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18.10.2003 Rainer Rupp Junge Welt
Ein himmlischer Sohn namens Satan
US-General Boykin zwischen Göttern, Götzen und GIs
Gottes Generalität reduzierte sich bisher auf einige Jesuiten und Heilsarmisten, jetzt hat er im Pentagon einen echten Feldherrn: Generalleutnant William »Jerry« Boykin. Der hochdekorierte Drei-Sterne-General ist dort seit kurzem stellvertretender Staatssekretär, zuständig für geheimdienstliche Aufklärung und verdeckte Operationen, also zuständig für Foltern, Sprengen, Vergiften, Ersticken, Erschießen etc. Sein Auftrag: Osama Bin Laden, Saddam Hussein und andere Satansbraten, die es wagen, Verbrechen nicht nur im US-Auftrag zu begehen, zu vernichten. General Boykin weiß also, daß er eine Mission Gottes erfüllt.

Das sagt er auch, z. B. im Juni vor glaubensstarken Brüdern und Schwestern in Oregon: Die radikalen Islamisten haßten die Vereinigten Staaten, »weil wir eine christliche Nation sind, weil unser Fundament und unsere Wurzen judäo-christlich sind und der Feind ein Kerl ist, der Satan heißt.« Dem irdischen Vertreter des Gottseibeiuns ist Boykin einst schon in Vietnam begegnet und überhaupt überall, wo er sich weltweit für Gott in die Bresche warf, etwa in Somalia: »Ich wußte, daß mein Gott größer war als seiner. Ich wußte, daß mein Gott ein richtiger Gott ist und sein Gott nur ein Götze war.«

Daß US-Soldaten bei ihren Einsätzen rund um den Erdball »auf der Seite der Engel« kämpfen, hat ungefähr Verfassungsrang in den USA. Die Formel wird schließlich täglich neu bestätigt. Überall, wo GIs mit Cruise Missiles, Streubomben, Napalm oder Bunkerknackern agieren, breiten sich Marktwirtschaft, Demokratie und amerikanische Werte aus. Mehr sichtbare Gnade Gottes war nie. Boykin läßt es nicht dabei. Dem Anspruch, God’s own Country – Gottes eigenes Land, zu sein, genügt es nicht, bloß Hilfstruppen zu stellen. Aus der Sicht des Generals ist die US-Armee der himmlische Hauptakteur. Jedenfalls erklärte er vor einem Jahr in einer Rede: »Wir sind die Armee Gottes, im Hause Gottes, im Königreich Gottes, und für Zeiten wie diese sind wir großgezogen worden«.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis von Boykin zu hören war, daß US-Präsidenten nicht gewählt werden, sondern als Ölzweige vom Himmel fallen. Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 hatte Gott jedenfalls für alle Welt sichtbar schon mal ein kleines Wunder vom Stapel gelassen und seine Finger in die Getriebe der Wahlzettel-Zählmaschinen in Florida gesteckt. Ein mittleres Wunder war dann schon die Erleuchtung, die den Obersten Gerichtshof überkam, wonach George W. Bush Präsident sei. Boykin ist nun angetreten, um das ultimative Wunder zu verkünden: »Er (Bush) ist im Weißen Haus, weil Gott ihn dorthin gesetzt hat«, zitierte ihn am Donnerstag die Los Angeles
Times.

Aber Satan schläft auch in den USA nicht. Im Kongreß rumorte es ob solcher Offenbarungen, in den Medien zeigte sich Abfall vom Glauben, nur US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sprang seinem Untergebenen bei.

Von ganz oben kommt weitere Hilfe. Demnächst erscheint in den USA das Buch »Der Glaube von George W. Bush«. Aus Vorabdrucken ist ersichtlich, daß der Präsident selbst in aller Bescheidenheit sich von Gott persönlich berufen sieht. Gegenüber dem evangelikalen Prediger James Robison aus Texas, bei dem er vor der Präsidentschaft regelmäßig religiöse Erbauung suchte, bekannte er: »Ich fühle, daß Gott will, daß ich für die Präsidentschaft kandidiere. Ich kann es nicht erklären, aber ich spüre, daß mein Land mich nötig haben wird. Gott will, daß ich das mache.«

Gott wird sich noch wundern.


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.