| Seitenzugriffe seit dem 13.07.2006 | 534 |
Wasservorräte je Einwohner und Jahr (Angabe in 1.000 Kubikmeter) Ungleiche VerteilungDie wirkliche Crux ist aber die ungleiche Verteilung der begrenzten Vorräte: Während Europa und Nordamerika noch gut mit erneuerbaren Wasservorkommen ausgestattet sind, leiden der Nahe Osten, Nordafrika und Südasien bereits unter extremer Knappheit. Abwasseraufbereitung, Auffangen von Regenwasser und Meerwasserentsalzung: diese Methoden der Trinkwassergewinnung können sich meist nur reiche Staaten in den Trockengebieten der Erde leisten. Und die demografischen Entwicklungen, gerade in den armen Ländern, lassen alle Planungen schnell veralten. Nach Angaben der Weltgesundheits-organisation (WHO) braucht jeder Mensch zwanzig Liter sauberes Wasser am Tag, um gesund leben zu können: Drei bis fünf Liter zum Trinken und Kochen, den Rest für die Hygiene. Tatsächlich verbraucht heute ein europäischer Haushalt durchschnittlich bereits 150 Liter Wasser täglich, davon nur drei für Essen und Trinken, den Rest für Haushalt, Garten und Auto, Geschirr, Wäsche und Körperhygiene. Umgang ändernWenigstens an besserem Wissen fehlt es nicht: Eine Lösung, so der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung, kann nur im "guten Umgang" mit dem Wasser liegen. Modernisierung der Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft, Sanierung und Ausbau von Trinkwasser- und Abwassersystemen, Verträge über die gemeinschaftliche Nutzung von grenzüberschreitenden Vorkommen, Schutz von Süßwasservorkommen und Verhaltensänderungen haben die Experten als Aufgaben im Umgang mit der Ressource Süßwasser ausgemacht. Deutschland spielt hier eine Vorreiterrolle: In den vergangenen zehn Jahren ging der Wasserverbrauch um zwanzig Prozent zurück. Der "nachhaltige Umgang" mit Wasser ist also erlernbar. cn
Poker ums WasserDen Hahn aufdrehen und sauberes Wasser sprudeln lassen für viele ein alltäglicher Vorgang. In Deutschland sorgen rund 6.300 hauptsächlich kommunale - Unternehmen dafür, dass in Dörfern und Städten das Wasser fließt. Doch der Zugang zu bezahlbarem und sauberem Trinkwasser könnte bald erschwert werden, befürchten viele Bürger. Wegen leerer öffentlicher Kassen machen Privatisierungen bei der Wasserver- und entsorgung rasante Fortschritte. Mit noch schwer absehbaren Folgen für Bürger und Umwelt. In teuren Anlagen speichern Wasserwerke das kostbare Lebensmittel. Über Jahrhunderte haben Menschen ihr Trinkwasser aus Flüssen und Brunnen gewonnen. Erst im 19. Jahrhundert begannen Kommunen mit dem Bau von Trinkwasser- und Abwasserleitungen. Medizinische Untersuchungen wiesen damals auf den Zusammenhang zwischen massenhaft auftretenden Erkrankungen wie Durchfall und verunreinigtem Wasser hin. Da die Privatwirtschaft nicht bereit war, diese Aufgabe zu übernehmen, entwickelten sich Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung zu öffentlichen Aufgaben. Erfolgsrezept Privatisierung?In über 150 Jahren haben sich kommunale Wasserversorger zu hochspezialisierten Organisationen entwickelt, die nun dennoch vor dem Aus stehen. Leere öffentliche Kassen, eine immer schwierigere und aufwändigere Trinkwassergewinnung und -reinigung sowie hohe Investitionen für die Sanierung der oft maroden Anlagen stellen die Wasserversorger vor große Probleme. Politiker und Wirtschaftsexperten sehen die Lösung in der Privatisierung der Unternehmen. Doch dagegen sträuben sich viele Verbraucher. Sie befürchten enorme Preiserhöhungen für die Bereitstellung von Trinkwasser und Abwasserbeseitigung, überhöhte Investitionen für neue Anlagen sowie negative Auswirkungen auf die Umwelt wegen der Profitorientiertheit privater Unternehmen. Kredite nur für PrivateDiese Ängste sind nicht unbegründet: 1998 entschieden sich zum Beispiel die italienische Stadt Arezzo und 36 weitere Kommunen, die Wasserversorgung für 25 Jahre zum Teil einer privaten Gesellschaft zu übergeben. Für die Gemeinden war es der einzige Weg, um an einen Kredit zur Sanierung der maroden Trinkwassergewinnungs- und Abwasser-Beseitigungsanlagen zu gelangen. Nach der Teilprivatisierung flatterten vielen Leuten doppelte Rechnungen ins Haus, die Preise stiegen teilweise um das Vierfache. Allerdings konnte gleichzeitig die Wasserqualität verbessert werden. 25 Prozent teurerIn England führte nach einer Studie die bislang einzige durchgreifende Wasser- und Abwasserprivatisierung in zehn Jahren zu einer Preissteigerung um rund fünfundzwanzig Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden knapp über zwanzig Prozent der Mitarbeiter entlassen. Besonders auf internationalem Parkett scheint sich die Privatisierung des bis dato öffentlichen Sektors nicht besonders positiv auszuwirken. Mit der finanzkräftigen Unterstützung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) kaufen sich multinationale Konzerne wie Nestlé und Vivendi weltweit in den kommunalen Wassersektor ein. "Wasser für die Armen"IWF und Weltbank versprechen, dass mit der Übergabe der Aufgabe in private Hände die Versorgung verbessert, die Wirtschaftlichkeit gesteigert und das "Wasser für die Armen" sichergestellt werde. Doch den Konzernen geht es um maximale Rendite in dem Wachstumssektor: So wenig wie möglich Investitionen bei größtmöglichem Gewinn, scheint ihr Motto zu sein. In Cochabama, der drittgrößten Stadt Boliviens, stiegen die Wasserpreise nach der Privatisierung 1999 um 200 Prozent. Letztendlich wurde nach vehementen öffentlichen Protesten der Vertrag gekündigt. Damit das Wasser fließt, müssen komplexe Leitungsnetze gewartet und erneuert werden. Im eigenen Land ist es vor allem der deutsche Osten, der zum Teil multinationale Unternehmen anzieht. Marode Wasser- und Abwasserleitungen überfordern dort das Leistungsvermögen der öffentlichen Kassen eklatant. Also müssen private Investoren her. Die Unternehmen betrachten überdies ihr dortiges Engagement als ideale Startbasis für weitere Expansionen Richtung Osten, mit Blick auf die Erweiterung der Europäischen Union. Viel Wasser - viel ProfitVerunsicherungen der Bürger, vor allem in den Flächenländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, haben in den vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt. Grundlegend ist der mit Privatisierungen in diesem Bereich immer verbundene Widerspruch: Wird viel Wasser verbraucht und damit viel Abwasser erzeugt können private Unternehmen schwarze Zahlen schreiben und auch die Wasserpreise für den Verbraucher bleiben erträglich. Sinkt das verbrauchte Volumen hingegen, steigt der Preis pro Kubikmeter schnell. Dies hat seine Ursache vor allem darin, dass der Haupt-Kostenfaktor technische Anlagen und Leitungsnetze sind, die unabhängig vom Verbrauchsvolumen errichtet und gewartet werden müssen. Das Wasser rieselt im Wasserwerk über dicke Kiesbänke. Eisen- und Manganoxide werden so entfernt. Im Interesse der Unternehmen und bei dieser Konstellation leider auch der Verbraucher - liegt also ein erhöhter Wasserverbrauch. In Interesse von Umwelt- und Ressourcenerhaltung müsste der Verbrauch aber verringert werden. Leitungswasser oder Mineralwasser? Viele schwören auf die gesundheitsfördernde Wirkung und den guten Geschmack des Mineralwassers. Dafür bezahlen sie auch gern ein wenig mehr. Die anderen setzen lieber auf das erfrischende Nass direkt aus dem Wasserhahn, manchmal nur noch durch etwas Sprudel aufgepeppt. Leitungswasser oder Mineralwasser? Welches ist das bessere Trinkwasser? Für beide gelten unterschiedliche Gesetze und Schadstoffgrenzwerte. Mineralwasser muss laut Mineral- und Tafelwasser-Verordnung aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten, natürlichen Wasservorkommen stammen und von ursprünglicher Reinheit sein. Hingegen stellt die Trinkwasser-Verordnung an Leitungswasser den Anspruch, keimarm, farb- und geruchlos und geschmacksneutral zu sein. Über die Hälfte des Wassers stammt aus Grundwasserreservoirs, ein Teil wird aus Oberflächen- oder Quellwasser gewonnen. Die Schadstoffgrenzwerte sind bei Leitungswasser viel strenger gesetzt als bei Mineralwasser. Sorgen bereiten den Ingenieuren allerdings alte Leitungsrohre, besonders Bleirohre, die schädliche Stoffe abgeben. Experten der Stiftung Warentest kamen nach mehreren Vergleichen dennoch zu dem Schluss, dass "Leitungswasser den Vergleich mit Mineralwasser nicht zu scheuen braucht." Auf rein privatwirtschaftlicher Basis kann dieser Konflikt wahrscheinlich nicht gelöst werden. |
|||||||||||||||
|
Diese Domain www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen |
| Diese Seite auf Ihrem PC speichern! |
Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht! |
|