Als "Schmierenkomödie der Amerikaner" und
"ziemliches Betrugsmanöver" hat der österreichische Rechtspopulist
Jörg Haider die Festnahme des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein
bezeichnet. Der frühere FPÖ-Vorsitzende bezweifelte in einem
Fernsehinterview, dass die US-Truppen den echten Saddam gefasst haben: "Es kann
sich genauso um einen seiner vielen Doppelgänger handeln", sagte der
Kärntner Landeshauptmann.
Haider: Bush brauchte die Aktion
Die USA
hätten die Aktion jetzt gebraucht, um Präsident George W. Bush aus
einem Dilemma herauszuführen, meinte Haider weiter. "Man soll nicht
übersehen, dass hier ein Land überfallen wurde von einem anderen
Land, das gegen den Willen der Uno Krieg geführt hat, einen
Angriffskrieg." Dabei sei es in erster Linie um die irakischen Ölquellen
gegangen, denn "im Vergleich mit anderen Diktatoren im Lebensraum bis China -
Israel muss ich schon sagen - fällt es mir sehr schwer, hier graduelle
Unterschiede zu erkennen".
"Da fällt mir die Wahl wirklich
schwer"
Darauf angesprochen, dass der Eindruck entstehe, Saddam sei ihm
lieber als Bush, meinte Haider: "Da fällt mir die Wahl wirklich schwer.
Beide haben mit dem Völkerrecht auf Kriegsfuß gelebt,
Menschenrechtsverletzungen begangen. Der eine hat das Glück, eine
Weltmacht zu befehligen, daher die Macht, die Gesetze zu schreiben,
während der andere ein schwacher Diktator gewesen ist." Haider hatte im
Jahr 2002 für Aufsehen gesorgt, als er zwei Mal den damals bereits
international isolierten irakischen Staatschef besuchte und ihm dabei "die
Grüße des österreichischen Volkes" überbracht hatte.
Kritik von allen Seiten
In Österreich
stießen Haiders Aussagen auf heftige Kritik:
ÖVP-Generalsekretär Lopatka bezeichnete sie als "unzulässig und
absurd". SPÖ und Grüne verlangen eine Distanzierung der Regierung.
Für den SPÖ-Bundesgeschäftsführer Darabos ist die von
Haider dargebrachte "Mischung aus Verschwörungstheorien, Antisemitismus
und Antiamerikanismus nicht nur abstrus, sondern sie schadet auch dem Ansehen
und dem Wirtschaftsstandort Österreich und Kärnten ungemein". Die
Grüne Vize-Chefin Glawischnig forderte Bundeskanzler Schüssel auf,
klar zu machen, "ob er diese Geisteshaltung teilt oder ob das Konsequenzen
hat".
Geschrieben von Jürgen T. am
17. Dezember 2003 22:06:49:
Na, da steht doch der gute Haider gar nicht so allein
da. Gestern soll in CNN (!!!) ein Reporter sogar geäußert haben,
daß es besser gewesen wäre, wenn Truthahn-Bush und nicht Saddam
Hussein (angeblich) verhaftet worden wäre. Was sagt man denn dazu!
An ihren Reaktionen haben sich die Brüder bestens
verraten, wie sehr sie Haider da wieder einmal populistisch, also mit Volkes
Stimme, auf der Zwölf erwischt hat. Sauberer Blattschuß! Je mehr sie
leugnen, umso mehr ist dran!
Nachstehender Artikel geht in die gleiche Richtung. Die
depperten USRAELIS sind offenbar in ihrem Freudentaumel über die gelungene
Operation Erdloch noch so konfus, daß sie Saddam sicherheitshalber immer
noch suchen, oder ist der gar schon wieder abgehaut oder beim Bettenmachen
verloren gegangen? Vielleicht sollten sie Saddam wie Chemie-Ali erst nach der
Erschießung festnehmen und sie haben die Regieanweisung verlegt? Frei
nach dem Motto: "Wie du röchelst noch? Dann muß ich Dich eben noch
töter töten!" Fragen über Fragen ...
Viele Grüße
Jürgen T.
Suche nach
Saddam Hussein
Iraks Ex-Präsident bleibt nach
Verhaftung verschwunden. Mehrere Anschläge in Bagdad
Auch nach der
Verhaftung des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein durch die
amerikanischen Besatzungstruppen dauert die Suche nach selbigem an.
Desinformation und Verwirrung bestimmen weiter die Pressepolitik der
Besatzungstruppen: Mal wird der wohl prominenteste Häftling der USA als
redselig und kooperativ dargestellt, dann wieder als verbohrt und verstockt,
mal als gebrochener alter Mann, dann wieder als selbstbewußter
Überzeugungstäter. Sicher ist nur soviel: Alle Aussagen, die der am
vergangenen Samstag unweit von Tikrit verhafteten Person zugeschrieben werden,
gehen über den Tisch der Abteilung für psychologische
Kriegsführung bei den Besatzungstruppen.
Schon die einfachste Frage läßt sich nicht
beantworten: Wo befindet sich Saddam Hussein? Beim Korps der internationalen
Medienschaffenden ist das Jagdfieber ausgebrochen. Der Expräsident
befindet sich in US-Haft in Bagdad, meldete am Montag die Nachrichtenagentur
AFP. Drei Mitglieder des von den USA eingesetzten irakischen
Übergangsrates hätten Saddam Hussein an einem unbekannten Ort in der
irakischen Hauptstadt treffen und sprechen können. Der inhaftierte
Expräsident zeige keine Reue. »Er machte einen deprimierten und
erniedrigten Eindruck, auch wenn er das zu verbergen suchte«, zitierte
das schiitische Ratsmitglied Muwafak Al Rabii, der Saddam Hussein identifiziert
haben soll.
Ob Saddam Hussein allerdings tatsächlich in Bagdad
gefangengehalten wird, ist mehr als fraglich. DPA meldete unter Berufung auf
den Fernsehsender Al Arabija, der irakische Expräsident sei nach seiner
Festnahme am Samstag abend auf den US-Stützpunkt im Golfemirat Katar
ausgeflogen worden. Vielleicht befinde er sich aber auch in Camp-X-Ray in
Guantanamo, dem berüchtigten Internierungslager der US-Armee auf Kuba,
spekulierten andere. Selbst eine Verbringung in eines der
Geheimgefängnisse in Israel kann nicht ausgeschlossen werden.
Klarheit über den Aufenthaltsort könnte das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz geben, das ein Recht auf Zugang zu dem
Kriegsgefangenen hat. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld behauptete am
Sonntag abend zumindest, Saddam Hussein werde »wie ein Kriegsgefangener
gemäß der Genfer Konvention behandelt«. Ob das Rote Kreuz
allerdings Zugang zu dem Verhafteten bekommen werde, müßten Juristen
entscheiden, relativierte der Pentagon-Chef seine Aussagen in Sachen Genfer
Konvention. Die Besatzungstruppen verstießen bereits mit der
demütigenden Vorführung des offensichtlich unter Drogen gesetzten
Häftlings gegen dort festgelegte Regelungen. Das Pentagon rechtfertigte
die Ausstrahlung des Propagandavideos von einer angeblichen medizinischen
Untersuchung Saddam Husseins am Sonntag mit dem »großen
öffentlichen Interesse« an dessen Festnahme. Im Frühjahr hatte
die US-Regierung die Vorführung von amerikanischen Kriegsgefangenen im
irakischen Fernsehen indes scharf kritisiert und als Verstoß gegen die
Genfer Konvention gebrandmarkt.
Derweil wurden am Montag morgen bei zwei
Autobombenanschlägen auf Polizeistationen in Bagdad acht irakische
Polizisten getötet, mehr als 25 weitere sollen verletzt worden sein. Am
Nachmittag wurden koordinierte bewaffnete Angriffe auf weitere Polizeistationen
gemeldet.
Junge Welt