'Pulstipp' die schweizerische
Konsumentenzeitung (vergleichbar 'test') berichtet:
Viele Anwohner des
Zürcher Flughafens leiden nicht nur unter Fluglärm, sondern auch
unter starkem Elektrosmog. Der Grund: Der Radar auf der Lägern. Die
gemessenen Werte liegen weit über dem empfohlenen
Wert.
Die Kugel hoch oben auf dem
Hügelzug der Lägern ist im Zürcher Unterland jedem ein Begriff.
In ihrem Innern drehen sich zwei riesige Radare, mit denen Lotsen des
Zürcher Flughafens den Flugverkehr überwachen.
Diese Radaranlage schleudert
- ähnlich wie Handy-Sendemasten - gepulste Mikrowellen in den Luftraum.
Die Strahlung reicht mindestens 350 Kilometer weit. Rund um den Zürcher
Flughafen stehen insgesamt sieben Radare.
Jetzt gerät der
Hauptradar auf der Lägern in die Kritik. In unmittelbarer Nähe leben
Tausende von Menschen. Anwohner wie Benita Meier (Name geändert) machen
die Strahlung verantwortlich für gesundheitliche
Beschwerden.
«Ich habe Schwindel,
Kopfschmerzen und bin ständig unruhig. Zudem habe ich immer wieder einen
Schleier vor den Augen, die häufig flimmern», sagt sie. Alle diese
Symptome seien neu. «Sie traten auf, kurz nachdem ich hier
einzog.»
Betroffene klagen über Schwindel und
Angstzustände
Benita Meier ist nicht die Einzige.
Auch andere Einwohner der Region beklagen sich über Symptome, die laut
Umweltmedizinern typisch sind für Elektrosmog: ständige Gereiztheit,
Angstzustände, ein Ziehen am Hinterkopf und verschwommenes Sehen.
«Der Schwindel ist so stark, dass ich nicht mehr aus dem Haus kann. Ich
lag deshalb lange fast nur noch im Bett», erzählt Manfred
Rogel
(Name geändert).
Die Betroffenen sagen
übereinstimmend, dass sie sich «deutlich besser» fühlen,
wenn sie für einen oder zwei Tage wegfahren. «Wir befürchten,
wegen der Radarstrahlung unsere Häuser nicht mehr verkaufen zu
können.»
Der Puls-Tipp ließ die
Strahlung des Lägern-Radars Mitte November von Hanspeter Jenny vom
Baubiologie- und Messtechnik-Unternehmen ASMT aus Flawil messen. Laut Jenny ist
die Strahlung eines Radars problematisch: Weil er sich um die eigene Achse
dreht, trifft die Strahlung die Anwohner alle paar Sekunden mit voller Leistung
wie eine Ohrfeige.
Jenny führte die Messungen in
der Primarschule und im Kindergarten von Schöfflisdorf ZH durch, etwa drei
Kilometer vom Radar entfernt.
Die Resultate sind
erschreckend.
·
Schulzimmer der Primarschule: Dauerhafte Strahlung von 100
Millivolt pro Meter mit einer Spitze von 460 Millivolt. Die Strahlung ist damit
bis zu 20-mal stärker, als der so genannte Salzburger Vorsorgewert
vorsieht. Dieser empfiehlt, in Wohnräumen 20 Millivolt pro Meter nicht zu
überschreiten.
·
Kindergarten: Dauerhafte Strahlung von 400 Millivolt pro Meter mit
einer Spitze von 3000 Millivolt. Damit sind die Knirpse einer Strahlung
ausgesetzt, die bis zu 150-mal stärker ist als der
Vorsorgewert.
Führende internationale
Wissenschaftler aus Technik, Biologie und Medizin legten den mittlerweile
anerkannten Wert im Jahr 2002 in Salzburg fest.
Der offizielle gesetzliche
Schweizer Grenzwert gemäss NISV-Verordnung liegt bei 5500 Millivolt pro
Meter. Er bezieht sich nicht auf biologische, sondern thermische Effekte.
Deshalb sei er nicht anwendbar, sagt der Elektrosmog-Experte Josef Peter vom
Institut für biologische Elektrotechnik Schweiz in Illnau.
Die Expertenkommission der
Generaldirektion des EU-Parlaments schreibt die vorsorgliche Grenze bei 190
Millivolt fest. Mit bis zu 3000 Millivolt strahlt es im Schöfflisdorfer
Kindergarten 15-mal stärker.
Die EU-Richtwerte beziehen
sich auf Handymasten und Basisstationen von Schnurlostelefonen. «Sie
lassen sich aber auch für Radarstrahlung heranziehen, bei der es sich
ebenfalls um gepulste Mikrowellen handelt», sagt Josef
Peter.
Skyguide hat die Strahlung vor Ort nie
gemessen
Mit den Resultaten
konfrontiert, zeigt sich der Schöfflisdorfer Schulpflege-Präsident
Hansruedi Jöhr besorgt. «Wir klären ab, ob der Kindergarten
kurzfristig besser geschützt werden kann.» Insgesamt seien 235
Kinder betroffen. «Die Strahlung muss sofort reduziert werden»,
sagt Jöhr.
Josef Peter hat in der
betroffenen Region zusätzliche Messungen vorgenommen, teils zusammen mit
einem Spezialisten der Deutschen Bundeswehr. Im Freien lag laut Peter der Wert
sogar bei über 7000 Millivolt pro Meter. «Lässt man die Fenster
offen, hat man die Strahlung in der Wohnung drin - selbst der Schweizer
Grenzwert ist dann überschritten», sagt
er.
Betreiberin dieser Radare ist die
Firma Skyguide. Der Puls-Tipp konfrontierte die Verantwortlichen mit den
Resultaten. Man habe die Strahlung der Radare nie vor Ort gemessen, räumt
Skyguide-Mediensprecher Patrick Herr ein. Dies sei nicht vorgeschrieben und
überdies auch nicht nötig. Denn Computer-Berechnungen hätten
gezeigt, dass die Strahlung «weit von den Grenzwerten entfernt»
sei.
Im Januar werde der Radar, der auch
vom Militär benutzt werde, ohnehin ersetzt. «Es ist uns ein
Anliegen, im Interesse der Bevölkerung die Strahlung auf ein Minimum zu
begrenzen.»
Wie gefährlich
Mikrowellen sind, zeigt eindrücklich eine Studie, die Professor Abraham
Lilienfeld von der Johns-Hopkins-Universität vor 25 Jahren
durchführte - und die Professor John R. Goldsmith von der israelischen
Ben-Gurion-Universität im Jahr 1995 zusätzlich auswertete. Tausende
von Mitarbeitern der US-Botschaft in Moskau waren jahrelang Radarstrahlung
ausgesetzt - im Schnitt 2660 Millivolt pro Meter.
Dieser Wert liegt unter
demjenigen im Kindergarten Schöfflisdorf.
Studie zeigt: 20-mal mehr
Gehirntumor-Tote
Die Wissenschaftler analysierten
rückwirkend die Krankengeschichten von 4800 bestrahlten Angestellten der
Botschaft, die teilweise sogar in der Botschaft wohnten. Sie verglichen sie mit
Daten einer Vergleichsgruppe, bestehend aus 7500 Botschaftsmitarbeitern in
anderen Ländern. Die Resultate lassen aufhorchen:
-
In
der bestrahlten Botschaft in Moskau litten dreimal mehr Angestellte an
Gedächtnisverlust und Konzentrationsstörungen als in anderen
Botschaften.
-
Bei der Analyse von 200 Blutproben
der bestrahlten Botschaftsmitarbeiter zeigte sich, dass die Zahl der
weißen Blutkörperchen im Schnitt 41 Prozent über dem Normalwert
lag, was auf eine deutliche Stressreaktion des Immunsystems
hinweist.
-
Viermal mehr Frauen starben an
Brustkrebs, fünfmal mehr an Gebärmutterhals- und
Eierstockkrebs.
-
Und sogar 20-mal mehr Angestellte
starben an einem Gehirntumor.
Gerade bei Kindern sei
besondere Vorsicht angebracht, warnt der Kinderarzt Aurelio Nosetti aus Luzern,
der sich schon länger mit elektromagnetischer Strahlung auseinander setzt.
«Der Schädelknochen von Kindern ist dünn. Deshalb durchdringt
die Strahlung das Gehirn leichter.»
Thomas
Grether - thgrether@pulstipp.ch
Copyright
© Puls-Tipp 12/03 vom 3. Dezember 2003 - Seite
6
Quelle:
http://www.konsuminfo.ch/getarticles.asp?article_id=11868&ref=4
Nachricht von Reinhard
Rückemann
http://de.groups.yahoo.com/group/elektrosmog-liste/message/3127