt sind. Sie blieben aber auch nach diesen Interviews und Lebenszeichen auf dieser Liste und stehen kommentarlos dort, bis heute ! -  weil kein einziger Großjournalist vom Kaliber Leyendecker die Chuzpe hat, auch nur mal vorsichtig nachzufragen, wer denn nun am 11.9. wirklich in den Flugzeugen saß....

So müssen dann kleine Kläffer wie unsereiner - und der Bundesminister a.D. Dr. Andreas von Bülow, den der Top-Rechercheur (oder Schwindler?) Leyendecker zum "SPD-Staatssekretär" degradiert - geprügelt und als "vormals seriös scheinende Menschen" vom Affenfelsen gejagt werden. Nichts Neues soweit.  Auf den in Primatenhirne offenbar  eingebauten Sündenbock-Reflex  haben wir schon hingewiesen: um sich in bedrohlich komplexen Situationen abzureagieren, rennen zum Beispiel Affen bei aufziehendem Gewitter auf einen Hügel und drohen dem vermeintlichen Verursacher mit einem Knüppel gen Himmel. Gegen Blitz und Hagel hilft das nicht - aber gegen die Angst der Affen: sie fühlen sich hinterher besser. So etwas ist,  angesichts der " allgemeinen Anzeigenkrise" zumal,  natürlich auch einem vielbeschäftigten Redaktionsbeamten ab und an zu gönnen. Gegen die dräuenden Unansewered Questions aber, und gegen den voranschreitenden Glaubwürdigkeitsschwund  selbst heldenhafter Investigativorgane wie der ehrwürdigen Süddeutschen Zeitung..... gegen all das hilft Schaum vorm Mund so wenig wie die Affenkeule gegen das Gewitter.
Bleibt nur
die Mahnung der “Neuen Zürcher Zeitung”, die eine Rezension von “Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.” mit der Aufforderung schloß:

"Die rasende Konfusion, die sich zurzeit in allen möglichen Teilöffentlichkeiten ausbreitet, ist wohl nicht mehr durch simples Totschweigen und Ignorieren zu stoppen, sondern nur durch die publizistische Anstrengung, gegen den Amoklauf einer entfesselten konstruktivistischen Phantasie mit den Mitteln professioneller Publizistik die Spuren der Wirklichkeit zu verfolgen. Auch zwei Jahre nach der Katastrophe vom 11. September gibt es da noch Herausforderungen genug."

 

P.S.:  Die "SZ" ist im übrigen die einzige Zeitung, die selbst in Anzeigen unangenehme Fragen in Sachen 11.9. fürchtet - und von Zweitausendeins vor Schaltung der Anzeigen  für meine beiden Bücher eine Freistellungserklärung für alle juristischen Folgen verlangte. Als dies jetzt auch für eine Zweitausendeins-Anzeige für das Pearl Harbor Buch von Robert B. Stinnett gefordert wurde, wollte der Verlag  sein Anzeigengeld dann defintitiv lieber woanders ausgeben - und die SZ lenkte ein. Manchmal wiegt der Mammon dann doch schwerer als der rechte Glaube - soweit ist's in der "allgemeinen Anzeigenkrise" schon gekommen. 
So war dann zumindest in einer Anzeige in der "Süddeutschen"  am Samstag zu lesen  "wie die US-Regierung den Angriff provozierte und 2.476 ihrer Bürger sterben ließ".  Was aus dem sauber recherchierten 564-Seiten Werk (von einem hoch dekorierten Kriegskameraden George Bushs sen., der nicht in die Antiamerikanismus-Schublade paßt) unter der Redaktionsfuchtel der Investigativ-Top-Gun Leyendecker wird, bleibt abzuwarten. Lesen tut der Mann offenbar ja nicht, sonst würde er  in seinem Artikel Pearl Harbor nicht so lässig unter die Verschwörungsdönekes von 23 bis Lady Di einreihen und in Sachen Kennedy  so völlig unbeleckt die These vom Einzeltäter Oswald in die Welt tröten. Eine Theorie, die mittlerweile sogar regierungsamtlich und offiziell als Märchen überführt ist.

Mathias Bröckers, 30.08.03



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