Arabische Öffentlichkeit kritisiert Washingtons Vorgehen
in Konfliktregionen Kritik an den USA ist in der arabischen Welt nichts
neues. Sie hat aber nach dem Beginn der zweiten palästinensischen Intifada
im September 2000 und den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York
und Washington eine neue Dimension bekommen. Die Bevölkerung ist der
Ansicht, daß die USA Islam und Terrorismus miteinander vermischen. Es
vergeht kein Tag, an dem die ägyptische Presse nicht eine neue Kampagne
gegen die Haltung der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt, deren
Politik im Irak und Afghanistan oder wegen etwas anderem startet.
Die
regierungsamtliche ägyptische Zeitung al Jumhuriyeh fragte nach dem
großen Stromausfall Mitte August in den USA, wie ein Staat, der
»unfähig« ist, seine eigene Stromversorgung
aufrechtzuerhalten, »die Elektrizität im Irak
wiederherstellen« will. Kairos Zeitungen veröffentlichen laufend
Leitartikel, die Washington in aller Deutlichkeit kritisieren, und weisen auf
die fortgesetzten Kontakte zwischen der ägyptischen Führung und den
USA und den Widerspruch zwischen einer gegen die USA gerichteten
öffentlichen Meinung und einer mit den USA verbündeten Regierung hin.
Ägypten bekommt jährlich etwa zwei Milliarden US-Dollar als
militärische und zivile Hilfen und ist nach Israel der weltweit
zweitgrößte Empfänger von US-Geldern.
Auch in vielen
anderen arabischen Staaten ist die Stimmung sehr stark gegen die USA gerichtet,
so in Libanon, wo die Zeitungen aller politischen Strömungen die
US-Administration scharf kritisieren. Die Übersetzerin Rania aus Kairo
sagt: »Zu Beginn der Intifada habe ich die Aufrufe zum Boykott
amerikanischer Waren nicht befolgt, aber als ich die US-Reaktionen auf den 11.
September gesehen habe, wollte ich mich auch daran beteiligen.« Bereits
seit langem sind Listen von US-amerikanischen Waren im Umlauf, die in der
arabischen Welt boykottiert werden sollen. Die jordanischen Muslimbrüder
etwa rufen Jordanier und Iraker regelmäßig zum Boykott
amerikanischer Erzeugnisse auf. Im Libanon werden dagegen weiterhin Zigaretten
und Getränke aus den USA konsumiert. Aber es hat eine Anzahl von Angriffen
auf Restaurants der McDonalds-Kette gegeben, so daß die Regierung die
Sicherheit an diesen Orten verstärken mußte. In Ägypten hat der
geistige Führer der Muslimbrüder, Mamun al Hudheibi, die arabischen
Völker Ende August erneut dazu aufgerufen, den Kampf ihrer
palästinensischen Brüder durch einen »vollständigen
Boykott« US-amerikanischer und israelischer Waren zu
unterstützen.
* Aus Al Quds al arabi
(Übersetzung:
Petra Wild) |