Am Sonntag, dem 23. November nahm ich an
einer gewaltfreien Aktion des passiven zivilen Ungehorsams in Fort Benning im
US-Bundesstaat Georgia teil, um gegen die "School of the Americas" (SOA, die
jetzt "Western Hemisphere Institute for Security Cooperation" - WHISC - genannt
wird) der US-Army zu protestieren.
Kurz, nachdem über zwei Dutzend
von uns Fort Benning betreten hatten und verhaftet worden waren, brachte uns
die US-Militärpolizei für die "Bearbeitung" zu einem Warenhaus auf
der Basis. Ich wurde für eine erste Durchsuchung an eine Stelle
geführt, wo eine Soldatin mich anschrie, ich solle geradeaus schauen und
die Beine spreizen. Ich drehte mich zu ihr um, um sie zu fragen, warum sie mich
anschrie und mir wurde befohlen, den Mund zu halten, geradeaus zu schauen und
die Beine weiter zu spreizen. Dann begann sie mit einer harten Durchsuchung.
Als ich den Befehl erhielt, ein Bein ein zweites Mal anzuheben, verlor ich kurz
das Gleichgewicht während ich weiter hart durchsucht wurde und, meiner
Ansicht nach, unnötig grob behandelt wurde. Ich entschied mich, daß
ich diese entmenschlichende Behandlung nicht länger hinnehmen sollte. Als
ich meine Arme senkte und leise sagte "Es tut mir leid, aber ich kann hiermit
nicht länger kooperieren" wurde ich sofort zu Boden gedrückt.
Fünf Soldaten hockten sich um mich herum, einer von ihnen bezeichnete mich
mit einem Kraftausdruck (das Arschloch) und begannen, meine Handgelenke und
meine Fußgelenke mit Handschellen zu fesseln und dann beide
zusammenzubinden. Dann lehnte sich ein Soldat auf mich, mit seinem oder ihrem
knie in meinem Rücken. Unfähig, richtig zu atmen, japste und
stöhnte ich "Ich kann nicht atmen." Ich wiederholte dies viele Male und
begann dann, um Hilfe zu betteln. Als ich sagte "Bitte, ich hatte schon vier
Lungenkollapse" nahm der Druck auf meinem Rücken ab. Vier Soldaten trugen
mich dann gefesselt zur nächsten Bearbeitungsstelle, um dort verhört
zu werden und stützten mich in einer knienden Position. Der Soldat, der
links von mir stand, der eingeteilt worden war, mich zu "begleiten",
erklärte mir freundlich, daß die Handschellen, die sehr eng waren,
bald abgenommen werden würden. Er teilte mir höflich mit, daß
er mein Haar, das mir ins Gesicht hing, zur Seite nehmen müßte,
damit ich photographiert werden könnte. Ich sagte ihm, daß ich das
begrüßen würde.
Ich wurde dann zur nächsten Stelle
getragen. Dort kniete einer der Soldaten, die mich zu Boden gedrückt
hatten, vor mir, mit seiner Nase nur wenige Zentimeter von meiner entfernt, und
sagte mir, daß er, da ich streitlustig war, Pfefferspray gegen mich
einsetzen würde, wenn ich nicht genau täte, was man mir sagte, wenn
sie eine Hand befreiten. Ich bat ihn, zu beschreiben, inwiefern ich
streitlustig war, aber er antwortete nicht.
Nach der Behandlung wurden
mir die Handschellen abgenommen, mir wurden Hand- und Fußketten angelegt
und ich wurde in einen Bereich geführt, in dem andere Aktivisten,
ebenfalls in Ketten, auf ihren Transport ins Muskogee-Bezirksgefängnis
warteten.
Bei unserer Kautionsverhandlung am Montag, den 24. November,
sagte ein Militärankläger den Bundesrichter, daß das
Militär eine zusätzliche Anklage gegen mich erwäge, weil ich
mich der Festnahme widersetzt hätte. Ich erklärte dem Richter meine
Seite der Geschichte, dankbar, daß es zumindest mehrere Zeugen gibt, auf
die ich mich berufen kann.
Der Bundesrichter stellte fest, daß die
meisten von uns "Fluchtrisikos" waren und erhöhte die für die
Freilassung nötige Bargeldkaution um 100 Prozent von 500 US-Dollar im
letzten Jahr auf 1.000 US-Dollar.
Heute habe ich ein blaues Auge und die
Schmerzen, die durch ernste Muskelzerrungen hervorgerufen werden. Vor allem
lastet eine ernste Frage auf mir: "Wofür trainieren diese Soldaten?" Die
Soldaten, die die Durchsuchung durchführten müssen den Befehl
erhalten haben, nicht den geringsten Widerspruch hinzunehmen. Sie wendeten
Einschüchterungsstrategien an, die weit über das hinaus gingen, was
nötig ist, um eine unverhohlen gewaltlose Gruppe von Demonstranten, die
noch nie, in 13 Jahren vorangegangener Demonstrationen, irgendwelche
Schwierigkeiten während der Verhaftung gemacht haben, unter Kontrolle zu
bringen. Fassungslos gaben die meisten von uns in dem "Tank" im
Muskogee-Bezirksgefängnis zu, daß sie sich während der harten
Behandlung gefragt hatten "In was für einem Land leben wir?" Wir leben
jetzt in einem Land, wo Gelder der "Homeland Security" für Übungen
ausgegeben werden, die Militär- und Polizeieinheiten darin ausbilden,
Menschenmengen, Gefangene und Verhaftete mittels Drohungen und Gewalt zu
kontrollieren und einzuschüchtern.
Die Schmerzen diesen Morgen,
zusammen mit der Erinnerung an die Fesselung, geben mir einen Schimmer der
Mißhandlungen, gegen die wir protestieren, wenn wir nach Fort Benning
kommen. Während wir weiter den Einsatz von Gewaltlosigkeit in unserer
gefährlichen Zeit erproben, ist es wichtig, daß wir uns gegen
Anstrengungen, unsere Entschlossenheit, zusammenzuhalten, zu zerstreuen,
durchsetzen, gegen das, was Martin Luther King einmal "die Gewalt verzweifelter
Männer" - und Frauen - nannte.
Kathy Kelly arbeitet an "Voices in the
Wilderness", einer Kampagne, die die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak
beenden will, mit. Derzeit engagiert sie sich im "Iraq Peace Team".
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