Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 13.07.2006287

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
3
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
13.09.2003 Jörg Heléne renegadenation
Das kaputte Spielzeug

Eine Kritik sowohl an den sogenannten "seriösen Medien"
als auch an den sogenannten "Verschwörungstheoretikern" und
eine überraschende Schlussfolgerung


Tolle Überschriften

Okay, zugegeben, die 2. Überschrift ist etwas lang geraten, wirr und nicht pointiert. Aber pointierte Überschriften zu diesem Thema hatten wir wirklich genügend und sie wurden ja auch von hellen Köpfen ausgedacht: "Aktenzeichen 11.9. ungelöst", "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9." und (mein Favorit): "Osama und die 19 Räuber". Das sind schon kreative Meisterleistungen, bei denen ich Amateur nicht mitkomme.

Zum Glück gibt's genug professionell Kreative, die sich herausgefordert fühlten, noch bessere, schönere, treffendere Überschriften zu finden. Der Spiegel ist dabei seit jeher einer der besten, gleich drei tolle, pointierte Überschriften zum selben Thema im selben Heft: "Tod im Päckchen", "Dem Schwachsinn eine Schneise" und (mein absoluter Favorit): "Panoptikum des Absurden". Andere Medien waren nicht minder kreativ: "Täuschung oder Wahrheit" hieß es da zum Beispiel oder "Affen der Angst", "Juden, BKA und CIA". Das kann ich natürlich nicht übertreffen. Ich muss mir jede gute Zeile hart erkämpfen und meistens ist sie zwischen Dutzender schlechter Zeilen versteckt.

Zweifel im Netz

Was war der Auslöser dieser kreativen Ergüsse? Nach den Anschlägen des 11. September 2001 schossen unmittelbar auch Zweifel hoch, die sich über das Internet in der ganzen Welt verbreiteten. Darunter war überwiegend an den Haare herbeigezogener Unfug, aber durchaus auch ein paar berechtigte Fragen, die die offizielle Darstellung des Ablaufs der Anschläge in Frage stellten. Wer jedoch kein Internet hatte oder nicht auf den einschlägigen Seite las, erfuhr davon nichts. Die offizielle Darstellung wurde zur historischen Wahrheit.

Was dann Autoren wie Wisnewski, von Bülow und Bröckers machten, war eigentlich nicht viel. Sie nahmen all diese Thesen, die im Internet standen, und veröffentlichten sie als Buch. Damit jedoch lösten sie eine Lawine aus, die sie selbst wohl nicht erahnt hatten. Deshalb zuerst einmal eine kritische Betrachtung der seriösen Medien (einer kritische Betrachtung der sogenannten "Verschwörungstheoretiker" widme ich mich etwas weiter unten).

War da irgendwas?

Plötzlich sahen sich etablierte Medien in Druck und Fernsehen genötigt diese Thesen nicht mehr zu ignorieren, ja in nicht wenigen Fällen überhaupt erstmalig bewusst wahrzunehmen. Doch wie reagierten sie? Etwa damit die Thesen streng wissenschaftlich zu widerlegen?

Nicht wirklich. Zumindest die ersten Gegenargumente, die kamen, waren Beschimpfungen und Falschdarstellungen. Dabei wurde auch gleich ein neues Schimpfwort geboren: "Verschwörungstheoretiker". Panorama schaffte es gar einen ehemaligen Bundesminister, sowie zwei bis dahin anerkannte Journalisten zu "Verschwörungstheoretiker" zu degradieren. Dann wurde noch schnell einem weit bekannten Neonazi derselbe Stempel aufgedrückt und Panorama glaubte das Thema wäre erledigt. Die Bücher könnten auf dem Müllhaufen verschwinden.

Das Publikum wehrt sich

Doch es kam anders. Das Panorama-Publikum, von der Berichterstattung dieses Magazins immerhin seit Jahrzehnten zum kritischen Denken erzogen, dachte kritisch und erkannte, dass bei dem Bericht so einiges nicht stimmte, dass mit schnellen Schnitten einige unliebsame Autoren in die rechte Ecke geschoben werden sollten, um den Eindruck zu erwecken, dass jeder, der die offizielle Darstellung der Anschläge hinterfragt, ein rechtsradikaler, antisemitischer Spinner ist.

Das Panorama Publikum, wie gesagt immerhin zum kritischen Denken erzogen, hinterfragte nun, warum man denn nicht hinterfragen dürfe, wenn es um die Anschläge geht, und warum die offizielle Darstellung unverrückbar dastehen soll. Immerhin ist diese offizielle Darstellung ja, das ist bei solch einem komplexen Ereignis wohl nicht verhinderbar, auch mit spekulativen Elementen besetzt. Diese erklären die Punkte in der Darstellung, die durch keine Fakten belegt (oder widerlegt) werden können. Warum soll es verboten sein, diese Spekulationen durch andere zu ersetzen, um zu sehen, was dabei herauskommt? Welche Erklärung dann plausibler erscheint, könnte dann ja jeder für sich selbst entscheiden. Ist das nicht eine Basis des kritischen Denkens? Zu hinterfragen? Selbst wenn die Fragen, die dabei auftauchen, durch die Fakten widerlegbar sind, so ist es doch wenigstens legitim nach diesen Widerlegungen zu fragen.

"Hetze gegen Panorama"

Also wurde Panorama zu recht vom Publikum kritisiert. Nahmen sie diese Kritik an? Kritisierten sie die Bücher noch mal von einem etwas sachlicheren Aspekt, etwa mit klaren Fakten ohne Beschimpfungen oder ungerechtfertigte emotionale Erwiderungen auf sachliche Fragen? Leider nicht. Vielmehr fühlten sie sich plötzlich als Opfer einer Hetzkampagne. Dabei hatten sie ja selbst zuerst gehetzt.

Keine Sorge, liebe Panorama-Freunde (falls Ihr überhaupt so weit gelesen haben solltet), ich mache Panorama nicht zum Teil irgendeiner Verschwörung, nicht mal einer journalistischen, das ist auch gar nicht nötig. Ich werde wie gesagt auch noch kritische Worte zu den Autoren der sogenannten "Verschwörungsbücher" loswerden. Für den Moment aber möchte ich diesen Punkt, das Verhalten der "seriösen Medien", etwas näher beleuchten. Auch sei schon mal angedeutet, dass die Ursache von der ganzen Diskussion meiner Meinung nach ganz woanders liegt als üblicherweise - egal von welcher "Seite" - angenommen wird.

Mediale Aufmerksamkeit nach 2 Jahren Stille

Plötzlich berichteten alle über diese "Verschwörungsbücher". 2 Jahre lang wurden die Thesen ignoriert und nun fühlte sich jede Zeitung und viele Fernsehsender genötigt darüber zu berichten, so als würden sie etwas anderes zu sagen haben als die anderen. Dabei sagten sie alle das gleiche.

Zuerst waren da Panorama, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und Focus TV die hauptsächlich mit Beschimpfungen und Falschdarstellungen den Zorn einiger Leser/Zuschauer auf sich zogen. Dadurch erreichte man die notwendige Aufmerksamkeit, die es sonst nie gegeben hätte. Danach tauchte von Bülow bei Maischberger auf und wurde dort relativ fair behandelt, aber dennoch in die Ecke gedrängt, indem man sich auf eine Handvoll schwacher Punkte in seinen Thesen konzentrierte und die viel interessanteren aussparte. Und zu guter letzt der WDR, ganz seriös, ganz fair und ganz sachlich, nahm die besten Argumente für die offizielle Darstellung, breitete sie mit geeigneten Experten und schönen Filmchen genüsslich und überzeugend aus und stellte sich mit Wisnewski noch einen Prügelknaben zur Seite, den man in einer 1-Stunden-Sendung insgesamt (zusammengerechnet) nicht mal 8 Minuten Redezeit gönnte, um seine Thesen zu erläutern und ihn immer dann, wenn er mit einer treffenden Aussage beim Publikum ein paar Pluspunkte hätte sammeln können, unterbrach und zu einem (eigentlich schon durchgekauten) schwachen Punkt zurückkehrte. Zum Abschluss der Sendung meinte der Moderator noch: "Ich hoffe, wir waren fair". Nein, wart Ihr nicht, bloß fairer als Panorama zu sein, ist noch nicht fair an sich.

War schon vorher auf "dubiose" Internetquellen verwiesen worden (wird ein BBC- oder CNN-Bericht "dubios", wenn er im Internet steht?), betonte der WDR und der Abgesandte der Süddeutschen Zeitung (Zitat: "Der 11. September war so wie er war") nochmal ganz deutlich, wie unsicher Internet-Informationen sind und dass man doch lieber auf seriösere Medien zurückgreifen sollte (ein Redakteur einer großen Tageszeitung und ein Fernsehsender sprechen dem Internet die Möglichkeit ab seriös zu informieren... ein Schelm, wer Böses dabei denkt). So nach dem Motto: sucht da nicht nach Informationen, die sind sowieso nur richtig, wenn sie auch von den Printmedien befürwortet und bestätigt werden. Sowas wäre dann wohl am besten als "Informationsmonopol" zu bezeichnen, der erste Schritt zur erfolgreichen Propaganda.

Eine Verschwörung von Panoganda und Proparama? Vielleicht auch einfach nur gepennt...

Steckt dahinter aber eine "Verschwörung der Medien"? Nicht wirklich. Die großen Medienorgane wie Spiegel, Focus, Panorama, etc., etc. haben einfach eine Entwicklung zwei Jahre lang komplett verpennt und mussten von ein paar Buchautoren darauf gestoßen werden. Statt nun aber endlich mit der Aufarbeitung dieser offenen Fragen zu beginnen, stoßen sie all jene vor den Kopf, die sich seit 2 Jahren eben diese Fragen stellen, indem sie einfach als Spinner dargestellt werden. Wieso dürfen manche Fragen scheinbar nicht gestellt werden? Was ist mit dem Sesamstraßen-Motto "Wer nicht fragt, bleibt dumm", mit dem wir alle aufgewachsen sind? Eine Frage zu stellen, ist doch noch keine Behauptung irgendeiner Tatsache, sondern vielmehr das Eingeständnis, dass man die Antwort nicht kennt. Da ist man aber scheinbar in guter Gesellschaft, weil das Schimpfen einiger Medien darauf hindeutet, dass sie die Antwort auch nicht kennen.

Was geschieht aber statt einer korrekten journalistischen Aufarbeitung eines vergessenen Themas?

Kiffen oder Saufen?

Der Tagesspiegel zitierte am 13.09.2003 alte Bekannte von Mathias Bröckers, einer der Autoren, die jetzt nur noch "Verschwörungstheoretiker" sind. Alle würden Bröckers als nett und klug beschreiben, nur gekifft hätte er ein bisschen zu viel.

Ah, das war's. Richtig, Bröckers ist ein Kiffer, das Feindbild der konservativen Alkoholiker. Es ist natürlich entscheidend für seine Thesen, dass Bröckers ein Kiffer ist. Dadurch verlieren sie sofort die Stichhaltigkeit. Nicht so wie die seriösen Journalisten, die häufig einem Glas Wein nicht abgeneigt sind und die Erfolge mit Sekt anstoßen. Wein ist ja keine Droge sondern Kulturgut und Genussmittel, nicht wahr? Ganz nebenbei kommen da auch noch die Lebenslügen der seriösen Journalisten ans Tageslicht (und bevor jemand fragt: ich persönlich bin Liebhaber von gutem irischen Whiskey. Falls mal jemand Argumente braucht um meine Thesen zu widerlegen, kann er gerne auf diese Tatsache zurückgreifen. Auch auf die Tatsache, dass mir ein irischer Säufer sympathischer ist als ein zeternder Journalist, immerhin wurden mehr hervorragende Bücher von irischen Säufern geschrieben als von seriösen Journalisten).

Ein paar der "besten" Argumente

Natürlich gibt es auch ein paar Argumente auf journalistischer Seite. Eines liebe ich besonders: "Verschwörungen dieses Ausmaßes sind nicht möglich, weil zu viel Leute bescheid wissen müssten und einer immer redet".

Genial! Und wie investigativ. Doch auf welchen Fakten beruht diese Annahme? Was wir wissen ist, dass es Verschwörungen regelmäßig gibt, weil immer mal wieder welche aufgedeckt werden. Doch was wissen wir über nicht-aufgedeckte Verschwörungen? Welche Erfahrungswerte haben wir denn über nicht-aufgedeckte Verschwörungen? Natürlich keine, denn hätten wir Erfahrungswerte, dann wären diese Verschwörungen ja aufgedeckt! Wie soll man dann beurteilen können, wann eine Verschwörungen zu komplex wäre, um ohne Plappermaul auskommen zu können, wenn man gar nicht weiß, welche Verschwörungen nie aufgedeckt wurden? Nagut, jeder verzapft mal Blödsinn.

Nicht mehr in Ordnung ist allerdings, wenn die FAZ einen Autor wie Noam Chomsky als "Guru halbgarer Amerika-Verachtung" bezeichnet. Chomsky ist anerkannter Professor am Massachusetts Institute of Technology und ihn nur weil er politisch links und dem amerikanischen System kritisch gegenüber steht als "Guru halbgarer Amerika-Verachtung" zu bezeichnen, ist nur eine weitere Demontage dieser einstmals ehrwürdigen Tageszeitung. Soll die FAZ doch wieder lieber sinnlose Antisemitismus-Streitereien mit mittelmäßigen deutschen Autoren führen, das ist unterhaltssamer als blinder Hass gegen jeden, der es wagt Amerika zu kritisieren.

Warum soviel Energie um eine Handvoll Autoren zu zerpflücken, vereinzelt sogar zu diffamieren und mit Falschdarstellungen in die rechte Ecke zu schieben (der 2001-Verlag, Herausgeber des Buchs von Mathias Bröckers, hat sich zu einer Klage gegen die Fernsehsendung Panorama entschlossen), statt diese Energie dafür zu verwenden, die offenen Fragen zu klären, die ja eindeutig da sind. Selbst Michael Meacher, Umweltminister unter Tony Blair, der im Juni 2003 zurücktrat, hat in einem Artikel in "The Guardian" ähnliche Fragen gestellt, z.B. wieso die Luftabwehr nicht funktionierte. Stellt man sich diese Fragen bei der deutschen Presse? Nein, lieber beginnt man Meachers anzugreifen und in dieselbe Schublade zu packen wie jeden, der sich kritisch mit den Anschlägen auseinandersetzt. Das passiert bei Journalisten eigentlich nur dann, wenn sie sich mit einem Thema schon rein ideologisch gar nicht auseinandersetzen wollen.

Doch bevor ich es mir auch noch mit dem letzten Journalisten in diesem Land verderbe (falls nicht ohnehin schon geschehen), werfen wir nun endlich auch mal einen Blick auf die andere Seite, die Seite, die verächtlich "Verschwörungstheoretiker" genannt wird.

Das Internet am 11. September 2001

Das Pentagon lag noch gar nicht in Schutt und Asche, da gab es schon die erste Verschwörungstheorie im Internet. In einem einschlägigen Forum machte jemand eine Rechnung auf: 11 + 9 + 2 + 0 + 0 + 1 = 23, die angebliche Geheimzahl der Illuminaten, die ebenso angeblich im Geheimen die Fäden der Weltgeschichte in der Hand halten. In der Logik mancher Verschwörungstheoretiker bedeutete dies, dass am 11.9.2001 ein solch folgenschweres Ereignis wie die Anschläge auf das WTC von den Illuminaten inszeniert sein muss.

Während die Deutschen eher solch mathematische Spielchen zur Belegung ihrer Verschwörungstheorien heranziehen, sind die Amerikaner traditionell visueller und vorallem spiritueller geprägt. So verbreitete sich aus den USA ein Foto über das Internet, das eine Rauchwolke bei einem der WTC-Türme zeigte, in dem angeblich die Fratze des Satans zu erkennen war.

Nungut, wer unbedingt etwas sehen wollte, hat es wohl auch gesehen. Doch so blödsinnig das auch sein mag, es zeigt doch, wie die Menschen ganz instinktiv und unterbewusst dieses Ereignis einordneten. In den religösen USA sieht man einen Teufel im Rauch und amerikakritische Menschen eine Inszenierung.

Doch auch durchaus sinnvolle Fragen und Ungereimtheiten wurden über das Netz verbreitet. Die Verschwörungstheoretiker gingen nun her, sammelten all diese Indizien, die meistens von anderen Indizien widerlegt oder zumindest in Frage gestellt wurden, schrieben sie in ein Buch und veröffentlichten es, wohlwissend, dass es im Netz eine Menge Leute gab, die sich dafür interessieren und weder von den deutschen Medien noch vom Buchmarkt bedient wurden.

Überflüssige Veröffentlichungen ohne Erkenntnisgewinn

Wie überflüssig diese Veröffentlichungen an sich waren, zeigen die Reaktionen, die der 2001-Verlag (der das Bröckers Buch veröffentlichte) von Verlagen bekam, denen er eine englische Übersetzung des Buches verkaufen wollte. Alle englischsprachigen Verlage lehnten ab, meistens mit der Begründung, dass das doch ohnehin schon alles im Internet stehen würde.

Sogenannte Verschwörungstheorien sind kein deutsches Phänomen, im Gegenteil, die meisten schwappen von den USA zu uns herüber, wie z.B. die Behauptung, dass die USA niemals auf dem Mond gelandet sind. Etwa jeder 10. US-Bürger glaubt an eine Inszenierung der Mondlandung.

Peinlichkeiten der "Verschwörungstheoretiker"

Zumindest von Bülow scheint bei seiner Recherche kaum das Haus und den Computer verlassen zu haben. Wisnewski kann wenigstens von sich behaupten vor Ort mit Augenzeugen gesprochen zu haben. Allzu intensiv aber auch nicht. Zwar ist es richtig, wenn er bemerkt, dass die Augenzeugenberichte so widersprüchlich waren, dass es besser ist, sich mehr auf "harte" Fakten zu konzentrieren (ein Augenzeugenbericht ist ohnehin für eine objektive Untersuchung von geringerer Bedeutung, weil ein Augenzeugenbericht eben schlicht und ergreifend nicht objektiv ist). Wenn er dann aber in einer Fernsehsendung mit der Tatsache konfrontiert wird, dass das WTC gar keinen Stahlbetonkern hatte und er nur reagieren kann mit den Worten: "Das höre ich zum ersten Mal", dann ist das peinlich.

Sicherlich wirft diese Tatsache (kein Stahlbetonkern) eine neue Frage auf, nämlich aufgrund welcher Konstruktion der Architekt der Türme annahm, dass es den Absturz eines Jumbos standhalten würde, und wieso das trotzdem offensichtlich nicht funktionierte (die Erklärung mit der Temperatur und dem Schmelzen ist in der Tat eher fragwürdig), es ändert aber nichts an der mangelnden Recherchearbeit von Wisnewski.

Oder Herr von Bülow: wie kann er sich bei Maischberger hinsetzen und auf die Behauptung im WTC sei nur ein einziger Israeli gestorben nur irgendwas über den Mossad vor sich hinbrabbeln und über die Frage philosophieren, dass der israelische Staat etwas damit zu tun haben könnte? Natürlich hatte der israelische Staat Interesse an der Beseitung das irakischen Regimes, denn Israel war der wirklich einzige Staat auf der Welt, für den der Irak nach dem Golfkrieg von Bush Sr. eine Bedrohung darstellte. Aber das auf einen völlig unbestätigten Bericht von einem einzelnen israelischen Toten aufzubauen, ist in der Tat entweder dämlich oder zur Befriedigung einer rechtsradikalen Leserschaft gedacht. Diese Behauptung ist letztendlich nur eine Abwandlung der auch von Mahler gebrachten Behauptung, dass die Juden vor den Anschlägen gewarnt worden wären und so kaum ein Jude umkam. Ein absoluter Unsinn. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, sind mehrere Hundert Juden bei den Anschlägen ums Leben gekommen.

Sicherlich sind Israelis nicht vollständig mit Juden gleichzusetzen. Juden sind Anhänger einer Glaubensgemeinschaft, während Israelis Bürger eines Staates sind, wenngleich auch eines jüdischen. Im Gegensatz zu Menschen, die dem jüdischen Glauben anhängen, dürften sich Bürger des Staates Israel nicht regelmäßig in größerer Anzahl im WTC aufgehalten haben. Die Juden mögen auf der ganzen Welt verstreut sein (wie auch Christen und Moslems), doch die Bürger des Staates Israel sind wenig überraschend überwiegend im Staat Israel anzutreffen. Schlicht falsch ist auch von Bülows Behauptung, dass nach den Anschlägen ursprünglich 200 Israelis vermisst gemeldet worden seien (woraus er wohl die zu erwartende Zahl an Toten suggerieren will). Das amerikanische Außenministerium sprach am Anfang jedoch lediglich von 20 vermissten Israelis. Bedenkt man das ursprünglich mehr als doppelt soviele Tote in den beiden Türmen angenommen wurden als es dann tatsächlich waren, so ist es nicht sonderlich bemerkenswert, dass "nur" ein Israeli bei den Anschlägen ums Leben gekommen ist, falls diese Behauptung überhaupt stimmt.

Mein ganz persönliches "Panoptikum des Absurden"

Auch wird sich seitens der Verschwörungstheoretiker häufig auf frühe Augenzeugenberichte berufen, die keine Boeing, sondern ein kleines Flugzeug oder eine Rakete gesehen haben wollen, die den ersten Turm traf. In der Tat sind vom ersten Einschlag nur eine Videoaufnahme und ein erst kürzlich von der New York Times veröffentlichtes Foto bekannt und auf beiden ist nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich wirklich um eine große Boeing handelt. Doch gerade hier sollen die frühesten Augenzeugenberichte die entscheidenderen sein? Nur weil die Filmaufnahmen sie nicht eindeutig widerlegen können?

Ich habe dazu mal das von unseren Verschwörungstheoretikern ja so überaus geschätzte Internet auch mal bemüht und stieß, rein zufällig und ohne großen Zeitaufwand, auf das Archiv eines Politikforums mit den Einträgen vom 11. September 2001. Wenn man diesen frühsten Meldungen wirklich Glauben schenken würde und sie wirklich noch von irgendeinem Wert wären, kämen ganz erstaunliche Ergebnisse dabei heraus. Die erste Meldung dort ist, dass eine der Maschinen eine zweimotorige gewesen sein soll, möglicherweise eine Boeing 737. Dies würde ja zunächst einige Verschwörungstheorien bestätigen, die besagen, dass das erste Flugzeug kleiner war als das, das angeblich hineingestürzt sein soll. Doch das ist nur die erste Meldung in diesem Forum, normalerweise sind bei solchen Katastrophen die etwas später eintreffenden Meldungen die etwas gesicherten. Was allerdings nach dieser ersten Behauptung einer Boeing 737 noch gemeldet wurde, hat es in sich. Hier eine kleine Auswahl des - wie der Spiegel sagen würde - Panoptikum des Absurden:

Demnach bekannte sich eine palästinensische Terrororganisation mit Namen DFLT zu dem Anschlag. Darauf wird in diesem Forum die ultimative Verschwörungstheorie bereits wenige Momente nach den Anschlägen formuliert. Ohne irgendwelche genauen Fakten zu haben, reduziert ein Forumsmitglied die ganze Schweinerei auf nur noch zwei Fragen: "1. Selbstinszenierung seitens der USA, um einen Krieg anzuzetteln" oder "2. Reaktion der Palästinenser auf die US-Vetos und die US-Unterstützung für Israel mit der gleichen Folge wie 1."

Die Reaktion auf diese Frage ist ebenso interessant. Ein Philipp erwidert zu 1. "ist lächerlich", ebenso ohne Fakten. Hier sieht man, wie sich die Meinung über diese Anschläge in den Köpfen der Menschen bereits unmittelbar nach der Katastrophe verfestigten und beide Seiten erst hinterher nach Belegen suchten.

Einer, der sich "eka" nennt, stellt ebenso unmittelbar fest, dass das nicht die Amerikaner machen, sondern die Rüstungsindustrievertreter in der Regierung, die Lügen-Medien etc. Keineswegs hat der 11. September also das Denken verändert. Es hat nur die Klischees in unseren Köpfen extremer zum Vorschein gebracht.

Zur zeitlichen Einordnung: erst nach diesen Spekulationen stürzt der 2. Turm ein. Danach heißt die radikale Palästinser-Organisation, die für die Anschläge verantwortlich sein soll, plötzlich pflp, hätte aber dementiert, woraufhin "Philipp" fordert Arafat zu verhaften und die PLO zu zerschlagen. Ein gewisser "RH" ist dagegen überzeugt, dass für den Fall eines Gegenschlags bald in den USA die Garagen-Eigenbau-A-Bomben hochgehen würden. Mittlerweile ist jene ominöse pflp, die für die Anschläge verantwortlich sein soll, eine stalinistische Vereinigung.

"Schuetzenliesel" hat nun auch schon die erste Verdächtigenliste parat. Tatsächlich findet sich dort auch schon Bin Laden und die Taliban, aber auch palästinensische Terroristen, rechtsextreme Amerikaner, Globalisierungsgegner, der CIA, Saddam Hussein und... ganz erstaunlich: "alle gemeinsam?".

HolgerMeinrad hält dagegen und hat eine kürzere Verdächtigenliste: "Radikaler Islam, Zionismus oder Weltregierung USraels". Ahja, USraels? So ähnlich hieß doch der Kater des bösen Zauberers bei den Schlümpfen, oder? Ja, irgendwie leben wir alle wirklich ein bisschen in Schlumpfhausen.

Da alle damit beschäftigt sind sich zu beschimpfen, wiederholt HolgerMeinrad seine Bemerkung nochmal, alles müsse ausgeleuchtet werden, "dabei kann der Zionismus nicht unbeachtet bleiben". Ahja, der Zionismus also, jeder hat halt seine ganz persönlichen üblichen Verdächtigen. Doch immer noch reagiert keiner so richtig darauf, deshalb wiederholt es HolgerMeinrad ein drittes Mal: "Was jetzt in Washington und NY geschehen ist, ist ohne die Komponente Zionismus nicht zu verstehen", ja, ist ja gut jetzt!

(Für alle, die diese schwachsinnige, aber interessante Diskussion, die unmittelbar nach den Anschlägen im Internet stattfand, einmal selbst nachlesen wollen, hier klicken - allerdings habe ich keinen Einfluss auf die verlinkte Seite und kann daher nicht versprechen, dass diese Diskussion dauerhaft unter dieser Adresse zu erreichen ist.)

Zurück zum eigentlichen Thema

Damit kommen wir zur Konklusion und zurück zu den Medienberichten der letzten Tage. Letztendlich sind beide Seiten der Realität entflohen. Hier geht es nicht um objektive Aufklärung dessen, was geschehen ist, sondern bloß darum, dass im Kopf derer, die sich jetzt so angewidert gegenseitig beschimpfen, ein Weltbild bereits vor dem 11. September existierte, das sie auf keinen Fall aufgeben werden. Dazu dreht man sich die Realität eben so, wie man sie braucht.

Dabei ist die Vorstellungswelt nur im Detail unterschiedlich, so glauben beide Seiten an verschwundene Flugzeuge, eines auf Nimmerwiedersehen ausgetauscht, das andere vom Erdboden verschluckt (das gibt dem Sprichwort doch neues Futter).

So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass beide Seiten aufgrund derselben, tiefenpsychologisch verwurzelten Weltsicht zu ihrer festgefahrenen Meinung gelangt sind: der feste Glauben an der Unbesiegbarkeit der USA. Der ganze Schock des 11. Septembers liegt darin begraben. Schließlich war es bei weitem nicht das erste Mal, dass Tausende von Menschen sinnlos sterben mussten, doch selten hat es die Welt so geschockt wie dieses Mal. Das lag (außer bei den direkten Angehörigen der Opfer) weniger an den vielen Toten (wie gesagt, es gab an anderer Stelle häufig sogar mehr Tote, die keinen so großen Schock in der Welt auslösten), sondern vielmehr an einem Weltbild, das zerstört wurde, ein Weltbild, das selbst "Gegner" des amerikanischen Systems verinnerlicht hatten. Die Unbesiegbarkeit, Unverletzbarkeit des amerikanischen Systems.

Amerika, das kaputte Spielzeug

Der Schauspieler Johnny Depp nannte die USA ein "kaputtes Spielzeug" und traf damit den Nagel auf den Kopf. Das Bild, das die Welt von der USA hat, hat niemals zuvor so großen Schaden genommen wie am 11. September 2001. Auch wenn wir es auf der intellektuellen Ebene anders sehen, in unserem tiefsten Inneren wollen wir nicht, dass die USA ein so verletzliches Gebilde ist. Für die Befürworter des amerikanischen System war der 11. September 2001 ein GAU, sogar Super-GAU (obgleich das eine begriffliche Unsinnigkeit ist). Unter Leitung der USA entstand das bundesrepublikanische Prinzip, was bedeutet, dass die BRD ein System nach Vorbild der USA ist. Ist dieses System so leicht verletzlich, so ist auch unser System ebenso leicht verletzlich.

Auf der anderen Seite war der 11. September auch ein GAU für die Kritiker des amerikanischen Systems, eigentlich sogar noch ein größerer (obwohl auch das wieder eine begriffliche Unsinnigkeit ist). Plötzlich wurde klar, wie anfällig das amerikanische System ist und das könnte die Frage aufrufen, warum es dann nicht von den vielen Kritikern zum Besseren hin verändert wurde? Liegt das Unheil auf der Welt vielleicht nicht nur an dem kapitalistisch-imperialistisch-amerikanischen System, sondern eben doch an uns allen, die wir nicht fähig sind eine bessere Welt zu schaffen? Nein, das darf nicht sein. Dann hätten ja auch wir schuld. Deshalb muss die USA selbst diese Anschläge inszeniert haben, damit auch bei uns Kritikern das Feindbild des unbesiegbaren Amerika erhalten bleiben kann.

Beiden "Seiten" (falls man von Seiten sprechen darf) liegt dasselbe Weltbild des unbesiegbaren Amerika zugrunde, das seit dem 11. September erschüttert ist. Durch diese unsägliche Diskussion über Verschwörungstheorien wird lediglich versucht dieses zerschmetterte Weltbild, dieses kaputte Spielzeug wieder zu reparieren. Die einen, indem sie in ihren Verschwörungstheorien, Amerika einfach wieder für unbesiegbar erklären, die anderen, für die nicht unbedingt die Bush-Regierung aber dennoch das amerikanische System an sich kein Feindbild ist sondern Vorbild, indem sie jeden Zweifel am Funktionieren des Systems ignorieren und Terroranschlägen wie auch die Zweifel selbst als Ausgeburt von einzelnen Durchgeknallten darstellen. Beide liegen falsch, die USA ist nicht unbesiegbar und das System nicht ohne Zweifel das beste aller Zeiten.

Ein Spiegel, in den wir nicht mehr wagen zu blicken

So ist zu erklären, dass ich, als ich die Diskussion von Maischberger und von Bülow sah, den Eindruck hatte, beide würden nicht ihr jeweiliges Gegenüber sehen, sondern in einen Spiegel blicken, in den sie sich nicht mehr trauen zu blicken. Beide sind eine Reflektion von sich selbst. Und es erklärt auch den Eindruck eines Autoren, der im vielgescholtenen Internet zu dem Schluss kam, dass die ganze Sache ein Wettkampf wäre, bei dem am Ende der gewonnen hat, der am grimmigsten blickt.

Was ist es, das eigentlich zählt?

Von den viel entscheidenderen Punkten wird jedoch abgelenkt. Ist es denn überhaupt entscheidend wie die genauen Hintergründe der Anschläge waren? Drückt sich in dem Glauben von jedem fünften Deutschen, die Amerikaner könnten die Anschläge selbst inszeniert haben, nicht hauptsächlich die unbestreitbare Erkenntnis aus, dass Bush und seine Helfershelfer die Anschläge für ihre Zwecke genutzt haben? Zählt es wirklich noch, ob Amerikaner die Anschläge planten und durchführten oder ein paar durchgeknallte Araber, wenn der viel entscheidendere Punkt übersehen wird, nämlich dass Bush und seine Freunde einen völkerrechtswidrigen Krieg führten, die Freiheit der Bürger einschränken und mit Guantanamo Bay zweifelsfrei gegen elementare Menschenrechte verstoßen?

Außer für die direkten Angehörigen der Opfer, ist es letztendlich völlig egal, wie der Anschlag im Detail genau abgelaufen ist und von wem geplant und durchgeführt, einzig zählt, dass die Bush-Administration diesen Anschlag genutzt hat, um vor der Weltgemeinschaft eine Politik durchzusetzen, die die Weltgemeinschaft andernfalls niemals geduldet hätte. Es ist doch gleich, ob der Anschlag inszeniert war, definitiv war die Bedrohung, die angeblich vom Irak ausging, inszeniert und das ist in meinen Augen mehr als genug. Die US-Regierung hat Kapital aus den Anschlägen geschlagen, hat eine Politik durchgesetzt, die bereits vorher geplant war, aber am Widerstand der UNO gescheitert wäre. Ob man dann selbst etwas mit den Anschlägen zu tun hat oder nicht, ist in meinen Augen gar nicht mehr entscheidend, eher ein Detail am Rande. Was man aber mit diesem Schimpfen auf Verschwörungstheoretiker macht, ist schlicht von diesem zentralen Punkt abzulenken. Und das ist im Endeffekt das skandalöse. Wären doch all diese Medien, Panorama, Spiegel, Süddeutsche und WDR nur genauso hartnäckig beim Kritisieren von Bushs Verhalten nach dem 11. September, dann würden sie einen viel wichtigeren Beitrag zur Wahrheit leisten, als die Recherchefehler von einigen Autoren, die jetzt ein paar Bücher mehr verkauft haben als der Spiegel Auflage hat, bis ins letzte Detail auseinander nehmen zu wollen. Diese Energie könnte in entscheidendere Dinge gesteckt werden, in wichtigere Dinge, denn in ein paar Monaten sind all diese "Verschwörungsbücher" aus den Bestsellerlisten verschwunden, doch Bushs Politik wird fortgesetzt. Von dieser Diskussion jedoch wird nur eines erhalten bleiben, ein neues Schimpfwort: Verschwörungstheoretiker.

Eine Danksagung und eine Entschuldigung

Ich bedanke mich bei jedem, der diesen Artikel wirklich bis zu diesem nun unaufhaltbaren Ende gelesen hat. Immerhin bin ich nur ein weiterer Amateur, der seine auf viel zu wenig Fakten und Recherche beruhende Meinung im spinnenden Internet verbreitet, statt sich auf die Erkenntnis des seriösen Journalismus zu beschränken, der auch Fehler macht, sie aber irgendwann korrigiert. Bei den Verschwörungstheoretikern entschuldige ich mich, dass ich ihnen nicht einfach glaube, nur weil ihre Thesen mein persönliches Weltbild unterstützen würden.

Vorallem aber entschuldige ich mich bei all den seriösen Journalisten dafür, dass ich trotz des in den letzten Jahrzehnten perfektionierten investigativen Journalismus, immer noch eine eigene Meinung habe.



Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...

 


Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info


Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.