Grundlagenwissen zum besseren
Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen
Probleme
Regional- und
Komplementärwährungen
Ein
tragfähiger Lösungsansatz für das Geldproblem?
...oder doch wieder nur
ein Marketingstrohhalm zur Rettung schiffbrüchiger Ökofreaks und
Gutmenschen?
Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand
26.04.2004
Dieser Aufsatz lag einige Wochen
halbfertig bei mir in der Schublade und wäre längst
veröffentlicht, hätten ich nicht von Margrit Kennedys und Bernhard
Lietaers gemeinsamem Buch gehört, das ich gelesen haben wollte, bevor ich
mich mit meinen Zweifeln am Leistungsvermögen von Regionalwährungen
zu Wort melde.
Obwohl dieser Text keine
Buchbesprechung werden soll, erfordert das im Riemann Verlag erschienene Werk
"Regionalwährungen, Neue Wege
zu nachhaltigem Wohlstand",
eine kurze Würdigung:
Kennedy/Lietaer wählen
zunächst einen sehr weit gefassten Währungsbegriff, um ihre
Vorstellungen mit historischen und aktuellen Beispielen aus aller Welt zu
untermauern. Weil die Autoren letztlich aber doch zu erkennen geben, dass nicht
alles, was tauschbar ist, auch schon als Währung taugt, blüht die
Blume der Euphorie letztlich doch nur auf den Beeten, die auch schon in der
Vergangenheit mannigfache Gutscheinsysteme, Tauschringe und in
Einzelfällen auch altruistisch eingestellte Mitgliedsbanken hervorgebracht
haben.
Die Autoren versäumen es zwar nicht, auf die Schwächen
und Probleme der vorgestellten Ansätze und Lösungsprinzipinen
hinzuweisen, sehen in der Summe der Detailprobleme aber nicht den Hinweis auf
prinzipielle Schwierigkeiten, sondern lediglich den Anreiz, bessere Menschen
dazu zu bewegen, die Möglichkeiten moderner Informationstechnologien
vernünftig zu nutzen und unvermeidliche Systemgrenzen durch "Vernetzung"
zu überwinden.
So weit, so gut. Margrit Kennedy und
Bernhard Lietaer sind ausgewiesene Fachleute und haben sich beileibe nicht nur
mit Regionalwährungen beschäftigt. Dennoch ist auch ihr jüngstes
Werk das typische Produkt eines Trends, dem vermutlich nur die Einführung
des ungeliebten Euro jenen Boden bereitet hat, auf den nun die frohe Botschaft
von Regio-Talern, Chiemgauern und anderen Wunderwährungen gesät
wird.
Eine knisternde Aufbruchstimmung
lässt allenthalben die Diskussion um Regionalwährungen aufleben.
Überall stehen Gruppen mutiger Menschen auf und kreieren neue, alternative
Zahlungsmittel und schon haben auch die ersten "richtigen" Geldinstitute
Interesse bekundet, schon gibt es Rechtsgutachten und politische
Fürsprecher. Silvio Gesell, lange als Sozialdarwinist verleumdet, ist
plötzlich in aller Munde und das über Jahrzehnte nur von wenigen
Eingeweihten bestaunte Wunder von Wörgl soll sich möglichst schon im
nächsten Quartal im Umkreis aller deutschen Kleinstädte wiederholen.
Die Protagonisten der Regio-Taler und
Landkreis-Dukaten behaupten, mit regionalen Komplementärwährungen
ließe sich Aufschwung und Wachstum dahin bringen, wo das System der
gesetzlichen Zahlungsmittel versagt, doch die Hoffnungen auf ein neues
Wörgl-Wunder sind unbegründet. Sowohl die bereits existierenden, wie
auch die bekannten, in Planung befindlichen Regionalwährungen können
die Probleme des Geldsystems nicht überwinden.
Die Gründe dafür liegen zu
einem großen Teil in der Konstruktion der Regionalwährungen selbst.
Doch schwerer wiegen die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich aus
der notwendigen Koexistenz der "Komplementärwährungen" mit dem nicht
umlaufgesicherten gesetzlichen Zahlungsmittel ergeben. Alleine die Tatsache,
dass die engen wirtschaftlichen Verflechtungen in Europa zu kleinen, regionalen
Währungsgebieten nicht kompatibel sind, wird zwangsläufig zum
Scheitern der Regionalwährungen führen, und dies paradoxerweise um so
schneller und gründlicher, je mehr sich die Regionalwährung in der
Region als vorherrschendes "Binnenzahlungsmittel" durchsetzt.
Bei allem Respekt vor den Forderungen
nach nachhaltigem Wirtschaften, nach kleinen regionalen Kreisläufen, nach
einem Ende des Konsumterrors - die Probleme des Geldes sind Zins und Zinseszins
einerseits, sowie erpresserischen Geldhortung andererseits. Ein Geldsystem, ob
regional, komplementär oder nur "einfach anders", als das bestehende, das
diese Probleme nur unter einen experimentellen Käseglocke abzumildern,
nicht aber in der Gesamtheit des notwendigen Wirtschaftens beseitigen kann, ist
kein wirklicher Beitrag zur Lösung der Geldprobleme.
Was also bewirken regionale
Komplementärwährungen?
Grundgedanken der
Regionalwährung
Regionale Währungssysteme haben
ausnahmslos primär die Stärkung eines regionalen Wirtschaftsraumes
zum Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, wird versucht, die Nutzung der
Regionalwährung außerhalb der eigenen Region zu erschweren und es
wird versucht, das hortende Sparen von Regionalgeld durch Maßnahmen zur
Umlaufsicherung zu unterbinden, womit gleichzeitig eine erhöhte
Umlaufgeschwindigkeit des regionalen Geldes erreicht werden soll.
Abgesehen davon, dass die
Stärkung eines regionalen Wirtschaftsraumes von den meisten
Befürwortern als ein Wachstumsziel(!) angesehen wird; was in sich
problematisch ist, denn nichts braucht unsere Welt weniger, als weiteres
Wachstum, abgesehen davon, dass die Förderung innerhalb einer Region immer
auch zu Reibungsverlusten an den Gebietsgrenzen führen muss, erhebt sich
die Frage, ob die regionale Einführung von Zweitwährungen für
die größeren, übergeordneten Wirschaftsräume (Chiemgau -
Bayern - Deutschland - Europa) und die Gesamtheit der Bevölkerung dieser
Wirtschaftsräume Vorteile bringen kann.
1. Stärkung der
regionalen Wirtschaftskraft
Es ist eine goldrichtige Strategie,
das Wirtschaftsleben einer wirtschaftlich zusammengehörigen Region durch
eine regionale Währung zu unterstützen. Die auf ein homogenes,
regionales Wirtschaftsgebiet ausgerichtete Geldversorgung ist bei richtiger
Steuerung der Geldmenge (und des Geldumlaufes) eine wichtige und unverzichtbare
Säule der wirtschaftlichen Stabilität.
Die ehemaligen
"Regionalwährungen" Europas, der Franc, die Lira, die Deutsche Mark, der
Escudo, der Schilling, haben ihre Aufgabe doch recht gut erfüllt. Das nach
wie vor "regionale" englische Pfund steht neben der neuen europäischen
Einheitswährung - auch ohne deren rigorose Stabilitäts-Kriterien -
immer noch recht gut da.
Der Euro hingegen, als grenzen- und
folglich auch heimatlose Geldmenge schwappt unkontrolliert - weil
unkontrollierbar - durch den Wirtschaftsraum und wird - wie der US-Dollar -
immer weniger da ausgegeben, wo er eingenommen wird. Das führt zu
wirtschaftlichen Verwerfungen, aus welchen den Banken und Spekulanten neue
Profitquellen erwachsen, während den Bürgern beständig Kaufkraft
abhanden kommt. Der deflationäre Prozess, unter dem Europa leidet, ist zu
einem erheblichen Teil durch die Einführung des Euro und die verheerenden
Zwänge des Maastricht Vertrages hervorgerufen worden.
Die Rückbesinnung auf eine
regionale Geldversorgung ist daher prinzipiell eine gute Idee.
Der Rückfall auf das Niveau von
Gemeinde- oder Landkreiswährungen steht allerdings in keinem
vernünftigen Verhältnis zu den wirtschaftlichen Gegebenheiten eines
hochindustrialisierten und hochgradig arbeitsteiligen Landes. Untrennbar
untereinander verflochtenen Wirschaftsbeziehungen, die sich kreuz und quer
über alle Regionen austauschen, können solche währungpolitische
Kleinstaaterei nicht tolerieren.
Auch unter dem Aspekt nachhaltigen,
regionalen Wirtschaftens lassen sich - vom Status quo der wirtschaftlichen
Verflechtungen her - derart miniaturisierte Währungsgebiete, wie sie von
den Befürwortern der Regionalwährungen geplant und eingerichtet
werden, nicht ernsthaft als vernünftige Lösung der Geldprobleme
ansehen. Selbst wenn unterstellt wird, die einzelnen regionalen
Komplementärwährungen ließen sich mit geringer Mühe
über die Basiswährung Euro ineinander um- und überrechnen,
haftet den Projekten doch stets das Odium des hilflosen Experimentierens im
luftleeren Raum an, ein Effekt, der durch die Aufzählung der jeweiligen
"offiziellen" Akzeptanzstellen rings um den Kirchturm nur noch verstärkt
wird.
Müßte man aus dem Gebiet
der Bundesrepublik Deutschland "mit Gewalt" kleinere, aber noch sinnvolle
regionale Währunggebiete schaffen, dann dürften nach meiner
Einschätzung bestenfalls vier Währungsgebiete entstehen, denen eine
eigene, dem Gesamtwohl der Region nützliche Geld-Administration
tatsächlich Vorteile brächte.
So könnten zum Beispiel die
südlichen Bundesländer Bayern und Baden Württemberg eine
regionale Wirtschafts- und Währungszone bilden, während eine zweite
Währungszone - ohne damit den Befürwortern der
"Sonderwirtschaftszone" das Wort zu reden - für das gesamte Gebiet der
neuen Bundesländer in Frage käme. Eine dritte Währungszone
könnte den Bereich Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und
Nordrhein-Westfalen umfassen und in der vierten könnte sich die
Küstenregion mit Bremen, Hamburg, Schleswig Holstein sowie Niedersachsen
zusammenfinden.
Wer in weit kleineren regionlaen
Währungsgebieten denkt und ernsthaft einen währungstechnischen
Zustand anstrebt, bei dem ein bunter, Flickenteppich unterschiedlichster,
praktisch nicht konvertierbarer Regionalwährungen über das Land
gebreitet wird, ersetzt den euromanischen Gigantismus durch sein ebenso
unsinniges Gegenteil, nämlich eine engstirnige, egoistische und bornierte
Kirchturmpolitik.
Die Argumentation, durch modernste
Informationstechnologie sei es problemlos möglich, alle
Regionalwährungen stets korrekt und ohne Zeitverzug zu vernetzen und
untereinander zu tauschen, verkennt die tatsächlichen Aufwände
für die Installation solcher Systeme, er vergisst zudem völlig, dass
die unvermeidliche Herausbildung stark schwankender Wechselkurse zwischen
unterschiedlichsten Mikro-Währungen ein für die Marktteilnehmer
nahezu unbeherrschbares Problem darstellen wird und dass die als Lösung
angepriesene "perfekte Umrechenbarkeit und Austauschbarkeit" von
Regionalwährungen, wäre sie denn darstellbar, den (kleinen,
individuell gestalteten) Regionalwährungen die Existenzberechtigung
entzöge.
Es muss an dieser Stelle ganz deutlich ausgesprochen werden,
dass jede Anstrengung, Regionalwährungen leichter konvertierbar und
zwischen den Regionen übertragbar zu machen, einen völlig unsinnigen,
weil überflüssigen Aufwand darstellt, solange das gleichzeitig
verfügbare, gesetzliche Zahlungsmittel ohne solche Anstrengungen
europaweit verwendet werden kann. Die universelleren Nutzbarkeit des parallel
verfügbaren gesetzlichen Zahlungsmittels mindert die Akzeptanz der
Regionalwährung. Die Bevölkerung der Region wird folglich - von
wenigen Idealisten abgesehen - nur in dem Maße von der
Regionalwährung Gebrauch machen, wie sich daraus lokale Einkaufsvorteile
ergeben und wie es darüberhinaus der Nachweis eines geziemenden
Lokalpatriotismus erfordert.
So ist es zwar richtig, dass die nur
regional einsetzbare Währung auch nur regional ausgegeben wird, es ist
aber ebenso richtig, dass die von Einzelhändlern und Handwerkern in
Regionalwährung eingenommenen Beträge ganz überwiegend in Euro
zurückgetauscht werden müssen, um Material beschaffen, Löhne
zahlen und Kredite bedienen zu können. Dadurch wird offensichtlich, warum
Regionalwährungen vom Ansatz her kaum mehr sein können, als eine
Sonderform der Geschenkgutscheine, wie man sie in jedem Warenhaus kaufen kann.
Auch ein Geschenkgutschein kann nur beim Aussteller (oder einer Filiale des
ausstellenden Unternehmens) eingelöst werden, was ihn irgendwie
"regionalisiert" und so ein Geschenkgutschein ist auch absolut umlaufgesichert,
denn wird er nicht eingelöst, verfällt er nach einer gewissen Zeit
vollständig.
2. Implementierung einer
Umlaufsicherung
Ganz unbestritten schafft die
unbegrenzte Hortbarkeit des Geldes eines seiner eklatanten Probleme. Die
Implementierung einer wie auch immer gearteten Umlaufsicherung ist daher
für jeden "Geld-Designer" eine nicht zu umgehende Herausforderung, die
jedoch - soweit mir bekannt - bei allen Regionalwährungen durch einen mehr
oder weniger sprunghaften Wertverlust der als "Geld" bezeichneten Gutscheine
oder Guthaben gelöst wird.
Zur Begründung wird auf die
Ideen Silvio Gesells und auf das Experiment von Wörgl verwiesen. Dies sind
jedoch allenfalls Hin-, keinesfalls aber Beweise dafür, dass eine - wie
auch immer gestaltete Umlaufsicherung durch Wertverlust - unter den
Freilandbedingungen der Bundesrepublik Deutschland erfolgreich zu etablieren
sein wird.
Zu bedenken ist, dass
umlaufgesicherte Regionalwährungen ja nicht ausschließlich von den
Idealisten, die sie ersonnen haben, verwendet werden sollen, sondern von
möglichst vielen Bürgern, Konsumenten, Handel- und Gewerbetreibenden
einer bestimmten Region, also auch von dejenigen, deren egoistisches
Gewinnstreben durch die Einführung einer Regionalwährung nicht
verändert, allenfalls zu neuen Ideen und Tricksereien angeregt wird.
Deshalb müssen einige zweifelnde
Fragen erlaubt sein:
- Wer wird freiwillig einen Euro
gegen einen "Regio" tauschen, wenn er sich nicht sicher ist, dass er den
gekauften Regio vor dem nächsten Verfallsdatum auch ausgeben kann?
Richtig: Niemand.
Die
Umlaufsicherung ist solange eine Mogelpackung, wie der Wechsel vom gesetzlichen
Zahlungsmittel zur Regionalwährung vom Konsumenten frei gestaltet werden
kann. Spätestens nach den ersten unangenehmen Erfahrungen mit der
Umlaufsiche-rung, wird der Bürger seine Regiobestände sehr vorsichtig
disponieren.
Auch die Akzeptanzstellen des Einzelhandels und des Handwerks
werden ihre Regio-Annahme so gestalten, dass Tausch- oder Aufbewahrungsverluste
vermieden werden oder - durch vorherige Preisaufschläge - kompensiert
werden.
- Wer wird freiwillig einen Euro
gegen einen Regio tauschen, wenn er davon - außer dem berauschenden
Gefühl ein exotisches Zahlungsmittel zu besitzen - keinerlei Vorteil
hat?
Richtig: Niemand.
Ein Regio
wird also niemals ohne fortgesetzte Propaganda auskommen. Sei es, dass einfach
an den Lokalpatriotismus appelliert wird, sei es, dass mit dem aus der
Umlaufsicherung erwirtschafteten "Schwund" (der aber im Euro-Vermögen des
Regionalwährungsvereins verbleibt) ein bestimmtes regionales Projekt
gefördert wird: Sobald die intensive Werbung für die
Regionalwährung aussetzt, wird sie in Vergessenheit geraten und
untergehen. Die Verwendung der Regionalwährung hat somit "Spenden- bzw.
Opfercharakter", ganz besonders dann, wenn man darum bitten muss, mit
Regionalgeld zahlen zu dürfen.
- Wer wird sich freiwillig in die
ungewohnten Regeln für die Kontenführung in Regionalwährung
hineindenken, wer ein umlaufsicherungsgefährdetes Giro-konto in
Regionalwährung führen wollen? Wer wird ein auf Regionalwährung
lautendes Darlehen aufnehmen, wenn er sich damit - z.B. als Häuslebauer -
von Anfang an an ganz bestimmte, die Regionalwährung akzeptierende
Handwerker und Lieferanten bindet? Wer wird ein auf Regionalwährung
lautendes Gutha-ben langfristig festlegen, wenn gar nicht sicher ist, ob der
Währungsverein nicht übermorgen Insolvenz anmeldet?
Richtig: Niemand.
Jede Form unbaren Umgangs mit
Regionalwährung hat, wenn gleichzeitig das weitaus sicherere gesetzliche
Zahlungsmittel zur Verfügung steht, nur ganz geringe Chancen.
Die
freiwillige Inkaufnahme einer Strafe für die Nichtweitergabe des
Zahlungsmittels wird - solange das gesetzliche Zahlungsmittel als Alternative
verfügbar ist - nur für eine bestimmte Spezies von Idealisten und
Monetär-Masochisten eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Familie
Mustermann wird nach ein paar spielerischen Experimenten die Finger davon
lassen.
3. Prosperität
durch Umlaufgeschwindigkeit
Weil die Regionalwährung schnell
weitergegeben wird, können damit im gleichen Zeitraum deutlich mehr
Transaktionen abgewickelt werden, als mit dem gesetzlichen
Zahlungsmittel.
Eine Hoffnung.
Unterstellen wir, die
umlaufgesicherte Regionalwährung könnte sich optimal verbreiten.
Unterstellen wir zudem, alle bisher in diesem Aufsatz geäußerten
Zweifel träfen nicht zu, die Menschen der Region würden jeden Euro,
den sie einnehmen, sofort in Einheiten der Regionalwährung eintauschen,
ihre Konten überhaupt nur noch in Regionalwährung führen und
Überweisungen an Empfänger außerhalb des Geltungsbereichs der
Regionalwährung würden von den kontoführenden Instituten
automatisch und gebührenfrei in Euro umgerechnet und in Euro zur
Ausführung gebracht, weil das System ausreichende Währungsreserven
(in Euro) hält - dann könnte ein solches System nahe an die
Wörgl-Effekte herankommen.
Leider gibt es
dafür einige unabdingbare Voraussetzungen:
1. Der Staat akzeptiert die
Regionalwährung mindestens bei der Mehrwertsteuer.
Das wird er wohl nicht tun, was dazu
führt, das rund 16 Prozent aller Umsätze, die mit der
Regionalwährung getätigt werden, in Euro zurückgetauscht werden
müssen, der Region also verloren gehen - hierbei wirkt sich eine hohe
Umlaufgeschwindigkeit sogar besonders niederträchtig gegen die
Regionalwährung aus, weil die Mehrwertsteuer auf den Umsatz entfällt,
was bedeutet, dass die Regio-Geldmenge bei jeder Transaktion, die mit dem
gleichen Geld vollzogen wird, um den vollen Steuersatz vermindert werden
muss.
2. Die Mineralölkonzerne
akzeptieren die Regionalwährung bei der Bezahlung von Benzin und
Heizöl-Rechnungen, ebenso müssten die Strom-, Gas- und
Wasserversorger die Regionalwährung akzeptieren.
Das werden sie ganz überwiegend
nicht tun, womit ein weiterer erheblicher Teil der Regionalwährung laufend
in Euro zurückgetauscht werden muss.
3. Banken, Versicherungen,
Immobilienbesitzer akzeptieren die Regionalwährung als Tilgungs- und
Zinszahlung für Alt-Kredite, Versicherungen akzeptieren die
Regionalwährung bei der Prämienzahlung, Immobilienbesitzer
akzeptieren die Regionalwährung als Miet- oder
Pachtzahlung.
Das werden sie, abgesehen von
regionalen Ausnahmen nicht tun.
Die Folge:
Alleine aus den drei genannten
Gruppen unvermeidlicher Aufwendungen resultiert ein Rücktauschvolumen von
mindestens 50 Prozent der Gesamtumsätze, die in der Region mit
Regionalwährung getätigt werden. In der Folge wird zu einem sehr
frühen Zeitpunkt die Situtation eintreten, dass die Region gezwungen ist,
durch "Exporte" in den Besitz der notwendigen Euros zu gelangen, die
benötigt werden, um die unvermeidlichen Abflüsse mit gesetzlichen
Zahlungsmitteln bestreiten zu können.
Aus der wunderschönen Idee,
regionales Wirtschaften durch eine regionale Währung zu unterstützen,
entsteht das folgende Dilemma:
Entweder wird auf Teufel komm raus
(und das zu niedrigen, konkurrenzfähigen Preisen) ein Großteil der
Wirtschaftsleistung in das Umland "exportiert", um "Devisen" zu beschaffen, was
dem Gedanken des regionalen Wirtschaftens diametral zuwiderläuft, oder das
Experiment mit der Regionalwährung scheitert, weil dem System die
gesetzlichen Zahlungsmittel ausgehen.
Solange ein Währungsgebiet nicht
vollständige Autarkie gewinnt, steht es vor der Notwendigkeit, eine
ausgeglichene Zahlungsbilanz zu erreichen. Dies ist um so schwieriger, je
kleiner und schwächer die Region ist, die sich auf ein solches Experiment
einläßt.
Der einzelne Marktteilnehmer eines
solchen Währungsgebietes wird sich also bemühen müssen,
möglichst viele Umsätze in "harter" Währung zu tätigen, um
seinen "Importbedarf" pünktlich beziehen und bezahlen zu können.
Auch der begeistertste Enthusiasmus
wird schnell abkühlen, wenn sich zeigt, dass die Regionalwährung -
obwohl sie ursprünglich im Verhältnis 1 : 1 mit Euro gekauft wurde -
keinen entsprechenden Aussenwert besitzt, weil sich die Summe der im
Währungsgebiet entstanden Guthaben (und Schulden) so weit über die
ursprünglichen Einzahlungen hinaus erhöht hat, dass der Umfang des
erforderlichen "Außenhandels" durch die "Devisenreserven" nicht mehr
gedeckt ist.
Wenn aber genau dieses
Geldmengenwachstum nicht möglich sein darf, weil die "Spielregeln"
vorsehen, dass jeder umlaufenden Regio-Einheit eine entsprechende Euro-Einheit
als Depot gegenüberstehen muss, dann kann man sich vom Gedanken des
Regionalgeldes sowieso verabschieden. Denn dann wird es die regionale Kaufkraft
im besten Fall in der Startphase vermehren, sie danach aber in den meisten
Fällen per Gebühren und Umlaufsicherungsschwund vermindern.
4. Befreiung von der
Zins- und Zinseszinsmechanik
Will eine Regionalwährung einen
wirksamen Beitrag zur Minderung der Zinsproblematik leisten, muss die
Umlaufsicherung der Regionalwährung derart zur Erhöhung der
Umlaufgeschwindigkeit beitragen, dass die übliche Überziehung des auf
Euro lautenden Girokontos überflüssig wird.
Sie muss außerdem in ganz
erheblichem Maße langfristige Geldmittel für die Finanzierung von
Investitionen bereitstellen, so dass die Inanspruchnahme von Euro-Geldern zur
Finanzierung von Investitionen nicht mehr erforderlich ist.
Dies erfordert eine erhebliche
Sparleistung der Marktteilnehmer des regionalen Währungsgebietes oder
einen jahrelangen Verzicht auf Investitionen, bis genügend Geld in
Regionalwährung angespart ist. Beides ist kontraproduktiv.
Da zudem durch die Einzahlung von
Euros in die Devisenreserven des Regionalwährungsvereins die Euro-Guthaben
bei den "normalen" Banken sinken, deren Geldschöpfungsfähigkeit damit
also nachlässt, ergibt sich ein (wenn auch geringer) so doch
zusätzlicher negativer Effekt.
Zusammenfassung
Regionalwährungen in kleinen,
nicht autarken Wirtschaftsgebieten sind als Geld-Ersatz nicht ernst zu nehmen.
Ihre Marketingwirkung ist eine Modeerscheinung, die schnell verpuffen wird,
weil die täglichen Probleme im Umgang mit der Regionalwährung
schwerer wiegen, als der Spass an der lokalpatriotischen Attitüde.
Sollte sich wider Erwarten eine
Regionalwährung über das folkloristische Maß hinaus zu einem
weit gehend akzeptierten Geldersatz entwickeln, muss der Versuch mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit an der unausgeglichenen Zahlungsbilanz zwischen Regio-Gebiet
und dem Währungsgebiet der Leitwährung scheitern.
Die eigentlichen Probleme des
Geldsystems, nämlich Zins, Zinseszins und Geldhortung, Inflation und
Deflation werden durch Regionalwährungen nicht gelöst, bestenfalls in
einem kleinen Gebiet, für einen kleinen Teil des Geldumlaufes aus dem
Bewusstsein "ausgeblendet".
Die wirkliche Lösung des
Geldproblems ist m.E. nur dadurch zu erwarten, dass das für die
Realwirtschaft benötigte Geld von authorisierter (staatlicher) Stelle ohne
Begründuung von Schuldverhältnissen geschöpft, an geeigneten
Stellen als verlorener Zuschuss in den Wirtschaftskreislauf eingespeist und
durch Steuern auf Vermögen, sowie Spekulations- und Transaktions-Abgaben
da wieder abgeschöpft wird, wo es übermäßig akkumuliert.
Mehr dazu ist bei mir zu lesen unter
Konzept für ein
vernünftiges System der bedarfsgerechten Geldversorgung
Stand
11.08.2003