Von den
Machenschaften der CIA und einer Katastrophe, die JFK verhinderte - Ein
Rückblick anlässlich des 40. Jahrestages der Ermordung Kennedys
am 22.11.1963
Wie G. W. Bush mittels CIA-Informationen den
Irakkrieg rechtfertigte, wird in jüngster Zeit recherchiert - vieles
bleibt reine Spekulation, denn aktuelle, aussagekräftige CIA-Dokumente
liegen nicht vor. Ein dokumentiertes Beispiel für die Methoden und
Denkweisen des Pentagon und CIA lässt sich heute endlich nachlesen.
Vor einundvierzig Jahren wurden perfide, unmenschliche Pläne zur
Störung des Weltfriedens von Präsident J. F. Kennedy
verantwortungsbewusst zurückgewiesen.
Das Dokument Northwoods,
in der Kuba -Krise entstanden, war ein Geheimpapier des amerikanischen
Generalstabs zur Erzeugung eines Kriegsvorwands. Wie die
US-Bevölkerung und die Vereinten Nationen getäuscht und
manipuliert werden sollten, um einen Krieg gegen Kuba zu rechtfertigen,
wird darin detailliert beantwortet.
Fast 40 Jahre lang war das
Northwoods-Dokument der Geheimhaltung unterworfen. Durch ein Gesetz aus der
Clinton-Ära wurde es 1997/98 freigegeben. Der amerikanische
Geheimdienstexperte und Autor James Bamford (u.a. Autor bei der Washington
Post) holte es aus den Tiefen des amerikanischen Nationalarchivs hervor1 .
"Es wurde diskutiert, mit welchen Mitteln man die Öffentlichkeit
und die Vereinten Nationen bewusst täuschen und manipulieren
könnte, um einen Krieg gegen Kuba zu entfachen. Es wird exakt
dargestellt, wie man mit Hilfe der Medien ein Feindbild produziert",
heißt es in der Einleitung zu einer Recherche [1] über das
Northwoods-Dokument.
Das Originaldokument (pdf) [2], ein Memorandum von
General Lyman L. Lemnitzer an den damaligen US-Verteidigungsminister
McNamara, ist im National Security Archive [3] der Universität
Washington abrufbar. Lemnitzer verfasste dieses Memorandum als Chef des
Pentagon-Generalstabs am 13. Juni 1962.
Der Plan sah vor, durch
inszenierten Terrorismus ein negatives Bild von Kuba zu zeichnen, um einen
Krieg beginnen zu können. Beispielsweise wurde geplant, Unruhen
anzuzetteln, US-freundliche Kubaner in kubanischen Militäruniformen
den US-Stützpunkt Guantanamo angreifen zu lassen und im
Stützpunkt befreundete Kubaner als angebliche "Saboteure"
festzunehmen. Es wurde vorgeschlagen, Munitionslager im Stützpunkt zu
sprengen, Feuer zu legen und in der Nähe des US-Stützpunktes
Aufstände anzetteln zu lassen. Flugzeuge sollten in Brand gesetzt
werden, ein Schiff wollte man an der Hafeneinfahrt versenken und dabei
große Feuer verursachen.
"Wir könnten ein amerikanisches
Schiff in Guantanamo Bay in die Luft sprengen und Kuba dafür
verantwortlich machen", heißt es im Northwoods-Dokument.
Wir
könnten ein unbemanntes Schiff irgendwo in den kubanischen
Gewässern sprengen. [...] Die Anwesenheit kubanischer Flugzeuge oder
Schiffe, die nur die Absichten des Schiffes erkunden wollten, könnte
als ziemlich eindeutiger Beweis dafür dienen, dass das Schiff
angegriffen wurde.[...] Die USA könnten danach eine
Luft-/See-Rettungsaktion unter dem Schutz von US-Kampfflugzeugen
durchführen, um die Überlebenden der nicht existierenden
Besatzung ,zu retten'. Listen der "Opfer" in US-amerikanischen Zeitungen
würden eine hilfreiche Welle nationaler Empörung
auslösen. Quelle: Northwoods-Dokument
Detailliert wird im Northwoods-Dokument geschildert, wie ein Vorfall
inszeniert werden könnte, der weltweit den Eindruck vermittelt, ein
kubanisches Flugzeug habe eine zivile amerikanische Chartermaschine
abgeschossen.
Zur Überprüfung der Authentizität der
Dokumente wandten sich die Autoren u.a. an die US-Botschaft Berlin, das
US-Information Ressource-Center und an die CIA. Weder Existenz, noch
Authentizität wurden dementiert - dafür aus naheliegenden
Gründen aufs Pentagon verwiesen.
Aus deutschen
Diplomatenkreisen wurde uns bekannt, dass man auch dort die Pläne zur
Operation Northwoods kennt. "Das Schlimme ist, dass es solche Pläne
gab, das Gute, dass sie nie ausgeführt wurden", lautet eine
Einschätzung zu diesem Thema.
Autor und Geheimdienstexperte James
Bamford sagte im Interview [4] auf die Frage, ob er sich etwas
ähnliches wie Northwoods heute vorstellen könnte: "Deshalb denke
ich, dass die Vereinigten Staaten wieder einen Vorwand für einen Krieg
inszenieren können. [...].Die Regierung hat mit Sicherheit die
Möglichkeiten dazu, aber ich weiß nicht, ob sie es
tatsächlich tun oder nicht."
"Die Weltmeinung und die
Vollversammlung der Vereinten Nationen sollten positiv beeinflusst werden,
indem man ein internationales Bild von der Kubanischen Regierung zeichnet,
das diese als unbesonnen, unverantwortlich und als eine erschreckende und
unkalkulierbare Bedrohung des Friedens in der westlichen Hemisphäre
erscheinen lässt", heißt es im Northwoods-Dokument aus dem Jahr
1962.
Präsident John F. Kennedy widersetzte sich den
Northwoods-Plänen, und verhinderte damals in Zeiten des kalten Krieges
die drohende Katastrophe.
Welche Pläne CIA und Pentagon heute
der amerikanischen Regierung vorlegen, wissen wir nicht.
Literaturangaben
1) James Bamford, "Body of Secrets", erschienen
im Verlag Doubleday im April 2001, ISBN: 0-385-49907-8. Deutsche Ausgabe:
"NSA - die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt",
erschienen 2001 im C. Bertelsmann-Verlag, ISBN 3-570-15151-4
Links
[1] http://www.newsatelier.de/html/northwoods.html[2] http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/20010430/northwoods.pdf[3] http://www.gwu.edu/~nsarchiv[4] http://www.newsatelier.de/html/bamfordinterview.htmlTelepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15933/1.html
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