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Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die
Wisnewski/Brunner-Dokumentation
Aktenzeichen
11.9. ungelöst - Lügen und Wahrheiten zum 11. September
2001:LINK:HREF>:LINK>, die am Freitag, den 20. Juni 2003, um 23.00
Uhr im WDR ausgestrahlt wurde. In dieser Doku stellen die Autoren zum einen die
US-amerikanische Vereinigung
unansweredquestions.org:LINK:HREF>:LINK>
vor, die das Augenmerk der Öffentlichkeit auf offene Fragen zu den
Anschlägen des 11.9. lenken möchte. Zum anderen geht es um das
Schicksal jener beiden Passagiermaschinen, die der amerikanischen Regierung
zufolge in das Pentagon beziehungsweise in einen Acker bei Shanksville,
Pennsylvania, gestürzt sind. Wisnewski und Brunner stellen diese
offizielle Version in Frage. Und stützen sich dabei auf die Berichte
diverser Augenzeugen. Zum Beispiel auf den Bericht von Ernie Stull,
Bürgermeister von Shanksville, der im Film mehrmals sagt, es habe an der
Absturzstelle 'kein Flugzeug' (
no
airplane:LINK:HREF>:LINK> gegeben. Weil sich das Flugzeug laut Stull
'total zerlegt' habe.
Der aktuellen Stellungnahme des WDR
vorausgegangen war eine Serie von Artikeln und Berichten Ende August, in denen
Verschwörungstheorien im Allgemeinen sowie die Thesen von Buch-Autoren wie
Mathias Bröckers, Andreas Hauß, Andreas von Bülow und Gerhard
Wisnewski unter Beschuss gerieten (vgl.
Der Countdown
läuft:LL:HREF>:LL>). Auch die Dokumentation von Gerhard
Wisnewski und Willy Brunner wurde ins Visier genommen. Besonders der Spiegel
ging in seiner Titelgeschichte
Panoptikum des
Absurden:LINK:HREF>:LINK> vom 8. September 2003 scharf ins Gericht
mit den Filmemachern und den Verantwortlichen beim WDR, die zu diesem Zeitpunkt
noch hinter Wisnewski und Brunner standen. Wisnewski warfen die Spiegel-Autoren
vor, dass er 'Aussagen und Sachverhalte zurechtbiegt und hinzimmert. Dass dies
bis an den Rand der Fälschung geht, zeigt sich dort, wo er über den
Absturz der United-Airlines-Boeing 757 nahe der Gemeinde Shanksville in
Pennsylvania schreibt'. Worauf Wisnewski sowohl in seinem Buch 'Operation 9/11'
als auch im Film 'Aktenzeichen 11.9. ungelöst' hinauswolle, sei die These,
'dass es kein Flugzeug gab'. Mitnichten, wie Wisnewski und Brunner in ihrem
Offenen
Brief:LINK:HREF>:LINK> an den Spiegel erklären. Weder Flugzeug
noch Aufprall würden in ihrem Film verschwiegen. Allerdings sei nicht
zweifelsfrei geklärt, ob die Überreste von der entführten Boeing
757 stammen.
Wann genau der Sinneswandel seitens des WDR einsetzte, war
vom Sender nicht zu erfahren. In seiner Stellungnahme gegenüber Wisnewski
und Brunner schreibt Helfried Spitra, die Behauptung der beiden, "der WDR habe
sich die Sicht der 'verleumderischen Spiegel-Titelgeschichte' zu eigen
gemacht", sei nicht zutreffend. Ohne sich explizit auf die Shanksville-Passage
zu beziehen, bemängelt allerdings auch Spitra, die Autoren hätten
"durch gezielte Auswahl aus dem Interviewmaterial einen Argumentationsbogen
konstruiert, der unter Berücksichtigung des Gesamtzusammenhangs so nicht
haltbar ist."
Die Autoren W. und B. waren vom WDR mit
einem Film über die Szene der Verschwörungstheoretiker in den USA zum
9. September [sic] beauftragt worden. Die dort kursierenden Thesen
sollten dargestellt, wenn möglich auch bewertet werden. Leider haben die
Autoren diesen Auftrag nicht erfüllt; sie haben sogar am eigentlichen Ziel
vorbei gearbeitet. Eine interne Prüfung ergab schnell die Mängel des
Film. Die Autoren haben es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht
allzu genau genommen. Aussagen von Zeugen wurden entstellt wieder gegeben,
Zeugen, die der Argumentation des Films widersprochen hätten, erst gar
nicht befragt. Dem WDR wurden von den Autoren wichtige Hintergrundinformationen
vorenthalten. Der WDR hat schnell reagiert und die Thesen des misslungenen
Films zur Diskussion gestellt. Herr W. hat aber auch in dieser Sendung nicht
überzeugen können. Stattdessen wurden seine abenteuerlichen Thesen
durch Fakten widerlegt, vorgetragen von anerkannten Wissenschaftlern und
Experten.:RZ:TEXT> |
| Mail der
Presseabteilung des WDR vom 24.10.2003 an
Telepolis:RZ:QUELLE> |
Tatsache ist, dass der WDR für
den 10. September 2003 - also nur zwei Tage nach Erscheinen der
Spiegel-Titelstory - eine Sendung mit dem Titel
Täuschung
oder Wahrheit?:LINK:HREF>:LINK> vorbereitet hatte. Darin sollte
Gerhard Wisnewski gegenüber Hans Leyendecker - der sich in einem
Radiointerview:LINK:HREF>:LINK>
und einem
SZ-Artikel:LINK:HREF>:LINK>
vehement gegen "Verschwörungsidioten" und "Verschwörungs-Junkies"
gewendet hatte - nicht nur seine eigenen Thesen, sondern auch die Thesen
anderer "Verschwörungstheoretiker" rechtfertigen. Leyendecker zur Seite
standen drei Experten zur Seite, außerdem hatte die Redaktion sechs
Einspielfilme (Intro; Todespiloten; Absturzstelle Pentagon; Absturzstelle
Shanksville; Einsturz WTC; Suche nach überlebenden Attentätern)
vorbereitet. Moderiert wurde das Ganze von
Helmut
Rehmsen:LINK:HREF>:LINK>. Bei insgesamt 60 Minuten
Sendezeit:LINK:HREF>:LINK>
blieb für Wisnewskis Argumente zwangsläufig wenig Raum.
Rückblickend sagt Wisnewski: "Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich dem Sender
voll vertraut." Zumal die Redaktion der Sendung in den Händen von Matthias
Kremin lag - demselben Redakteur, mit dem Wisnewski und Brunner bei
'Aktenzeichen 11. 9. ungelöst' zu tun hatten und der in Wisnewskis Buch
auf Seite 366 in der Danksagung auftaucht. Hätte Wisnewski geahnt, was auf
ihn zukommt, wäre er nicht allein angetreten, sondern hätte
seinerseits auf aussagekräftigen Experten bestanden. Außerdem
arbeitete der WDR zum Teil mit Animationen - ohne dabei auf offizielle Daten
zurückgreifen zu können, weil diese bislang nicht freigegeben wurden
von den US-amerikanischen Behörden. Insofern sind diese Animationen
keinesfalls 'Beweismaterial', sondern höchstens 'Szenarien'.
Dass Wisnewski und Brunner nicht mehr für den WDR
arbeiten dürfen, erfuhren die beiden aus dem Spiegel vom
22. September
2003:LINK:HREF>:LINK>. Dort hieß es auf der letzten Seite in
der Rubrik 'Der SPIEGEL berichtete ...':
... in Nr. 37/2003 'Verschwörung 11.
September - Wie Konspirationsfanatiker die Wirklichkeit auf den Kopf stellen'
über Verschwörungstheorien zu den Anschlägen des 11. September.
Dabei ging es auch um die fragwürdigen Methoden des WDR-Autors Gerhard
Wisnewski. Verschwörungstheoretiker Wisnewski und sein Co-Autor Willy
Brunner hatten für den Westdeutschen Rundfunk eine entsprechende
Dokumentation gedreht ('Aktenzeichen 11. 9. ungelöst'). Die Autoren
Gerhard Wisnewski und Willy Brunner dürfen nicht mehr für den Sender
arbeiten. Das wurde vergangene Woche in der Sitzung des Rundfunkrats bekannt.
Der WDR fühlt sich von ihnen "getäuscht". Intendant Fritz Pleitgen
distanzierte sich nach Beschwerden von Rundfunkräten von dem Beitrag; der
sei kein Ruhmesblatt.:RZ:TEXT> |
| :RZ:QUELLE> |
In den Augen von Wisnewski und Brunner ist diese Meldung in
dreifacher Hinsicht ein Skandal. Erstens falle die Personalpolitik des WDR
nicht in den Zuständigkeitsbereich des Spiegel. Zweitens haben die
Sitzungen des
Rundfunkrats:LINK:HREF>:LINK>
nicht-öffentlichen Charakter; die Teilnehmer sind zur
Verschwiegenheit:LINK:HREF>:LINK>
verpflichtet; Außenstehende werden höchstens über die
Tagesordnungspunkte, nicht jedoch über "über Inhalt und Verlauf"
informiert, wie Reinhard Grätz, Vorsitzender des Rundfunkrats des WDR, am
8. Oktober 2003 den Autoren gegenüber bestätigt. Und drittens
hätten die beiden gerne aus erster Hand erfahren, wie es um ihr Ansehen
beim WDR steht. Per Fax baten die Autoren den WDR um Stellungnahme.
Außerdem verfassten sie einen
Offenen
Brief:LINK:HREF>:LINK> an den Spiegel. Und berichteten auf ihren
Websites:LINK:HREF>:LINK>
in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand der
Dinge. Wobei der Tonfall zunehmend schärfer wurde. Ein Verhalten, das vom
zuständigen Redaktionsleiter Helfried Spitra als "nicht akzeptabel"
bewertet wird. Die Autoren halten dagegen: "Wir sind gezwungen, weiteren
Schaden von uns abzuwenden. Daher müssen wir den Rufschädigungen
entgegentreten."
Was die Dokumentation von Wisnewski
und Brunner angeht, so sind laut Reinhard Grätz "Sendungen, die sich im
weitesten Sinne mit dem Thema '11. September' beschäftigt haben, [...]
naturgemäß mehrfach nachbetrachtet worden". In diesem Zusammenhang
wurde in der Ausschuss-Sitzung auch über die Dokumentation 'Aktenzeichen
11.9. ungelöst' gesprochen. "Selbstverständlich" habe der Vorsitzende
des Rundfunkrats "weder die Medien noch irgendeinen Außenstehenden
über den diskutierten Sitzungsteil informiert". Falls ein anderer
Teilnehmer der Sitzung die Regeln der oben skizzierten Informationspolitik
überschritten haben sollte, dann fehlen Grätz nach eigener Aussage
"die kriminalistischen Möglichkeiten, den Urheber zu finden". Ganz
ähnlich argumentiert Helfried Spitra: "Was der Spiegel über
nichtöffentliche Sitzungen des Rundfunkrats behauptet, hat der WDR nicht
zu verantworten."
Merkwürdig an der Angelegenheit ist die Tatsache, dass
der Sender monatelang nichts auszusetzen hatte an 'Aktenzeichen 11.9.
ungelöst'. Die Doku war Teil der vom WDR initiierten Reihe 'Das andere
Amerika' und bescherte dem WDR eine sensationell gute Quote von 4,8 Prozent
Marktanteil (Quelle: Media Control) bundesweit. Das entspricht einer Reichweite
von 0,77 Million Zuschauer. Zum Vergleich: Im Juni 2003 lag die Quote bei
durchschnittlich 2,7 Prozent bundesweit; im zweiten und dritten Quartal 2003
bei 2,5 Prozent bundesweit. Anders als seinerzeit angekündigt, wurde die
Doku nicht wiederholt. Über die Gründe schweigt der WDR sich aus.
Allerdings kann man sich anhand des
Manuskripts:LINK:HREF>:LINK>
über den Inhalt informieren. Auch die
WDR-Seite:LINK:HREF>:LINK>
zur Dokumentation ist nach wie vor abrufbar. Das Gästebuch zur
Sendung:LINK:HREF>:LINK>
wurde inzwischen geschlossen. Eine Zeit lang konnten sich die User an der
Diskussion zum Thema
Hat
der 11. September die Welt verändert?:LINK:HREF>:LINK>
beteiligen. Inzwischen wurde jedoch auch diese Diskussion beendet.
Dass Fernsehmacher abgestraft werden,
kommt durchaus vor. Allerdings geschieht dies meist heimlich still und leise.
Auf diese Weise verliert keiner sein Gesicht. Kennern der Branche zufolge ist
es inzwischen leider üblich, dass festangestellte Redakteure die direkte
Auseinandersetzung mit freien Mitarbeitern scheuen. Statt etwaige Mängel
direkt zu kritisieren, gibt es einfach keine Folgeaufträge mehr. Um
Nachschub müssen sich die Redaktionen trotzdem keine Sorgen machen. Sorgt
doch die allgemeine Medienkrise für ein Überangebot an Freien.
Offizielle Rügen werden im Bereich Fernsehen nur selten
ausgesprochen. Bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie dem WDR
wäre der hauseigene Rundfunkrat
zuständig:LINK:HREF>:LINK>.
Weil sich so ein Rundfunkrat jedoch aus Vertretern einer ganzen Reihe von
gesellschaftlich relevanten Gruppierungen
zusammensetzt:LINK:HREF>:LINK>,
kommen nur selten die erforderlichen Mehrheiten zustande. Die letzte Rüge,
auf die sich der Rundfunkrat des WDR einigen konnte, liegt zwei Jahre
zurück und traf den damaligen Monitor-Moderator
Klaus
Bednarz:LINK:HREF>:LINK>. Unter dem Titel 'Berufliche Fortbildung:
Milliarden-Abzocke von Steuergeldern' hatte das Kölner Magazin am
5.
Juli 2001:LINK:HREF>:LINK> über ein Ausbildungs- und
Umschulungszentrum für Computerfachleute in Erfurt berichtet und der
Einrichtung nicht nur klägliches Versagen, sondern auch milliardenschwere
Verschwendung von Steuergeldern unterstellt. Zu Unrecht, wie die Redaktion bald
darauf eingestehen musste. Die Rüge erregte seinerzeit großes
Aufsehen, denn sie war die erste seit zehn Jahren.
Im Printbereich sind Rügen sehr
viel gängiger. Bundesweit zuständig ist der
Deutsche Presserat:LINK:HREF>:LINK>.
Die Palette der
Missfallensbekundungen:LINK:HREF>:LINK>
reicht vom schlichten 'Hinweis' über die 'Missbilligung' bis hin zur
'Rüge', die - je nachdem, ob die Persönlichkeitsrechte von Opfern
betroffen sind oder nicht - entweder öffentlichen oder
nicht-öffentlichen Charakter haben kann. 95 Prozent der Printmedien haben
sich in der so genannten Freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung
verpflichtet, öffentliche Rügen im Blatt zu publizieren. Allerdings
geschieht dies selten zeitnah und nicht gerade auf der Titelseite, so dass sich
der Imageschaden jeweils in Grenzen hält. In diesem
Jahr:LINK:HREF>:LINK>
wurden bereits 14 Rügen ausgesprochen.
Die Art und Weise, in der Wisnewski und Brunner kritisiert
werden, werten die Autoren als Rufmord. Nicht mehr für den WDR arbeiten zu
dürfen, käme einem
Berufsverbot:LINK:HREF>:LINK>
gleich. Natürlich kann der WDR seinen freien Mitarbeitern weder
'kündigen' noch ein 'Arbeitsverbot' auferlegen. Denn der WDR ist - wie
jeder andere Arbeitgeber auch - frei in der Wahl seiner freien Mitarbeiter.
Darüber hinaus haben die Entscheidungen des WDR Signalwirkung. Denn der
WDR ist nicht nur der größte
Sender:LINK:HREF>:LINK>
innerhalb der ARD, sondern auch einer der wichtigsten Auftraggeber im Bereich
Dokumentarfilm. Wisnewski und Brunner befürchten nicht zuletzt, dass an
ihnen ein Exempel statuiert wird, das andere Filmemacher und Journalisten
einschüchtern soll, die sich mit dem 11. September befassen. |