Die Bush-Gang inmitten von Turbulenzen Als Hurrikan
»Isabel« mit einer Geschwindigkeit von 170 Stundenkilometern Mitte
September Kurs auf Washington nahm, griff dort Panik um sich. Sogar der
US-Präsident nahm Reißaus Richtung Camp David. Nun ziehen sich
über Washington neue dunkle Wolken zusammen. Sie sind nicht weniger
gefährlich zumindest für Bushs Wiederwahl. Nur ausreißen
kann er diesmal nicht.
Die nun offiziell eingeleitete
Kriminaluntersuchung wird vor den Toren des Weißen Hauses nicht halt
machen können. Schließlich hatte ausgerechnet ein hochrangiger
Mitarbeiter desselben eine Undercoveragentin der CIA enttarnt und deren Namen
den Medien aus Rachegelüsten gegenüber einem prominenten Kriegsgegner
preisgegeben. Da Präsident Bush im Wahlkampf eine solche
Identitätspreisgabe als schweres Verbrechen bezeichnet hatte, blieb ihm
nun nichts anderes übrig, als seine Mitarbeiter anzuweisen, bei den
Ermittlungen voll zu kooperieren. Mit den Ergebnissen könnte ein
unangenehm kühler Wind aufkommen. Da zugleich die Bush-Regierung ihren
Kredit bei den US-Geheimdiensten verspielte, müssen nun sogar die
neokonservativen Falken in der Regierung befürchten, daß das eine
oder andere ihrer dubiosen Geschäfte an die Öffentlichkeit
gerät.
Weitere Turbulenzen zeichnen sich in Gestalt eines zweiten,
für die Bush-Gang heiklen Thema an: Die ökonomischen Folgen des
Irak-Kriegs werden bedrohlich für den Präsidenten. »Es kann
sein, daß wir in diesem Jahr keinen ausgeglichenen Haushalt
erreichen«, mußte Bush nun erklären, im Herbst des
Vorwahljahres. Es wird finanziell eng im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten eine gefährliche Misere: Zu unverschämt
hatten bisher die organisierten Verbrecher in der Bush-Regierung gezeigt, worum
es ihnen im Nachkriegs-Irak tatsächlich geht. Ohne Ausschreibungen wurden
Millionen und Milliardenkontrakte an befreundete Konzerne wie Halliburton
verschoben. Dieser zahlt seinem ehemaligem Chef, US-Vizepräsident Cheney,
immer noch jährliche Apanagen in sechsstelliger Höhe. Zu ungezwungen
haben sich Freunde und Verwandte der Bush-Gang positioniert, um im Irak
abzuzocken.
Da nun aber der Wiederaufbau nicht mit irakischem Öl,
sondern mit »kostbaren« amerikanischen Steuergeldern finanziert
werden soll, stehen im US-Kongreß angesichts der offenkundigen
Vetternwirtschaft die Zeichen auf Sturm. Selbst führende republikanische
Senatoren verlangen jetzt, daß die für den Wiederaufbau geforderten
20,3 Milliarden Dollar nur als Kredit vergeben werden dürften. Damit wird
der bevorstehenden internationalen Geberkonferenz für den Irak der Teppich
unter den Füßen weggezogen. Andere Länder dürften nunmehr
kaum geneigt sein, mehr als nur Kredite zu vergeben. Iraks versprochener
Wiederaufbau wird genauso Fiktion bleiben wie des Landes angebliche
Befreiung. |