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12.11.2003 Walter Döbler und Renie M. Stickel Heise
Operation Northwoods
Von den Machenschaften der CIA und einer Katastrophe, die JFK
verhinderte - Ein Rückblick anlässlich des 40. Jahrestages der
Ermordung Kennedys am 22.11.1963


Wie G. W. Bush mittels CIA-Informationen den Irakkrieg rechtfertigte,
wird in jüngster Zeit recherchiert - vieles bleibt reine Spekulation,
denn aktuelle, aussagekräftige CIA-Dokumente liegen nicht vor. Ein
dokumentiertes Beispiel für die Methoden und Denkweisen des Pentagon
und CIA lässt sich heute endlich nachlesen. Vor einundvierzig Jahren
wurden perfide, unmenschliche Pläne zur Störung des Weltfriedens von
Präsident J. F. Kennedy verantwortungsbewusst zurückgewiesen.


Das Dokument Northwoods, in der Kuba -Krise entstanden, war ein
Geheimpapier des amerikanischen Generalstabs zur Erzeugung eines
Kriegsvorwands. Wie die US-Bevölkerung und die Vereinten Nationen
getäuscht und manipuliert werden sollten, um einen Krieg gegen Kuba zu
rechtfertigen, wird darin detailliert beantwortet.

Fast 40 Jahre lang war das Northwoods-Dokument der Geheimhaltung
unterworfen. Durch ein Gesetz aus der Clinton-Ära wurde es 1997/98
freigegeben. Der amerikanische Geheimdienstexperte und Autor James
Bamford (u.a. Autor bei der Washington Post) holte es aus den Tiefen
des amerikanischen Nationalarchivs hervor1 .

"Es wurde diskutiert, mit welchen Mitteln man die Öffentlichkeit und
die Vereinten Nationen bewusst täuschen und manipulieren könnte, um
einen Krieg gegen Kuba zu entfachen. Es wird exakt dargestellt, wie man
mit Hilfe der Medien ein Feindbild produziert", heißt es in der
Einleitung zu einer Recherche [1] über das Northwoods-Dokument.

Das Originaldokument (pdf) [2], ein Memorandum von General Lyman L.
Lemnitzer an den damaligen US-Verteidigungsminister McNamara, ist im
National Security Archive [3] der Universität Washington abrufbar.
Lemnitzer verfasste dieses Memorandum als Chef des
Pentagon-Generalstabs am 13. Juni 1962.

Der Plan sah vor, durch inszenierten Terrorismus ein negatives Bild von
Kuba zu zeichnen, um einen Krieg beginnen zu können. Beispielsweise
wurde geplant, Unruhen anzuzetteln, US-freundliche Kubaner in
kubanischen Militäruniformen den US-Stützpunkt Guantanamo angreifen zu
lassen und im Stützpunkt befreundete Kubaner als angebliche "Saboteure"
festzunehmen. Es wurde vorgeschlagen, Munitionslager im Stützpunkt zu
sprengen, Feuer zu legen und in der Nähe des US-Stützpunktes Aufstände
anzetteln zu lassen. Flugzeuge sollten in Brand gesetzt werden, ein
Schiff wollte man an der Hafeneinfahrt versenken und dabei große Feuer
verursachen.

"Wir könnten ein amerikanisches Schiff in Guantanamo Bay in die Luft
sprengen und Kuba dafür verantwortlich machen", heißt es im
Northwoods-Dokument.

Wir könnten ein unbemanntes Schiff irgendwo in den kubanischen
Gewässern sprengen. [...] Die Anwesenheit kubanischer Flugzeuge oder
Schiffe, die nur die Absichten des Schiffes erkunden wollten, könnte
als ziemlich eindeutiger Beweis dafür dienen, dass das Schiff
angegriffen wurde.[...] Die USA könnten danach eine
Luft-/See-Rettungsaktion unter dem Schutz von US-Kampfflugzeugen
durchführen, um die Überlebenden der nicht existierenden Besatzung ,zu
retten'. Listen der "Opfer" in US-amerikanischen Zeitungen würden eine
hilfreiche Welle nationaler Empörung auslösen.  
Quelle: Northwoods-Dokument  

Detailliert wird im Northwoods-Dokument geschildert, wie ein Vorfall
inszeniert werden könnte, der weltweit den Eindruck vermittelt, ein
kubanisches Flugzeug habe eine zivile amerikanische Chartermaschine
abgeschossen.

Zur Überprüfung der Authentizität der Dokumente wandten sich die
Autoren u.a. an die US-Botschaft Berlin, das US-Information
Ressource-Center und an die CIA. Weder Existenz, noch Authentizität
wurden dementiert - dafür aus naheliegenden Gründen aufs Pentagon
verwiesen.

Aus deutschen Diplomatenkreisen wurde uns bekannt, dass man auch dort
die Pläne zur Operation Northwoods kennt. "Das Schlimme ist, dass es
solche Pläne gab, das Gute, dass sie nie ausgeführt wurden", lautet
eine Einschätzung zu diesem Thema.

Autor und Geheimdienstexperte James Bamford sagte im Interview [4] auf
die Frage, ob er sich etwas ähnliches wie Northwoods heute vorstellen
könnte: "Deshalb denke ich, dass die Vereinigten Staaten wieder einen
Vorwand für einen Krieg inszenieren können. [...].Die Regierung hat mit
Sicherheit die Möglichkeiten dazu, aber ich weiß nicht, ob sie es
tatsächlich tun oder nicht."

"Die Weltmeinung und die Vollversammlung der Vereinten Nationen sollten
positiv beeinflusst werden, indem man ein internationales Bild von der
Kubanischen Regierung zeichnet, das diese als unbesonnen,
unverantwortlich und als eine erschreckende und unkalkulierbare
Bedrohung des Friedens in der westlichen Hemisphäre erscheinen lässt",
heißt es im Northwoods-Dokument aus dem Jahr 1962.

Präsident John F. Kennedy widersetzte sich den Northwoods-Plänen, und
verhinderte damals in Zeiten des kalten Krieges die drohende
Katastrophe.

Welche Pläne CIA und Pentagon heute der amerikanischen Regierung
vorlegen, wissen wir nicht.

Literaturangaben

1) James Bamford, "Body of Secrets", erschienen im Verlag Doubleday im
April 2001, ISBN: 0-385-49907-8. Deutsche Ausgabe: "NSA - die Anatomie
des mächtigsten Geheimdienstes der Welt", erschienen 2001 im C.
Bertelsmann-Verlag, ISBN 3-570-15151-4

Links

[1]
http://www.newsatelier.de/html/northwoods.html
[2] http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/20010430/northwoods.pdf
[3] http://www.gwu.edu/~nsarchiv
[4] http://www.newsatelier.de/html/bamfordinterview.html

Telepolis Artikel-URL:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15933/1.html


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Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
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