US-General Boykin zwischen Göttern, Götzen und
GIs Gottes Generalität reduzierte sich bisher auf einige Jesuiten und
Heilsarmisten, jetzt hat er im Pentagon einen echten Feldherrn: Generalleutnant
William »Jerry« Boykin. Der hochdekorierte Drei-Sterne-General ist
dort seit kurzem stellvertretender Staatssekretär, zuständig für
geheimdienstliche Aufklärung und verdeckte Operationen, also
zuständig für Foltern, Sprengen, Vergiften, Ersticken,
Erschießen etc. Sein Auftrag: Osama Bin Laden, Saddam Hussein und andere
Satansbraten, die es wagen, Verbrechen nicht nur im US-Auftrag zu begehen, zu
vernichten. General Boykin weiß also, daß er eine Mission Gottes
erfüllt.
Das sagt er auch, z. B. im Juni vor glaubensstarken
Brüdern und Schwestern in Oregon: Die radikalen Islamisten haßten
die Vereinigten Staaten, »weil wir eine christliche Nation sind, weil
unser Fundament und unsere Wurzen judäo-christlich sind und der Feind ein
Kerl ist, der Satan heißt.« Dem irdischen Vertreter des
Gottseibeiuns ist Boykin einst schon in Vietnam begegnet und überhaupt
überall, wo er sich weltweit für Gott in die Bresche warf, etwa in
Somalia: »Ich wußte, daß mein Gott größer war als
seiner. Ich wußte, daß mein Gott ein richtiger Gott ist und sein
Gott nur ein Götze war.«
Daß US-Soldaten bei ihren
Einsätzen rund um den Erdball »auf der Seite der Engel«
kämpfen, hat ungefähr Verfassungsrang in den USA. Die Formel wird
schließlich täglich neu bestätigt. Überall, wo GIs mit
Cruise Missiles, Streubomben, Napalm oder Bunkerknackern agieren, breiten sich
Marktwirtschaft, Demokratie und amerikanische Werte aus. Mehr sichtbare Gnade
Gottes war nie. Boykin läßt es nicht dabei. Dem Anspruch, Gods
own Country Gottes eigenes Land, zu sein, genügt es nicht,
bloß Hilfstruppen zu stellen. Aus der Sicht des Generals ist die US-Armee
der himmlische Hauptakteur. Jedenfalls erklärte er vor einem Jahr in einer
Rede: »Wir sind die Armee Gottes, im Hause Gottes, im Königreich
Gottes, und für Zeiten wie diese sind wir großgezogen
worden«.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis von Boykin zu
hören war, daß US-Präsidenten nicht gewählt werden,
sondern als Ölzweige vom Himmel fallen. Bei den
Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 hatte Gott jedenfalls für alle
Welt sichtbar schon mal ein kleines Wunder vom Stapel gelassen und seine Finger
in die Getriebe der Wahlzettel-Zählmaschinen in Florida gesteckt. Ein
mittleres Wunder war dann schon die Erleuchtung, die den Obersten Gerichtshof
überkam, wonach George W. Bush Präsident sei. Boykin ist nun
angetreten, um das ultimative Wunder zu verkünden: »Er (Bush) ist im
Weißen Haus, weil Gott ihn dorthin gesetzt hat«, zitierte ihn am
Donnerstag die Los Angeles Times.
Aber Satan schläft auch in
den USA nicht. Im Kongreß rumorte es ob solcher Offenbarungen, in den
Medien zeigte sich Abfall vom Glauben, nur US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld sprang seinem Untergebenen bei.
Von ganz oben kommt weitere
Hilfe. Demnächst erscheint in den USA das Buch »Der Glaube von
George W. Bush«. Aus Vorabdrucken ist ersichtlich, daß der
Präsident selbst in aller Bescheidenheit sich von Gott persönlich
berufen sieht. Gegenüber dem evangelikalen Prediger James Robison aus
Texas, bei dem er vor der Präsidentschaft regelmäßig
religiöse Erbauung suchte, bekannte er: »Ich fühle, daß
Gott will, daß ich für die Präsidentschaft kandidiere. Ich kann
es nicht erklären, aber ich spüre, daß mein Land mich
nötig haben wird. Gott will, daß ich das mache.«
Gott
wird sich noch wundern. |