Eine Kritik sowohl an den
sogenannten "seriösen Medien" als auch an den sogenannten
"Verschwörungstheoretikern" und eine überraschende
Schlussfolgerung
Tolle Überschriften
Okay, zugegeben, die 2. Überschrift ist etwas
lang geraten, wirr und nicht pointiert. Aber pointierte Überschriften zu
diesem Thema hatten wir wirklich genügend und sie wurden ja auch von
hellen Köpfen ausgedacht: "Aktenzeichen 11.9. ungelöst",
"Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9."
und (mein Favorit): "Osama und die 19 Räuber". Das sind schon kreative
Meisterleistungen, bei denen ich Amateur nicht mitkomme.
Zum Glück
gibt's genug professionell Kreative, die sich herausgefordert fühlten,
noch bessere, schönere, treffendere Überschriften zu finden. Der
Spiegel ist dabei seit jeher einer der besten, gleich drei tolle, pointierte
Überschriften zum selben Thema im selben Heft: "Tod im Päckchen",
"Dem Schwachsinn eine Schneise" und (mein absoluter Favorit): "Panoptikum des
Absurden". Andere Medien waren nicht minder kreativ: "Täuschung oder
Wahrheit" hieß es da zum Beispiel oder "Affen der Angst", "Juden, BKA und
CIA". Das kann ich natürlich nicht übertreffen. Ich muss mir jede
gute Zeile hart erkämpfen und meistens ist sie zwischen Dutzender
schlechter Zeilen versteckt.
Zweifel im Netz
Was war der Auslöser dieser kreativen
Ergüsse? Nach den Anschlägen des 11. September 2001 schossen
unmittelbar auch Zweifel hoch, die sich über das Internet in der ganzen
Welt verbreiteten. Darunter war überwiegend an den Haare herbeigezogener
Unfug, aber durchaus auch ein paar berechtigte Fragen, die die offizielle
Darstellung des Ablaufs der Anschläge in Frage stellten. Wer jedoch kein
Internet hatte oder nicht auf den einschlägigen Seite las, erfuhr davon
nichts. Die offizielle Darstellung wurde zur historischen Wahrheit.
Was
dann Autoren wie Wisnewski, von Bülow und Bröckers machten, war
eigentlich nicht viel. Sie nahmen all diese Thesen, die im Internet standen,
und veröffentlichten sie als Buch. Damit jedoch lösten sie eine
Lawine aus, die sie selbst wohl nicht erahnt hatten. Deshalb zuerst einmal eine
kritische Betrachtung der seriösen Medien (einer kritische Betrachtung der
sogenannten "Verschwörungstheoretiker" widme ich mich etwas weiter unten).
War da irgendwas?
Plötzlich sahen sich etablierte Medien in Druck
und Fernsehen genötigt diese Thesen nicht mehr zu ignorieren, ja in nicht
wenigen Fällen überhaupt erstmalig bewusst wahrzunehmen. Doch wie
reagierten sie? Etwa damit die Thesen streng wissenschaftlich zu widerlegen?
Nicht wirklich. Zumindest die ersten Gegenargumente, die kamen, waren
Beschimpfungen und Falschdarstellungen. Dabei wurde auch gleich ein neues
Schimpfwort geboren: "Verschwörungstheoretiker". Panorama schaffte es gar
einen ehemaligen Bundesminister, sowie zwei bis dahin anerkannte Journalisten
zu "Verschwörungstheoretiker" zu degradieren. Dann wurde noch schnell
einem weit bekannten Neonazi derselbe Stempel aufgedrückt und Panorama
glaubte das Thema wäre erledigt. Die Bücher könnten auf dem
Müllhaufen verschwinden.
Das Publikum wehrt sich
Doch es kam anders. Das Panorama-Publikum, von der
Berichterstattung dieses Magazins immerhin seit Jahrzehnten zum kritischen
Denken erzogen, dachte kritisch und erkannte, dass bei dem Bericht so einiges
nicht stimmte, dass mit schnellen Schnitten einige unliebsame Autoren in die
rechte Ecke geschoben werden sollten, um den Eindruck zu erwecken, dass jeder,
der die offizielle Darstellung der Anschläge hinterfragt, ein
rechtsradikaler, antisemitischer Spinner ist.
Das Panorama Publikum,
wie gesagt immerhin zum kritischen Denken erzogen, hinterfragte nun, warum man
denn nicht hinterfragen dürfe, wenn es um die Anschläge geht, und
warum die offizielle Darstellung unverrückbar dastehen soll. Immerhin ist
diese offizielle Darstellung ja, das ist bei solch einem komplexen Ereignis
wohl nicht verhinderbar, auch mit spekulativen Elementen besetzt. Diese
erklären die Punkte in der Darstellung, die durch keine Fakten belegt
(oder widerlegt) werden können. Warum soll es verboten sein, diese
Spekulationen durch andere zu ersetzen, um zu sehen, was dabei herauskommt?
Welche Erklärung dann plausibler erscheint, könnte dann ja jeder
für sich selbst entscheiden. Ist das nicht eine Basis des kritischen
Denkens? Zu hinterfragen? Selbst wenn die Fragen, die dabei auftauchen, durch
die Fakten widerlegbar sind, so ist es doch wenigstens legitim nach diesen
Widerlegungen zu fragen.
"Hetze gegen Panorama"
Also wurde Panorama zu recht vom Publikum
kritisiert. Nahmen sie diese Kritik an? Kritisierten sie die Bücher noch
mal von einem etwas sachlicheren Aspekt, etwa mit klaren Fakten ohne
Beschimpfungen oder ungerechtfertigte emotionale Erwiderungen auf sachliche
Fragen? Leider nicht. Vielmehr fühlten sie sich plötzlich als Opfer
einer Hetzkampagne. Dabei hatten sie ja selbst zuerst gehetzt.
Keine
Sorge, liebe Panorama-Freunde (falls Ihr überhaupt so weit gelesen haben
solltet), ich mache Panorama nicht zum Teil irgendeiner Verschwörung,
nicht mal einer journalistischen, das ist auch gar nicht nötig. Ich werde
wie gesagt auch noch kritische Worte zu den Autoren der sogenannten
"Verschwörungsbücher" loswerden. Für den Moment aber möchte
ich diesen Punkt, das Verhalten der "seriösen Medien", etwas näher
beleuchten. Auch sei schon mal angedeutet, dass die Ursache von der ganzen
Diskussion meiner Meinung nach ganz woanders liegt als üblicherweise -
egal von welcher "Seite" - angenommen wird.
Mediale Aufmerksamkeit nach 2 Jahren Stille
Plötzlich berichteten alle über diese
"Verschwörungsbücher". 2 Jahre lang wurden die Thesen ignoriert und
nun fühlte sich jede Zeitung und viele Fernsehsender genötigt
darüber zu berichten, so als würden sie etwas anderes zu sagen haben
als die anderen. Dabei sagten sie alle das gleiche.
Zuerst waren da
Panorama, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und Focus TV die
hauptsächlich mit Beschimpfungen und Falschdarstellungen den Zorn einiger
Leser/Zuschauer auf sich zogen. Dadurch erreichte man die notwendige
Aufmerksamkeit, die es sonst nie gegeben hätte. Danach tauchte von
Bülow bei Maischberger auf und wurde dort relativ fair behandelt, aber
dennoch in die Ecke gedrängt, indem man sich auf eine Handvoll schwacher
Punkte in seinen Thesen konzentrierte und die viel interessanteren aussparte.
Und zu guter letzt der WDR, ganz seriös, ganz fair und ganz sachlich, nahm
die besten Argumente für die offizielle Darstellung, breitete sie mit
geeigneten Experten und schönen Filmchen genüsslich und
überzeugend aus und stellte sich mit Wisnewski noch einen
Prügelknaben zur Seite, den man in einer 1-Stunden-Sendung insgesamt
(zusammengerechnet) nicht mal 8 Minuten Redezeit gönnte, um seine Thesen
zu erläutern und ihn immer dann, wenn er mit einer treffenden Aussage beim
Publikum ein paar Pluspunkte hätte sammeln können, unterbrach und zu
einem (eigentlich schon durchgekauten) schwachen Punkt zurückkehrte. Zum
Abschluss der Sendung meinte der Moderator noch: "Ich hoffe, wir waren fair".
Nein, wart Ihr nicht, bloß fairer als Panorama zu sein, ist noch nicht
fair an sich.
War schon vorher auf "dubiose" Internetquellen verwiesen
worden (wird ein BBC- oder CNN-Bericht "dubios", wenn er im Internet steht?),
betonte der WDR und der Abgesandte der Süddeutschen Zeitung (Zitat: "Der
11. September war so wie er war") nochmal ganz deutlich, wie unsicher
Internet-Informationen sind und dass man doch lieber auf seriösere Medien
zurückgreifen sollte (ein Redakteur einer großen Tageszeitung und
ein Fernsehsender sprechen dem Internet die Möglichkeit ab seriös zu
informieren... ein Schelm, wer Böses dabei denkt). So nach dem Motto:
sucht da nicht nach Informationen, die sind sowieso nur richtig, wenn sie auch
von den Printmedien befürwortet und bestätigt werden. Sowas wäre
dann wohl am besten als "Informationsmonopol" zu bezeichnen, der erste Schritt
zur erfolgreichen Propaganda.
Eine Verschwörung von Panoganda und Proparama?
Vielleicht auch einfach nur gepennt...
Steckt dahinter aber eine "Verschwörung der
Medien"? Nicht wirklich. Die großen Medienorgane wie Spiegel, Focus,
Panorama, etc., etc. haben einfach eine Entwicklung zwei Jahre lang komplett
verpennt und mussten von ein paar Buchautoren darauf gestoßen werden.
Statt nun aber endlich mit der Aufarbeitung dieser offenen Fragen zu beginnen,
stoßen sie all jene vor den Kopf, die sich seit 2 Jahren eben diese
Fragen stellen, indem sie einfach als Spinner dargestellt werden. Wieso
dürfen manche Fragen scheinbar nicht gestellt werden? Was ist mit dem
Sesamstraßen-Motto "Wer nicht fragt, bleibt dumm", mit dem wir alle
aufgewachsen sind? Eine Frage zu stellen, ist doch noch keine Behauptung
irgendeiner Tatsache, sondern vielmehr das Eingeständnis, dass man die
Antwort nicht kennt. Da ist man aber scheinbar in guter Gesellschaft, weil das
Schimpfen einiger Medien darauf hindeutet, dass sie die Antwort auch nicht
kennen.
Was geschieht aber statt einer korrekten journalistischen
Aufarbeitung eines vergessenen Themas?
Kiffen oder Saufen?
Der Tagesspiegel zitierte am 13.09.2003 alte
Bekannte von Mathias Bröckers, einer der Autoren, die jetzt nur noch
"Verschwörungstheoretiker" sind. Alle würden Bröckers als nett
und klug beschreiben, nur gekifft hätte er ein bisschen zu viel.
Ah, das war's. Richtig, Bröckers ist ein Kiffer, das Feindbild der
konservativen Alkoholiker. Es ist natürlich entscheidend für seine
Thesen, dass Bröckers ein Kiffer ist. Dadurch verlieren sie sofort die
Stichhaltigkeit. Nicht so wie die seriösen Journalisten, die häufig
einem Glas Wein nicht abgeneigt sind und die Erfolge mit Sekt anstoßen.
Wein ist ja keine Droge sondern Kulturgut und Genussmittel, nicht wahr? Ganz
nebenbei kommen da auch noch die Lebenslügen der seriösen
Journalisten ans Tageslicht (und bevor jemand fragt: ich persönlich bin
Liebhaber von gutem irischen Whiskey. Falls mal jemand Argumente braucht um
meine Thesen zu widerlegen, kann er gerne auf diese Tatsache
zurückgreifen. Auch auf die Tatsache, dass mir ein irischer Säufer
sympathischer ist als ein zeternder Journalist, immerhin wurden mehr
hervorragende Bücher von irischen Säufern geschrieben als von
seriösen Journalisten).
Ein paar der "besten" Argumente
Natürlich gibt es auch ein paar Argumente auf
journalistischer Seite. Eines liebe ich besonders: "Verschwörungen dieses
Ausmaßes sind nicht möglich, weil zu viel Leute bescheid wissen
müssten und einer immer redet".
Genial! Und wie investigativ. Doch
auf welchen Fakten beruht diese Annahme? Was wir wissen ist, dass es
Verschwörungen regelmäßig gibt, weil immer mal wieder welche
aufgedeckt werden. Doch was wissen wir über nicht-aufgedeckte
Verschwörungen? Welche Erfahrungswerte haben wir denn über
nicht-aufgedeckte Verschwörungen? Natürlich keine, denn hätten
wir Erfahrungswerte, dann wären diese Verschwörungen ja aufgedeckt!
Wie soll man dann beurteilen können, wann eine Verschwörungen zu
komplex wäre, um ohne Plappermaul auskommen zu können, wenn man gar
nicht weiß, welche Verschwörungen nie aufgedeckt wurden? Nagut,
jeder verzapft mal Blödsinn.
Nicht mehr in Ordnung ist allerdings,
wenn die FAZ einen Autor wie Noam Chomsky als "Guru halbgarer
Amerika-Verachtung" bezeichnet. Chomsky ist anerkannter Professor am
Massachusetts Institute of Technology und ihn nur weil er politisch links und
dem amerikanischen System kritisch gegenüber steht als "Guru halbgarer
Amerika-Verachtung" zu bezeichnen, ist nur eine weitere Demontage dieser
einstmals ehrwürdigen Tageszeitung. Soll die FAZ doch wieder lieber
sinnlose Antisemitismus-Streitereien mit mittelmäßigen deutschen
Autoren führen, das ist unterhaltssamer als blinder Hass gegen jeden, der
es wagt Amerika zu kritisieren.
Warum soviel Energie um eine Handvoll
Autoren zu zerpflücken, vereinzelt sogar zu diffamieren und mit
Falschdarstellungen in die rechte Ecke zu schieben (der 2001-Verlag,
Herausgeber des Buchs von Mathias Bröckers, hat sich zu einer Klage gegen
die Fernsehsendung Panorama entschlossen), statt diese Energie dafür zu
verwenden, die offenen Fragen zu klären, die ja eindeutig da sind. Selbst
Michael Meacher, Umweltminister unter Tony Blair, der im Juni 2003
zurücktrat, hat in einem Artikel in "The Guardian" ähnliche Fragen
gestellt, z.B. wieso die Luftabwehr nicht funktionierte. Stellt man sich diese
Fragen bei der deutschen Presse? Nein, lieber beginnt man Meachers anzugreifen
und in dieselbe Schublade zu packen wie jeden, der sich kritisch mit den
Anschlägen auseinandersetzt. Das passiert bei Journalisten eigentlich nur
dann, wenn sie sich mit einem Thema schon rein ideologisch gar nicht
auseinandersetzen wollen.
Doch bevor ich es mir auch noch mit dem
letzten Journalisten in diesem Land verderbe (falls nicht ohnehin schon
geschehen), werfen wir nun endlich auch mal einen Blick auf die andere Seite,
die Seite, die verächtlich "Verschwörungstheoretiker" genannt wird.
Das Internet am 11. September 2001
Das Pentagon lag noch gar nicht in Schutt und Asche,
da gab es schon die erste Verschwörungstheorie im Internet. In einem
einschlägigen Forum machte jemand eine Rechnung auf: 11 + 9 + 2 + 0 + 0 +
1 = 23, die angebliche Geheimzahl der Illuminaten, die ebenso angeblich im
Geheimen die Fäden der Weltgeschichte in der Hand halten. In der Logik
mancher Verschwörungstheoretiker bedeutete dies, dass am 11.9.2001 ein
solch folgenschweres Ereignis wie die Anschläge auf das WTC von den
Illuminaten inszeniert sein muss.
Während die Deutschen eher solch
mathematische Spielchen zur Belegung ihrer Verschwörungstheorien
heranziehen, sind die Amerikaner traditionell visueller und vorallem
spiritueller geprägt. So verbreitete sich aus den USA ein Foto über
das Internet, das eine Rauchwolke bei einem der WTC-Türme zeigte, in dem
angeblich die Fratze des Satans zu erkennen war.
Nungut, wer unbedingt
etwas sehen wollte, hat es wohl auch gesehen. Doch so blödsinnig das auch
sein mag, es zeigt doch, wie die Menschen ganz instinktiv und unterbewusst
dieses Ereignis einordneten. In den religösen USA sieht man einen Teufel
im Rauch und amerikakritische Menschen eine Inszenierung.
Doch auch
durchaus sinnvolle Fragen und Ungereimtheiten wurden über das Netz
verbreitet. Die Verschwörungstheoretiker gingen nun her, sammelten all
diese Indizien, die meistens von anderen Indizien widerlegt oder zumindest in
Frage gestellt wurden, schrieben sie in ein Buch und veröffentlichten es,
wohlwissend, dass es im Netz eine Menge Leute gab, die sich dafür
interessieren und weder von den deutschen Medien noch vom Buchmarkt bedient
wurden.
Überflüssige Veröffentlichungen ohne
Erkenntnisgewinn
Wie überflüssig diese
Veröffentlichungen an sich waren, zeigen die Reaktionen, die der
2001-Verlag (der das Bröckers Buch veröffentlichte) von Verlagen
bekam, denen er eine englische Übersetzung des Buches verkaufen wollte.
Alle englischsprachigen Verlage lehnten ab, meistens mit der Begründung,
dass das doch ohnehin schon alles im Internet stehen würde.
Sogenannte Verschwörungstheorien sind kein deutsches
Phänomen, im Gegenteil, die meisten schwappen von den USA zu uns
herüber, wie z.B. die Behauptung, dass die USA niemals auf dem Mond
gelandet sind. Etwa jeder 10. US-Bürger glaubt an eine Inszenierung der
Mondlandung.
Peinlichkeiten der
"Verschwörungstheoretiker"
Zumindest von Bülow scheint bei seiner
Recherche kaum das Haus und den Computer verlassen zu haben. Wisnewski kann
wenigstens von sich behaupten vor Ort mit Augenzeugen gesprochen zu haben.
Allzu intensiv aber auch nicht. Zwar ist es richtig, wenn er bemerkt, dass die
Augenzeugenberichte so widersprüchlich waren, dass es besser ist, sich
mehr auf "harte" Fakten zu konzentrieren (ein Augenzeugenbericht ist ohnehin
für eine objektive Untersuchung von geringerer Bedeutung, weil ein
Augenzeugenbericht eben schlicht und ergreifend nicht objektiv ist).
Wenn er dann aber in einer Fernsehsendung mit der Tatsache konfrontiert wird,
dass das WTC gar keinen Stahlbetonkern hatte und er nur reagieren kann mit den
Worten: "Das höre ich zum ersten Mal", dann ist das peinlich.
Sicherlich wirft diese Tatsache (kein Stahlbetonkern) eine neue Frage
auf, nämlich aufgrund welcher Konstruktion der Architekt der Türme
annahm, dass es den Absturz eines Jumbos standhalten würde, und wieso das
trotzdem offensichtlich nicht funktionierte (die Erklärung mit der
Temperatur und dem Schmelzen ist in der Tat eher fragwürdig), es
ändert aber nichts an der mangelnden Recherchearbeit von Wisnewski.
Oder Herr von Bülow: wie kann er sich bei Maischberger hinsetzen
und auf die Behauptung im WTC sei nur ein einziger Israeli gestorben nur
irgendwas über den Mossad vor sich hinbrabbeln und über die Frage
philosophieren, dass der israelische Staat etwas damit zu tun haben
könnte? Natürlich hatte der israelische Staat Interesse an der
Beseitung das irakischen Regimes, denn Israel war der wirklich einzige Staat
auf der Welt, für den der Irak nach dem Golfkrieg von Bush Sr. eine
Bedrohung darstellte. Aber das auf einen völlig unbestätigten Bericht
von einem einzelnen israelischen Toten aufzubauen, ist in der Tat entweder
dämlich oder zur Befriedigung einer rechtsradikalen Leserschaft gedacht.
Diese Behauptung ist letztendlich nur eine Abwandlung der auch von Mahler
gebrachten Behauptung, dass die Juden vor den Anschlägen gewarnt worden
wären und so kaum ein Jude umkam. Ein absoluter Unsinn. Wie sich
mittlerweile herausgestellt hat, sind mehrere Hundert Juden bei den
Anschlägen ums Leben gekommen.
Sicherlich sind Israelis nicht
vollständig mit Juden gleichzusetzen. Juden sind Anhänger einer
Glaubensgemeinschaft, während Israelis Bürger eines Staates sind,
wenngleich auch eines jüdischen. Im Gegensatz zu Menschen, die dem
jüdischen Glauben anhängen, dürften sich Bürger des Staates
Israel nicht regelmäßig in größerer Anzahl im WTC
aufgehalten haben. Die Juden mögen auf der ganzen Welt verstreut sein (wie
auch Christen und Moslems), doch die Bürger des Staates Israel sind wenig
überraschend überwiegend im Staat Israel anzutreffen. Schlicht falsch
ist auch von Bülows Behauptung, dass nach den Anschlägen
ursprünglich 200 Israelis vermisst gemeldet worden seien (woraus er wohl
die zu erwartende Zahl an Toten suggerieren will). Das amerikanische
Außenministerium sprach am Anfang jedoch lediglich von 20 vermissten
Israelis. Bedenkt man das ursprünglich mehr als doppelt soviele Tote in
den beiden Türmen angenommen wurden als es dann tatsächlich waren, so
ist es nicht sonderlich bemerkenswert, dass "nur" ein Israeli bei den
Anschlägen ums Leben gekommen ist, falls diese Behauptung überhaupt
stimmt.
Mein ganz persönliches "Panoptikum des
Absurden"
Auch wird sich seitens der
Verschwörungstheoretiker häufig auf frühe Augenzeugenberichte
berufen, die keine Boeing, sondern ein kleines Flugzeug oder eine Rakete
gesehen haben wollen, die den ersten Turm traf. In der Tat sind vom ersten
Einschlag nur eine Videoaufnahme und ein erst kürzlich von der New York
Times veröffentlichtes Foto bekannt und auf beiden ist nicht eindeutig zu
erkennen, ob es sich wirklich um eine große Boeing handelt. Doch gerade
hier sollen die frühesten Augenzeugenberichte die entscheidenderen sein?
Nur weil die Filmaufnahmen sie nicht eindeutig widerlegen können?
Ich habe dazu mal das von unseren Verschwörungstheoretikern ja so
überaus geschätzte Internet auch mal bemüht und stieß,
rein zufällig und ohne großen Zeitaufwand, auf das Archiv eines
Politikforums mit den Einträgen vom 11. September 2001. Wenn man diesen
frühsten Meldungen wirklich Glauben schenken würde und sie wirklich
noch von irgendeinem Wert wären, kämen ganz erstaunliche Ergebnisse
dabei heraus. Die erste Meldung dort ist, dass eine der Maschinen eine
zweimotorige gewesen sein soll, möglicherweise eine Boeing 737. Dies
würde ja zunächst einige Verschwörungstheorien bestätigen,
die besagen, dass das erste Flugzeug kleiner war als das, das angeblich
hineingestürzt sein soll. Doch das ist nur die erste Meldung in diesem
Forum, normalerweise sind bei solchen Katastrophen die etwas später
eintreffenden Meldungen die etwas gesicherten. Was allerdings nach dieser
ersten Behauptung einer Boeing 737 noch gemeldet wurde, hat es in sich. Hier
eine kleine Auswahl des - wie der Spiegel sagen würde - Panoptikum des
Absurden:
Demnach bekannte sich eine palästinensische
Terrororganisation mit Namen DFLT zu dem Anschlag. Darauf wird in diesem Forum
die ultimative Verschwörungstheorie bereits wenige Momente nach den
Anschlägen formuliert. Ohne irgendwelche genauen Fakten zu haben,
reduziert ein Forumsmitglied die ganze Schweinerei auf nur noch zwei Fragen:
"1. Selbstinszenierung seitens der USA, um einen Krieg anzuzetteln" oder "2.
Reaktion der Palästinenser auf die US-Vetos und die US-Unterstützung
für Israel mit der gleichen Folge wie 1."
Die Reaktion auf diese
Frage ist ebenso interessant. Ein Philipp erwidert zu 1. "ist lächerlich",
ebenso ohne Fakten. Hier sieht man, wie sich die Meinung über diese
Anschläge in den Köpfen der Menschen bereits unmittelbar nach der
Katastrophe verfestigten und beide Seiten erst hinterher nach Belegen suchten.
Einer, der sich "eka" nennt, stellt ebenso unmittelbar fest, dass das
nicht die Amerikaner machen, sondern die Rüstungsindustrievertreter in der
Regierung, die Lügen-Medien etc. Keineswegs hat der 11. September also das
Denken verändert. Es hat nur die Klischees in unseren Köpfen extremer
zum Vorschein gebracht.
Zur zeitlichen Einordnung: erst nach diesen
Spekulationen stürzt der 2. Turm ein. Danach heißt die radikale
Palästinser-Organisation, die für die Anschläge verantwortlich
sein soll, plötzlich pflp, hätte aber dementiert, woraufhin "Philipp"
fordert Arafat zu verhaften und die PLO zu zerschlagen. Ein gewisser "RH" ist
dagegen überzeugt, dass für den Fall eines Gegenschlags bald in den
USA die Garagen-Eigenbau-A-Bomben hochgehen würden. Mittlerweile ist jene
ominöse pflp, die für die Anschläge verantwortlich sein soll,
eine stalinistische Vereinigung.
"Schuetzenliesel" hat nun auch schon
die erste Verdächtigenliste parat. Tatsächlich findet sich dort auch
schon Bin Laden und die Taliban, aber auch palästinensische Terroristen,
rechtsextreme Amerikaner, Globalisierungsgegner, der CIA, Saddam Hussein und...
ganz erstaunlich: "alle gemeinsam?".
HolgerMeinrad hält dagegen
und hat eine kürzere Verdächtigenliste: "Radikaler Islam, Zionismus
oder Weltregierung USraels". Ahja, USraels? So ähnlich hieß doch der
Kater des bösen Zauberers bei den Schlümpfen, oder? Ja, irgendwie
leben wir alle wirklich ein bisschen in Schlumpfhausen.
Da alle damit
beschäftigt sind sich zu beschimpfen, wiederholt HolgerMeinrad seine
Bemerkung nochmal, alles müsse ausgeleuchtet werden, "dabei kann der
Zionismus nicht unbeachtet bleiben". Ahja, der Zionismus also, jeder hat halt
seine ganz persönlichen üblichen Verdächtigen. Doch immer noch
reagiert keiner so richtig darauf, deshalb wiederholt es HolgerMeinrad ein
drittes Mal: "Was jetzt in Washington und NY geschehen ist, ist ohne die
Komponente Zionismus nicht zu verstehen", ja, ist ja gut jetzt!
(Für alle, die diese schwachsinnige, aber interessante
Diskussion, die unmittelbar nach den Anschlägen im Internet stattfand,
einmal selbst nachlesen wollen,
hier klicken - allerdings habe ich keinen Einfluss auf die
verlinkte Seite und kann daher nicht versprechen, dass diese Diskussion
dauerhaft unter dieser Adresse zu erreichen ist.)
Zurück zum eigentlichen Thema
Damit kommen wir zur Konklusion und zurück zu
den Medienberichten der letzten Tage. Letztendlich sind beide Seiten der
Realität entflohen. Hier geht es nicht um objektive Aufklärung
dessen, was geschehen ist, sondern bloß darum, dass im Kopf derer, die
sich jetzt so angewidert gegenseitig beschimpfen, ein Weltbild bereits vor dem
11. September existierte, das sie auf keinen Fall aufgeben werden. Dazu dreht
man sich die Realität eben so, wie man sie braucht.
Dabei ist die
Vorstellungswelt nur im Detail unterschiedlich, so glauben beide Seiten an
verschwundene Flugzeuge, eines auf Nimmerwiedersehen ausgetauscht, das andere
vom Erdboden verschluckt (das gibt dem Sprichwort doch neues Futter).
So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass beide Seiten aufgrund derselben,
tiefenpsychologisch verwurzelten Weltsicht zu ihrer festgefahrenen Meinung
gelangt sind: der feste Glauben an der Unbesiegbarkeit der USA. Der ganze
Schock des 11. Septembers liegt darin begraben. Schließlich war es bei
weitem nicht das erste Mal, dass Tausende von Menschen sinnlos sterben mussten,
doch selten hat es die Welt so geschockt wie dieses Mal. Das lag (außer
bei den direkten Angehörigen der Opfer) weniger an den vielen Toten (wie
gesagt, es gab an anderer Stelle häufig sogar mehr Tote, die keinen so
großen Schock in der Welt auslösten), sondern vielmehr an einem
Weltbild, das zerstört wurde, ein Weltbild, das selbst "Gegner" des
amerikanischen Systems verinnerlicht hatten. Die Unbesiegbarkeit,
Unverletzbarkeit des amerikanischen Systems.
Amerika, das kaputte Spielzeug
Der Schauspieler Johnny Depp nannte die USA ein
"kaputtes Spielzeug" und traf damit den Nagel auf den Kopf. Das Bild, das die
Welt von der USA hat, hat niemals zuvor so großen Schaden genommen wie am
11. September 2001. Auch wenn wir es auf der intellektuellen Ebene anders
sehen, in unserem tiefsten Inneren wollen wir nicht, dass die USA ein so
verletzliches Gebilde ist. Für die Befürworter des amerikanischen
System war der 11. September 2001 ein GAU, sogar Super-GAU (obgleich das eine
begriffliche Unsinnigkeit ist). Unter Leitung der USA entstand das
bundesrepublikanische Prinzip, was bedeutet, dass die BRD ein System nach
Vorbild der USA ist. Ist dieses System so leicht verletzlich, so ist auch unser
System ebenso leicht verletzlich.
Auf der anderen Seite war der 11.
September auch ein GAU für die Kritiker des amerikanischen Systems,
eigentlich sogar noch ein größerer (obwohl auch das wieder eine
begriffliche Unsinnigkeit ist). Plötzlich wurde klar, wie anfällig
das amerikanische System ist und das könnte die Frage aufrufen, warum es
dann nicht von den vielen Kritikern zum Besseren hin verändert wurde?
Liegt das Unheil auf der Welt vielleicht nicht nur an dem
kapitalistisch-imperialistisch-amerikanischen System, sondern eben doch an uns
allen, die wir nicht fähig sind eine bessere Welt zu schaffen? Nein, das
darf nicht sein. Dann hätten ja auch wir schuld. Deshalb muss die USA
selbst diese Anschläge inszeniert haben, damit auch bei uns Kritikern das
Feindbild des unbesiegbaren Amerika erhalten bleiben kann.
Beiden
"Seiten" (falls man von Seiten sprechen darf) liegt dasselbe Weltbild des
unbesiegbaren Amerika zugrunde, das seit dem 11. September erschüttert
ist. Durch diese unsägliche Diskussion über
Verschwörungstheorien wird lediglich versucht dieses zerschmetterte
Weltbild, dieses kaputte Spielzeug wieder zu reparieren. Die einen, indem sie
in ihren Verschwörungstheorien, Amerika einfach wieder für
unbesiegbar erklären, die anderen, für die nicht unbedingt die
Bush-Regierung aber dennoch das amerikanische System an sich kein Feindbild ist
sondern Vorbild, indem sie jeden Zweifel am Funktionieren des Systems
ignorieren und Terroranschlägen wie auch die Zweifel selbst als Ausgeburt
von einzelnen Durchgeknallten darstellen. Beide liegen falsch, die USA ist
nicht unbesiegbar und das System nicht ohne Zweifel das beste aller Zeiten.
Ein Spiegel, in den wir nicht mehr wagen zu
blicken
So ist zu erklären, dass ich, als ich die
Diskussion von Maischberger und von Bülow sah, den Eindruck hatte, beide
würden nicht ihr jeweiliges Gegenüber sehen, sondern in einen Spiegel
blicken, in den sie sich nicht mehr trauen zu blicken. Beide sind eine
Reflektion von sich selbst. Und es erklärt auch den Eindruck eines
Autoren, der im vielgescholtenen Internet zu dem Schluss kam, dass die ganze
Sache ein Wettkampf wäre, bei dem am Ende der gewonnen hat, der am
grimmigsten blickt.
Was ist es, das eigentlich zählt?
Von den viel entscheidenderen Punkten wird jedoch
abgelenkt. Ist es denn überhaupt entscheidend wie die genauen
Hintergründe der Anschläge waren? Drückt sich in dem Glauben von
jedem fünften Deutschen, die Amerikaner könnten die Anschläge
selbst inszeniert haben, nicht hauptsächlich die unbestreitbare Erkenntnis
aus, dass Bush und seine Helfershelfer die Anschläge für ihre Zwecke
genutzt haben? Zählt es wirklich noch, ob Amerikaner die Anschläge
planten und durchführten oder ein paar durchgeknallte Araber, wenn der
viel entscheidendere Punkt übersehen wird, nämlich dass Bush und
seine Freunde einen völkerrechtswidrigen Krieg führten, die Freiheit
der Bürger einschränken und mit Guantanamo Bay zweifelsfrei gegen
elementare Menschenrechte verstoßen?
Außer für die
direkten Angehörigen der Opfer, ist es letztendlich völlig egal, wie
der Anschlag im Detail genau abgelaufen ist und von wem geplant und
durchgeführt, einzig zählt, dass die Bush-Administration diesen
Anschlag genutzt hat, um vor der Weltgemeinschaft eine Politik durchzusetzen,
die die Weltgemeinschaft andernfalls niemals geduldet hätte. Es ist doch
gleich, ob der Anschlag inszeniert war, definitiv war die Bedrohung, die
angeblich vom Irak ausging, inszeniert und das ist in meinen Augen mehr als
genug. Die US-Regierung hat Kapital aus den Anschlägen geschlagen, hat
eine Politik durchgesetzt, die bereits vorher geplant war, aber am Widerstand
der UNO gescheitert wäre. Ob man dann selbst etwas mit den Anschlägen
zu tun hat oder nicht, ist in meinen Augen gar nicht mehr entscheidend, eher
ein Detail am Rande. Was man aber mit diesem Schimpfen auf
Verschwörungstheoretiker macht, ist schlicht von diesem zentralen Punkt
abzulenken. Und das ist im Endeffekt das skandalöse. Wären doch all
diese Medien, Panorama, Spiegel, Süddeutsche und WDR nur genauso
hartnäckig beim Kritisieren von Bushs Verhalten nach dem 11. September,
dann würden sie einen viel wichtigeren Beitrag zur Wahrheit leisten, als
die Recherchefehler von einigen Autoren, die jetzt ein paar Bücher mehr
verkauft haben als der Spiegel Auflage hat, bis ins letzte Detail auseinander
nehmen zu wollen. Diese Energie könnte in entscheidendere Dinge gesteckt
werden, in wichtigere Dinge, denn in ein paar Monaten sind all diese
"Verschwörungsbücher" aus den Bestsellerlisten verschwunden, doch
Bushs Politik wird fortgesetzt. Von dieser Diskussion jedoch wird nur eines
erhalten bleiben, ein neues Schimpfwort: Verschwörungstheoretiker.
Eine Danksagung und eine Entschuldigung
Ich bedanke mich bei jedem, der diesen Artikel
wirklich bis zu diesem nun unaufhaltbaren Ende gelesen hat. Immerhin bin ich
nur ein weiterer Amateur, der seine auf viel zu wenig Fakten und Recherche
beruhende Meinung im spinnenden Internet verbreitet, statt sich auf die
Erkenntnis des seriösen Journalismus zu beschränken, der auch Fehler
macht, sie aber irgendwann korrigiert. Bei den Verschwörungstheoretikern
entschuldige ich mich, dass ich ihnen nicht einfach glaube, nur weil ihre
Thesen mein persönliches Weltbild unterstützen würden.
Vorallem aber entschuldige ich mich bei all den seriösen
Journalisten dafür, dass ich trotz des in den letzten Jahrzehnten
perfektionierten investigativen Journalismus, immer noch eine eigene Meinung
habe.
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