Wachsende Kritik an Krieg und Besatzung im Irak.
Rückkehr an Front verweigert »Ich denke, daß
Verteidigungsminister Rumsfelds Bemerkungen sehr gut die Sorgen widerspiegeln,
welche sie (die Vertreter der Bush-Regierung) sich jetzt wegen ihrer verfehlten
Irak-Politik machen«, kommentierte der Führer der demokratischen
Minderheitsfraktion im US-Senat, Tom Daschle, Rumsfelds Memorandum an seine
engsten Mitarbeiter. Das Papier war am Mittwoch auf der Titelseite von
USA-Today im Wortlaut abgedruckt worden. »Damit gestehen sie ein,
daß sie bisher keinen Erfolg gehabt haben«, fügte Daschle
hinzu. Donald Rumsfeld hatte in seinem Memo u. a. die Frage aufgeworfen,
»ob die radikalen religiösen Anführer in den islamischen
Koranschulen nicht jeden Tag mehr Terroristen rekrutieren, ausbilden und gegen
uns schicken, als wir zur gleichen Zeit töten, abschrecken und
abhalten«.
Bei soviel Zweifel an höchster Stelle wundert es
nicht, daß auch die einfachen Soldaten sich zunehmend die Frage stellen,
wofür sie ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren. Am deutlichsten hat
sich das am Dienstag geäußert, als 28 US-Soldaten durch ihr
Fernbleiben von der Truppe gegen den Krieg protestierten. Nachdem sich eine
Gruppe von 2300 US-Soldaten 14 Tage zu Hause von den Kriegsstrapazen am Golf
erholt hatte, sollte sie am Dienstag wieder zurück an die Front. Die
Tatsache, daß eine Reihe von ihnen zum Rückflug nach Irak nicht
erschien und seither verschwunden ist, läßt vermuten, daß
innerhalb der US-Truppe die Abneigung, Frust und Widerstand rapide
wachsen.
Daß dies auch im Offizierskorps der Fall ist, zeigte sich
bei Veranstaltungen mit dem ehemaligen Oberkommandierenden der amerikanischen
Streitkräfte im Mittleren Osten, General Zinni. Vor dem Krieg war Zinni
noch als Sondergesandter der Bush-Regierung im Mittleren Osten unterwegs.
Allerdings widersetzte er sich resolut der geplanten US-Invasion, weil Irak
keine unmittelbare Bedrohung der US-Interessen darstellte. Zinni zog sich
schließlich ins Privatleben zurück, allerdings nicht, ohne sich
immer wieder zu Wort zu melden. Zuletzt nannte er in der in den USA
populären Fernsehtalkshow Nightline Präsident Bushs Irak-Krieg einen
»brainfart«, einen »Hirnfurz«. Bereits Anfang September
hatte Zinni bei einem Vortrag der Bush-Regierung vorgeworfen, den Irak-Krieg
ohne kohärente Strategie, ohne richtigen Plan und ohne ausreichende
Ressourcen begonnen zu haben. Die Zinni-Rede zirkuliert inzwischen auf
CDs gebrannt in US-Offizierskreisen und im Internet. |