Störungen und Verschwörungen in den USA Die USA
sind das mächtigste Land der Welt. Und das interessanteste. Nirgends sonst
gibt es soviel Sentimentalität, Kommerz, Wahnsinn, Barbarei,
Störungen und Verschwörungen, oder was man sonst noch so braucht, um
Politik interessant zu finden. Oder Kultur. Oder Wirtschaft.
Ist man
mal da, ist es eher enttäuschend. Denn man sieht erst mal nichts Neues.
Vorausgesetzt, man hat schon zirka 10 000 US-TV-Serien intus. Die
Briefkästen, die Schulbusse, die Polizisten schaut wirklich alles
so aus wie im Fernsehen.
Das Fernsehen ist aber keine heile Welt,
sondern traditionell vollgestopft mit Sensationen und Innovationen. Wenn zum
Beispiel Ende Januar George W. Bush seine Ansprache zur Lage der Nation
hält, wird im Werbeumfeld dieser Sendung ein Antipräsidentenspot
laufen. Inhalt: die ganze Bush-Politik in dreißig Sekunden. Entweder geht
jemand tanken und erschießt anschließend den Tankwart. Oder es wird
gefragt, warum man die für die Kriege im Irak und in Afghanistan
beantragten 87 Milliarden Dollar nicht für 10 000 neue Schulen in den USA
eingesetzt hat. Oder es werden die Verbindungen zwischen den Familien Bush und
Bin Laden skizziert. Solche Ideen verhandeln die Film-Einsendungen, zu denen
Kreise um Michael Moore im Internet aufgerufen hatten. Statt der erwarteten 100
Beiträge kamen 1000, die Server brachen zusammen. Nur einer wird gezeigt
werden, und der ist bestimmt ebenso witzig wie witzlos.
Denn die USA
sehen immer so aus wie im Fernsehen. Und fast alle Yanks, die man trifft, egal,
ob reich oder arm, schwarz oder weiß, dumm oder klug, hauen irgendwann
das Statement raus, sie wären schlußendlich stolz auf ihr Land. Was
soll man mit dieser Information anfangen? Man weiß dann höchstens,
daß es dort niemals eine Revolution geben wird. So wie es Gil Scott-Heron
in den 70ern sang: »The Revolution will not be televised.« Ein
ausgezeichnetes Lied übrigens. |