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21.11.2003 Christian Bunke, London Junge Welt
»We will stop you«
Größte englische Antikriegsaktion seit dem 15. Februar: 100 000 auf Trafalgar Square
Londons Innenstadt war dicht am Donnerstag! Aus allen Teilen Englands angereist, demonstrierten Zehntausende in der Hauptstadt gegen die US-amerikanischen und britischen Besatzer des Irak. Bereits zu Demonstrationsbeginn am Nachmittag deutete sich an, daß die von den Veranstaltern angestrebte Teilnehmerzahl von 100 000 erreicht oder gar übertroffen werden würde. Ein Meer von Plakaten und Transparenten bildete sich zwischen Maletstreet und Trafalgar Square, wo eine Statue des US-Präsidenten Georg W. Bush vom Sockel geholt werden sollte (nach jW-Redaktionsschluß). Meistgehörte Musik an diesem Tag in London: »We will stop you« – wir werden euch stoppen, Bush und Blair, gesungen von einem Riesenchor zur Melodie des »Queen«-Songs »We will rock you«.

Auf Initiative des breiten Antikriegsbündnisses »Stop the War Coalition« (STWC) formierte sich der Protestzug zur englandweit größten Manifestation seit dem 15. Februar dieses Jahres, als anderthalb Millionen Menschen versuchten, den bevorstehenden Überfall auf Irak zu stoppen. Diesmal richteten sich anläßlich des viertägigen Bush-Besuches in London die Proteste gegen den Hauptkriegstreiber USA gleichermaßen wie gegen Bushs britischen Kompagnon Tony Blair; die beiden Politiker konferierten parallel zur Demonstration miteinander. Inwieweit sie die gegen ihre Politik gerichteten Sprechchöre und Transparente zur Kenntnis nahmen, wurde nicht bekannt, doch die Möglichkeit dazu hätten sie gehabt: Bereits im Vorfeld hatte die Antikriegsbewegung einen wichtigen Erfolg errungen; denn die Polizei mußte aufgrund massiven öffentlichen Drucks eine Demonstrationsroute durchs Londoner Regierungsviertel, am Parlamentsgebäude vorbei, genehmigen. Noch vor anderthalb Wochen hatte die Londoner Hauptstadtpolizei gemeinsam mit der CIA eine »protestfreie Zone« rund um die Houses of Parliament verlangt.

Die Stimmung der Demonstranten entsprach den zuletzt ermutigenden Meinungsumfragen, in denen sich immer größere Mehrheiten für ein Ende der Irak-Besetzung und die britische Beteiligung daran aussprachen.

Ansonsten war der Donnerstag in London ein trüber Tag. Nicht nur Regen drohte, sondern vor allem seitens Medien und Politik war für eine Verunsicherung der Öffentlichkeit gesorgt worden, um Menschen von der Teilnahme an der Demonstration abzuhalten. Scotland Yard spekulierte mit der Möglichkeit von »Terroranschlägen« und »gewalttätigen Ausschreitungen«. Terroristen hätten keine Skrupel, einen Anschlag zu verüben, der Demonstranten und Unschuldige verletzten könnte, sagte ein Polizeisprecher noch am Donnerstag. Die Polizei werde das »Anti-Terrorgesetz« anwenden, das Festnahmen von Personen bei geringstem »Verdacht« erlaubt.

Die Attentate in Istanbul vom Donnerstag morgen dominierten zudem die Nachrichtensendungen. Bush und Blair nutzten die Situation und beschworen »Einigkeit im Kampf gegen den Terrorismus«. Die neuen Anschläge würden den »Einsatz« der USA und Großbritanniens in Irak in keiner Weise schmälern, sagte Blair am Donnerstag nach dem Treffen der beiden Politiker. Im Kampf gegen den Terror dürfe es kein Zögern und keine Kompromisse geben, erklärte Blair. Bush ergänzte, die Terroristen müßten gestoppt werden, »und wir werden sie stoppen«. Entgegen einer jüngst immer wieder ins Gespräch gebrachten »Irakisierung« des besetzen Zweistromlandes deutete Bush zudem an, noch mehr Besatzungstruppen nach Irak schicken zu wollen. Die Zahl der Truppen orientiere sich daran, was die »Sicherheitslage« erfordere, sagte der Präsident.

In Westminster Abbey traf Bush mit Angehörigen von sieben der insgesamt 53 in Irak getöteten britischen Soldaten zusammen. London verfügt in dem besetzten Land über eine Truppenstärke von mehr als 10 000 Mann.

Den Demonstranten standen unterdes bis zu 14 000 Polizisten gegenüber. Es handelte sich bei dem Einsatz um eine der mit rund fünf Millionen Pfund Kosten teuersten und größten Polizeioperationen in der britischen Geschichte. Doch trotz allen Aufwands und der massiven Panikmache war es bereits am Dienstag und Mittwoch, den ersten beiden Bush-Besuchstagen, in vielen Städten zu Protestdemonstrationen gegen die Kriegspolitik gekommen. In London wurden am Mittwoch abend nach BBC-Angaben 30 Personen von der Polizei verhaftet, weil sie an einer nicht genehmigten Kundgebung vor dem Buckingham Palace teilnahmen.

In Leeds und Oxford wurden bei Demonstrationen der britische Union Jack und der US-amerikanische Star Sprangled Banner verbrannt. In Manchester zogen etwa 1 000 Menschen durch die Straßen, unter ihnen viele Schüler. Diese hätten eigentlich mit ihren Lehrern einer kulturellen Darbietung in einem Opernhaus beiwohnen sollen, entschieden sich jedoch anders. Nach einer Kundgebung formierte sich eine Spontandemonstration, die bis in die späten Abendstunden die Innenstadt lahmlegte.

In Angesicht der Massendemonstrationen erklärte Bush am Donnerstag, »Freiheit ist wundervoll«; die Protestaktionen trübten seinen Besuch nicht. Er sei froh, in einem Land zu sein, in dem die Menschen das Recht hätten, ihre Meinung frei zu äußern. »Das durften die Menschen in Bagdad bis vor kurzem nicht.«


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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
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