|
René Schneider
Breul 16 48143
Münster Telefon (02 51) 3 99 71 61
Telefax (02 51) 3 99 71 62
An die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Fulda
Am Rosengarten 4 36037 Fulda Telefax (06 61) 9 24 21 00
S t r a f a n z e i g e
g e g e n
Herrn Paul Spiegel Präsident des Zentralrats der
Juden in Deutschland Tucholskystraße 9 10117 Berlin
w e g e n
des Verdachts auf Falsche Verdächtigung
gemäß § 164 StGB:
§ 164 StGB. Falsche Verdächtigung. (1) Wer
einen anderen bei einer Behörde oder einem zur Entgegennahme von Anzeigen
zuständigen Amtsträger oder militärischen Vorgesetzten oder
öffentlich wider besseres Wissen einer rechtswidrigen Tat oder der
Verletzung einer Dienstpflicht in der Absicht verdächtigt, ein
behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen
ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe bis
zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Ebenso wird bestraft,
wer in gleicher Absicht bei einer der in Absatz 1 bezeichneten Stellen oder
öffentlich über einen anderen wider besseres Wissen eine sonstige
Behauptung tatsächlicher Art aufstellt, die geeignet ist, ein
behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen
ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen.
Artikel 3 GG. (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz
gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat
fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von
Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile
hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung,
seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens,
seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder
bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt
werden.
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich nehme Bezug auf die aktuellen Presseberichte über
Herrn Martin Hohmann MdB (CDU), der wegen seiner Rede vom 3. Oktober 2003 in
die Schlagzeilen geraten ist.
Das Massenmedium SPIEGEL ONLINE berichtet
darüber im weltweiten Internet: SPIEGEL ONLINE - 04. November
2003, 12:40 URL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,272510,00.html
Antisemitismus-Vorwürfe
Auch Spiegel stellt Strafanzeige gegen Hohmann
Dem Zentralrat der Juden in Deutschland genügt die
Rüge der CDU gegen ihren Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann nicht.
Zentralratspräsident Spiegel forderte die Union auf, den wegen
antisemitischer Äußerungen umstrittenen Politiker aus der Fraktion
auszuschließen. Außerdem stellte er Strafanzeige gegen Hohmann.
Berlin - Paul Spiegel sagte im WDR, der Zentralrat sei
nach intensiver Prüfung zum Ergebnis gekommen, "dass wir Strafanzeige
stellen solle, ja stellen müssen". Spiegel kritisierte, dass die CDU den
Abgeordneten nach dessen teilweiser Entschuldigung in der Fraktion belassen
hat. "Er ist der schlimmste Fall von Antisemitismus, den ich in den letzten
Jahrzehnten erlebt habe."
Die Staatsanwaltschaft Fulda prüft bereits seit
Montag eine Strafanzeige einer Bonner Privatperson gegen Hohmann.
[...]
Wer a u s d r ü c k l i c h nach
intensiver Prüfung die folgende Rede oder auch nur Teile von ihr
für strafrechtlich relevant hält, muß sich den Vorwurf der
(absichtlichen oder zumindest vorsätzlichen) falschen Verdächtigung
gemäß § 164 StGB gefallen lassen:
Ansprache von MdB Martin Hohmann zum
Nationalfeiertag, 3. Oktober 2003
Anrede
Wir wollen uns über das Thema "Gerechtigkeit
für Deutschland", über unser Volk und seine etwas schwierige
Beziehung zu sich selbst einige Gedanken machen. Wir halten uns nicht zu lange
mit vordergründigen Erscheinungen auf. Aber es ist halt schon
merkwürdig, und viele Deutsche nehmen daran Anstoß, dass ein
verurteilter türkischer Mordanstifter nach Verbüßung
seiner Haftstrafe nicht in sein türkisches Heimatland ausgewiesen
werden kann. Ein deutsches Gericht legt deutsche Gesetze so aus,
dass der sogenannte Kalif von Köln sich nicht zur Rückreise in die
Türkei, sondern zum weiteren Bezug deutscher Sozialhilfe gezwungen
sieht.
Da deckt eine große Boulevard-Zeitung den Fall des
Miami-Rolf auf. Dieser mittellose deutsche Rentner erhielt vom Landessozialamt
Niedersachsen den Lebensunterhalt, die Miete nebst Kosten für eine
Putzfrau, zusammen 1.425,- Euro monatlich ins warme Florida überwiesen.
Das ist derzeit noch ganz legal, denn nach § 119 Bundessozialhilfegesetz
können deutsche Staatsbürger auch im Ausland Sozialhilfe erhalten,
wenn schwerwiegende Umstände einer Rückkehr entgegenstehen. In einem
psychiatrischen Gutachten war festgestellt worden, Rolf J. sei in seinem
"gewohnten Umfeld" in Florida besser aufgehoben. Er kann dort von seinen
amerikanischen Freunden eher "aufgefangen" werden.
Vor kurzem wurde eine Hessische Kreisverwaltung dazu
verdonnert, einem 54jährigen Sozialhilfeempfänger das Potenzmittel
"Viagra" nicht grundsätzlich zu verweigern. Vor dem Hintergrund der beiden
letztgenannten Fälle schreibt die Zeitung "Das freie Wort" aus Suhl:
"Viagra aus Staatsknete war gestern, aber heute gibt es die
Deutschland-Allergie." Die Oldenburgische Nordwestzeitung empfiehlt: "Deutsche,
lasst die Arbeit liegen, ab ins Paradies." Treffend bemerkt die "Deister- und
Weserzeitung": "Wut und Entsetzen kocht da hoch."
Viele von Ihnen kennen ähnliche Beispiele, in denen
der gewährende deutsche Sozialstaat oder der viele Rechtswege
eröffnende Rechtsstaat gnadenlos ausgenutzt werden. Dabei hat der
einzelne, den man früher Schmarotzer genannt hätte, in der Regel kein
schlechtes Gewissen. Wohlmeinende Sozialpolitiker aller Couleur haben das
individuelle Anspruchsdenken kräftig gestärkt, man kann sogar sagen
verselbständigt. Dabei ist ganz aus dem Blick geraten, dass all diese
Sozialhilfe-Euros vorher von anderen hart erarbeitet oder per Staatskredit der
jungen Generation aufgebürdet werden müssen. Bei der Abwägung
von Rechten und Pflichten wurden die Rechte des Einzelnen groß heraus-,
die Pflichten des Einzelnen aber hintangestellt. Wie viele Menschen in
Deutschland klopfen ihre Pläne und Taten auch darauf ab, ob sie nicht nur
eigennützig, sondern auch gemeinschaftsnützig sind sie der
Gemeinschaft nützen, ob sie unser Land voranbringen?
Das Wir-Denken, die Gemeinschaftsbezogenheit, müssen
aber zweifellos gestärkt werden. Bitter für uns, dass diese
schwierige Übung ausgerechnet in einer Zeit wirtschaftlicher Stagnation
von uns verlangt wird. Die Zahl der bereits erfolgten Einschränkungen ist
nicht gering, die Zahl der künftigen - dazu muss man kein Prophet sein -
wird noch größer sein. Die große Mehrheit der Bevölkerung
verschließt sich einem Sparkurs nicht. Allerdings wird eines verlangt:
Gerecht muss es zugehen. Wenn erfolglose Manager sich Abfindungen in
zweistelligem Millionenbereich auszahlen lassen, fehlt nicht nur dem
unverschuldet Arbeitslosen dafür jegliches Verständnis. Nun
könnte man diese horrenden Abfindungen noch als Auswüchse des
sogenannten kapitalistischen Systems bewerten und mit der gleichen Praxis in
den Vereinigten Staaten entschuldigen. Aber besonders auch im Verhältnis
zum eigenen Staat erahnen viele Deutsche Gerechtigkeitslücken. Sie haben
das Gefühl, als normaler Deutscher schlechter behandelt zu werden als
andere. Wer seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt, fleißig
arbeitet und Kinder großzieht, kann dafür in Deutschland kein Lob
erwarten, im Gegenteil, er fühlt sich eher als der Dumme. Bei ihm
nämlich kann der chronisch klamme Staat seine leeren Kassen
auffüllen.
Leider, meine Damen und Herren, kann ich den Verdacht,
dass man als Deutscher in Deutschland keine Vorzugsbehandlung genießt,
nicht entkräften. Im Gegenteil. Ich habe drei Anfragen an die
Bundesregierung gestellt:
1. Ist die Bundesregierung angesichts der
Wirtschaftsentwicklung und des Rückgangs der Staatseinnahmen bereit, ihre
Zahlungen an die Europäische Union zu verringern? Die Antwort war: Die
deutsche Verpflichtung gegenüber der Europäischen Union wird ohne
Abstriche eingehalten.
2. Ist die Bundesregierung bereit, sich auch für
deutsche Zwangsarbeiter einzusetzen, nachdem für ausländische und
jüdische Zwangsarbeiter 10 Milliarden DM zur Verfügung gestellt
worden sind? Die Antwort war: Man könne die beiden Fälle nicht
vergleichen. Die Bundesregierung wird sich gegenüber Russland, Polen und
der Tschechischen Republik auch nicht für eine symbolische
Entschädigung und ein Zeichen der Genugtuung für die deutschen
Zwangsarbeiter einsetzen.
3. Ist die Bundesregierung angesichts der
Wirtschaftsentwicklung und des Rückgangs der Steuereinnahmen bereit, ihre
Entschädigungszahlungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz (also an
- vor allem jüdische - Opfer des Nationalsozialismus) der gesunkenen
Leistungsfähigkeit des deutschen Staates anzupassen? Die Antwort war:
Nein, der Respekt vor dem damaligen Leiden dieser Menschen gebiete, das
Entschädigungsniveau uneingeschränkt aufrechtzuerhalten.
Mich haben diese Antworten nachdenklich gemacht und sie
bestätigen die in unserem Land weitverbreitete Anschauung: Erst kommen die
anderen, dann wir. Überspitzt gesagt: Hauptsache, die deutschen Zahlungen
gehen auf Auslandskonten pünktlich und ungeschmälert ein. Dafür
müssen die Deutschen den Gürtel halt noch ein wenig enger
schnallen.
Offengestanden, ich würde mir einen Konsens
wünschen, wie er in vielen anderen Ländern der Welt besteht. Dort
lautet dieser Konsens: Der eigene Staat muss in erster Linie für die
eigenen Staatsbürger da sein. Wenn schon eine Bevorzugung der Deutschen
als nicht möglich oder nicht opportun erscheint, dann erbitte ich
wenigstens Gleichbehandlung von Ausländern und Deutschen.
Fragt man nach den Ursachen dieser Schieflage, so werden
viele antworten: Das liegt an der deutschen Geschichte.
Meine Damen und Herren, kein Kundiger und Denkender kann
ernsthaft den Versuch unternehmen, deutsche Geschichte weißzuwaschen oder
vergessen zu machen. Nein. Wir alle kennen die verheerenden und einzigartigen
Untaten, die auf Hitlers Geheiß begangen wurden. Hitler, als Vollstrecker
des Bösen, und mit ihm die Deutschen schlechthin, sind gleichsam zum
Negativsymbol des letzten Jahrhunderts geworden. Man spricht von einer
"Vergangenheit, die nicht vergehen will". Man räumt dem Phänomen
Hitler auch heute noch in öffentlichen Darstellungen eine
ungewöhnlich hohe Präsenz ein. Tausende von eher minderwertigen
Filmen sorgen vor allem im angelsächsischen Ausland dafür, das
Klischee vom dümmlichen, brutalen und verbrecherischen deutschen Soldaten
wach zu halten und zu erneuern.
Wird hingegen darauf hingewiesen, auch Deutsche seien im
letzten Jahrhundert im großen Stil Opfer fremder Gewalt geworden, so gilt
das schon als Tabubruch. Die Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen
belegt dies eindrucksvoll. Da wird dann gleich die Gefahr des
Aufrechnens beschworen. Auf die Verursachung des Zweiten Weltkrieges
durch das Hitlerregime wird verwiesen. In einem Interview hat unlängst
Hans-Olaf Henkel, der Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen
Industrie das Faktum und die Folgen dieser negativen
Vergangenheitsbezogenheit auf den Punkt gebracht. Er sagte: " Unsere
Erbsünde lähmt das Land." (HÖR ZU 21/2003, Seite 16 ff).
Immer wieder erfahren wir, wie stark die 12 Jahre der
NS-Vergangenheit bis in unsere Tage wirksam sind. Fast möchte man sagen,
je länger die Nazidiktatur zurückliegt, desto wirkmächtiger wird
der Hitlersche Ungeist. Das Häufchen seiner Adepten am rechtsextremen Rand
der politischen Szene ist nicht zu verharmlosen. Die abstoßende
Aggressivität ihrer öffentlichen Auftritte sorgt aber in der Regel
für begrenzte Anhängerschaft im heutigen demokratischen Deutschland.
An der Wahlurne erteilen die deutschen Wähler diesen Dumpfbacken jeweils
eine klarere Abfuhr, als das in vergleichbaren Nachbarländern geschieht.
So gesehen ist das Scheitern des NPD-Verbotes von Vorteil, weil nicht das
Verfassungsgericht, sondern der deutsche Souverän, das Wahlvolk sein
Urteil über den braunen Abhub spricht.
Dieser aktuell zu beobachtende, tagespolitisch aktive
Teil des braunen Erbes gehört zu den unangenehmen, aber wohl
unumgänglichen Erscheinungen einer parlamentarischen Demokratie. Der
Narrensaum am rechten und linken Rand des politischen Spektrums muss politisch
und, wo Strafgesetze verletzt werden, mit justiziellen Mitteln bekämpft
werden. Im erfolgreichen Kampf gegen gewaltsame Extremisten haben sich unsere
Staatsschutzorgane bewährt und in Krisen, wie den blutigen RAF-Terrorismus
der 70er Jahre, unser Vertrauen erworben.
Nicht die braunen Horden, die sich unter den Symbolen des
Guten sammeln, machen tiefe Sorgen. Schwere Sorgen macht eine
allgegenwärtige Mutzerstörung im nationalen Selbstbewusstsein, die
durch Hitlers Nachwirkungen ausgelöst wurde. Das durch ihn veranlasste
Verbrechen der industrialisierten Vernichtung von Menschen, besonders der
europäischen
Juden, lastet auf der deutschen Geschichte. Die Schuld
von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast zu einer neuen
Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen
Beteuerungen, dass es Kollektivschuld nicht gebe, trotz nuancierter
Wortneuschöpfungen wie "Kollektivverantwortung" oder "Kollektivscham": Im
Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das "Tätervolk".
Jede andere Nation neigt eher dazu, die dunklen Seiten
ihrer Geschichte in ein günstigeres Licht zu rücken. Vor
beschämenden Ereignissen werden Sichtschutzblenden aufgestellt. Bei den
anderen wird umgedeutet. Paradebeispiel für Umdeutung ist die Darstellung
der französischen Revolution. Da ist das große Massaker in Paris und
den Provinzen, besonders in der Vendee. Da ist die anschließende
Machtübernahme durch einen Alleinherrscher, dessen
Eroberungskriegszüge millionenfachen Tod über Europa brachten. Die
Mehrheit französischer und außerfranzösischer Stimmen
beschreiben dennoch die Revolution mit ihrem Terror als
emanzipatorischen Akt und Napoleon als milden, aufgeklärten Vater
des modernen Europa.
Solche gnädige Neubetrachtung oder Umdeutung wird
den Deutschen nicht gestattet. Das verhindert die zur Zeit in Deutschland
dominierende politische Klasse und Wissenschaft mit allen Kräften. Sie tun
"fast neurotisch auf der deutschen Schuld beharren", wie Joachim Gauck es am
1.10. 2003 ausgedrückt hat.
Mit geradezu neurotischem Eifer durchforschen immer neue
Generationen deutscher Wissenschaftler auch noch die winzigsten
Verästelungen der NS-Zeit.
Es verwundert, dass noch keiner den Verzicht auf Messer
und Gabel vorgeschlagen hat, wo doch bekanntermaßen diese Instrumente der
leiblichen Kräftigung der damaligen Täter dienten. Die Deutschen als
Tätervolk. Das ist ein Bild mit großer, international wirksamer
Prägekraft geworden. Der Rest der Welt hat sich hingegen in der Rolle der
Unschuldslämmer - jedenfalls der relativen Unschuldslämmer
bestens eingerichtet. Wer diese klare Rollenverteilung - hier die Deutschen als
größte Schuldigen aller Zeiten, dort die moralischen
überlegenen Nationen - nicht anstandslos akzeptiert, wird
Schwierigkeiten erhalten. Schwierigkeiten gerade von denen, die als 68er das
"Hinterfragen, das Kritisieren und das Entlarven" mit großem
persönlichen Erfolg zu ihrer Hauptbeschäftigung gemacht haben. Einige
von den Entlarvern hat es bekanntermaßen bis in höchste
Staatsämter getragen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, um jedem
Missverständnis auszuweichen: Mit Ihnen gemeinsam bin ich für
Klarheit und Wahrheit. Es soll, darf nicht verschwiegen und beschönigt
werden. "Hehle nimmer mit der Wahrheit, bringt sie Leid, nicht bringt sie
Reue", sagt der Dichter. Ja, das Unangenehme, das Unglaubliche, das
Beschämende an der Wahrheit, das gilt es auszuhalten. Wir Deutschen haben
es ausgehalten, wir halten es seit Jahrzehnten aus. Aber bei vielen kommt die
Frage auf, ob das Übermaß der Wahrheiten über die
verbrecherischen und verhängnisvollen 12 Jahre der NS-Diktatur nicht
a) instrumentalisiert wird und b) entgegen der
volkspädagogischen Erwartung in eine innere Abwehrhaltung umschlagen
könnte.
Immer und immer wieder die gleiche schlimme Wahrheit: Das
kann, das muss geradezu psychische Schäden bewirken, wie wir aus der
Resozialisierungspsychologie wissen.
Schlimm ist es besonders, wenn ein U.S.-amerikanischer
Junior-Professor (Daniel Jonah Goldhagen) als Ergebnis seiner
Aufklärungsarbeit unser ganzes Volk als "Mörder von Geburt an"
bezeichnet. Diese ebenso schrille wie falsche These hat ihm jedoch - besonders
in Deutschland - Medienaufmerksamkeit und Autorenhonorar gesichert. Andere
Nationen würden ihn mit kalter Verachtung links liegen lassen.
In der Tat lehnen sich gerade jüngere Menschen
dagegen auf, für Verfehlungen von Großvätern und
Urgroßvätern in Anspruch genommen und mit dem Verdikt
"Angehöriger des Tätervolks" belegt zu werden.
Ganz zweifellos steht fest: Das deutsche Volk hat nach
den Verbrechen der Hitlerzeit sich in einer einzigartigen, schonungslosen Weise
mit diesen beschäftigt, um Vergebung gebeten und im Rahmen des
Möglichen eine milliardenschwere Wiedergutmachung geleistet, vor allem
gegenüber den Juden. Auf die Verträge zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und dem Staat Israel unter den Führungspersönlichkeiten
Adenauer und Ben Gurion darf ich verweisen. Zu der damals vereinbarten
Wiedergutmachung bekennt sich die Mehrheit der Deutschen ganz
ausdrücklich, wobei Leid und Tod in unermesslichem Maß nicht
ungeschehen gemacht werden kann.
Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende
Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in
der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder
waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?
Meine Damen und Herren,
es wird Sie überraschen, dass der amerikanische
Autokönig Henry Ford 1920 ein Buch mit dem Titel "The International Jew"
herausgegeben hat. Dieses Buch hat in den USA eine Auflage von 500.000
Exemplaren erlebt. Es wurde ein Weltbestseller und in 16 Sprachen
übersetzt. Darin prangert Ford die Juden generalisierend als
"Weltbolschewisten" an. Er vermeinte, einen "alljüdischen Stempel auf dem
roten Russland" ausmachen zu können wo damals die bolschewistische
Revolution tobte. Er bezeichnete die Juden in "hervorragendem Maße" als
"Revolutionsmacher". Dabei bezog er sich auf Russland, Deutschland und Ungarn.
Ford brachte in seinem Buch eine angebliche "Wesensgleichheit" von Judentum und
Kommunismus bzw. Bolschewismus zum Ausdruck.
Wie kommt Ford zu seinen Thesen, die für unsere
Ohren der NS-Propaganda vom "jüdischen Bolschewismus" ähneln?
Hören wir, was der Jude Felix Teilhaber 1919 sagt: "Der Sozialismus ist
eine jüdische Idee ...Jahrtausende predigten unsere Weisen den
Sozialismus."
Damit wird auch ausgedrückt, dass an der Wiege des
Kommunismus und Sozialismus jüdische Denker standen.
So stammt Karl Marx über beide Eltern von Rabbinern
ab. Sein Porträt hing im Wohnzimmer einer jüdischen Frauenforscherin,
die im übrigen bekennt: "Ich bin damit groß geworden, dass ein
jüdischer Mensch sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, progressiv
und sozialistisch ist. Sozialismus war unsere Religion." Immer wieder klingen
in den Schriften dieser frühen kommunistischen Zeit quasi religiöse
Züge an. Viele der für den Bolschewismus engagierten Juden
fühlten sich sozusagen als "gläubige Soldaten der Weltrevolution". So
erwartete Kurt Eisner bereits 1908, die "Religion des Sozialismus" werde die
"Verzweiflung des Jammertals" und die "Hoffnungslosigkeit des
irdischen Geschicks" überwinden. Leo Rosenberg verherrlicht das
Proletariat 1917 gar als "Weltmessias".
Konkret stellt sich die Frage: Wie viel Juden waren denn
nun in den revolutionären Gremien vertreten? Zum siebenköpfigen
Politbüro der Bolschewiki gehörten 1917 vier Juden: Leo Trotzki, Leo
Kamenjew, Grigori Sinowjew und Grigori Sokolnikow. Die Nichtjuden waren Lenin,
Stalin, Bubnow. Unter den 21 Mitgliedern des revolutionären
Zentralkomitees in Russland waren 1917 6 der jüdischen Nationalität
an, also 28,6 %. Der überaus hohe Anteil von Juden bei den kommunistischen
Gründervätern und den revolutionären Gremien beschränkte
sich keineswegs auf die Sowjetunion. Auch Ferdinand Lassalle war Jude ebenso
wie Eduard Bernstein und Rosa Luxemburg. 1924 waren von sechs KP-Führern
in Deutschland vier und damit zwei Drittel jüdisch. In Wien waren von 137
führenden Austro-Marxisten 81 und somit 60 % jüdisch. Von 48
Volkskommissaren in Ungarn waren 30 jüdisch gewesen. Aber auch bei der
revolutionären sowjetischen Geheimpolizei, der Tscheka, waren die
jüdischen Anteile außergewöhnlich hoch. Während der
jüdische Bevölkerungsanteil 1934 in der Sowjetunion bei etwa 2 % lag,
machten die jüdischen Tscheka-Führer immerhin 39 % aus. Jüdisch
galt, das sei erläuternd gesagt, in der Sowjetunion als eigene
Nationalität. Damit war er höher als der russische Anteil bei der
Tscheka mit 36 %. In der Ukraine waren sogar 75 % der Tschekisten Juden.
Diese Feststellung leitet zu einem Kapitel über, das
zur damaligen Zeit für ungeheure Empörung gesorgt hat. Der Mord am
russischen Zaren und seiner Familie wurde von dem Juden Jakob Swerdlow
angeordnet und von dem Juden Chaimowitz Jurowski am Zaren Nikolaus II.
eigenhändig vollzogen. Weiter stellt sich die Frage, ob Juden in der
kommunistischen Bewegung eher Mitläufer oder Leitungsfunktion hatten.
Letzteres trifft zu. Leo Trotzki in der UdSSR, Bela Kun in Ungarn.
Nicht zu vergessen die Münchner Räterepublik:
Kurt Eisner, Eugen Leviné, Tobias Achselrod und andere Juden waren hier
als unbestrittene Führungspersönlichkeiten tätig. Ein
großes Aufsehen erregte damals das Eindringen bewaffneter Rotgardisten in
die Münchner Nuntiatur des späteren Pacelli-Papstes. Er wurde von den
Revolutionären mit einer auf die Brust gehaltenen Pistole bedroht. Auch
die Ende April 1919 von Rotgardisten durchgeführte Erschießung von
sieben Mitgliedern der "Thule-Gesellschaft", die in enger Verbindung zur
späteren NSDAP stand, zeigt die Entschlossenheit des revolutionären
Prozesses. Diese Geiselerschießung, der die Londoner Times am 5. Mai 1919
eine Schlagzeile gewidmet hatte, gab einem "giftigen Antisemitismus Nahrung und
erzeugte lange nachwirkende Rachegelüste".
Weiter könnte nach dem revolutionären Eifer und
der Entschlossenheit der jüdischen Kommunisten gefragt werden. Nun, diese
revolutionäre Elite meinte es wirklich ernst, so äußerte Franz
Koritschoner von der KPÖ: "Zu lügen und zu stehlen, ja auch zu
töten für eine Idee, das ist Mut, dazu gehört Größe."
Grigori Sinowjew verkündete 1917: "90 von 100 Millionen Sowjet-Russen
müssen mitziehen. Was den Rest angeht, so haben wir ihnen nichts zusagen.
Sie müssen ausgerottet werden." (S.138). Ähnlich auch hat Moisei
Wolodarski formuliert: "Die Interessen der Revolution erfordern die physische
Vernichtung der Bourgeoisie." (S.138). Ganz ähnlich auch Arthur Rosenberg
im Jahre 1922: "Die Sowjetmacht hat die Pflicht, ihre unversöhnlichen
Feinde unschädlich zu machen." (S.163).
Zweifellos waren diese Äußerungen
kommunistischer jüdischer Revolutionäre keine leeren Drohungen. Das
war Ernst. Das war tödlicher Ernst. Nach einer von Churchill 1930
vorgetragenen statistischen Untersuchung eines Professors sollen den Sowjets
bis 1924 folgende Menschen zum Opfer gefallen sein: 28 orthodoxe Bischöfe,
1.219 orthodoxe Geistliche, 6.000 Professoren und Lehrer, 9.000 Doktoren,
12.950 Grundbesitzer, 54.000 Offiziere, 70.000 Polizisten, 193.000 Arbeiter,
260.000 Soldaten, 355.000 Intellektuelle und Gewerbetreibende sowie 815.000
Bauern.
Ein besonders grausames Kapitel war das Niederringen
jeglichen Widerstandes gegen die Zwangskollektivierung in der Ukraine. Unter
maßgeblicher Beteiligung jüdischer Tschekisten fanden hier weit
über 10 Millionen Menschen den Tod. Die meisten gingen an Hunger zu
Grunde.
Keinesfalls darf die ausgesprochen antikirchliche und
antichristliche Ausrichtung der bolschewistischen Revolution unterschlagen
werden, wie es in den meisten Schulbüchern der Fall ist. Tatsächlich
hat der Bolschewismus mit seinem kriegerischen Atheismus die umfassendste
Christen- und Religionsverfolgung der Geschichte durchgeführt. Nach einer
von russischen Behörden erstellten Statistik wurden zwischen 1917 und 1940
96.000 orthodoxe Christen, darunter Priester, Diakone, Mönche, Nonnen und
andere Mitarbeiter nach ihrer Verhaftung erschossen.
Weder die orthodoxen Kirchen oder Klöster wurden
verschont. Die Baulichkeiten wurden entweder zerstört oder für
profane Zwecke genutzt. So wurden Kirchen zu Clubs, Kaufläden oder
Speichern umgewandelt. Das Gold und das Silber der sakralen Schätze der
orthodoxen Kirche verwendete man zur Finanzierung weltweiter
revolutionärer Bewegungen.
Wie ging es den religiösen Juden selbst in der
frühen Sowjetunion? Auch sie waren der Verfolgung durch die Bolschewisten
ausgesetzt. An der Spitze der bolschewistischen sogenannten Gottlosen-Bewegung
stand ausgerechnet Trotzki. Er leugnete damals sein Judentum, wurde aber von
den Russen und weltweit als Jude wahrgenommen.
Meine Damen und Herren,
wir haben nun gesehen, wie stark und nachhaltig Juden die
revolutionäre Bewegung in Russland und mitteleuropäischen Staaten
geprägt haben. Das hat auch den amerikanischen Präsidenten Woodrow
Wilson 1919 zu der Einschätzung gebracht, die bolschewistische Bewegung
sei "jüdisch geführt". Mit einer gewissen Berechtigung könnte
man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der
"Täterschaft" der Juden fragen. Juden waren in großer Anzahl sowohl
in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos
aktiv.
Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung
als "Tätervolk" bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde
aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk
bezeichnet.
Meine Damen und Herren, wir
müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der
Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen
gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung
her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion. Ähnliches galt
für die Nationalsozialisten. Die meisten von ihnen entstammten einem
christlichen Elternhaus. Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu
Feinden der christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes
Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die
religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit. Daher sind weder "die
Deutschen", noch "die Juden" ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man
sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das
Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. Diese gottlosen Ideologien
gaben den "Vollstreckern des Bösen" die Rechtfertigung, ja das gute
Gewissen bei ihren Verbrechen. So konnten sie sich souverän über das
göttliche Gebot "Du sollst nicht morden" hinwegsetzen. Ein geschichtlich
bisher einmaliges millionenfaches Morden war das Ergebnis. Daher, meine Damen
und Herren, plädiere ich entschieden für eine Rückbesinnung auf
unsere religiösen Wurzeln und Bindungen. Nur sie werden ähnliche
Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben. Die
christliche Religion ist eine Religion des Lebens. Christus hat gesagt: "Ich
will, dass sie das Leben haben und dass sie es in Fülle haben" (Joh 10,
10). Damit ist nicht nur das jenseitige, sondern ganz konkret unser reales
heutiges Leben und Überleben gemeint. Deswegen ist es auch so wichtig,
dass wir den Gottesbezug in die europäische Verfassung aufnehmen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben also
gesehen, dass der Vorwurf an die Deutschen schlechthin, "Tätervolk" zu
sein, an der Sache vorbeigeht und unberechtigt ist. Wir sollten uns in Zukunft
gemeinsam gegen diesen Vorwurf wehren. Unser Leitspruch sei: Gerechtigkeit
für Deutschland, Gerechtigkeit für Deutsche.
Ich komme zum Schluss und sage: Mit Gott in eine gute
Zukunft für Europa! Mit Gott in eine gute Zukunft besonders für unser
deutsches Vaterland!
P.S. Seitenzahlen ohne nähere Angabe beziehen sich
auf das Buch "Jüdischer Bolschewismus" Mythos und Realität
von Johannes Rogalla von Bieberstein.
[ Ende des Zitats ]
Hochachtungsvoll!
(Schneider) |