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08.09.2003 Rüdiger Göbel Junge Welt
Mordaufträge erteilt
Scharon: Israels Armee wird alle Hamas-Führer töten. Liquidierung Arafats befürchtet
Israel will seine staatsterroristischen Aktivitäten verstärken. Nach dem gescheiterten Mordanschlag auf Hamas-Chef Scheich Ahmed Jassin kündigte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon an, alle Führer der palästinensisch-islamischen Widerstandsorganisation töten zu wollen. In einem Zeitungsinterview sprach der Premier am Sonntag von einer neuen unerbittlichen Jagd: »Wir werden ihnen keine Sekunde Ruhe geben.« Dem Bericht zufolge hatte Scharon selbst den Angriff auf ein Hamas-Spitzentreffen am Samstag angeordnet. Die israelische Armee versuchte kurz nach dem Rücktritt des palästinensischen Premiers Mahmud Abbas, den Tötungsauftrag umzusetzen. Eine von einem Kampfflugzeug abgeworfene Bombe verletzte den querschnittsgelähmten Jassin allerdings nur leicht. 15 weitere Palästinenser in Gaza wurden bei dem Terroranschlag verletzt, einige davon schwer. Seit dem 21. August hat die israelische Armee elf Hamas-Politiker liquidiert. Die israelische Friedensgruppe »Gush Shalom« warnte unterdessen, angesichts der Gewaltpolitik Scharons sei auch das Leben von Palästinenserpräsident Yassir Arafat unmittelbar bedroht.

Rückendeckung für ihr Mordprogramm erhielt die israelische Führung am Wochenende von der Europäischen Union. Die EU-Außenminister verständigten sich auf dem Gipfel in Riva am Gardasee darauf, die Hamas als terroristische Organisation einzustufen und Konten der Gruppe einzufrieren. Vor allem Bundesaußenminister Joseph Fischer machte sich für eine entsprechende Entschließung stark. Eine geheim tagende Arbeitsgruppe soll nun die konkrete Umsetzung beraten. US-Präsident George W. Bush wollte sich in einer von seinem Stab vorab als »programmatisch« angekündigten Ansprache in der Nacht zu Montag zum Nahost-Konflikt und seinen weiteren Irak-Plänen äußern.

Nur wenige Stunden nach dem gescheiterten Mordanschlag auf Scheich Jassin räumte die israelische Armee am Samstag ein, daß die Hamas-Spitze liquidiert werden sollte. Die Sicherheitskräfte seien mit einem Luftangriff auf ein Gebäude, in dem sich Hamas-Gründer Scheich Jassin befunden habe, zur »Aktion« übergegangen, hieß es in einer Erklärung des Militärs. In dem Haus habe die Hamas-Führung getagt, um »neue terroristische Attentate« gegen Israel vorzubereiten, behauptete die Armee.

Jassin, der bei dem Bombenanschlag an der Hand leicht verletzt wurde, erklärte anschließend, Israel sei zu weit gegangen und werde dafür einen hohen Preis zahlen. Tausende von Hamas-Anhängern demonstrierten in Gaza und bekundeten, Israel habe mit dem Angriff auf Scheich Jassin das »Tor zur Hölle« geöffnet. Führer der Organisation erklärten ihrerseits, ihre Aktionen zu intensivieren: Oberstes Hamas-Ziel sei nun der israelische Premier persönlich.

Den Preis für Scharons Liquidationsbefehl dürfte zunächst aber die israelische Zivilbevölkerung zahlen müssen: Aus Angst vor Vergeltungsschlägen der Hamas befinden sich israelische Polizei und Armee seit Sonntag morgen in höchster Alarmbereitschaft. Gaza-Streifen und Westjordanland wurden erneut total abgeriegelt, die Palästinenser bleiben bis auf weiteres wieder in ihren Gebieten eingesperrt. In der Vergangenheit konnte dies allerdings blutige Attentate in Israel auch nicht verhindern.

Die Friedensgruppe »Gush Shalom« fürchtet eine noch größere Gewalteskalation seitens Israels. Nach dem Rücktritt des palästinensischen Premiers Abbas sei das Leben von Präsident Arafat in unmittelbarer Gefahr, warnte die Organisation in einer in Tel Aviv verbreiteten Erklärung. Die am Samstag eingereichte Demission sei »ein großer Sieg für Ariel Scharon«. Der israelische Premier habe, so Gush Shalom, von Anfang an versucht, Abbas zu stürzen und Arafat dafür die Schuld zu geben. »So hofft Scharon, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: den exklusiven Einfluß auf Bush zu sichern und den Weg für die Eliminierung von Arafat vorzubereiten.« Abbas hatte seinen Rücktritt am Samstag unter anderem mit der mangelnden Bereitschaft Israels begründet, den sogenannten Friedensplan »Roadmap« umzusetzen, sowie mit anhaltendem innerpalästinensischem Widerstand gegen seine Regierung. Abbas hatte das Amt des Ministerpräsidenten erst vor vier Monaten übernommen. Es war auf Betreiben der USA eingerichtet worden. Die israelische Führung kündigte nach Abbas’ Rücktritt an, eine palästinensische Regierung, der Arafat oder einer seiner Anhänger vorstehe, werde man nicht anerkennen.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.