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09.03.2004 von George Monbiot Info von:  ZNet
Samen der Zerstreuung
Die Biotech-Unternehmen wollen, dass wir alles in Betracht ziehen, außer ihrer Motive.

Die Frage ist ziemlich einfach: sollen ein paar Unternehmen die globale Nahrungsversorgung monopolisieren? Wird diese Frage bejaht, so sollte man die Ankündigung der britischen Regierung, dass das kommerzielle Anpflanzen genmanipulierter Saat in Grossbritannien stattfinden kann, begrüssen. Wird diese Frage verneint, so sollte man die Ankündigung bedauern. Die prinzipiell geförderte Anstrengung der gentechnischen Industrie besteht darin, uns von dieser Frage abzulenken.

Die Gentechnologie gibt Unternehmen die Möglichkeit sicherzustellen, dass alles was wir essen von ihnen hergestellt wird. Sie haben die Möglichkeit Samen und die Prozesse, die sie wachsen lassen, zu patentieren. Sie können sicherstellen, dass die Pflanzen nicht ohne deren patentierte Düngemittel angebaut werden können. Sie können die Samen hindern, sich selbst zu reproduzieren. Indem sie konkurrierende Samenhersteller aufkaufen und ihren Betrib schliessen, können sie den Nahrungsmittelmarkt, den grössten und umfangreichsten Markt von allen, erobern.

Niemand mit einem einigermaßen klaren Verstand würde dies befürworten, weshalb die führenden Unternehmen uns überzeugen müssen, uns auf andere Dinge zu konzentrieren. Zuerst sprachen sie von vergrößerter Auswahl [bezüglich der Lebensmittel], aber als diese Taktik nicht die gewünschte Wirkung zeigte, wechselten sie zu einer härteren. Nun wird uns erzählt unsere wissenschaftliche Basis würde wegbrechen, wenn wir in GB nicht die Nutzung genmanipulierter Pflanzen unterstützten. Und dass wir, indem wir es ablehnten genmanipulierte Produkte zu essen, die Entwicklungsländer bedrohten [weiterhin] unter Hunger zu leiden. Man kann sagen, dass beide Argumente an den Haaren herbeigezogen sind, was jedoch in der öffentlichen Argumentation wenig zählt.Das einzige was zählt ist, dass man die Diskussion lange genug weiterspinnt, um das beabsichtigte Ziel zu erreichen. Und dies heißt bedeutende Leute zu rekrutieren, um die eigene Sache sicherzustellen.

Letzten Oktober sandten 114 Wissenschaftler, wobei viele von ihnen Gelder von der Biotech-Industrie erhalten, einen offenen Brief an den Premierminister, in dem Grossbritanniens fehlender Enthusiasmus für genmanipulierte Pflanzen angekreidet wird, der "unsere Fähigkeit beeinträchtigen wird international zu wissenschaftlichem Erkenntnissen beizutragen". 1 Sie beklagten, dass Wissenschaftler, die sich in diesem Bereich spezialisieren, gezwungen seien das Land zu verlassen, um irgendwo anders Arbeit zu finden. Nun vergeben sie mir, wenn Sie dies vorher schon einmal gehört haben, aber es scheint wiederholt werden zu müssen. Genmanipulation von Pflanzen ist keine Wissenschaft. Zu beklagen, dass Leute, die gegen Genmanipulation auch gegen die Wissenschaft sind, wie Tony Blair und andere Altwissenschaftler es getan haben, ist, wie wenn man beklagt, dass diejenigen, die gegen chemische Waffen auch gegen die Chemie an sich seien. Für Wissenschaftler ist es keine grössere Verpflichtung genmanipuliertes Essen zu verteidigen, als sie es für sie wäre, wenn es um die Herstellung von Barbie-Puppen ginge.

Dies bedeutet nicht, dass die Unterzeichner [des Briefes] Unrecht hatten zu beklagen, dass einige Forscher, die sich im Bereich der Entwicklung wissenschaftlich veränderter Pflanzen spezialisiert haben, gerade Grossbritannien verlassen, um irgendwo anders Arbeit zu finden. Als die Öffentlichkeit ihre Produkte ablehnte, haben die Biotech-Unternehmen begonnen sich von diesem Land zurückzuziehen; und sie nehmen ihre Gelder mit sich. Aber wenn Wissenschaftler ihren Lebensstil an den Markt angliedern, so können sie damit rechnen, dass ihr Leben von Marktkräften beeinflusst wird. Die Leute, die Blair schrieben, scheinen die Beeinflussung auf beiden Wegen zu wollen: Gelder vom privaten Sektor, die [gleichzeitig] durch Entscheidungen aus dem privaten Sektor geschützt werden.

In Wahrheit war in Grossbritannien der Beitrag der Biotech-Unternehmen zur Forschung ziemlich gering. Viel mehr Geld wurde von der Regierung bereitgestellt. Ihre Untersuchungskommission für Biotechnologie und biologische Wissenschaften zum Beipiel unterstützt 26 Projekte über genmanipulierte Pflanzen und nur eines, das sich mit organischem Anbau beschäftigt. 2 Wenn Wissenschaftler eine Einkommmensquelle wünschen, die eher nicht durch Besorgnisse der Öffentlichkeit versiegt, so sollten sie sich dafür einsetzen, dass dieses Verhältnis sich umkehrt.

Aber die schwierige Situation der Männer in Weiß ist nicht die eines Bemitleidenswerten. Eine weit effektivere Form emotionaler Mißbotschaft ist eine solche, wie sie letzte Woche in dem Guardian von Lord Taverne, dem Gründer der Prima PR consultancy [Beratung], benutzt wurde. "Das stärkste Argument zugunsten des Anbaus von genmanipulierten Pflanzen", schrieb er, "ist die Versorgung, die sie darstellen können, um die Weltarmut, Hunger und Krankheiten zu reduzieren."

Es gibt keinen Zweifel,dass einige genmanipulierte Pflanzen höhere Erträge als einige konventionelle Pflanzen erzielen oder sie können abgewandelt werden, damit sie mehr Eiweiß enthalten, obwohl beide Entwicklungen überbewertet werden. Zwei Projekte wurden überall hochgelobt: Eine Süßkartoffel in Kenia, die wissenschaftlich entwickelt wurde, um resistent gegen Viren zu sein, und mit Vitaminen angereicherter Reis. Das Erstere Projekt ist gerade zusammengebrochen. Trotz 6 mio. $ finanzieller Unterstützung von Monsanto, der Weltbank und der US-Regierung, und endloser Hysterie in der Presse, stellte es sich heraus, dass man keine Verbesserung in der Virusresistenz und eine Verminderung des Ertrages erzeugt hat. Auf der anderen Seite der Grenze, in Uganda, hat ein weitaus billigeres, konventionelles Zuchtprogramm den Süßkartoffelertrag beinahe verdoppelt. Das andere Projekt, das nie mehr als ein Konzept war, stellt sich nun sogar in der Theorie als unumsetzbar heraus: unterernährte Leute scheinen kein Vitamin A in dieser Form umsetzen zu können. Aber nichts von dem hält Lord Taverne, oder George Bush, oder die Nuffield Kommission für Bioethik davon ab diese Projekte als wunderbare Fürsorge für die globale Mangelernährung darzustellen.

Einige Anstrengungen dieser Art führen jedoch zum Erfolg, indem sie sowohl den Ertrag, als auch den Eiweißgehalt verbessern. Trotz grösster Anstrengungen der Industrievertreter diese beiden Ideen zu vermischen, ist dies jedoch kein equates Mittel, um die Welt zu ernähren.

Die Welt hat einen Überschuss an Nahrung, aber immer noch sind Menschen hungrig. Sie sind hungrig, weil sie sich nicht leisten können diese Nahrung zu kaufen. Sie können sie sich nicht leisten, weil die Quellen des Wohlstandes und die Produktionmöglichkeiten von Landeigentümern und grossen Unternehmen erobert und in einigen Fällen monopolisiert wurden. Der Zweck der Biotech-Industrie ist die Quellen des Wohlstandes und die Produktions- verhältnisse zu bestimmen und zu monopolisieren.

Nun produzieren Regierungen und uneigennützige, private Forscher genmanipulierte Pflanzen, die frei von Patenten und nicht abhängig von der Behandlung mit genau angepassten Pestiziden sind. Diese könnten den Kleinbauern in den Entwicklungsländern helfen. Aber Taverne und die anderen Propagandisten versuchen uns zu überreden in der reichen Welt ein unternehmenbezogenes Modell der Genmanipulation einzusetzen, in der Hoffnung das gegensätzliche Modell in der armen Welt aufzubauen.

In der Tat ist es hart zu sehen, was wohl die Nahrungsmittelproduktion in armen Ländern für deren Bewohner mit Konsumvorteilen in GB zu tun hat. Wie die Wissenschaftler, die Blair schrieben, wollen die emotionalen Stimmungsmacher [ihre Interessen] in beide Richtungen [durchsetzen]: Diese Pflanzen werden angebaut, um hungernde Leute zu ernähren, aber die hungernden Leute werden sie nicht essen können, wenn sie .... diese nicht nach GB exportieren können.

Und hier bekommen wir die stets verneinte Wahrheit über genmanipulierte Planzen zu sehen. Die meisten Pflanzen werden nicht angebaut, um die einheimische Bevölkerung zu versorgen. Eigentlich werden sie überhaupt nicht angebaut, um Menschen, sondern um den Viehbestand zu ernähren, dessen Fleisch, Milch und Eier dann an die reicheren Konsumenten der Erde verkauft werden. Die Genmanipulation von Mais, die die Regierung heute gutheißen wird, ist keine Ausnahme. Wenn es in den nächsten 30 Jahren eine weltweite Hungersnot gibt, so kommt sie zustande, weil das fruchtbare Land, auf dem man [eigentlich] Nahrung für Menschen erzeugen sollte, stattdessen zur Tierfutterproduktion genutzt wird.

Die Biotech-Unternehmen sind nicht daran interessiert, ob die Wissenschaft weiter Erkenntnisse sammelt oder nicht, oder ob Menschen hungern. Sie wollen einfach nur Geld verdienen. Geld kann man am besten verdienen, wenn man den Markt kontrolliert. Aber bevor man den Markt kontrollieren kann, muss man die Leute überzeugen, dass es um etwas anderes geht.

Text von George Monbiot: "Erzähl den Leuten etwas was sie schon wissen, und sie werden dir dankbar sein. Erzähl ihnen etwas Neues und sie werden dich dafür hassen"

http://www.monbiot.com/



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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
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