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| 10.11.2003 |
Cathrin Schütz, Den Haag |
Junge
Welt |
| Geschichtsfälscher angeklagt |
Internationaler Protestmarsch in Den Haag: Slobodan Milosevic
»Symbol des Widerstand« Am Samstag demonstrierten mehrere
hundert Menschen in Den Haag gegen das »Kriegsverbrechertribunal«
in Sachen Jugoslawien und für die Freilassung von Slobodan Milosevic.
»Bush statt Milosevic« gehöre vor Gericht. Serbien und
Jugoslawien müßten frei werden, so die Forderungen des Marsches.
Dabei protestierten die Vertreter des Komitees für die Verteidigung von
Milosevic (ICDSM), darunter Vladimir Krsljanin aus Serbien, Klaus Hartmann aus
Deutschland, Ian Johnson aus Großbritannien und John Catalinotto aus den
USA, vor allem gegen die Entscheidung der Richter, Milosevic lediglich drei
Monate zur Vorbereitung seiner Verteidigung zu gewähren.
Sie
sprachen übereinstimmend von einer »Kampagne des illegalen,
parteiischen Tribunals«, dem es darum gehe, den Angeklagten mit allen
Mitteln zu schwächen. So befände sich der ehemalige Präsident
seit Monaten in Isolation. Lediglich ein einziger Besucher habe Zugang
erhalten, während alle anderen Anfragen negativ beschieden wurden. Auch
der Umgang mit Milosevics lebensbedrohlicher Krankheit zeige, daß man ihn
und seinen »Kampf für die Wahrheit« brechen wolle.
Der
Europaparlamentsabgeordnete Costas Alissandrakis von der KP Griechenland
bezeichnete Slobodan Milosevic während der Auftaktkundgebung vor dem
niederländischen Parlament als »Symbol des Widerstands« gegen
die Aggression. Die Besetzung des Kosovo habe den Angreifern nicht ausgereicht:
Eine volle und bedingungslose Kontrolle über das ganze Land sei ihr Ziel
gewesen. »Sie haben sogar den Namen Jugoslawien ausgelöscht.«
Dabei hätten sie Slobodan Milosevic als »Hindernis«
betrachtet: »Die Imperialisten haben mehr als hundert Millionen Dollar
investiert, um ihre Freunde (in Belgrad) an die Macht zu bringen. Sie
gründeten ihr spezielles »Tribunal«... Sie gaben ihren
Freunden weitere hundert Millionen Dollar, 50 Prozent vor, 50 nach der
Inhaftierung und Auslieferung von Präsident Milosevic.«
»Die Aggressoren sollen unsere Geschichte nicht schreiben«,
verlangen in Den Haag vor allem Menschen aus der jugoslawischen Diaspora:
Für sie erklärte Misha Gravilovic aus Großbritannien:
»Wir wollen unsere Identität, Würde und Geschichte, die
für uns serbisch, aber auch jugoslawisch sind, verteidigen. Genau
dafür setzen sich Milosevic, aber auch andere Gefangene im Haager Tribunal
ein.« Die im Ausland lebenden Jugoslawen könnten nicht viel dazu
beitragen, »das okkupierte Land zu befreien. Wir haben keine Waffen,
nicht viel Geld, keine TV-Sender.« Doch ließen sich die Jugoslawen
ihre Geschichte nicht nehmen, so Gravilovic. »Wir sagen ein klares Nein
der CNN-, ZDF-, BBC-Geschichte! Unsere Geschichte wird seit der internationalen
Intervention und unter der jetzigen Besatzung umgeschrieben.« Dabei
funkioniere die CNN-Geschichtsschreibung nach dem Prinzip »Macht macht
Recht«.
Der Demonstrationszug endete mit einer Kundgebung vor dem
Scheveninger Gefängnis und der Übergabe Hunderter
Grußbotschaften für Milosevic. |
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