Weshalb die US-Administration den legal gewählten
Präsidenten Haitis loswerden wollte Es ist noch nicht lange her, als
die Nachricht um die Welt ging, Haitis Präsident Jean Bertrand Aristide
habe das Land verlassen und werde in einem nicht näher bezeichneten
anderen Staat um Asyl bitten. Diese Meldung war die erschreckende
Bestätigung dafür, daß das Bush-Regime alles andere tut, als
für demokratische Verhältnisse einzutreten.
Die
Bush-Administration hatte Aristide mit einem propagandistischen Sperrfeuer
belegt und ihn für die ökonomischen Probleme seines Landes
verantwortlich gemacht, während es doch die US-Regierung selbst war, die
dafür gesorgt hatte, daß der Internationale Währungsfonds
Anleihen kündigte, welche die Krise des Landes dramatisch vertieften.
Sofort nach dem Amtsantritt von George W. Bush begannen die Versuche, Aristide
loszuwerden.
Warum mochte die neue Administration ihn nicht? Das hatte
nichts mit Menschenrechtsverletzungen zu tun oder Korruption, wie von den
Medien gebetsmühlenartig wiederholt wird. Es hängt damit zusammen,
daß die stärkste Bevölkerungsgruppe hinter Aristide die der
armen Landarbeiter ist, die ihre ganze Kraft in die Lavalas-Bewegung gesteckt
hatten, der es zu verdanken ist, daß die haitianische Machtclique um den
Diktator Duvalier ins Exil geschickt wurde. Die wohlhabende Bourgeoisie in
Haiti hat es dem Priester Aristide niemals verziehen, daß er diese
Demokratiebewegung ausgelöst hat; es sind genau diese Elemente, die hinter
den »Rebellen« stehen, die Aristide aus dem Amt gejagt
haben.
Und es ist genau diese Bourgeoisie, die Freunde in den
höchsten Rängen von Regierung und Geheimdiensten der USA hat. Wie
sonst war es möglich, daß Emmanuel Constant, ein früher
führender Kopf der rechtsgerichteten FRAPH (Front pour lAvancement
et le Progres Haitien), die jahrelang das haitianische Volk terrorisiert hat,
in aller Seelenruhe und sehr komfortabel in Brooklyn, New York, leben konnte,
obwohl die FRAPH wegen ihrer Verwicklung in Folter, Mißhandlungen,
terroristische Gewalt und Mord in Haiti angeklagt war? Reicht Bushs
»Krieg gegen den Terrorismus« nicht bis nach Brooklyn?
Als
die Aristide-Regierung aufgrund der Anklagen wiederholt die Auslieferung von
Constant forderte, wurden diese Ersuchen ignoriert. Warum wohl? Die USA wollten
nicht, daß Constant Aussagen über die Unterstützung der FRAPH
durch die CIA macht.
Was wir jetzt auf Haiti erleben, ist die
Rückkehr der FRAPH in das alltägliche Leben Haitis dieses Mal
offen gefördert durch die US-Regierung.
Nur wenige Tage vor dem
rechtsgerichteten Putsch haben Diplomaten der Staaten, die der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) angehören, nahezu allesamt geschworen, der
haitianischen Aristide-Regierung beizustehen. Alle bis auf die USA. Mexiko
gelobte Unterstützung, El Salvador und auch die von seiten der USA unter
Beschuß stehende Republik Venezuela schlossen sich an. Aber letzten Endes
waren das alles nur diplomatische Floskeln, und diplomatisches Gerede ist dann,
wenn es hart auf hart kommt, eben nur Gerede. Am Ende hatten die Resolutionen
der OAS wie auch anderer Organisationen keinerlei Konsequenzen. Was einzig
zählte, war die Tatsache, daß die USA Aristide loswerden wollten.
Und deshalb haben sie den legal gewählten Präsidenten Haitis ins Exil
verfrachtet.
(Übersetzung: Jürgen Heiser) |