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19.09.2003 Rüdiger Göbel Junge Welt
Punktsieg für Bush
Neue Irak-Resolution: Schröder und Chirac schwenken auf US-Kurs ein
Deutschland und Frankreich bleiben im Fahrwasser der USA. Sie sind sogar auf dem besten Weg, zu den wichtigsten Besatzungshelfern im Irak zu werden – in politischer wie praktischer Hinsicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac rückten mittlerweile von ihrer Forderung ab, daß die UNO in dem besetzten Zweistromland eine zentrale Rolle übernehmen soll. Ihren Einfluß am Golf suchen die beiden nun wieder direkt in der Kooperation mit den Vereinigten Staaten. Bei dem für die kommende Woche geplanten Treffen in New York will Kanzler Schröder dem US-Präsidenten George W. Bush konkrete Unterstützung anbieten. So sollen irakische Polizisten und Soldaten in Deutschland als Hilfstruppen für die immer stärker unter Beschuß stehenden US-Besatzer ausgebildet werden – auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. In einem Interview mit dem Handelsblatt vom Donnerstag betonte Schröder, daß diese Zusage unabhängig von einer neuen UN-Resolution gelte.

Die neue transatlantische Harmonie kommt nicht überraschend. Bereits während des Krieges gegen den Irak, der von der Bundesregierung offiziell abgelehnt wurde, hatte Schröder Bush das drittgrößte Kontingent an bewaffneten Truppen zur Seite gestellt: Mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten waren mit der Bewachung militärischer Einrichtungen der USA in Deutschland betraut. Die dadurch freigestellten GIs konnten für Bushs Irak-Feldzug vom Hinterland an die vorderste Front verlegt werden. Die Arbeitsteilung hat sich bewährt und hält bis heute an.

Die Wiederannäherung des »alten Europa« (Pentagon-Chef Donald Rumsfeld) an die militärisch unangefochtene Supermacht USA erfolgt in mehreren Etappen. Nach einem bilateralen Gipfel Schröders und Chiracs am Donnerstag in Berlin wollen die beiden mächtigen Europäer am Samstag – ebenfalls in der Bundeshauptstadt – mit dem britischen Premier Tony Blair, Bushs wichtigstem und bedingungslosestem Gefolgsmann in Europa, zusammentreffen. Der Dreiergipfel diene dazu, sich auf Gemeinsamkeiten in der Außenpolitik zu verständigen, nachdem es im Vorfeld des Irak-Krieges zu »divergierenden Auffassungen« gekommen war, ließ Schröder am Donnerstag über einen Sprecher verlauten.

Die transatlantische Einigkeit wird auf dem Rücken von 23 Millionen Irakern aufgebaut. Statt ihr Land selbst zu regieren und von seinen natürlichen Reichtümern zu profitieren, sollen sie nur »symbolische Macht« erhalten. Der französische Botschafter in den USA, Jean-David Levitte, erklärte zu Wochenbeginn im US-Fernsehen, die Zeit sei noch nicht reif, den von den USA eingesetzten irakischen Regierungsrat mit der vollen Regierungsgewalt auszustatten. Die politische Verantwortung liege deshalb bis auf weiteres bei den Besatzungsmächten. Kanzler Schröder legte im Handelsblatt nach: Die Gewährleistung der Sicherheit im Irak werde »für die nächste Zeit« Sache der Besatzungstruppen bleiben. Die UNO sei »kurzfristig nicht in der Lage, dort ausreichend Sicherheit herzustellen«.

Mit Unterstützung aus Berlin und Paris soll dies in einer neuen Irak-Resolution der UNO festgeschrieben werden. Die US-Administration ist gerade dabei, entsprechende Positionen Deutschlands und Frankreichs einzuarbeiten. Eigentlich sollte der Sicherheitsrat die Entschließung noch in dieser Woche auf den Weg bringen und dem amerikanischen Besatzungsregime den blauen Anstrich der Weltorganisation geben. Der Termin ist wohl nicht zu halten, sicher ist aber schon jetzt: Die UN-Resolution wider die irakische Souveränität kommt. Auch Frankreich habe nicht vor, sich der Resolution zu widersetzen. Wichtig sei, daß die Iraker die »internationale Gemeinschaft« als Unterstützer und nicht als Besatzer wahrnehmen, hieß es aus französischen Diplomatenkreisen.

Schröder fand für die Irak-Scharade ein vertrautes Bild: Es gehe darum, eine »Roadmap« für die Übergabe der Verantwortung an eine irakische Zivilregierung zu erstellen. Dies könne nicht morgen passieren. Ja, man könne noch nicht einmal sagen, ob bereits 2004 Wahlen im Irak stattfinden könnten. »Vordringlich ist es, jetzt erst einmal einen Prozeß in Gang zu setzen«, erklärte der Kanzler. – Mit Blick auf das von Israel besetzte Palästina steht »Roadmap« im arabischen Raum allerdings synonym für Landraub, Liquidierung und Besatzungswillkür.

Hinsichtlich der Beziehungen zu den USA ruft Schröder dazu auf, »nach vorne« zu blicken. »Niemand bestreitet, daß es in der Irak-Frage unterschiedliche Positionen gegeben hat, aber ebenso wenig ist zu bestreiten, daß die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf einem vernünftigen Niveau weitergeführt worden sind.« In der jüngsten Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit heißt es dazu trefflich: »Die amerikanische Übermacht am Persischen Golf (und also im Nahen Osten überhaupt und also letztlich weltweit) bleibt vitales deutsches Interesse.«


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.