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Offener Brief an Herrn Johannes Rau
Offener Brief
An Herrn Johannes Rau
Berlin - Bundespräsidialamt (derzeit Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland)

Guten Tag, Herr Rau,
(sehen Sie mir nach, wenn ich es bei dieser Anrede belasse).

Mit einiger Fassungslosigkeit las ich in der FAZ Ihre ‚Mahnung’, von einer ‚Verunsicherung der Rentner’ Abstand zu nehmen. Dort werden Sie wie folgt zitiert: „Es kann doch nicht sein, daß viele ältere Menschen unruhig werden und in Angst leben, weil sie immer wieder hören, die Renten würden drastisch gekürzt“ und weiter „ .. müssen wir uns schon fragen, ob das jetzige Renteneintrittsalter ewig Bestand haben kann“.
Wenn sich derzeit praktisch alle Politiker – Zwerge wie auch in der ersten Reihe stehende Revierfürst(inn)en – meinen, zum Thema Rente(nalter) äußern zu müssen, dann sollte sich ein Bürger, nämlich Sie, ganz sicher aus dieser Thematik heraushalten.
Keine Kaste in unserem Staatswesen greift so ungeniert ins Staatssäckel wie Politiker(innen), aber nur der Bundespräsident erhält auch nach dem Ausscheiden aus seinem Amt 100 Prozent seiner Bezüge – in sechsstelliger Höhe (nicht einbezogen alle sonstigen Annehmlichkeiten wie Büro, Sekretärin, Dienstwagen, 13. Monatsgehalt, etc.), lebenslang, ohne dafür jemals irgendwelche Beiträge entrichtet zu haben.
Für Politiker gibt es weder Qualitätsstandards oder sonstige fachliche Voraussetzungen, noch haben sie für Fehlleistungen zu haften (allenfalls „droht“ der vorzeitige Ruhestand oder die „Entsorgung“ nach oben (EU) bzw. Versetzung auf den Posten eines Geschäftsführers einer (parteinahen) Stiftung. Wo normalen Rentner(inne)n bei Nebenerwerbstätigkeiten die Kürzung der Rente droht, bedienen sich ‚verdiente’ Systemheloten (vulgo: Politiker) gerne auch mehrfach aus verschiedenen früheren Ämtern (z.B. als OB, Staatssekretär, Minister(präsident) – derartige Jobs gibt’s ja in Hülle und Fülle). Langjährige MdBs können schon mit 55 Jahren Altersbezüge erhalten, und nicht vergessen sollten wir die steuerfreien Zusatzvergünstigungen im Amt, wohingegen sich der normale Arbeitgeber Essenszuschüsse, Geschenke bei Firmenjubiläen und einen auch privat nutzbaren Firmenwagen steuerlich anrechnen lassen muß.
Sie haben wahrlich eine ‚Bilderbuchkarriere’ als Berufspolitiker hingelegt, sich mit Partei und Kirche wunderbar arrangiert – à la bonheur. Aber sich jetzt – man könnte bösartig unterstellen, es locke eine zweite Amtsperiode als Bundespräse – als weiser ‚Übervater’ und philanthropisches Gelenk zwischen Staat und Kirche in die Debatte um eine Reform des Systems einzumischen, von dem Sie im Übermaß selbst profitier(t hab)en (geruhten Sie eigentlich jemals, irgendwelche Beiträge aus eigenem Einkommen in die staatliche Sammelbüchse abzuführen?), ist beinahe blasphemisch; als einer der ältesten Politiker, ehemaliger Landesvater (sowie als laizistischer Kirchenchef) wäre es Ihre Aufgabe gewesen, der Verrottung unserer Staatsfinanzen und der („sozialen“ Subsysteme), der mannigfachen Verstöße gegen das Grundgesetz (z.B. Artikel 14 (siehe: www.staatshehlerei.de), 21, 25, 26, 28, 29, 33, 34, 38, 106 ((3); 2), 115, 131 (s.o.), 140 (Einschluß Weimarer Verf. Art. 137, Abs. 5 bis 7), und 146a, der massiven Veruntreuung von dem Bürger abgezwungenen „Sozial“abgaben und der völligen Negierung der seit 25 Jahren von allen (unabhängigen) Fachleuten akklamierten Gefahren für die Staatsfinanzen durch den Gesetzgeber mutig entgegenzuwirken. All dies unterließen Sie wohlweislich – mag man dies brav, clever oder opportunistisch nennen, egal. Sie haben damit aber – wahlweise – die vorauszusetzende fachliche Qualifikation oder die (auch unter ethischen oder christlichen Gesichtspunkten) gebotene Verantwortungsbereitschaft bedenklich vermissen lassen. Dafür, und deshalb ‚liebt’ Sie das System, war Ihnen ein reibungsloses Miteinander in harmoniegetränktere Anpassung wohl allemal wichtiger.
Nun; sicut; an den Kosten für Ihren Lebensunterhalt und Ihre lebenslange Rente wird dieser Staat nicht zugrunde gehen ( im übrigen gibt es ähnliche Fälle zuhauf). Aber dann halten Sie sich ‚um Gottes Willen’ aus der jetzigen Diskussion um den Fortbestand eines Gemeinwesens heraus, dessen schleichender Verunordnung Sie sich nicht nur nicht in den Weg gestellt haben, wie dies ausgeführtermaßen Ihre Pflicht gewesen wäre, sondern dem Sie, im Gegensatz zu vielen hunderttausend Rentner(inne)n – vornehmlich zukünftigen –, ein wirtschaftlich unbeschwertes Alter verdanken werden. Wäre es Ihnen wirklich, wie Sie dies jetzt vorgeben, um das Wohl der Alten und deren/unser aller Zukunft zu tun (gewesen), hätten Sie fürwahr eher und mutiger handeln sollen. Für die jetzt überfällig anstehende, nicht einmal mehr von Politiker(inne)n zu verdrängende Diskussion um die Schadensbegrenzung bzgl. der Schulden dieses Staates, die Totalsanierung eines völlig maroden Sozialsystems und die Neuausrichtung/Modernisierung einer nach Kompetenz wimmernden Bundesrepublik Deutschland sind Sie der völlig falsche Mann. Lassen Sie die überbezahlten Berufsschwätzer in Parteien, Gewerkschaften und anderen systemverfangenen Rädeln schwadronieren und das Volk verkackeiern, aber halten Sie sich ganz bescheiden im Hintergrund. Beten Sie ruhig für Deutschland – aber bitte leise!

V.i.S.d.P.,
München, 25.8.2003
© Deutscher Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik (DBSFS) e.V.
H.-W. Graf

Deutscher Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik (DBSFS) e.V.
Brahmsstraße 24 a
Tel. 089-41600721
Fax 089-41600725


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