Wir Konsumenten lassen uns meist von diesen Werbefeldzügen in den
Medien beeinflussen, und stehen scheinbar einer übermächtigen
Apparatur ohnmächtig gegenüber.
NEIN, wir haben alles in der Hand, wir können alles
bewirken.
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Was würde
passieren wenn ..... |
Stellen Sie sich vor, ab Morgen geht niemand mehr zum
Lebensmitteldiscounter XY, weil z.Bsp. niemand mehr diese Produkte aus Natur
und landwirtschaftszerstörerischen Produktionsmethoden haben will, und
weil in diesen Konzern die vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte ausgenutzt
werden. Was würde passieren?
Oder, niemand kauft mehr irgendwelche Produkte in denen
Urwaldhölzer verarbeitet werden, weil dafür noch immer unvorstellbar
große Flächen abgeholzt werden.
Oder, was würde passieren wenn plötzlich alle (oder die
Mehrheit) eine ganz andere Partei oder Gruppierung wählen würde? Das
erfordert keine Demonstrationen, keine Beschwerdebriefe, sondern nur anonym
sein Kreuzchen woanders hinzumachen und alles wäre anders. Es geht ja auch
gar nicht darum, das die andere Partei um vieles besser ist, (mit hoher
Sicherheit wir sie es nicht sein), aber eine weitere Stimme für die
bereits Machthabenden wird aber mit Sicherheit keine Veränderung bringen.
Würde so eine Flexibilität beim Wähler vorhanden sein,
würde es mit den meist furchtbar dummen Wahlwerbesprüchen bald vorbei
sein.
Wir haben alles in der Hand, wir sind uns meist nur nicht darüber
bewusst. Wir beklagen so manches Übel, sind aber sehr oft nicht bereit,
auch nur das geringste in unserem Leben zu ändern. Fälschlicherweise
und bequem denkt man sich z.Bsp., "Naja, auf die paar Kilo billigen Fleisch
wird es schon nicht ankommen" oder "Wegen dieser Lampe aus Teak Holz muss noch
kein Baum gefällt werden" oder "Wegen diesem Stück Butter aus Holland
muß ja noch kein zusätzlicher LKW fahren".
Um etwas zu ändern müssen wir uns als erstes
natürlich selbst ändern, denn Millionen von Menschen denken sich das
gleiche, und so beklagen wir dann an so manchem Übel, das wir selbst
ausgelöst haben.
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Wie die Macht der
Konsumenten wirkt ! |
Hier einige Beispiele, wie die Macht der Konsumenten wirken
kann:
"Nike, wir haben Dich gemacht. Und wir können Dich vernichten"
.Zwei Sätze, in eine Fernsehkamera gesprochen, von einem
13jährigen Jungen. Und plötzlich war für den trendigen
Sportartikelhersteller nichts mehr wie vorher. Das jahrelang aufgebaute Image
drohte verloren zu gehen. Image ist der Lebensnerv der Markenkonzerne, es wird
mit viel Geld gekauft. Und genau hier setzte 1997 eine Kampagne gegen Nike an,
wie Naomi Klein in ihrem Buch " No Logo " beschreibt. In der New Yorker Bronx
ärgerte sich ein Sozialarbeiter, dass die "Kids" riesige Summen für
Nike-Sportschuh ausgaben. Also erzählte er ihnen, dass Arbeiter in
Indonesien ausgebeutet werden. Und dass der Konzern sie betrüge,
schließlich koste ein Turnschuh in der Herstellung nun einen Bruchteil
dessen, was die Kinder aus sozial schwachen Familien dafür ausgeben. Damit
trug er die Informationen genau zur wichtigsten Zielgruppe von Nike. Die
Jugendlichen wurden zornig und organisierten einen Protest. Zunächst
schickten sie Briefe an den Firmenchef. Sie schrieben ihm, wie viel Geld sie
bereits in Nike Artikel investiert hatten, und forderten ihr Geld zurück.
Retour kamen einfache Standardbriefe, und das machte die Jugendlichen erst
recht wütend. Sie organisierten eine Demonstration. Zweihundert junge
ehemalige Nike Kunden warfen ihre abgetragenen Turnschuhe vor ein Geschäft
des Konzerns. Mit dabei waren Fernsehkameras, die diese Bilder verbreiteten.
Das saß. Nike ging in die Offensive, gestand Missstände ein und
versprach, sie zu beseitigen. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken wurden
verbessert. Auch wenn Nike noch viel zu ändern hat, die Geschichte zeigt,
wie sehr der drohende Imageverlust Firmen Zugeständnissen
entlockt.
Viele Tierschutzorganisationen beschäftigen sich z.Bsp. auch mit
der naturfremden und quälerischen Käfighaltung von Hühnern.
Das Frühstücksei sollte von glücklichen Hühnern kommen,
befanden immer mehr Österreicher. Der Druck nahm zu, der
zweitgrößte Käfighühnerhalter Österreichs stieg auf
Bodenhaltungssysteme um, und eine große Supermarktkette bietet seit 1994
nur noch Eier aus alternativen Haltungsformen zum Verkauf an. Mit einem Anteil
von 25 Prozent aller Legehennen in Boden- oder Freilandhaltung liegt
Österreich weltweit im Spitzenfeld. Das auch so manche Bodenhaltung nicht
wirklich der "Weißheit letzter Schluss" ist, mag sein, aber die Richtung
ist die richtige.
So wurde z.Bsp. auch der riesige Ölkonzern Shell von den
Konsumenten dazu gebracht die alte Bohrinsel "Brant Spar" umweltgerecht zu
verschrotten, und nicht einfach im Meer zu versenken.
Eine Kampagne die den
Aufruf beinhaltete, Shell Tankstellen beim Tanken zu meiden, hatte Erfolg. Als
Shell merkte dass hier ein enormer Rückgang beim Absatz von Treibstoffen
zu Buche schlug, wurde die Richtung (zumindest für dieses Projekt)
über Nacht geändert.
Oft kaschieren Firmen die eigene Unwilligkeit mit dem Argument, ihre
Kunden wären nicht bereit, auf ökologische Produkte umzusteigen.
Jedoch stellten viele Hersteller ihre Produktionen um, weil die Verbraucher
ihnen mit ihrem Kaufverhalten signalisierten, dass mit umweltfreundlichen
Produkten höhere Umsätze zu machen sind.
Gentechnik ist ein weiteres Beispiel. So gut wie niemand will
gentechnisch veränderte Nahrungsmittel essen. Das wissen auch die
Konzerne. In so einem Fall sollten eigentlich unsere gewählten
Volksvertreter ihrem Namen gerecht werden, und nach dem Wunsch des Volkes
agieren.
Leider treiben aber die Konzerne mit Ihren Möglichkeiten die
Politiker vor sich her und verhindern dadurch durchgreifende Maßnahmen.
So wird z.Bsp. die Kennzeichnungspflicht für Genveränderte Produkte
nach wie vor umgangen, weil man genau weiß, wenn es oben steht kauft es
niemand.
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Möglichkeiten
gibt es unendlich viele ! |
Beispiele dafür, dass Konsumenten selbst riesige Konzerne in die
Knie zwingen können, gibt es genug. Schließlich leben gerade Firmen
mit bekannten, großen Namen von ihrem Image. Ein Image, dass sie sich
teuer und mühsam auf gebaut haben. Firmen wie Shell investieren heute
große Beträge in die Umwelt. Sie tun dies, um sich von ihrer Schuld
freizukaufen, um ihr Image zu verbessern und um Kritik zu begegnen.
Doch sie reagieren nur auf den Druck der Kunden. Wir, die Konsumenten,
haben alle Möglichkeiten, das Handeln der Konzerne zu beeinflussen! Wir
haben die Macht in unserem Geldbeutel. Wir treffen täglich
Kaufentscheidungen, und vor allem brauchen wir uns nicht davor zu
fürchten, den Konzernen unsere Meinung mitzuteilen. Es gibt heute in fast
allen Produkt-Sparten ökologisch und sozial verträgliche
Alternativen, Das war nicht immer so. Dass es sie gibt, haben wir vielen zu
verdanken: uns selbst und den vielen anderen Konsumenten, die zu solchen
Produkten greifen. Und all jenen, die auf die Straße gingen, Briefe
verschickten und sich nichts gefallen ließen. Aber es gibt auch noch sehr
viel zu tun. Gemeinsam können wir alles erreichen. Denn wir besitzen eine
ungeheure Macht: die Macht der Konsumenten.
Immer wieder werden wir von Managern global tätiger Unternehmen
darauf hingewiesen, dass sie es sich einfach nicht mehr leisten könnten,
an einem "teuren" Standort wie Österreich zu produzieren. Semperit,
Philips, Unilever, die Aufzählung ließe sich fast beliebig
fortsetzen. Warum sollten nicht auch die Konsumenten endlich ihre Macht
ausspielen und durch bewusstes Einkaufen jene Unternehmen, die glauben, nicht
mehr bei uns produzieren zu können, daran erinnern, dass sie dann auch auf
die hiesigen Umsätze verzichten können?
(Nur nebenbei: Sony
investiert schon wieder kräftig in Österreich - trotz angeblichem
Hochlohnland ist Österreich einer der besten und produktivsten Standorte
von Sony)
Das die sogenannte Globalisierung mit globalen Gebilden wie der EU
meist nur multinationalen Konzernen nützt, und damit die Macht dieser
immer größer wird, sollte inzwischen eigentlich jedem bewusst
sein.
Die Macht und den Einfluss, den wir Konsumenten ausüben
können, nützt in erster Linie uns selbst.
Nützen wir
Sie, und überlegen wir die Nachhaltigkeit jeder Kaufentscheidung.
Denn wer billig kauft (des eigenen Vorteils wegen) kauft meist sehr
teuer.
Fritz Loindl