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12.09.2003   Junge Welt
Ansehen der USA im freien Fall
Arabische Öffentlichkeit kritisiert Washingtons Vorgehen in Konfliktregionen
Kritik an den USA ist in der arabischen Welt nichts neues. Sie hat aber nach dem Beginn der zweiten palästinensischen Intifada im September 2000 und den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington eine neue Dimension bekommen. Die Bevölkerung ist der Ansicht, daß die USA Islam und Terrorismus miteinander vermischen. Es vergeht kein Tag, an dem die ägyptische Presse nicht eine neue Kampagne gegen die Haltung der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt, deren Politik im Irak und Afghanistan oder wegen etwas anderem startet.

Die regierungsamtliche ägyptische Zeitung al Jumhuriyeh fragte nach dem großen Stromausfall Mitte August in den USA, wie ein Staat, der »unfähig« ist, seine eigene Stromversorgung aufrechtzuerhalten, »die Elektrizität im Irak wiederherstellen« will. Kairos Zeitungen veröffentlichen laufend Leitartikel, die Washington in aller Deutlichkeit kritisieren, und weisen auf die fortgesetzten Kontakte zwischen der ägyptischen Führung und den USA und den Widerspruch zwischen einer gegen die USA gerichteten öffentlichen Meinung und einer mit den USA verbündeten Regierung hin. Ägypten bekommt jährlich etwa zwei Milliarden US-Dollar als militärische und zivile Hilfen und ist nach Israel der weltweit zweitgrößte Empfänger von US-Geldern.

Auch in vielen anderen arabischen Staaten ist die Stimmung sehr stark gegen die USA gerichtet, so in Libanon, wo die Zeitungen aller politischen Strömungen die US-Administration scharf kritisieren. Die Übersetzerin Rania aus Kairo sagt: »Zu Beginn der Intifada habe ich die Aufrufe zum Boykott amerikanischer Waren nicht befolgt, aber als ich die US-Reaktionen auf den 11. September gesehen habe, wollte ich mich auch daran beteiligen.« Bereits seit langem sind Listen von US-amerikanischen Waren im Umlauf, die in der arabischen Welt boykottiert werden sollen. Die jordanischen Muslimbrüder etwa rufen Jordanier und Iraker regelmäßig zum Boykott amerikanischer Erzeugnisse auf. Im Libanon werden dagegen weiterhin Zigaretten und Getränke aus den USA konsumiert. Aber es hat eine Anzahl von Angriffen auf Restaurants der McDonalds-Kette gegeben, so daß die Regierung die Sicherheit an diesen Orten verstärken mußte. In Ägypten hat der geistige Führer der Muslimbrüder, Mamun al Hudheibi, die arabischen Völker Ende August erneut dazu aufgerufen, den Kampf ihrer palästinensischen Brüder durch einen »vollständigen Boykott« US-amerikanischer und israelischer Waren zu unterstützen.

* Aus Al Quds al arabi

(Übersetzung: Petra Wild)


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