Nachrichten aus dem Irak: Ein Leserbriefschwindel des
Pentagon wird zur Lachnummer Amerikanische Zeitungen veröffentlichten
in letzter Zeit vermehrt Leserbriefe von US-Soldaten, die mit glühenden
Worten von den Leistungen der US-Army beim zivilen Aufbau und vom
überschwenglichen Dank der Iraker erzählten. Erst als die Zeitung
Olympian aus Olympia im Bundesstaat Washington zwei dieser Briefe mit
identischem Text, aber unterschiedlichen Unterzeichnern erhielt, flog der
jüngste Public-Relation-Schwindel des Pentagon auf. Nun droht er, eine
Lachnummer zu werden.
Nach Informationen des Gannett News Service sind
bislang mindestens elf Tageszeitungen, darunter auch die renommierte Boston
Globe, auf den Betrug hereingefallen und haben die identischen, vorgefertigten
Briefe gedruckt. Die Organisatoren dieser Desinformationskampagne, die in der
Abteilung für psychologische Kriegsführung der US-Army sitzen
dürften, sorgten dafür, daß jeder Brief die Unterschrift eines
Soldaten aus der Stadt trug, in der die jeweilige Zeitung erscheint. So sollte
wohl die Chance der Veröffentlichung erhöht und an das
Zugehörigkeitsgefühl der Leser appelliert werden.
Die
jüngste, im Auftrag von USA Today und CNN erstellte Meinungsumfrage zeigt,
daß die Amerikaner gegenüber dem Krieg skeptischer werden. Nur noch
50 Prozent der Befragten waren der Ansicht, daß die Lage im Irak den
Krieg notwendig gemacht hatte. Im April waren es noch 73 Prozent. Die Phrasen
der vorgefertigten Briefe sollen dem Trend entgegenwirken. Von einer
»Mission« in der nordirakischen Stadt Kirkuk ist da die Rede:
»Die Früchte der Anstrengungen all unserer Soldaten sind in den
Straßen überall deutlich sichtbar.« Es gäbe keinen
Müll mehr, die Menschen seien auf den Märkten, die Kinder wieder in
den Schulen. »Die Stadt ist zu unserer zweiten Heimat geworden.
Lebensqualität und Sicherheit sind weitgehend wiederhergestellt und das
ist zum großen Teil uns zu verdanken«, heißt es weiter.
Schön wäre es, »inmitten der Iraker zu leben«, die
»alles über Demokratie lernen« würden, und dafür
natürlich sehr dankbar seien. »Selbst nach fünf Monaten kommen
die Leute immer noch aus ihren Häusern gelaufen, in die sengende Hitze von
50 Grad, um unseren Truppen zuzuwinken, wenn diese bei ihren täglichen
Kontrollen vorbeifahren«, schreiben die Soldaten der in Kirkuk
stationierten 173. US-Luftlandebrigade.
Dank der Nachforschungen des
Olympian und des Gannett News Service steht mittlerweile fest, daß
mindestens ein Leserbriefschreiber nicht selbst unterschrieben hat. Pfc. Nick
Deaconson, dessen Unterschrift unter einem Vordruck stand, der in Beckley/West
Virginia veröffentlicht worden war, gab an, den Brief weder gekannt noch
unterschrieben zu haben. Inzwischen ist klar, daß der Vordruck von einem
Unteroffizier an die Soldaten verteilt wurde. Von einem direkten Befehl wollen
US-Offiziere jedoch nichts wissen. Die New York Times zitierte gestern einen
Sprecher der 173. Luftlandebrigade, nach dessen Worten es sich um eine
Eigeninitiative der Soldaten gehandelt habe, »um die guten Nachricht
über unsere Arbeit zu Hause zu verbreiten, zumal die Medien sich nur auf
die Opfer und die Angriffe der Terroristen fokussieren.« |