|
Michael Friedmann ist auf die
Füße gefallen: Auf seiner Party in Berlin-Zehlendorf fand man
Prominente aller
im Bundestag vertretenen politischen Parteien und aller
grossen Medien: Auf der Party, die im vergangenen
Monat in Friedmanns Haus in Berlin-Zehlendorf stattfand,
wurden beobachtet: Dieter Stolte, Günther
Beckstein, Klaus Wowereit, Angela Merkel, Volker Beck( von
den GRÜNEN), Michael Naumann(Chefredakteur
der "Die Zeit"), Sabine Christiansen, Kai
Diekmann(Chefredakteur von BILD); Markus Schächter
(ZDF-Intendant), Regine Ziegler(eine Filmproduzentin).
insgesamt 60 Personen, darunter auch mehrere
Reporter von SPIEGEL und FOCUS: Nicht anwesend war Paul
Spiegel von Zentralrat der Juden in Deutschland,
obwohl er eingeladen worden war. Ebenfalls fiel auf,
daß kein FDP-Politiker anwesend war. Was die
Bundesvorsitzende der angeblich christlichen CDU und
Günther Beckstein. der Mann, der in der CSU als
Mann für Recht und Ordnung propagiert wird, auf der
Party eines jüdischen Lebemanns zu suchen hat, der
sich in der Vergangenheit Prostituierte aus dem Ostblock
kommen lies und damit die Herabsetzung der
Frauen zu einer Ware praktizierte, ist gänzlich
unverständlich
Wie "SPIEGEL" Reporter in
Neuhof, dem Wahlkreis Hohmanns, verzweifelt einen
Bürger suchen, der etwas Nachteiliges über den
CDU-Abgeordneten Homann sagt.
Auf seine Wähler kann sich
Martin Hohmann, wegen antisemitischer Äußerungen umstrittener
CDUBundestagsabgeordneter,
verlassen. In seinem Heimatort Neuhof bei Fulda muss man
lange suchen, um jemanden zu
finden, der "den Martin" kritisiert.
Nur gesagt, was viele
denken
"Zum Kotzen" sei das mit dem
Martin Hohmann, grummelt Norbert Müller. Einfach zum Kotzen, dass sie ihn
so fertig
machen. "Der Martin" hat doch nur "ein bisschen was gesagt",
etwas, das hier viele denken.
Wer so eine Frau hat,
kann kein schlechter Kerl sein
Es ist Samstagmorgen, 10.30 Uhr,
in Neuhof bei Fulda, Hohmanns Heimatort. Norbert Müller, Metzger in Rente,
grüne
Wollstrickjacke über dem kugeligen Bauch, lehnt am
Tresen im Gasthof "Deutsches Haus" und versichert, dass er auf
"den Martin" nichts kommen lässt. Wer hat ihm denn zur
Seite gestanden, als er wegen seines kranken Sohnes Rat
brauchte? Und Hohmanns Frau hat ihn, neulich erst, da war er
angetrunken, zu Fuß nach Hause gebracht. Zu Fuß! Wer
so eine Frau hat, kann kein schlechter Kerl sein. "Der
Martin, der geht strack durchs Leben!", tönt Möller. "Gradlinig"
heißt
das wohl, auf jeden Fall ist es positiv gemeint.
Juden als
Tätervolk
Norbert Möller findet auch,
dass "der Martin" Recht hat mit dem, "was er da gesagt hat". Gemeint ist die
Rede, die der
Bundestagsabgeordnete und ehemalige langjährige
Bürgermeister von Neuhof am 3. Oktober vor 150 250
Zuhörern
gehalten hat. Eine Rede, in der Hohmann in einem
historischen Exkurs über die russische Revolution nachzuweisen
versuchte, dass auch "die Juden" als ein "Tätervolk"
beschrieben werden "könnten". "Könnten!" - auf diesen Konjunktiv
legt Hohmann Wert. Für ihn ist das die Trennungslinie
zwischen Antisemitismus und historischer Betrachtung.
Bei Möller, einem der 102.000 Wähler, denen
Hohmann sein Direktmandat in Berlin verdankt, kommt das so an: Da sei
"schon etwas dran ist", an der Sache mit den Juden. "Wer
beherrscht denn Frankfurt?", fragt er in die fast leere
Gastwirtschaft. Möller wähnt sich damit ganz auf
Hohmanns Linie.
Das Städtchen Neuhof, 14 Kilometer von Fulda entfernt,
liegt inmitten gelb-roter Herbstmischwälder. Es gibt acht
Ortsteile, die Namen wie "Hauswurz" oder "Dorfborn" tragen,
neun Kirchen, fünf Schulen, gutbürgerliche Gasthäuser.
Zwischen Wohnhäusern fällt der Blick auf
Bauernhöfe, auf Landmaschinen und Zierkürbisse. Neuhof hat 11.595
Einwohner, die meisten sind Katholiken, fast zwei Drittel
haben bei der Bundestagswahl Martin Hohmann gewählt.
"Kein Grund zur
Panik"
Auf der anderen Seite von
Neuhof, einen Kilometer vom Gasthof "Deutsches Haus" entfernt, duftet es
würzig aus einem
grauen Häuschen heraus. In dem Haus gibt es Platz, eine
Art Zwiebelkuchen, "schlachtfrische Würste" und frisch
gebackenes Brot. Vor dem Ofen steht eine mit Holzscheiten
beladene Schubkarre. Daneben stehen Manfred Ruppel und
Waldemar Kappenhöhl, zwei kräftige Typen, und
verkaufen ihre Waren. Ein Radio dudelt leise "Kein Grund zur Panik" von
Wolfgang Petry.
"Das sind die reichsten
Leute, die Juden"
Auch Ruppel und Kappenhöhl
haben Hohmann gewählt. Ihnen gefällt, was Hohmann für das Dorf
tut. Aber auch, was er
über die ewige Täterrolle der Deutschen zu sagen
hat. "Solange wir leben, bezahlen wir dafür", klagt Ruppel. Und
Hohmann spreche das eben offen aus. "Traut sich ja sonst
keiner, was zu sagen." Womit Hohmann auch Recht habe:
"Dass die", gemeint sind die Juden, "ja auch Leute
umgebracht haben." Ein Kunde nimmt den Faden auf: "Das sind die
reichsten Leute, die Juden."
Der Martin ist
da!
Direkt neben dem
Zwiebelkuchen-Häuschen, nur ein paar Schritte die Straße hinunter,
liegt das Gasthaus "Schützenhof",
eines der älteren Gebäude von Neuhof, sogar mit
Fachwerk. Am Mittag gibt es vor dem "Schützenhof" einen kleinen
Auflauf: Der Martin ist da! Martin Hohmann trägt einen
feinen schwarzen Anzug mit dunkelroter Krawatte. Er betritt den
"Schützenhof" und steuert einen Nebenraum an, in dem er
von rund einem Dutzend Personen erwartet wird.
"Für ein neues
Zeitalter der Freiheit für unser Volk!"
Martin Hohmann hat nämlich
einen Hirsch erlegt und das muss gefeiert werden. Die "Waidgesellinnen und
Waidgesellen"
empfangen ihn mit einem Lied, in dem viel "Horrido" und
"Waidmanns Heil" vorkommt. Hohmann sieht gut aus, drahtig,
durchtrainiert. Er begrüßt jeden einzeln, schaut
allen in die Augen. Ein betagter Jagdfreund bringt einen Toast aus:
"Für
ein neues Zeitalter der Freiheit für unser Volk!".
"Das waren große, gute Worte", lobt Hohmann. "Das ist
die Richtung, in die ich marschieren will!" Dann entschuldigt er
sich - ein politischer Termin. "Keinen Millimeter
nachgeben!", rufen ihm die Jäger nach.
Es ist schwer, in Neuhof
jemanden zu finden, der Hohmann kritisiert. Man beginnt zu ahnen, dass
sein
Auftreten und die Ansichten vieler Neuhofer in Beziehung
stehen. Hohmann hält jedes Jahr am 3. Oktober
eine Rede, immer geht es um Ausländer, Asylanten,
Schwule und Gottlose. An allen Ecken in Neuhof stößt
man so auf halbverdaute Versatzstücke Hohmannscher
Dialektik. "Der hat das sicher genau recherchiert",
sagt die Verkäuferin am Kiosk.
Eine Arzthelferin befindet:
"Die" - wieder sind die Juden gemeint - "haben ja in Russland auch schwere
Schuld auf sich
geladen". Vor der Hähnchenbräterei sagt ein junger
Mann: Es sei ja in der Rede darum gegangen, dass die Juden auch
selbst Schuld seien. Drei Leute hören ihn, doch der
Satz bleibt unwidersprochen. Und wird gefolgt von: "Und wenn dann
einer mal das Maul aufreißt, dann drehen die" - wieder
sind die Juden gemeint - "einfach den Geldhahn ab." Und wird
gefolgt von: "Die Siegermächte haben mehr Juden
umgebracht als wir, aber da schwätzt niemand drüber."
Keiner sagt: Der
Hohmann, das ist ein Antisemit
Wie ist es möglich, dass
solche Sätze unwidersprochen bleiben? Horst Michel, Sozialdemokrat und
Ortsvorsteher in
Rommerz, drei Kilometer von Neuhof entfernt, versucht das
Phänomen Hohmann zu erklären. Versucht zu erklären,
warum die SPD in Neuhof keinen Skandal aus der Rede machte.
Der bullige Mann mit der durchdringenden Stimme denkt
nicht daran, alle Hohmann-Anhänger pauschal für
stramme Rechte zu erklären. Er selbst sei vor 30 Jahren als Fremder
hierher gekommen und freundlich aufgenommen worden. Michel
berichtet von Schwulenpärchen, die sich unbehelligt in
Neuhof zeigen könnten. Sobald die Leute hier jemanden
kennen, seien sie tolerant. Doch die Toleranz stößt bei vielen
schnell an ihre Grenzen. Neuhof liege nur 14 Kilometer von
Fulda entfernt, wo bis zu seinem Tod 2000 der
erzkonservative Bischof Johannes Dyba wirkte. Das müsse
man berücksichtigen, gibt Michel zu bedenken.
"Ich habe selbst drei Mal die Veranstaltung zum 3. Oktober
eröffnet", erzählt der SPD-Mann. Jedes Mal habe
anschließend Hohmann eine seiner üblichen Reden
gehalten. Irgendwann beschloss Michel: "Ich tue mir das nicht mehr
an." In Neuhof, erzählt Michel, habe die SPD zu wenig
Mitglieder, um die Auseinandersetzung aufzunehmen. Der
Vorsitzende dort ist kürzlich verstorben, das Amt wird
kommissarisch verwaltet.
Am 3. Oktober sei ein Veteran der Neuhofer SPD anwesend
gewesen, habe danach sogar Michel angerufen und erzählt,
wie schrecklich es war, dass er sich schäme und nicht
einmal zum Freibier geblieben sei - aber dass eine Grenze
überschritten wurde, hat er nicht gemerkt. "Das ist die
Gewöhnung", seufzt Michel. Und außerdem: "Wenn da 150 oder
250 Leute stehen und frenetisch klatschen - da stehen Sie
mal auf und sagen: Pfui!"
Michel, 57 Jahre, Sonderschullehrer, kennt Hohmann gut.
Hohmann muss, so klingt es heraus, trotz seiner Ausfälle ein
passabler Bürgermeister gewesen sein. Er konnte gut mit
den Geschäftsleuten im Ort; die Tennishalle, die Hohmann nach
Neuhof holte, sichert ihm die Unterstützung vieler
Investoren.
Neuhof ist wegen des Kali-Werkes weder eine schwache Region,
noch ist die Ausländerquote hoch. Trotzdem holt die
NPD hier mehr Stimmen als die SPD - und Hohmann die absolute
Mehrheit. "Es ist bedrückend", findet Michels Frau
Marlene.
Hohmanns Geheimnis, wenn es so etwas gebe, vermutet Michel,
bestehe darin, dass er nett und gesellig sei. Dann falle
es den Leuten schwer, ihn zu kritisieren. Dann sagen sie:
"Unserem Martin will jemand am Zeug flicken!"
(Quelle:"SPIEGEL"-online und T-ONLINE)
Wir von der
PHI-Redaktion hätten indessen allerdings etwas an Herrn Hohmann
auszusetzen: .
Wie kann ein denkender Politiker
so naiv, dumm oder leichtsinnig sein, daß er einem Journalisten
einen
Privatbrief, der von einer anderen Privatperson geschrieben
wurde, einem Journalisten zeigen? Es war
glatter Vertrauensbruch, daß Hohmann den an ihn
gerichteten Privatbrief des General Reinhard Günzel
einem Journalisten zeigte und Günzel damit um sein Amt
und auch seine Einflussmöglichkeiten brachte. Es
ist aus der einschlägigen Literatur bekannt, daß
90% aller Journalisten links eingestellt sind und, daß 25% -
30% aller Journalisten gleichzeitig für irgendeinen
Geheimdienst arbeiten. Die Linke wartet doch nur darauf,
die Verteidigungsbereitschaft der Bundesrepublik Deutschland
zu schmälern und der Bundeswehr zu
schaden, Es ist absolut sicher, daß die Linke sich
sofort auf jedes Stück Papier stürzt, mit welchem ein
fähiger General aus dem Dienst gejagt werden kann. Von
der PHI-Redaktion ist jedoch noch nie ein
Schriftstück irgendeines Menschen, der uns sein Herz
ausschüttet in die Hände von Linken oder
Geheimdiensten gelangt.
Uebrigens:
74 Prozent der Zuschauer des Fernsehsender n-tv
unterstützen die Ansichten Hohmanns und
sprachen sich gegen einen Ausschluß aus der CDU aus.
(n-tv.de, 5.11.2003) |