Monsantos "Roundup"-System ist nur mit
noch mehr Gentechnik aufrecht zu erhalten
Das Herbizidresistenzsystem
"Roundup Ready" von Monsanto [1] schwächelt trotz des
gefährlichen Pakts mit der Gentechnik und monopolistischer Vermarktung. Im
Verein haben mehrere US-Biotech-Labors jetzt versucht, nachzubessern und eine
weitere Generation von Gen-Pflanzen entwickelt. Doch die Probleme bleiben
und neue kommen hinzu.
Glyphosat ist der Wirkstoff eines
Unkrautvernichtungsmittels, das seit mehr als 25 Jahren auf vielen Äckern
der Welt eingesetzt wird. Es ist wie das einst im Vietnam-Krieg verwendete
"Agent Orange" ein Breitbandherbizid und macht so ziemlich jede
Grünpflanze nieder, auf die es gesprüht wird. Praktisch am Bahndamm
oder in der Garageneinfahrt, ein Totalschaden in der Landwirtschaft. Das
Spritzmittel gelangt über die Blätter in die Pflanze und hemmt dort
das Enzym EPSP-Synthetase, das im Stoffwechsel der meisten Pflanzen eine
wichtige Rolle spielt, weil es zur Herstellung von lebenswichtigen
Aminosäuren benötigt wird. Können diese nach einer
Roundup-Ready-Dusche nicht mehr produziert werden, stellt die Pflanze das
Wachstum ein, drei bis sieben Tage später ist sie abgestorben.
Ein Breitbandgift macht
Karriere
Der Nachteil eines solchen Pflanzengiftes liegt auf der
Hand: Es ist hocheffizient, unterscheidet aber nicht zwischen Unkraut und
Nutzpflanze. Der große Durchbruch kam, als es dem Agrochemieriesen
Monsanto gelang, gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, die gegen
den Wirkstoff Glyphosat resistent waren. Monsanto ließ sich Spritzmittel
und Gen-Saaten patentieren und verkaufte beides fortan im Doppelpack: Ein
attraktives wie lukratives HR-(Herbizidresistenz-) System war geschaffen und
Roundup setzte sich als ökologisches und ökonomisches Pflanzengift
durch: Es wurde im Gegensatz zu "Agent Orange" als biologisch
abbaubar, für den Menschen nicht toxisch und für die Landwirte
günstig gepriesen, da es den Einsatz zusätzlicher Herbizide
überflüssig machen sollte. Die Roundup-Ready-Palette [2]
verfügbar unter anderem für genmanipulierten Raps (Canola),
genmanipulierte Sojabohnen und den berüchtigten ebenfalls genmanipulierten
Monsanto-Mais wurde ein Knüller, sie kam zu einer Zeit auf den
Markt, als sich Resistenzen gegen viele traditionelle Pestizid-Typen
häuften.
Ein Gen-Maisfeld mit sogenanntem
"GAT-Mais", der das Monsanto-Gift abbaut (Bild: Science)
Doch der Lack blättert ab. Nicht nur die Frage des
unnötigen Genfood
"Frankenfood"
erhitzt die Gemüter und das Überspringen des Saatguts von
Nachbarfeldern mit der Folge
teurer
Prozesse gegen unbeteiligte Farmer und das Verbot der
Saatgut-Vorratshaltung
sind die Folge auch der eigentlich erwünschte Effekt lässt zu
wünschen übrig: Schon seit Mitte der 90er-Jahre gibt es Meldungen,
dass auch Unkraut gegen Glyphosat tolerant wird. Das ist nicht erstaunlich,
denn auch Roundup ist eben kein Zaubermittel. Es gibt immer wieder Pflanzen,
die sich in ihrem Erbgut in Details unterscheiden und deswegen Giftattacken
überleben können. Gerade bei häufiger Anwendung und nur einem
Wirkstoff wie im Falle von Roundup geht dies besonders schnell.
Auch das Unkraut wird
resistent
Mit der angeblichenschnellen biologischen Abbaubarkeit von
Roundup im Boden ist es ebenfalls nicht so weit her. Monsanto beteuert zwar
immer wieder, dass das Spritzmittel besonders umweltfreundlich sei und wegen
seiner schnellen Abbaubarkeit nicht ins Grundwasser gelange. Dänische
Forscher, die das überprüften, waren da jedoch anderer Meinung,
weshalb die dänische Regierung im Juni 2003 Einschränkungen für
die Anwendung von Glyphosat erließ. Zu alldem scheint Roundup auch in
seiner Wirkung zu erschlaffen: Es muss immer häufiger und in höheren
Konzentration angewendet werden, in manchen Fällen hilft nur noch die
Kombination mit anderen Mitteln.
Nicht für den stärkeren Kick:
Gentechnisch veränderte Tabakpflanzen, die ebenfalls "Monsanto Roundup
Ready" sind, hier bei ersten Tests mit dem Herbizid im Gewächshaus der
Byotix, Inc in Richmond, Kalifornien, USA (Bild: Science)
Auch die Gentechniker der bekannten Biotech-Firmen
Maxygen [3], Verdia [4], Pioneer Hi-Bred
International [5] und Athenix [6] alle in
Kalifornien sind auf eine Schwachstelle des Roundup-Systems
gestoßen: Wie sie im aktuellen Wissenschaftsjournal
Science [7] berichten, wird das Glyphosat in den Pflanzen nicht
vollständig abgebaut. Es reichert sich in den Meristemen, einem Gewebetyp
der Pflanzen, der aus embryonalen Zellen besteht, an und könnte die
Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Erneute Rettung aus der
Gen-Küche?
Sie haben daher einen neuen Ansatz ausprobiert und
Pflanzen gezüchtet, die in der Lage sind, Glyphosat zu tolerieren, indem
sie es entgiften. Die Gene dazu haben sie Bakterien entnommen. Die eifrigen
Gentechniker sind davon überzeugt, dass das von ihnen kreierte neue Gen
die Glyphosat-Toleranz von Nutzpflanzen nachhaltiger steigern wird, als das bei
der jetzigen Generation gentechnisch veränderter Pflanzen der Fall ist.
Die Wissenschaftler identifizierten zunächst ein
bakterielles Enzym, das schwach ausgeprägte
Glyphosat-Entgiftungseigenschaften aufwies. Mit dem Verfahren der gerichteten
Evolution ("directed evolution") gelang es den Wissenschaftlern, Gene zu
produzieren, die Enzyme mit stärker ausgeprägten
Entgiftungseigenschaften kodieren. Eines der dabei entwickelten Enzyme war
sogar in der Lage, Glyphosat Zehntausend Mal effizienter abzubauen als das
Originalenzym. An Versuchen mit Mais machten die Wissenschaftler dann die Probe
aufs Exempel. Die gezüchteten Pflanzen konnten die sechsfache Dosis der
normalen Roundup-Konzentration vertragen. Äußere Veränderungen
der Pflanzen oder ein verlangsamtes Wachstum waren nicht feststellbar
ein Erfolg also. Nun sollen Feldversuche folgen.
Längst
fällige Reformen finden nicht statt
Mit dem neuen Entgiftungsgen ausgestattete Pflanzen
vertragen mehr Glyphosat, die Bauern können beim Spritzen künftig
also ordentlich austeilen un Monsanto freut sich über den höheren
Herbizid-Absatz. Doch der Erfolg wird wie vorher befristet sein, denn die
kontinuierlich verbesserten gentechnischen Verfahren beschleunigen die Prozesse
nur, sie erhöhen die Abhängigkeit der Landwirte das
Grundproblem lösen sie nicht. Auch die neuen Gene werden in andere
Pflanzen überspringen und das Glyphosat in noch größeren Mengen
ins Grundwasser geraten als bisher. Die "grüne" Gentechnik führte
bislang einzig dazu, dass Agrochemie-Konzerne wie Monsanto und die Landwirte
kurzfristig weiter wirtschaften können wie bisher, an der Krise der
industriellen Landwirtschaft ändert sich dadurch nichts.