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Die Arbeitsgruppe
Moringa leitet ihren Namen von dem Baum Moringa stenopetala (dt.
"Kohlbaum") ab.
Das natürliche
Vorkommen dieses Baumes erstreckt sich über Höhenlagen von 390-2200 m
in Süd-Äthiopien ( Sidamo, Konso, Wolleita, Gidole und einige
angrenzende Gebiete). Moringa stenopetala besitzt eine enorme Vielfalt
an Nutzungsmöglichkeiten, die großenteils in Äthiopien nicht
bekannt sind.
Die Arbeitsgruppe hat es
sich zum Ziel gesetzt, soviele relevante Daten wie möglich über
Moringa (Anbau, Nutzung etc.), insbesondere über seine wasserreinigenden
Eigenschaften, weltweit zu sammeln. Wir möchten uns dann über
geeignete Multiplikatoren in Äthiopien dafür einsetzen, daß
sich das Wissen über diesen faszinierenden Baum im Lande verbreitet und
sein Anbau auch auf andere ökologisch geeignete Regionen ausgedehnt
wird.
HINTERGRUND
Äthiopien weist eine
unglaubliche Vielfalt an traditionellen Nutzpflanzen auf. Zu den
erstaunlichsten dieser Pflanzen gehört sicherlich der "Kohlbaum"
(Moringa stenopetala). Dieser Baum wird seit Jahrhunderten in einem
relativ eng begrenzten Gebiet südlich von Arba Minch (insbesondere in
Konso und um Gidole) angebaut und genutzt.
Im Landwirtschaftssystem
der Konso spielt Moringa eine Schlüsselrolle. Seine Blätter sind
eßbar und liefern vor allem in der nahrungsarmen Trockenzeit ein
wertvolles Gemüse, das reich an den Vitaminen A und C sowie an Calcium und
Eisen ist. Moringablätter werden auf den lokalen Märkten gehandelt
und stellen eine wichtige Einnahmequelle für die Bauern dar.
Auch die unreifen
Früchte sind zum Verzehr geeignet. Die gemahlenen Samen liefern ein
wertvolles Speiseöl mit einem hohen Gehalt an ungesättigten
Fettsäuren. Alle grünen Teile des Baumes können auch als
gehaltvolles Viehfutter genutzt werden.
Moringa ist ausgesprochen
trockenheitsresistent. Im traditionellen Agroforstsystem der Konso dienen die
Bäume zur Beschattung der Felder, als Erosionsschutz und als
natürliche Feldeingrenzung. Außerdem erhöhen sie - in
stärkerem Maße als andere Baumarten - die Bodenfeuchtigkeit. Das
Holz ist zwar nicht von großer Qualität, ist aber dennoch als
Energiequelle nutzbar.
Darüber hinaus
werden für Konso eine ganze Reihe von medizinischen Wirkungen
verschiedener Teile des Baumes beschrieben. Auch aus anderen afrikanischen
Ländern sind medizinische Anwendungen bekannt. So wird
übereinstimmend in der traditionellen Medizin Diabetes mit einem Auszug
aus den getrockneten Blättern erfolgreich behandelt. Auch
Erkältungskrankheiten, Verdauungsstörungen und einige andere
Beschwerden lassen sich offenbar mit Teilen des Baumes lindern.
Eine weitere hochinteressante
Nutzungsmöglichkeit hat sich erst in jüngerer Zeit ergeben.
Untersuchungen im Sudan zeigten, daß die Samen des Kohlbaumes eine
Substanz enthalten, die zur Klärung von trübem Wasser geeignet ist
(Jahn, GTZ, 1981). Diese wasserreinigende Wirkung ist noch effizienter als
chemische Fällungsmittel,. wie sie in der technischen Wasseraufbereitung
Verwendung finden. Analysen an der Universität Tübingen haben
ergeben, daß es sich bei dem Flockungsmittel des Moringasamens um ein
Protein handelt.
Erste Versuche mit
Moringa in Äthiopien wurden von Göttsch im Jahre 1984
durchgeführt und erwiesen sich als sehr vielversprechend.
Aschalew Hunde, ein
Pharmazeut, der damals (1984) in Arba Minch arbeitete, hat in der Folge weitere
Untersuchungen zur Wasserreinigung mit Moringa angestellt. Dabei fand er
heraus, daß das verschmutzte Wasser nicht nur geklärt wurde, sondern
daß sich auch die Zahl der Keime im Wasser beträchtlich verringert
hatte und zwar um so stärker, je verschmutzter das Wasser war. Im Jahre
1994 führte Aschalew Hunde einen mehrmonatigen Feldversuch in Qola Shara,
einer Gemeinde bei Arba Minch, durch. Die Hälfte der etwa 300 Haushalte
der Ortschaft behandelte ihr Trinkwasser mit Moringasamen, die andere
Hälfte verwendete weiterhin - wie bisher - unbehandeltes
Oberflächenwasser. Das Ergebnis der 1995 abgeschlossenen Studie stellte
erneut sehr überzeugend die Wirkung von Moringasamen unter Beweis. So war
die Zahl der Durchfallerkrankungen in der Versuchsgruppe drastisch (um mehr als
90%) zurückgegangen, und Qualität sowie Geschmack des behandelten
Wassers wurden von den Probanden gelobt. Bei diesem Versuch wurden 1-1,5 Samen
pro Liter Wasser eingesetzt. Das Wasser wurde nach der Zugabe für ca. 5-10
min gerührt, dann für etwa eine Stunde stehengelassen und
anschließend vom Bodensatz abgegossen.
Ein Moringabaum
produziert jährlich ungefähr 5000 Samen. Drei Bäume würden
den Jahresbedarf einer Durchschnittsfamilie im ländlichen Äthiopien
decken. Die große Mehrheit der Äthiopier wird für ihre
Wasserversorgung noch für sehr lange Zeit auf verschmutztes
Oberflächenwasser angewiesen sein. Für diese Menschen stellt die
Moringamethode eine billige, natürliche, resourcenschonende und
nachhaltige Methode der Wasserverbesserung dar.
Der DÄV hat Ashalew
Hunde gebeten, eine Evaluierung seines Projektes in Qola Shara
durchzuführen. Wir möchten u.a. wissen, in welchem Umfang diese
Methode nach nunmehr 5 Jahren noch angewandt wird und ob sie heute
möglicherweise auch von der Kontrollgruppe benutzt wird.
Alle bisher
durchgeführten Experimente haben ohne gravierende Einschränkungen den
Nutzen der Methode unter Beweis gestellt, ihre Implementierung bei der
Bevölkerung vor Ort erweist sich jedoch als sehr schwierig.
Die Moringa-AG des
DÄV hat es sich vorgenommen, die mittlerweile weltweit vorliegenden
Versuchsergebnisse zu sammeln und zu bündeln, um sie dann interessierten
Personen und Institutionen insbesondere in Äthiopien zur Verfügung zu
stellen.
Unsere
"Zielinstitutionen" sind vor allem Ausbildungseinrichtungen wie z.B. Colleges
für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Hauswirtschaft und Lehrerausbildung,
aber auch generell Landwirtschafts- und Forstbehörden sowie interessierte
NGO´s und Privatpersonen.
Wenn die Moringamethode
an geeigneter Stelle im Curriculum der genannten Ausbildungsinstitutionen
verankert wäre, ließe sich natürlich ein optimaler
Multiplikatoreffekt erzielen
Ein großer Teil der
internationalen Moringa-Literatur bezieht sich auf Moringa oleifera,
einen weiteren Vertreter aus der Familie der Moringaceae. Dieser wurde
zwar als Zierbaum schon vor längerer Zeit in Äthiopien
eingeführt, ist jedoch nicht weit verbreitet. Auch die Samen dieses Baumes
sind zur Wasserreinigung geeignet. Wir beziehen uns bei unserer Arbeit in
Äthiopien jedoch - zumindest vorläufig - nur auf Moringa
stenopetala.
Wir haben, wie oben schon
mehrfach angedeutet, umfangreiche Literatur zu M. stenopetala, aber auch
zu M. oleifera gesammelt. Außer in Äthiopien sind auch in
mehreren anderen afrikanischen Ländern vielversprechende Untersuchungen
durchgeführt worden (z.B. in Tschad, Sudan, Malawi und
Senegal).
Weltweit wird an
zahlreichen wissenschaftlichen Instituten über Moringa geforscht (z.B. in
England (Universität Leicester), Deutschland (Universitäten Stuttgart
und Karlsruhe) und in den USA).
Wir stellen unser
Material - gegen Unkostenerstattung - gerne zur Verfügung.
Weitere Informationen bei
:
Eggert Göttsch, Tel.
u. Fax: 04 312 75 30
Email :
http://www.deutsch-aethiopischer-verein.de/Eggert.Goettsch@web.de
Rudolf Schoppmann, Tel. :
0 25 38-9 50 01
Email :
http://www.deutsch-aethiopischer-verein.de/Schoppmann31@t-online.de
Hier einige interessante
Links zu Moringa:
2
Berichte über Moringa in der äth. Zeitung Addis Semen, März 2001
(pdf-Format) http://www.echonet.org/tropicalag/moringa3.htm
http://www.mobot.org/gradstudents/olson/moringahome.html
http://www.treesforlife.org/moringa/Moringahome.htm
http://www.optimaworld.com/
Konso agriculture and its plant genetic resources
: Moringa stenopetala - 1991 (pdf-Format)
Purification of turbid surface water by plants in
Ethiopia - Walia - 1992 (pdf-Format)
gate / gtz - Technical Information W1e: Water
Clarification using Moringa oleifera (June 2000)
(pdf-Format)
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