W.E. Nach der Kontroverse über
die fehlerhaften Wahlresultate bei den Präsidentschaftswahlen 2000 in
Florida hat der US-Kongress ein neues Gesetz verabschiedet, das von
Präsident Bush im Oktober 2002 unterzeichnet wurde: die «Help
America Vote Act». Das Gesetz zwingt Staaten zwar nicht zum E-Voting mit
Touch-Screen Computern, denn im amerikanischen System ist dies die Domäne
jedes einzelnen Staates. Aber es setzt einen Standard für Wahlen, der am
einfachsten durch einen Wechsel auf Computer erreicht wird. Zusätzlich
erhalten die Staaten, die zum System mit Computern wechseln, Geld; insgesamt
ist eine Summe von 4 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Viele Staaten haben
bereits auf Computer umgestellt, und noch mehr werden es voraussichtlich tun,
einschliesslich Kalifornien, jetzt unter dem republikanischen Gouverneur Arnold
Schwarzenegger.
Während viele Amerikaner ehrlich
davon überzeugt sind, dass die neuen Computer-Wahlmaschinen Betrug
erschweren, sind ausgewiesene Sicherheitsexperten für Computer der
Meinung, dass diese dem Betrug und Stimmendiebstahl in einer bislang nicht
möglichen Art und Weise Tür und Tor öffnen.
Sie sind weit davon entfernt, Wahlen
demokratischer zu machen, sondern ermöglichen einen Wahlbetrug, der nicht
entdeckt wird, und zwar um Millionen von Wählerstimmen. Nachdem Professor
Avi Rubin vom Institut für Informationssicherheit der Jon Hopkins
University die von Diebold Corporation, einem der drei Hauptlieferanten der
neuen Technologie, entwickelte Maschine untersucht hatte, sagte er
kürzlich gegenüber der BBC: «Das Programm war sehr schlecht
geschrieben; es verfügte über keinerlei Kontrollmechanismen, die man
bei einem hochqualitativen System erwarten müsste.» Rubin behauptet,
dass der durchschnittliche Wähler theoretisch eine Wahl verändern
könnte, wenn er ins Dieboldsystem Ðhacktð; ein schlauer
Informatiker könnte eine gefälschte Karte herstellen und damit ganz
viele Stimmen abgeben. «Ein Student meiner Klasse könnte das. Noch
ein ernsterer Fall wäre ein skrupelloser und bösartiger
Programmierer, der bei Diebold angestellt ist und der eine versteckte
Funktionalität hinzufügt, durch die das Ergebnis der Wahlen
später manipuliert werden kann.»
Die meisten der wichtigen Lieferanten
weigern sich ausserdem, verifizierbare Papierkopien zu produzieren oder Beweise
für die registrierten Wahlstimmen, so dass Betrug nicht entdeckt werden
kann.
In den USA selbst errreichen solche
Themen bemerkenswerterweise kaum die Öffentlichkeit. Viele ehrliche
Bemühungen, vor den Gefahren eines Betrugs zu warnen, hat man bei Diebold
und anderen Herstellern aggressiv mit Prozessandrohungen beantwortet, wodurch
viele Websites schliessen mussten. Die Computerexpertin Beverly Harris, eine
der Kritikerinnen, musste ihre Seite www.blackboxvoting.org auf Intervention
von Diebold hin schliessen. Sie beendet gerade ihr Buch über die
Vorgänge. Harris sagt zum Thema Abstimmen mit dem Computer: «Was
bislang immer ein transparenter Prozess war, der der Kontrolle vieler Augen
unterworfen und ein Gut von allen war, ist nun geheim und der Besitz von
wenigen geworden. Dies geschah in dem Augenblick, als Wahlsysteme
Privatunternehmen übergeben wurden. Diese Firmen bestehen nun darauf, dass
der dem Abstimmungsvorgang zugrundeliegende Prozess vor den Wählern
geheimgehalten werden soll. Die Unternehmen der Abstimmungsmaschinen
müssen uns nicht offenlegen, wer ihr Besitzer ist.»
Noch alarmierender ist die Tatsache,
dass sich die drei grössten Hersteller von Abstimmungsmaschinen, Diebold,
ES&S und Sequoia, enger Beziehungen zur Bush-Kampagne der republikanischen
Partei erfreuen. Als einer der wichtigen Träger der Wahlkampagne hat Wally
ODell, CEO des zweitgrössten Herstellers Diebold Company, Bush auf seiner
Crawford Farm besucht. ODell hat auch Geldbeschaffer von Dick Cheney
gesponsort. Präsident des Diebold Wahl-Systems ist Bob Urosevich, dessen
Bruder Todd jetzt ein Top Manager bei ES&S (Election Systems&Software)
ist, dem grössten E-Voting Hersteller. ES&S gehört teilweise
Senator Chuck Hagel und hat Beziehungen zu Jeb Bush in Florida. Hagels
Unternehmen zählte die Wahlzettel, mit denen Bush seinen Senatorensitz
gewann, eine böse Überraschung für den Kandidaten der
Demokraten.
ES&S gehört mehrheitlich
Howard Ahmanson und der Ahmanson Foundation. Ahmanson gehört dem Council
for National Policy an, einer Organisation, die das Chalcedon Institute
finanziert, einen der christlichen Rechten zugerechneten Think-tank. Das
Chalcedon Institute fördert «die Notwendigkeit, zum Gesetz der Bibel
zurückzukehren». Diebolds CEO ODell versprach kürzlich bei
einer republikanischen Geldsammelaktion, «alles» zu tun, was
notwendig ist, damit Bush 2004 in Ohio gewinnt. Ist alles
möglich?
Zudem versucht eine andere Firma,
VoteHere, ihre kryptographische Software in den E-Voting Maschinen zu
installieren. Sie beliefern bereits Sequoia Maschinen. Ihr Vorsitzender ist
Admiral Bill Owens, ein Freund von Cheney und wie Richard Perle Mitglied im
Defense Policy Board; im Vorstand von Sequoia sitzt der frühere
CIA-Direktor Robert Gates, Rektor der George Bush School of
Business.