Niedersächsische Staatskanzlei
Planckstr 2
30169 Hannover
Ministerpräsident Wulff
Dagmar Kasberger
Tittmoninger Str 25
84489 Burghausen
31.08.03
Ihr Zeichen:104-41822/1
Sehr geehrte Frau Gudrun Wegener,
Vielen Dank für Ihr Antwortschreiben im Auftrag des
Herrn Ministerpräsidenten Wulff vom 29.8.03 und die Darstellung der
niedersächsischen Regierungsmeinung in Sachen Gorleben und
Atomendlagersuche.
Die Berufung auf die "Eignungshöffigkeit" des
Salzstockes Gorleben als Endlagerstätte für Atommüll ist ein
wenig wackelig,denn jeder weiß,wie dieser "Kompromiß" der
rot-grünen Regierung bei den Atomkonsensverhandlungen zustande gekommen
ist.Obwohl durch mehrere Untersuchungskommissionen die Nichteignung
festgestellt wurde (siehe Anmerkungen unten!) war man gegenüber der
Atomwirtschaft gezwungen,diese "Klausel" festzuschreiben,sonst wäre nicht
einmal dieser unbefriedigende Atomkonsens zustande gekommen.
Ich finde es daher im Angesicht der Schuldenlast
Deutschlands unverantwortlich,nur aus Bequemlichkeit und Nichtaufkommenwollens
für weitere Kosten nach Alternativstandorten weiter hin Gorleben
unnötig untersuchen zu wollen,wo dieser Standort bereits als nicht
tragfähig ausgesprochen wurde und das bestehende Moratorium aufheben zu
wollen.
Die Kosten der Suche,Erforschung und Bau von
Endlagerstandorten sollte ohne Punkt und Komma derjenige tragen,der mit diesem
Gewerbe seine Milliardengewinne erwirtschaftet hat,nämlich die
Atomkonzerne.Hätten diese die Kosten dafür von vornherein
eingeplant,wie es jeder Pizzabäcker in Deutschland auch einkalkulieren
muß,daß er auf seine Kosten seinen Müll
vorschriftsmäßig entsorgt,wäre Atomstrom nicht so billig
gewesen und die Gewinne dementsprechend geringer.Dann hätten schon
längst alternative Energieunternehmen mit umweltbewußter
Stromgewinnung Chancen gehabt,sich zu entwickeln.Wie zeitlich nötig das
ist,sah man diesen Sommer,wo bereits Atomkraftwerke abschalten hätten
sollen,da die Temperatur der Flüsse zu hoch war zum Kühlen und die
Fische und Vegetation der Flüsse durch die zu warmen Abwässer
gefährdet waren.Der durch die Unvernunft und Raffgier der Menschen
stattfindende Klimawechsel wird weiterhin seinen Gang nehmen,und wir werden
noch etliches an Katastrophen zu erwarten haben.
Weitreichender und folgenschwerer für viele
Generatioen nach uns als es sämtliche Kriege waren,die es jemals auf Erden
gab,war die Förderung dieser radioaktivbelastenden Energiegewinnung ohne
Einhaltung von notwendigen Auflagen der Entsorgung der damaligen
Regierung,wodurch die jetzige Regierung sich mit der Frage einer
einigermaßen sicheren Endlagerung abplagen muß,die meiner Ansicht
nach schier unmöglich ist,denn es gibt ganz sicher keinen sicheren
Standort auf der Erde,der für hunderttausende von Jahren diese Gefahr
bannen kann.Und es wird keine Bevölkerung geben,die diesen neben sich
akzeptieren wird.
Die Stromkonzerne müssen für die Kosten der
Alternativsuche und den -Bau eines Endlagers aufkommen,denn Steuerhinzuziehung
wäre Augenwischerei.Dann hätte man den Atomstrom gleich teurer machen
müssen.Die Verbraucher haben diesen nur gewählt,weil er billig
war.Sie wollen nun nicht draufzahlen,nur,weil man die Entsorgung des
Atommülls "vergessen" hat.
Die Zwischenlagerung in Castorbehälter für 40
Jahre ist eine vorläufige völlig unzureichende
Sicherheitsmaßnahme,aus der Not geboren.Einer Zeitspanne,so groß
wie die zurück bis zur Menschwerdung auf Erden bedarf es in Zukunft ,alle
Generationen vor den Folgen und Kosten unseres Irrsinns zu schützen,in
meinen Augen das größte Verbrechen der Menschheit,das jemandem
aufzubürden.
Ich hoffe doch sehr,daß die niedersächsische
Regierung sich dieser Verantwortung bewußt wird und den überaus
vernünftigen einzig möglichen Plänen des Bundesumweltministers
Jürgen Trittin nachkommt und beipflichtet,der Verhandlungsgruppe
"Nukleares Endlager " nach der Erarbeitung von Phase 1 ,eines Kriterienkatalogs
zur Standortwahl in unterschiedlichen geologischen Formationen,die immerhin 3
Jahre Arbeit gekostet hat,nun Phase 2 folgen zu lassen,die Erarbeitung eines
geeigneten Suchverfahrens unter voller Beteiligung der Öffentlichkeit,um
dann bis zum Jahr 2010 Phase 3 abgeschlossen zu haben,die konkrete
Standortsuche mit vereinbarten Kriterien und dem vereinbarten
Suchverfahren.2010 sollen mindestens zwei Standorte für die
untertägige Erkundung benannt werden.
Als deutsche Bürgerin und Wählerin sehe ich eine
nicht zu verstehende und zu akzeptierende Scheu sämtlicher Parteien,der
zugegeben mächtigen Atomlobby ,die es aus Naivität oder
Gleichgültigkeit der früheren Politiker ?? vermocht hat,wie ein Geist
aus der Flasche emporzusteigen,in diese zurückzudrängen.Um eine
weitere Beherrschung negativer Einflüsse zu beenden oder wenigstens zu
minimieren,ist das aber notwendig.Dazu bedarf es einigen Mutes,den man aber von
zu diesem Zweck vom Volk eingesetzten Gremien erwarten dürfte.
Der bisher ,leider,einzige unbeirrt tapfere Kämpfer
in politischen Kreisen,im Volk gibt es viele !,ist Bundesumweltminister
Jürgen Trittin, der meine vollste Bewunderung dafür und für
vieles andere,was er schon ,nach bösen Tritten,meist im Stillen,erreicht
hat,verdient.Man kann nur hoffen,daß auch von bisher anderen Theorien
Überzeugte endlich aufwachen und die Realität und deren Konsequenzen
offenen Auges erkennen ,und die sieht gar nicht rosig aus,wenn nicht endlich
mit Mut und Kraft an die Bewältigung dieser schweren Aufgabe herangegangen
wird.
Mit freundlichen Grüßen
Anmerkung siehe oben
Thema Nichteignung vom Salzstock Gorleben als
Atomendlagerstandort:
1975 Findungskommission schlug 3 Slazstöcke vor.Laut
Geologie-Prof.Gerd Lüttig gehörte Gorleben "nicht zu der
günstigsten Kategorie"
1977 befindet die niedersächsische Regierung unter
Ministerpräsident Ernst Albrecht überraschenderweise Gorleben als
einzigen Endlagerstandort ???
Vorraussetzungen für die Sicherheit eines
Endlagerstandortes:
1.Salzstock muß unverritzt sein.
2.soll über ein für die Aufnahme ausreichend
großen geschlossenen Block reinen Steinsalzes verfügen
3.Salzstockoberfläche soll nicht mehr als 400 m unter
Gelände liegen und nicht zu hoch in die oberflächennahen
Grundwasserhorizonte reichen
Leitung der Standortuntersuchung Geologe Prof.Dr.Klaus
Duphorn von 1979-1981
Ergebnis:Empfehlung der Erkundung anderer
Standorte.Gorleben ist nicht geeignet.
Voraussetzung 1 war nicht gegeben auf Grund "Gorlebener
Rille"Auf 7.5 qkm liegt Geröll und grundwasser direkt auf Salz.An mehreren
Stellen Grundwasserdurchlässigkeit.Dadurch Salzwasser bis auf 70 m unter
Gelände angestiegen.
"SteilerZahn" Teil des Salzstockes, reicht bis 133 m unter
die Erdoberfläche
Der Untersuchungsauftrag für Prof.Dr.Klaus Duphorn
wurde nicht verlängert???
1983 erneute Feststellung durch Gutachten Prof.
Grimeml,daß salzstock Kontakt zu grundwasserführenden Schichten
hat
1991 Mehrfachbarrierenkonzept mußte wegen
Durchlässigkeit des Gorlebener Deck-und Nebengebirges aufgegeben
werden.
1999 wurde durch den Bundesumweltminister Jürgen
Trittin der Arbeitskreis "Auswahlverfahren Endlagerstandorte AKEnd ins Leben
gerufen.
Im Abschlußbericht Dez.2002 wird von
wissenschaftlicher Seite aus empfohlen:
Untertägige Erkundungen und Sicherheitsbewertungen an
mindestens 2 Standorten
Vor !!! Suche nach Endlagern gesellschaftlichen Diskurs
und Konsens herstellen
Da bei Phase 2 AKEnd mir unverständlicherweise in die
gesellschaftlichen Interessenverbände und breiten Öffentlichkeit die
Stromkonzerne und deren politischen Befürworter mit einbezogen wurden,ist
selbstverständlich Trittins Vorhaben gestoppt worden.Das wäre im
Vergleich so,als beziehe man den Schuldigen vor Gericht beim Schuldspruch mit
ein.Wie kann man bloß so etwas tun?War Trittin so naiv,daß
diejenigen,die zahlen sollen,aus bloßer Vernunft Bereitwilligkeit
zollen?Natürlich müssen nur andere Gruppen und die
Öffentlichkeit mit den Plänen einverstanden sein.Das wäre ja
so,als wolle man Bereitschaft zur Abschaffung von Tierversuchen gerade von
Vivizezierern erwarten oder Verbot von Gentechnik von der Firma Monsanto
!