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Jeder macht was er will, keiner macht was er soll,
aber alle machen mit.
Um die gegenwärtige Situation von HIV und Aids in
Uganda, sowie die Berichte darüber zu verstehen, ist ein kleiner Ausflug
in die äußerst tragische und turbulente Geschichte des Landes
unabdingbar. Bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1962 "galt Uganda
als Musterbeispiel britischer Verwaltung, weit besser gestellt als das heutige
Kenia oder Tanzania", und für Winston Churchill war das Land am Anfang des
Jahrhunderts schlichtweg "die Perle Afrikas", wie der angesehene Historiker
Phares Mutibwa in seinem Standardwerk der Geschichte Ugandas schreibt. (1)
"Uganda hatte damals eine der stärksten und vielversprechendsten
Wirtschaften in Schwarzafrikas. Es produzierte genügend Lebensmittel, um
die Bevölkerung zu ernähren und der Export der landwirtschaftlichen
Produkte zusammen mit Textilien und Kupfer brachte mehr ein, als für alle
Importe aufgewendet werden mußte." (2) Auch das Gesundheitswesen war
für damalige Verhältnisse beispielgebend. Ein Indikator
dafür ist die Einführung eines organisierten Blutspendewesens bereits
im Jahr 1958. Innerhalb kurzer Zeit hatte sich diese Art der Medizin im
ugandischen Gesundheitswesen fest etabliert. Das erklärt sich aus der
großen Verbreitung von Infektionskrankheiten in dieser Region, die unter
anderem eine chronische Blutarmut in weiten Teilen der Bevölkerung zur
Folge haben. Kommt es dann zu einem stärkeren Blutverlust ist das Leben
des Betroffenen sehr rasch akut gefährdet und nur mit einer schnellen
Bluttransfusion zu retten. Das trifft besonders zu für Kinder bei den
häufigen schweren Malariaanfällen und für Frauen bei Blutungen
nach einer Geburt. Aber auch bei Verletzungen nach Unfällen oder
kriegerischen Auseinandersetzungen ist eine Bluttransfusion häufig die
einzige lebensrettende Maßnahme. So organisierte alleine die Blutbank in
der Hauptstadt Kampala Anfang der 70-er Jahre für die Krankenhäuser
der damals etwa 350.000 Einwohner um die 14.000 Blutspenden jährlich. Der
Großteil davon kam entweder von Verwandten der Patienten oder von
bezahlten Blutspendern, die vor dem Eingang des Krankenhauses oder an bekannten
Orten, wie zum Beispiel dem Busbahnhof, angeworben wurden. In den meisten
Fällen wurde das Blut nicht auf mögliche Infektionserreger
untersucht. (2)
Die Organisation war für damalige Verhältnisse
vorbildlich und auf Autonomie ausgerichtet. Die Blutbank verwendete
sterilisierte Flaschen und die Nadeln wurden bei Bedarf immer wieder
geschliffen. Eine zentrale Blutbank für das ganze Land gab es damals
jedoch noch nicht, so daß außerhalb der Hauptstadt Kampala
jedes Krankenhaus für seine Bluttransfusionen selbst verantwortlich war.
Ein anderes wesentliches Merkmal der europäischen
Medizin ist die Verabreichung von Spritzen, entweder für eine Therapie
oder als Impfung. Dies bedeutete besonders bei der Behandlung und Vorbeugung
der weit verbreiteten Infektionskrankheiten einen wesentlichen Fortschritt. Zu
den häufigsten Krankheiten zählen Durchfall, Lungenkrankheiten, sowie
Syphilis, Gonorrhoe undandere sexuell übertragbare Infektionen. Die
Tatsache, daß nicht sterilisierte Spritzen Krankheitserreger
übertragen können, wurde damals wenig berücksichtigt. Genaue
Untersuchungen über die Art und Weise, wie Spritzen damals sterilisiert
wurden, liegen nicht vor. Lediglich aus Anekdoten ist bekannt, daß
teilweise hunderte von Menschen mit der gleichen Nadel geimpft wurden und
teilweise immer noch werden. (22, 23)
Derzeit werden "jedes Jahr weltweit über 12 Milliarden
Injekionen" verabreicht, wie die WHO in einer Publikation bestätigt,
"mindestens ein Drittel davon wird ohne ausreichende Sterilisation gegeben,
womit möglicherweise Krankheiten übertragen werden." Besonders in
Afrika ist die Situation besorgniserregend, weil dort "mehr als 80 % der
Einmalspritzen mehrfach verwendet werden." (21)
Und in Tanzania wurde in einer neueren Untersuchung bei 12
Prozent der Spritzen, welche zur Verwendung hergerichtet waren, noch Blutreste
des vorherigen Patienten gefunden. (20)
Dann ereignete sich das, was die Ugander als die "zwei
verlorenen Jahrzehnte" bezeichnen. Gemeint ist damit die Zeit zwischen 1966 und
1986, in der es unter wechselnden Diktatoren zu einer Kette von
wirtschaftlichen Fehlentscheidungen, Massenhinrichtungen, Bürgerkriegen
und einem Krieg mit dem Nachbarland Tanzania kam. In dieser Zeit kam etwa eine
Million Menschen gewaltsam um. (Im Jahr 1980 gab es etwa 12,6 Millionen
Einwohner)(18) Femer wurde das Land so gründlich zerstört, daß
es danach zu einem der ärmsten der Welt gehörte. So betrugen die
staatlichen Ausgaben für Gesundheit am Ende dieser Periode noch etwa 9
Prozent dessen, was zwanzig Jahre vorher ausgegeben worden war. (2) Im Jahr
1986, als endlich Frieden und politische Stabilität in dem total
zerstörten Land einkehrte, kam es zu einem weiteren denkwürdigen
Ereignis.
|
Die Weltgesundheitsorganisation publizierte
folgende Definition der Krankheit Aids, welche ausschließlich für
Entwicklungsländer gültig war. (3) |
Aids Definition der WHO (1986) für Erwachsene
in Entwicklungsländern, wenn die Durchführung eines HIV-Testes aus
finanziellen Gründen nicht möglich ist:
Hauptkriterien: - Gewichtsverlust >10%
- Durchfall > 1 Monat - Fieber > 1 Monat (kontinuierlich oder
unterbrochen) |
Nebenkriterien: - Husten > 1 Monat
- generalisierter Juckreiz - wiederholt Gürtelrose -
Pilzinfektion im Mund-Halsbereich - chronische generalisierte
Herpes-Infektion - generalisierte Lymphknotenschwellung |
Ausschlußkriterien: - Krebs -
schwere Mangelernährung - andere Ursachen |
Jemand hat Aids. wenn:
- mindestens 2 Hauptkriterien und - mindestens 1 Nebenkriterium und - kein
Ausschlußkriterium vorliegen oder - bei
generalisiertem Kaposi Sarkom (bösartige Hautkrankheit) oder
- bei Cryptokokken Meningitis (eine bestimmte Art von
Gehirnhautentzündung) |
Darin wird jemand als Aids-krank erklärt, wenn er zum
Beispiel länger als einen Monat Durchfall, starke Gewichtsabnahme und zum
Beispiel generalisierten Juckreiz oder Husten hat und sich mit den vorhandenen
Möglichkeiten keine andere Ursache dafür nachweisen läßt.
Ein HIV-Test ist nach dieser Definition ausdrücklich nicht notwendig und
wird auch heute noch aus Geldmangel nur selten durchgeführt. Auch in dem
Meldeformular für Aids-Kranke des ugandischen Gesundheitsministeriums ist
nicht einmal vorgesehen, daß ein HIV-Test gemacht wird. Das heißt,
die Krankheit Aids, die nach den Worten von Professor Luc Montagnier. dem
Entdecker des HIV, "keine typischen Symptome hat", wird in den
Entwicklungsländern ausschließlich aufgrund von Symptomen
diagnostiziert. (7) Die geforderten Symptome sind nicht gerade ein seltenes
Ereignis in einem Land, das zwanzig Jahre systematischer Zerstörung hinter
sich hatte. Und so kann es nicht wirklich verwundern, daß Uganda in der
Folge zu dem Land mit der höchsten Aids-Rate erklärt wurde. Dazu
kommt, daß Uganda, ebenso viele andere Länder Afrikas die
WHO-Definition weiter abänderte. So kann Tuberkulose in Uganda ganz
offiziell zu einer Aids-Diagnose führen. Damit wurde die Aidsstatistik
zwangsweise erhöht. Im Nachbarland Tanzania ging man anfänglich den
entgegengesetzten Weg. Dort wurden die Kriterien für eine Aids-Diagnose
zunächst enger gefaßt. Es waren zwei Haupt- und zwei Nebenkriterien
notwendig. Dies hätte eigentlich zu weniger Aids-Fällen führen
müssen, als in Uganda. Allerdings erfüllten nicht alle gemeldeten
"Aids-Fälle" auch tatsächlich diese Kriterien.
So schreibt das Tanzanianische Gesundheitsministerium in
seinem Bericht vom August 1990: "Von den 1.987 neu gemeldeten Fällen,
haben lediglich 667 (33,6%) die erwähnten Kriterien erfüllt. [...]
Obwohl 1320 Fälle (66,4%) genaugenommen keine Aids-Fälle sind, haben
wir sie dennoch als solche gezählt, da wir davon ausgegangen sind,
daß diejenigen, die sie gemeldet haben, einfach einen Fehler beim
Ausfüllen der Formulare gemacht haben." (6) In weiterer Folge wurde
einfach die Definition der Krankheit Aids geändert. Seit einigen Jahren
gilt dort die sogenannte "single sign criteria" Definition. Das bedeutet,
daß ein kranker Mensch dann als Aids-Fall gezählt wird, wenn er
eines der erwähnten Symptome hat, und sein Arzt davon überzeugt ist,
daß es sich dabei um Aids handelt.
Beide Länder begründen dieses Vorgehen damit,
daß die WHO-Definition zu ungenau sei und an die nationalen Bedingungen
angepaßt werden müßte. Dabei ist es vollkommen absurd
anzunehmen, eine Infektionskrankheit würde diesseits oder jenseits einer
willkürlichen politischen Grenze unterschiedliche Symptome hervorrufen.
Unter diesen Voraussetzungen kann es nicht verwundern,
daß Uganda in den Jahren nach 1986 einen starken Anstieg an
"Aids-Fällen" hatte. So waren beispielsweise die Hälfte der Betten
auf der Internen Station in der Makarere Universitätsklinik in Kampala mit
Aids-Patienten belegt. Das heißt diese Patienten hatten Fieber, Durchfall
oder Gewichtsverlust, sowie eines der aufgeführten Nebenkriterien und
wurden ohne HIV-Test als Aids-Patienten deklariert. Es kann auch nicht
verwundem, daß es viele derart kranke Menschen gibt, in einem Land. in
dem die durchschnittliche Lebenserwartung wegen der vielen
Infektionskrankheiten und den schlechten hygienischen Verhältnissen bei
ungefähr 50 Jahren liegt.
Nachdem einige Jahre mit dieser Definition gearbeitet worden
war, wollten sich noch zwei andere, ebenfalls international arbeitende
Gesundheitsorganisationen profilieren und versuchten sich an der Quadratur des
Kreises, nämlich die "Krankheit ohne typische Symptome" dennoch anhand
solcher zu diagnostizieren.
Die US-amerikanische Centers for Disease Control und die Pan
American Health Organisation stellten unabhängig voneinander fest,
daß die WHO-Definition in der Praxis unbrauchbar war und erklärten
jeweils eine eigene neue Definition als einzig sinnvoll. (4, 5) Diese beiden
Definitionen wurden jedoch nicht in Zusammenarbeit miteinander oder mit der WHO
erstellt, sondern in Konkurrenz zueinander. So können die
Entwicklungsländer seither auswählen, nach welcher der drei
unterschiedlichen Definitionen sie Aids mittels klinischen Symptomen
diagnostizieren möchten. Es steht ihnen aber auch frei, sich für eine
der beiden unterschiedlichen Definitionen der Industrieländer, USA oder
Europa, zu entscheiden.
In den internationalen Statistiken werden jedoch alle
Meldungen über Aids-Kranke in einen Topf geworfen, obwohl deren Anzahl
nach den unterschiedlichen Definitionen vollkommen verschieden und nicht
annähernd vergleichbar sind.
Interessanterweise sind diese wichtigen Details in der
Öffentlichkeit und auch bei vielen Ärzten nicht bekannt. Eigentlich
könnte man die ganze Diskussion bereits hier abbrechen und alle Aussagen
über Aids in Afrika als Spekulation bezeichnen. Aber sehen wir uns
trotzdem an, wie die Meldungen aus Afrika verarbeitet werden. Die WHO "glaubt"
(Zitat nach 15), daß das HIV in Afrika im wesentlichen sexuell
übertragen wird. Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.
Erstens ist nach mehr als 15 Jahren eindeutig, daß es in Europa keine
Epidemie unter der heterosexuellen Bevölkerung gibt. Es ist daher nicht
einsichtig, warum dies ausgerechnet in Afrika stattfinden sollte. Zweitens wird
häufig das angeblich besondere Sexualverhalten von Afrikanern
angeführt. Abgesehen davon, daß bereits die ersten christlichen
Missionare dieser Überzeugung waren, gibt es für diese Ansicht
keinerlei wissenschaftliche Begründung. Vielmehr kam eine der wenigen
Untersuchungen über dieses Thema zu dem Ergebnis, daß Amerikaner
weltweit führend sind, was die Häufigkeit von Partnerwechsel angeht,
gefolgt von Frankreich, Australien und Deutschland. Südafrika liegt
hingegen, ebenso wie Thailand abgeschlagen im hinteren Mittelfeld. (8) Aber es
gibt ja eine lange christliche Tradition, über das angeblich so
ausschweifende Sexualleben der Afrikaner zu phantasieren.
Mittels der aufgeführten Definition nahm die Zahl der
neuen Aids-Fälle in Uganda, ebenso wie in Tanzania, bis 1991 jedes Jahr
zu. Seither geht deren Zahl wieder zurück.
1996Tab. 2: gemeldete Aids-Fälle in
Uganda
|
Jahr |
Neuerkrankungen |
|
bis 1986 |
910 |
|
1987 |
2.914 |
|
1988 |
3.425 |
|
1989 |
6.090 |
|
1990 |
6.616 |
|
1991 |
10.235 |
|
1992 |
9.352 |
|
1993 |
4.641 |
|
1994 |
4.927 |
|
1995 |
2.192 |
|
1996 |
3.032 |
|
Quelle: Ministry of Health, Entebbe |
|
Alle gemeldeten Aids-Fälle werden von der WHO in Genf
notiert. Da sicher eine unbekannte Zahl nicht gemeldet wurde, multipliziert die
WHO die gemeldeten Fälle, um zu einer Schätzung der
"tatsächlichen" Zahl zu kommen. Dabei fällt auf, daß dieser
Multiplikationsfaktor jedes Jahr höher wird. Im Jahr 1996 hat die WHO die
Gesamtzahl aller gemeldeten Fälle aus Afrika noch mit 12 multipliziert. Im
Jahr 1997 bereits mit 17. Der WHO wurde in den letzten eineinhalb Jahren
116.000 neue Aids-Fälle aus Afrika gemeldet. Im gleichen Zeitraum hat sie
ihre Statistik der geschätzten Fälle jedoch um ganze 5,5 Millionen
erhöht, wobei sie gemeldeten Fälle mit dem Faktor 47 multipliziert
hat. (18, 19)
Geht man von der Zahl derjenigen Fälle aus, die aufgrund der
ausgeführten Definitionen gemeldet werden, so ergibt sich lediglich eine
einzige Aussage: die meisten Menschen in Afrika sterben an Symptomen, die durch
bekannte und behandelbare Infektionskrankheiten, wie Malaria,
Lungenentzündung oder Durchfall als Folge der schlechten hygienischen
Bedingungen entstehen. Die bekannten Horrorszenarien entstehen
ausschließlich in den Köpfen der Statistiker durch unhaltbare und
steigende Multiplikationen.
Hinzu kommt, daß die Statistiken meist alle Fälle seit Beginn der
80-er Jahre aufaddiert, also kumuliert darstellen. Diese Art der Darstellung
ist absolut ungewöhnlich in der Medizin, da sie unbrauchbare Resultate
liefert. Sie muß zwangsweise ansteigen, auch wenn jedes Jahr nur noch
wenige neue Fälle hinzukommen. So schreibt das Deutsche Ärzteblatt
unter der Überschrift "Kumulative Verwirrung": "Kein Mensch denkt
daran, die Erkrankungszahlen an Mumps, Tuberkulose oder Scharlach aufzuaddieren
von dem Tage an, an dem das Seuchengesetz erlassen wurde." Folgerichtig sei der
einzige Sinn einer solchen Darstellungsform: "Große Zahlen bringen
großes öffentliches Geld." (11)
Es verwundert also nicht, daß die offiziellen Berichte der WHO
jedesmal eine kurz bevorstehende Katastrophe ankündigen. Verwunderlich ist
nur, daß fast alle Journalisten und Medien dies brav weiter
verkünden, ohne eine einzige kritische Frage zu stellen.
Aids-Waisen Die Geschichte der Aids-Waisenkinder
ist mit Sicherheit die zynischste seit der Entdeckung des HIV-Virus. Und sie
wirft ein bezeichnendes Licht auf die Art der Berichterstattung über Aids:
offensichtlich ist alles, ohne Einschränkung erlaubt, was der
Bevölkerung ein Gefühl der Bedrohung vermittelt.
"Ungefähr 830.000 Kinder leben mit HIV/Aids. Aber die Auswirkungen der
HIV-Epidemie sind viel schwerwiegender, als die bereits große Zahl an
infizierten Kindern vermuten läßt. Das Waisen-Projekt in New York
schätzt in einer Studie, daß in sieben Ländern insgesamt mehr
als eine Million Kinder unter 14 Jahren durch Aids zu Waisen geworden sind. 95
Prozent dieser einen Million Kinder leben in Kenia, Ruanda, Uganda und Sambia.
[...] Wenn wir von der vorsichtigen Schätzung ausgehen, daß die Zahl
der bereits verwaisten Kinder in Uganda etwa 10 Prozent der HIV-Infizierten
Mütter entspricht, so bedeutet dies, daß alleine in diesem Land mehr
als drei Millionen Kinder von den Auswirkungen der Epidemie betroffen sind."
beschreibt die WHO die Situation mit dramatischen Worten in ihrer
Pressemitteilung vom 28. November 1996. In Uganda gibt es derzeit ungefähr
acht Millionen Kinder unter fünfzehn Jahren. Wenn drei Millionen von ihnen
wegen Aids verwaist sind, so besteht kein Zweifel, daß Aids nun auch
unschuldige Kinder in einem unvorstellbaren Ausmaß betrifft. Ein
derartiger Befund kann nur sprachlos machen. Diese Sprachlosigkeit wird nur
noch übertroffen von dem Erstaunen über einen anderen WHO-Bericht zu
dem gleichen Thema: "Pflege und Unterstützung von Kindern HIV-infizierter
Eltern" lautet der unscheinbare Titel. Auf Seite zwei steht folgender
unerwarteter Hinweis: "Der Inhalt dieses restricted Dokuments, darf
ausschließlich denjenigen Personen zugänglich gemacht werden, an die
es ursprünglich adressiert wurde. Es darf in keiner Weise weiter verteilt,
oder vervielfältigt werden und sollte in keiner Literaturliste
aufgeführt oder erwähnt werden." Es werden dann einige Fakten zu
Aids-Waisen aufgeführt, die man sich eigentlich in den Presseaussendungen
der WHO erwartet hätte. "Es herrscht Verwirrung darüber, was mit dem
Begriff Waisenkind gemeint ist. .... Studien der WHO und anderer
Organisationen, in denen die Zahl geschätzt wurde, haben verschiedene
Definitionen angewendet." Und im weiteren Verlauf werden einige davon weiter
erklärt: "Die UNICEF definiert ein Kind dann als Waisenkind, wenn seine
Mutter verstorben ist. Für die WHO ist jedes Kind ein Waisenkind, das
beide Eltern oder nur die Mutter verloren hat. .... In der Uganda Studie
wurden, entsprechend der maßgebenden ugandischen Waisendefinition, alle
diejenigen Kinder als Waisen gezählt, die einen oder beide Eltemteile
verloren haben."
Verloren heißt hier jedoch nicht verstorben, sondern abwesend, weshalb
die WHO auch eine weitreichende Einschränkung macht: "Einer der
verwirrenden Aspekte ist das Ausmaß, in dem die Abwesenheit eines
Elternteils in machen Gesellschaften den Normalfall darstellt."
Das bisher Gesagte würde schon ausreichen, um alle Angaben zu diesem
Thema mit größter Skepsis zu hinterfragen. Schließlich
hätten auch Deutschland und Österreich mit den vielen
alleinerziehenden Eltern eine große Anzahl von "Waisenkindern",
würde man die Uganda Definition anwenden. Aber die Autoren kennen
offensichtlich die Geschichte Ugandas und wissen daher von der bereits
erwähnten wichtigen Einschränkung bei der Interpretation der Zahlen
aus diesem Land: "In der Uganda Studie wurde nicht untersucht, was zur
Verwaisung der Kinder geführt hat. In manchen Gegenden geschah das auch
durch Krieg." Damit weisen die Autoren auf die zwanzig Jahre Terrorherrschaft
von 1966 bis 1986 hin, in der es auch zu Krieg und Bürgerkrieg gekommen
ist. In dieser Zeit wurde nicht nur das Land gründlich zerstört,
sondern vorallem etwa eine Million Menschen getötet. Es sollte nicht
notwendig sein darauf hinzuweisen, daß dadurch eine große Anzahl an
Kindern verwaist ist. Im Jahr 1980 hatte Uganda um die 12,6 Millionen
Einwohner. (18)
Die Menschen in Afrika und insbesondere Uganda benötigen nach dieser
langen Zeit des Leidens unsere Hilfe und Unterstützung. Hierfür ist
es weder hilfreich noch zielführend, wenn falsche Daten und absurde
Definitionen eingesetzt werden um uns zu täuschen und von den
tatsächlichen Problemen des Landes abzulenken. Die gegenwärtige
Situation führt dazu, daß große Mittel aus den begrenzten
nationalen Budgets und von den Hilfsgeldern aus dem Ausland in Kampagnen u.a.
über Treue in Beziehungen und für den Kondomverbrauch investiert
werden. Dabei ist in Europa eindeutig, daß die zweitausendjährige
Manipulation durch die christliche Sexuallehre keine anhaltenden Änderung
des Sexualverhaltens zur Folge hatte. Und auch unser Kondomverbrauch hat sich
in den letzten 10 Jahren trotz der unzähligen Kampagnen kaum
verändert. Es ist deshalb nicht einsichtig, warum sich ausgerechnet das
Sexualverhalten der Menschen in Afrika durch Kampagnen ändern sollte.
Angesichts der Armut in den meisten Ländern Afrikas, mehr als die
Hälfte der Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (16), ist
die europäische Fixierung auf eine angeblich heterosexuel
übertragbare Aids-Epidemie in Afrika als zynisch zu bezeichnen. Femer
ist es unverständlich, warum die WHO in Publikationen, die nicht allgemein
zugänglich sind, das Gegenteil von dem schreibt, was in ihren
Pressemitteilungen steht.
Literatur 1. Phares Mutibwa. Uganda since
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8. Durex, Global Sex Survey, London, 1997, http://www.durex.com 9. WHO.
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