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In einer Filiale
der britischen Supermarktkette Tesco in Cambridge tauchten im Juli erstmals
Rasierklingen der Marke Gillette Mach3 auf, die mit kleinen
Funkchips, so genannten RFIDs (Radio Frequency Identification), ausgestattet
waren. Dabei handelt es sich um kleine Chips, die per Funk über mehrere
Meter hinweg einen elektronischen Produktcode aussenden können.
Computersysteme können dann anhand dieser Kennung dann einzelne
Gegenstände identifizieren.
Das System eignet sich daher besonders
gut für Warenflusskontroll- oder Inventursysteme. RFID-Hersteller IBM
behauptet, dass Unternehmen ihre Inventurkosten mit den kleinen Chips um 25
Prozent senken können. Die Kaufhauskonzerne Wal-Mart, Kaufhof und Metro
führten mit der RFID-Technik bereits Pilotprojekte durch.
Der
RFID-Code ist übrigens lang genug, um weltweit jeden Gegenstand eindeutig
zu identifizieren. Technologiestudien gehen davon aus, dass spätestens
2010 RFID die heutigen Barcodes ersetzt haben werden. Auch die Europäische
Zentralbank überlegt bereits, 500 Euro-Geldscheine mit Hilfe der kleinen
Computerchips zu orten. Kunden heimlich
fotografiert
Gilette will mit Hilfe von RFID
seine Logistikkette verbessern. Die Vereinigung Consumers Against
Supermarket Privacy Invasion and Numbering
CASPIAN fand allerdings
heraus, dass der Supermarktbetreiber zusätzlich jeden Kunden heimlich
fotografierte, der nach den Packungen griff. An den Kassen filmten Kameras alle
Kunden, die mit einer RFID-Ware den Laden verlassen wollten.
Internationale Verbraucherschutz- und Bürgerrechtsorganisationen
zeigen sich ob der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von RFID
beunruhigt. Sie wiesen deshalb jüngst in einem gemeinsamen
Positionspapier auf die Gefahren für Privatsphäre
und Bürgerrechte hin. Sorgen macht den Verbraucherschützern, dass
RFID-Chips versteckt an Objekten oder Dokumenten angebracht werden können,
ohne dass der Empfänger dies weiß. Kritisch beurteilen sie auch,
dass die Etiketten von versteckten Lesegeräten ausgelesen werden
können. So seien solche Geräte bereits in Fußbodenbrettern
eingebaut, in Teppiche und Bodenmatten eingewebt, in Türrahmen versteckt
und nahtlos an Einzelhandelsregalen und Schaltern angebracht worden.
Gespeichert werden diese Codes in großen Datenbanken.
Keine Chips in Geldscheinen
Die
internationalen Verbraucherschützer fordern eine faire
Informationspraxis gegenüber dem Kunden. Bestimmte Anwendungen
sollten gar gesetzlich verboten werden. Auch sollten Bürger RFID-Etiketten
suchen und deaktivieren können. Die Erstellung von Bewegungsprofilen etwa
über RFID in Geldscheinen sollte ebenfalls nicht erlaubt sein. Dem schloss
sich auch der neue Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar an. Er forderte
Menschen technische Mittel an die Hand zu geben, um die Chips auszulesen und
nach dem Kauf deaktivieren zu können.
Erst vor kurzem erhielt der
Bielefelder Verein Foebud
e.V.von der Stiftung "Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft"
15.000 Euro zur Realisierung eines entsprechenden Geräts zugesprochen.
Dieses wird Daten jedoch nur auslesen, nicht zerstören. Schließlich
kann eine Zerstörung vor dem Kauf durch ein solches Gerät nicht
ausgeschlossen werden. Foebud-Sprecher Padeluun hofft: Ein Unternehmen,
das solche Techniken einsetzt müsste sich verpflichtet fühlen oder
verpflichtet werden, solche Geräte seinen Kunden kostenlos zur
Verfügung zustellen.
Sobald RFID-Datensammlungen mit
Personenidentifikationsdaten verbunden werden, könnten individuelle
Bewegungsprofile erstellt werden. Der Handelskonzern Metro erhielt den
diesjährigen Big-Brother-Preis für seinen Einkaufsmarkt Future-Store
in Rheinberg bei Duisburg, da dort nicht nur die Waren, sondern auch die
Kunden-Karten mit RFID-Chips ausgerüstet sind. Jury-Mitglied Rena Tangens
fürchtet, dass Metro mit dem Chip die individuellen Einkaufsgewohnheiten
protokollieren könnte.
Interessant ist diese Anwendung aber
weniger für die Wirtschaft, denn für den Staat. Udo Helmbrecht,
Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik,
stellte kürzlich die Idee einer neuen Generation von Reisepässen vor:
Biometrische Merkmale wie das Gesicht oder Fingerabdruck würden auf einem
im Pass integrierten RID-Chip gespeichert. Für die Antenne zur
Datenübertragung müsste nur noch der Pass etwas vergrößert
werden. In diesem Fall dürften Auslesegeräte jedoch die
Privatsphäre nicht mehr schützen. |
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