Führende US-Militärs warnen im Kongreß: Geld
für Irak-Besatzung geht aus. Schwerer Anschlag in Bagdad Der anhaltende
Widerstand im Irak treibt die Kosten der US-Besatzung immer weiter in die
Höhe. Führende amerikanische Militärs schlugen nun Alarm. Wenn
der Kongreß keine zusätzlichen Mittel freigebe, werde das Geld
für den Irak-Einsatz bis September ausgehen, warnte US-General Peter
Schoomaker am Dienstag (Ortszeit) vor dem Streitkräfteausschuß des
Senats in Washington. Mittlerweile koste die amerikanische
Militärpräsenz im Irak rund 3,7 Milliarden Dollar, monatlich. Hinzu
kämen weitere 800 bis 900 Millionen Dollar für den Truppeneinsatz in
Afghanistan.
Die von der US-Regierung derzeit veranschlagten Mittel
reichen laut Schoomaker noch bis Anfang September. Vor dem Kongreß zeigte
er sich besorgt, wie die Zeit zwischen dem Ende des Haushaltsjahres am 1.
Oktober und 2005 überbrückt werden solle. Schoomakers Dienstherr,
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, wußte beim Pressebriefing im
Pentagon auch nicht weiter. Der maßgebliche Kriegsplaner verwies auf die
Zuständigkeit des Weißen Hauses. Dieses und das dort angesiedelte
»Büro für Management und Haushalt« hätten die
Entscheidung getroffen, bis 2005 keine zusätzlichen Mittel zur
Verfügung zu stellen. Immerhin stehen im November
Präsidentschaftswahlen an, und der um seine Wiederwahl bemühte George
W. Bush wird sich hüten, von den Amerikanern noch mehr Geld für die
Kriegskasse zu fordern.
Im Irak wurden unterdessen bei zwei schweren
Anschlägen auf sicherheitsrelevante Einrichtungen der
Besatzungsbehörden in den vergangenen zwei Tagen wahrscheinlich mehr als
100 Menschen getötet. Am Mittwoch morgen brachte ein
Selbstmordattentäter ein mit etwa 200 Kilogramm Sprengstoff beladenes
Fahrzeug vor einem Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in Bagdad zur
Explosion. Bis zu 47 Menschen wurden dabei nach irakischen Behördenangaben
getötet, mehr als 50 weitere verletzt.
Nach Angaben des von den
US-Besatzungsbehörden eingesetzten stellvertretenden irakischen
Innenministers Ahmed Ibrahim befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa 300
Iraker vor dem Gebäude im Zentrum der Hauptstadt. Die einen wollten sich
für eine Anstellung bei den neuen irakischen Streitkräften bewerben,
die zur Zeit von der US-Armee für den Kampf gegen irakische
Widerstandsgruppen aufgestellt wird, andere warteten auf ihre Abfahrt in ein
Trainingslager in Jordanien.
Erst am Dienstag waren 53 Iraker einem
Autobombenanschlag vor einer Polizeiwache in Iskandarija südlich von
Bagdad getötet und bis zu 100 verletzt worden. Viele der Opfer wollten
sich in der Polizeistation um einen Job bewerben.
Der Rat der
sunnitischen Religionsgelehrten im Irak weigerte sich am Mittwoch, Angriffe
gegen die Besatzungstruppen zu verurteilen. Das Gremium verurteilte allerdings
Selbstmordanschläge auf Iraker. Der Rat machte hierfür
ausländische Kämpfer verantwortlich. Irakischen Angaben zufolge
wurden in den vergangenen Monaten bei Anschlägen rund 300 Polizisten wegen
ihrer Zusammenarbeit mit den US-Besatzungstruppen getötet. Bewaffnete
Amerikaner igeln sich derweil auf ihren Stützpunkten hinter hohen
Betonmauern ein.
Gleichzeitig werden immer mehr Iraker rekrutiert, die
gegen die Widerstandsgruppen vorgehen sollen. Nach Angaben von Rumsfeld stehen
zwischen 150 000 und 210 000 Iraker bei der US-Armee in Lohn und Brot. Die
könne nun einmal nicht alle Anschläge verhindern. »Es ist
unmöglich, jeden Ort gegen jeden denkbaren Anschlag zur jeder Zeit bei Tag
und Nacht zu schützen«, erklärte Rumsfeld. »Ich meine,
schauen Sie die Städte auf der ganzen Welt an. Alle sind gegen das
Töten und trotzdem gibt es in jeder größeren Stadt auf der Welt
jede Woche Mord und Totschlag. In jeder Stadt gibt es davon jährlich
Hunderte.« Weiter fügte er hinzu: »Warum ist das so, obwohl
wir doch überall die Polizei haben und jedermann gegen Morde ist? Die
Antwort ist: weil Menschen Menschen sind.«
Auch sonst hatte der
US-Verteidigungsminister wieder Bonmots für die Presse parat. Demnach ist
Rumsfeld angeblich die 45-Minuten-Behauptung der britischen Regierung zum
irakischen Waffenprogramm nicht geläufig. »Um ehrlich zu sein: Ich
erinnere mich nicht an diese Stellungnahme«, sagte er beim Briefing im
Pentagon. Auf die Frage, ob er an diese von Blair vor dem Irak-Krieg
verbreitete These geglaubt habe, sagte der amerikanische Verteidigungsminister:
»Ich müßte diese Erklärung sehen. Und um eine Meinung zu
haben, müßte ich die Geheimdienstler fragen, was sie damals dachten.
Denn was sie dachten, ist sehr wahrscheinlich auch das, was ich damals
dachte.« |