Der folgende (ganz tolle) Artikel ist nicht nur
für Frauen gedacht. Dieser stammt von Frau Regina
Griesenhofer, Tanz- und Ausdruckstherapeutin aus Wien. Vielen Dank für
die freundliche Bereitstellung.
Im weiblichen Körper vollzieht sich
all-Mond-lich ein Tanz. Eine Eizelle reift heran, steht für mögliche
Befruchtung bereit und tanzt dann wieder in einem blutigen Fluss aus der
Gebärmutterschleimhaut. Eine Flüssigkeit aus der unter bestimmten
Voraussetzung neues Leben entsteht, hat auch heute noch etwas Magisches und
Wunderbares, aber auch Beängstigendes. Lassen Sie uns die Heiligkeit
dieses monatlichen Wunders näher betrachten:
Meine
Einstellung zu diesem körperlichen Vorgang hat sich im Laufe des ErLebens
sehr entwickelt: als Jugendliche empfang ich große Scham und war
überfordert mit dieser Menge von Blut, die aus mir floss und fühlte
mich hilflos und auch vom Schmerz überwältigt. Über viele Jahre
oder fast Jahrzehnte ließ ich dann zu, dass mein Körper durch
ständige Einnahme der Pille keine natürliche Menstruation mehr
erleben konnte um dann mit zunehmender Beschäftigung mit diesem Thema und
mit gesunder Ernährung und Lebenseinstellung wieder zu einem
natürlichen Blutfluss zurückzufinden. Jetzt erst begreife ich welches
Geschenk diese "roten Tage" sind, empfinde eine besondere Klarheit, manchmal
eine heilsame Angriffslust, eine göttliche Verbundenheit und bin mit
meiner Intuition und Feinfühligkeit viel stärker im Kontakt zu mir
und meiner Umwelt.
Zu
Zeiten des Matriarchats vor Beginn unserer christlichen Zeitrechnung war das
monatliche Blut der Frau hoch verehrt und angesehen als Heilmittel und direkte
Verbindung zu spirituellen Ebenen. Die Göttin war immer gegenwärtig
und ihre Weiblichkeit heilig. Das weibliche Prinzip spiegelte sich überall
in den Zyklen der Natur, wie etwa den Jahreszeiten, dem Mondzyklus und Ebbe und
Flut wider. Das Menstruationsblut wurde zum Sinnbild für Leben und Tod,
für Veränderung und Übergang.
Die Menschen erahnten die
weibliche göttliche Kraft überall, verehrten sie und beteten sie
beispielsweise als Mondgöttin, als Mutter Erde, manchmal auch in Form eine
Tieres an. Die Frauen verbrachten die Menstruation in Hütten
außerhalb des Dorfes nicht wie Aussätzige sondern um gemeinsam
Menarcheriten zu feiern, sich im Frauenkreis zu stärken und zu entspannen.
Man wusste damals, dass während der Menstruation die Frau besonders
intuitiv war und offen für Visionen. Tabu war sie deshalb, weil ihr Blut
so heilig war. Heil - heilig - Heilung. Ein Symbol für die
Göttlichkeit der Frau und ihres Körpers war die Schweinegöttin,
was für uns seltsam anmutet, da gerade das Schwein als schmutzig und
widerwärtig gilt und nur noch als Silvesterglücksbringer
überlebt hat. Die Wildsau verkörperte die Wildheit, die
Natürlichkeit und die Heiligkeit. Das kosmische Schwein stand als Zeichen
für den Zyklus und die Wandlung. Die Verehrung des Schweines fand sich in
verschiedensteten Kulturen rund um den Erdball, es gab unzählige Feste und
heidnische Bräuche in diesem Zusammenhang.
Mit
dem Christentum wurde die heidnischen Bräuche und Naturreligionen immer
mehr verboten aus der Mondwechselgöttin wurde die männliche
Dreifaltigkeit und die Frau mitsamt ihrer bisherigen Macht und Kraft wurde
immer mehr verteufelt. Sie wurde aufgespalten in Heilige und Hure, in
unbefleckt Empfangende und Sünderin. Wo sollte sich eine Frau aus Fleisch
und Blut mit all ihren Bedürfnissen und ihrer Sexualität hier
wiederfinden? Das alte über Jahrhunderte gewachsene Wissen der Frauen
musste naturwissenschaftlichen Erkenntnissen weichen und mit den
Hexenverbrennungen wurde dieses fast restlos ausgelöscht. Die weiblichen
Heilerinnen wurden durch männliche Ärzte ersetzt. Mutet es nicht
etwas seltsam an, dass wir zu männlichen Gynäkologen gehen, die die
weiblichen Körpervorgänge nicht aus eigener Erfahrung kennen? Die
Frau und ihr Blut wurden abgewertet als hysterisch (Gebärmutter =
Hysteria!!) und schwach. Sie hatte sich dem Mann und der neuen Ordnung des
Patriarchates unterzuordnen. Die Regelblutung wurde immer mehr zum Übel
erklärt, als schmutzig und ekelerregend empfunden von beiden
Geschlechtern. Es geht sogar soweit, dass Genitalien verstümmelt werden um
die weibliche Kraft und Lust zu unterbinden - und das noch heute!!! In der
Sprache drückt sich diese Abwertung aus, z.B. im englischen Wort "the
curse" (= der Fluch) für die Regelblutung. Ein völlig
natürlicher Vorgang im weiblichen Körper wird immer mehr zur
Krankheit degradiert oder totgeschwiegen und steht damit in engem Zusammenhang
mit der Missachtung der Frau. In der Werbung sieht man blaue
Flüssigkeiten, die blütenweiße Tampons nicht "verunreinigen".
Aus meiner Erfahrung führen Tampons auch zu Energiestau und lassen das an
sich frische nach Eisen riechende Blut übel riechen. Gesellschaftlich wird
erwartet, dass die Frau an jedem Tag gleich gut funktioniert als
Arbeitnehmerin, Unternehmerin, Mutter und Partnerin. Als kleines Mädchen
lernen wir sehr durch das Vorbild unserer Mutter, nicht so sehr was sie uns
erzählt, sondern wie sie handelt und sich im Alltag verhält. So wird
z.B. Scham gelernt. Scham ist ja auch sinnvoll, schützt unsere
Intimsphäre, die übertriebene Scham allerdings grenzt unseren
Erlebnisraum ein.
In
der modernen Gesellschaft ist kein Platz für die Verschiedenheit der drei
weiblichen Phasen. Dabei erlebt eine Frau im Kreise eines Zyklus vier sehr
unterschiedliche Phasen, die auch ein schönes Symbol für die
Lebensphasen einer Frau darstellen. Beobachten Sie sich selbst über
mehrere Zyklen und ihre damit verbundene sich verändernde
Energiequalität.
Am
Anfang eines Zyklus sind sie die weiße Frau, die Jungfrau, die Reine, das
Mädchen, welches innovativ und neugierig in den Tag hineinlebt. In der
zweiten Phase sind sie die rote Frau, die Mutter, die Beschützerin, die
pflegt und umsorgt. In der dritten Phase kommen sie in die violette Phase, wo
sie als Zauberin Zugang zu spirituellen Ebenen haben und in der vierten
schwarzen Phase sind sie die alte Frau, die durch ihre Lebenserfahrung weise
geworden ist und sich mehr zurückzieht, aber auch ihr Wissen teilt. Der
Mond symbolisiert auch diese Veränderbarkeit und "menstruiert" im selben
Zeitraum wie die Frau. Der Mythos von Kore - Demeter und Persephone beschreibt
auch den weiblichen Zyklus, in den Göttinnen ist jeweils eine Zyklusphase
beschrieben: Kore steht für das Mädchen (vor dem Eisprung), Demeter
für die Mutter (Blut in der Gebärmutter) und Persephones Gang in die
Unterwelt (Blutung) kennzeichnet den Gang in das Unbewusste, in die andere
Hälfte der Welt. Dieser weibliche Zyklusmythos wurde umgedeutet in einen
reinen Fruchtbarkeitsmythos.
Leider gibt es in unserem Kulturkreis keine kraftvollen Rituale um
z.B. junge Menschen beim Frauwerden beim Mannwerden zu unterstützen und zu
feiern. Gerade die Menstruation ist sehr schambeladen und mir ist beim Studium
diverser Bücher, dieser kollektive Schmerz über das viele damit
verbundene Frauenleid und die damit verbundene Ablehnung des weiblichen
Körpers bewusst geworden. Viele Frauen leiden unter
Menstruationsschmerzen. Vielleicht regt sich hier der körperliche Unmut
gegen so viel Ignoranz gegenüber dem eigenen Körper. Man stelle sich
vor welche negative Kraft davon ausgeht wenn eine Frau z.B. meines Alters in
den letzten 20 Jahren an 1.440 Tagen menstruierte und sich dabei schmutzig und
schäbig fühlte und ihren Körper nicht annehmen kann. Ich denke
es ist hoch an der Zeit, dass jede einzelne Frau zu dieser besonderen Zeit und
ihrer Qualität und damit ihrem Körper und ihrer Weiblichkeit
zurückfindet. Es geht hier nicht um Feminismus und nicht um
Unterdrückung eines Geschlechtes, sondern um die Natur und
Göttlichkeit von Frau und Mann und die Akzeptanz der Andersartigkeit und
ein gesundes Miteinander. Wenn Frauen und Männer heiler werden und
einander mit Respekt begegnen, kann auch die Erde ein Stück heilen.
Viele Frauen berichten, dass sie sich vor der Menstruation sehr aggressiv
erleben. Diese Aggression braucht auch ihren Ausdruck und rührt vielleicht
daher, dass diese Tage der besonderen Sensitivität ungesunde
Lebenssituationen aufdecken und eine Zeit der Wahrheit sein
können.
Natürlich fällt es schwer etwas anzunehmen, dass
gelegentlich solche Schmerzen verursacht. Wenn es gelingt Schmerzen nicht nur
als etwas zu sehen, dass man auf der Stelle loswerden will, sondern als
Alarmsignale und Signallichter des Körpers können wir Unstimmigkeiten
in unserem Leben aufspüren und sie konstruktiv verändern. So
können Beschwerden zu einer Chance werden, die eigene Lebenssituation
einmal gründlich zu überdenken und notwendige Veränderungen
vorzunehmen. Wir sind mit angelernten Bewertungssystemen sehr rasch versucht
Krankheit als negativ und Gesundheit als positiv zu bewerten und dennoch sind
es einfach zwei verschiedene Wege, zwei Pole ein- und desselben, die neutral
betrachtet werden sollten. Der Weg von der Krankheit zur Heilung kann als
Bewusstwerdungsprozess betrachtet werden: er ermöglicht es ihnen, ihren
Körper und ihre Seele zu erforschen und sich Klarheit über ihre
wirklichen Bedürfnisse zu verschaffen. Schmerzen und Beschwerden
können also helfen wieder zu einem Gleichgewicht zu finden. In der
Tradition der weisen Frau wird auch die Selbstbestimmung und Eigenmacht der
Frau betont, die sie lange Zeit innehatte.
Ein
Weg zu einer positiven Einstellung der eigenen Blutung gegenüber ist
sicher die Wertschätzung des Körpers mit seinen natürlichen
Prozessen, ein Anerkennen der eigenen Bedürfnisse (gerade Frauen neigen
dazu zum vermeintlichen Wohle anderer ständig ihre Grenzen zu
überschreiten), eine Sanftheit mit sich selbst und ein Austausch in
Frauengemeinschaften darüber.
Die
Selbstliebe ist vielleicht ein lebenslanger Lernprozess, aber sich darauf
einzulassen bringt reiche Ernte!
Regina Griesenhofer
Tanz- und Ausdruckstherapeutin
Hellgasse
6/20
1160 Wien
Regina.Griesenhofer@akh-wien.ac.at
Literatur:
Miranda Gray: Roter Mond. Von der Kraft des weiblichen Zyklus,
Irisiana, München 1996 ISBN 3-88034-856-1
Gabriele Pröll: Meine Tage.
Quelle weiblicher Kraft und Intuition, Bauer, Freiburg 2001 ISBN
3-ö7626-0815-8
Penelope Shuttle/Peter Redgrove: Die weise Wunde Menstruation
1988
Jutta Voss:
Das Schwarz-Mond-Tabu. Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus, Kreuz
Verlag, Stuttgart 1990