Die Biotech-Unternehmen wollen, dass wir
alles in Betracht ziehen, außer ihrer Motive.
Die Frage ist
ziemlich einfach: sollen ein paar Unternehmen die globale Nahrungsversorgung
monopolisieren? Wird diese Frage bejaht, so sollte man die Ankündigung der
britischen Regierung, dass das kommerzielle Anpflanzen genmanipulierter Saat in
Grossbritannien stattfinden kann, begrüssen. Wird diese Frage verneint, so
sollte man die Ankündigung bedauern. Die prinzipiell geförderte
Anstrengung der gentechnischen Industrie besteht darin, uns von dieser Frage
abzulenken.
Die Gentechnologie gibt Unternehmen die Möglichkeit
sicherzustellen, dass alles was wir essen von ihnen hergestellt wird. Sie haben
die Möglichkeit Samen und die Prozesse, die sie wachsen lassen, zu
patentieren. Sie können sicherstellen, dass die Pflanzen nicht ohne deren
patentierte Düngemittel angebaut werden können. Sie können die
Samen hindern, sich selbst zu reproduzieren. Indem sie konkurrierende
Samenhersteller aufkaufen und ihren Betrib schliessen, können sie den
Nahrungsmittelmarkt, den grössten und umfangreichsten Markt von allen,
erobern.
Niemand mit einem einigermaßen klaren Verstand würde
dies befürworten, weshalb die führenden Unternehmen uns
überzeugen müssen, uns auf andere Dinge zu konzentrieren. Zuerst
sprachen sie von vergrößerter Auswahl [bezüglich der
Lebensmittel], aber als diese Taktik nicht die gewünschte Wirkung zeigte,
wechselten sie zu einer härteren. Nun wird uns erzählt unsere
wissenschaftliche Basis würde wegbrechen, wenn wir in GB nicht die Nutzung
genmanipulierter Pflanzen unterstützten. Und dass wir, indem wir es
ablehnten genmanipulierte Produkte zu essen, die Entwicklungsländer
bedrohten [weiterhin] unter Hunger zu leiden. Man kann sagen, dass beide
Argumente an den Haaren herbeigezogen sind, was jedoch in der öffentlichen
Argumentation wenig zählt.Das einzige was zählt ist, dass man die
Diskussion lange genug weiterspinnt, um das beabsichtigte Ziel zu erreichen.
Und dies heißt bedeutende Leute zu rekrutieren, um die eigene Sache
sicherzustellen.
Letzten Oktober sandten 114 Wissenschaftler, wobei
viele von ihnen Gelder von der Biotech-Industrie erhalten, einen offenen Brief
an den Premierminister, in dem Grossbritanniens fehlender Enthusiasmus für
genmanipulierte Pflanzen angekreidet wird, der "unsere Fähigkeit
beeinträchtigen wird international zu wissenschaftlichem Erkenntnissen
beizutragen". 1 Sie beklagten, dass Wissenschaftler, die sich in diesem Bereich
spezialisieren, gezwungen seien das Land zu verlassen, um irgendwo anders
Arbeit zu finden. Nun vergeben sie mir, wenn Sie dies vorher schon einmal
gehört haben, aber es scheint wiederholt werden zu müssen.
Genmanipulation von Pflanzen ist keine Wissenschaft. Zu beklagen, dass Leute,
die gegen Genmanipulation auch gegen die Wissenschaft sind, wie Tony Blair und
andere Altwissenschaftler es getan haben, ist, wie wenn man beklagt, dass
diejenigen, die gegen chemische Waffen auch gegen die Chemie an sich seien.
Für Wissenschaftler ist es keine grössere Verpflichtung
genmanipuliertes Essen zu verteidigen, als sie es für sie wäre, wenn
es um die Herstellung von Barbie-Puppen ginge.
Dies bedeutet nicht, dass
die Unterzeichner [des Briefes] Unrecht hatten zu beklagen, dass einige
Forscher, die sich im Bereich der Entwicklung wissenschaftlich veränderter
Pflanzen spezialisiert haben, gerade Grossbritannien verlassen, um irgendwo
anders Arbeit zu finden. Als die Öffentlichkeit ihre Produkte ablehnte,
haben die Biotech-Unternehmen begonnen sich von diesem Land
zurückzuziehen; und sie nehmen ihre Gelder mit sich. Aber wenn
Wissenschaftler ihren Lebensstil an den Markt angliedern, so können sie
damit rechnen, dass ihr Leben von Marktkräften beeinflusst wird. Die
Leute, die Blair schrieben, scheinen die Beeinflussung auf beiden Wegen zu
wollen: Gelder vom privaten Sektor, die [gleichzeitig] durch Entscheidungen aus
dem privaten Sektor geschützt werden.
In Wahrheit war in
Grossbritannien der Beitrag der Biotech-Unternehmen zur Forschung ziemlich
gering. Viel mehr Geld wurde von der Regierung bereitgestellt. Ihre
Untersuchungskommission für Biotechnologie und biologische Wissenschaften
zum Beipiel unterstützt 26 Projekte über genmanipulierte Pflanzen und
nur eines, das sich mit organischem Anbau beschäftigt. 2 Wenn
Wissenschaftler eine Einkommmensquelle wünschen, die eher nicht durch
Besorgnisse der Öffentlichkeit versiegt, so sollten sie sich dafür
einsetzen, dass dieses Verhältnis sich umkehrt.
Aber die schwierige
Situation der Männer in Weiß ist nicht die eines Bemitleidenswerten.
Eine weit effektivere Form emotionaler Mißbotschaft ist eine solche, wie
sie letzte Woche in dem Guardian von Lord Taverne, dem Gründer der Prima
PR consultancy [Beratung], benutzt wurde. "Das stärkste Argument zugunsten
des Anbaus von genmanipulierten Pflanzen", schrieb er, "ist die Versorgung, die
sie darstellen können, um die Weltarmut, Hunger und Krankheiten zu
reduzieren."
Es gibt keinen Zweifel,dass einige genmanipulierte Pflanzen
höhere Erträge als einige konventionelle Pflanzen erzielen oder sie
können abgewandelt werden, damit sie mehr Eiweiß enthalten, obwohl
beide Entwicklungen überbewertet werden. Zwei Projekte wurden überall
hochgelobt: Eine Süßkartoffel in Kenia, die wissenschaftlich
entwickelt wurde, um resistent gegen Viren zu sein, und mit Vitaminen
angereicherter Reis. Das Erstere Projekt ist gerade zusammengebrochen. Trotz 6
mio. $ finanzieller Unterstützung von Monsanto, der Weltbank und der
US-Regierung, und endloser Hysterie in der Presse, stellte es sich heraus, dass
man keine Verbesserung in der Virusresistenz und eine Verminderung des Ertrages
erzeugt hat. Auf der anderen Seite der Grenze, in Uganda, hat ein weitaus
billigeres, konventionelles Zuchtprogramm den Süßkartoffelertrag
beinahe verdoppelt. Das andere Projekt, das nie mehr als ein Konzept war,
stellt sich nun sogar in der Theorie als unumsetzbar heraus: unterernährte
Leute scheinen kein Vitamin A in dieser Form umsetzen zu können. Aber
nichts von dem hält Lord Taverne, oder George Bush, oder die Nuffield
Kommission für Bioethik davon ab diese Projekte als wunderbare
Fürsorge für die globale Mangelernährung
darzustellen.
Einige Anstrengungen dieser Art führen jedoch zum
Erfolg, indem sie sowohl den Ertrag, als auch den Eiweißgehalt
verbessern. Trotz grösster Anstrengungen der Industrievertreter diese
beiden Ideen zu vermischen, ist dies jedoch kein equates Mittel, um die Welt zu
ernähren.
Die Welt hat einen Überschuss an Nahrung, aber immer
noch sind Menschen hungrig. Sie sind hungrig, weil sie sich nicht leisten
können diese Nahrung zu kaufen. Sie können sie sich nicht leisten,
weil die Quellen des Wohlstandes und die Produktionmöglichkeiten von
Landeigentümern und grossen Unternehmen erobert und in einigen Fällen
monopolisiert wurden. Der Zweck der Biotech-Industrie ist die Quellen des
Wohlstandes und die Produktions- verhältnisse zu bestimmen und zu
monopolisieren.
Nun produzieren Regierungen und uneigennützige,
private Forscher genmanipulierte Pflanzen, die frei von Patenten und nicht
abhängig von der Behandlung mit genau angepassten Pestiziden sind. Diese
könnten den Kleinbauern in den Entwicklungsländern helfen. Aber
Taverne und die anderen Propagandisten versuchen uns zu überreden in der
reichen Welt ein unternehmenbezogenes Modell der Genmanipulation einzusetzen,
in der Hoffnung das gegensätzliche Modell in der armen Welt
aufzubauen.
In der Tat ist es hart zu sehen, was wohl die
Nahrungsmittelproduktion in armen Ländern für deren Bewohner mit
Konsumvorteilen in GB zu tun hat. Wie die Wissenschaftler, die Blair schrieben,
wollen die emotionalen Stimmungsmacher [ihre Interessen] in beide Richtungen
[durchsetzen]: Diese Pflanzen werden angebaut, um hungernde Leute zu
ernähren, aber die hungernden Leute werden sie nicht essen können,
wenn sie .... diese nicht nach GB exportieren können.
Und hier
bekommen wir die stets verneinte Wahrheit über genmanipulierte Planzen zu
sehen. Die meisten Pflanzen werden nicht angebaut, um die einheimische
Bevölkerung zu versorgen. Eigentlich werden sie überhaupt nicht
angebaut, um Menschen, sondern um den Viehbestand zu ernähren, dessen
Fleisch, Milch und Eier dann an die reicheren Konsumenten der Erde verkauft
werden. Die Genmanipulation von Mais, die die Regierung heute gutheißen
wird, ist keine Ausnahme. Wenn es in den nächsten 30 Jahren eine weltweite
Hungersnot gibt, so kommt sie zustande, weil das fruchtbare Land, auf dem man
[eigentlich] Nahrung für Menschen erzeugen sollte, stattdessen zur
Tierfutterproduktion genutzt wird.
Die Biotech-Unternehmen sind nicht
daran interessiert, ob die Wissenschaft weiter Erkenntnisse sammelt oder nicht,
oder ob Menschen hungern. Sie wollen einfach nur Geld verdienen. Geld kann man
am besten verdienen, wenn man den Markt kontrolliert. Aber bevor man den Markt
kontrollieren kann, muss man die Leute überzeugen, dass es um etwas
anderes geht.
Text von George Monbiot: "Erzähl den Leuten etwas was
sie schon wissen, und sie werden dir dankbar sein. Erzähl ihnen etwas
Neues und sie werden dich dafür hassen"
http://www.monbiot.com/

