| Müllermilch zieht gegen Greenpeace vor
Gericht
Nachdem sich die Theo
Müller GmbH & CO [1] im Gegensatz zu vielen anderen
Lebensmittelherstellern nicht auf einen Verzicht bei Gen-Fütterung
festlegen will, startete Greenpeace [2] kürzlich eine
interaktive Satire-Kampagne ( www.müll-milch.de [3]). Diese
soll nun gerichtlich gestoppt werden.
Umweltaktivisten sind bei Konzernen nicht unbedingt beliebt.
Die Reaktionen auf öffentlichkeitswirksame Kampagnen sind von Unternehmen
zu Unternehmen oder auch von Fall zu Fall unterschiedlich. Manchmal setzen sich
Unternehmer mit Kritikern an einen Tisch, um Lösungen zu finden. Manchmal
geht eine Sache aber gleich vor Gericht, wie jetzt im Fall Müllermilch
gegen Greenpeace.
Der Hintergrund: Nachdem die neue Richtlinie zur
Gentech-Kennzeichnung bei Lebensmitteln die Verfütterung von GVOs
(gentechnisch veränderte Organismen) außen vor lässt und bei
tierischen Produkten (außer bei Bio-Produkten) weiterhin nicht erkennbar
sein wird, ob gentechnikfreies Futter verwendet wurde oder nicht, erhöhen
Gentech-Gegner den Druck auf die Lebensmittelproduzenten und setzen auf die
Macht der Konsumenten (
Gentech-Kennzeichnung: Lob, Tadel und Gen-Detektive).
Unternehmen wie Du Darfst/Unilever, Wiesenhof und Ritter Sport achten
inzwischen darauf, dass ihre Zulieferer auf Gen-Futter verzichteten.
Nicht so Müllermilch, was Greenpeace wiederum
veranlasste, eine Kampagne zu starten. Eine satirische E-Card [4],
welche die Müller-Werbung mit Dieter Bohlen, den Becher-Girls und dem
Kleinen Hunger persifliert, findet das Milch-Unternehmen aber offensichtlich
gar nicht lustig. Ebenso wenig kann man sich mit dem von Greenpeace verwendeten
Begriff "Gen-Milch" anfreunden. Das Unternehmen weist in einer Presseaussendung
darauf hin, "dass Begriffe wie 'Gen-Milch' im Zusammenhang mit gentechnisch
veränderten Komponenten in der Tierfütterung und Milch bzw.
Milchprodukten nicht nur unberechtigt, sondern sogar irreführen und damit
mehr als unseriös sind". Müllermilch klagt nun auf Unterlassung. Am
9. Juni findet am Landgericht Köln die mündliche Verhandlung statt.
"Müllermilch will Greenpeace den Mund verbieten und
Verbraucheraufklärung zensieren", kommentiert Ulrike Brendel von
Greenpeace das Vorgehen. In dem gerichtlichen Antrag würde außerdem
behauptet, dass eine gentechnikfreie Fütterung von Milchkühen nicht
möglich sei, was falsch wäre.
Tatsächlich stellt Müllermilch die
Möglichkeit der gentechnikfreien Fütterung in einer Presseaussendung
in Frage und beruft sich auf ein Positionspapier des
Milchindustrieverbandes [5] vom 2. April:
Der Einsatz von gentechnisch veränderten Komponenten
in der Tierfütterung kann aufgrund der derzeitigen
Marklage/Verfügbarkeit bei den weltweit gehandelten proteinreichen
Futtermitteln grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Eine
'gentechnikfreie Fütterung' ist, falls überhaupt möglich auf
Nischen beschränkt.
"Stimmt nicht", kontert Greenpeace, die auch eine eigene
Info-Seite für Landwirte anbietet, die Bezugsadressen von gentechnikfreien
Futtermitteln auflistet: "Die hier von Müllermilch zitierte Passage
bezieht sich auf proteinreiche Futtermittel, wobei wohl Soja gemeint sein
dürfte. Gentechnikfreies Soja ist aber heute noch ausreichend auf Markt
vorhanden. Soja aus Brasilien ist noch zu 80 bis 90 Prozent gentechnikfrei",
erklärt Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace, im
Telepolis-Gespräch. "Für manche gentechnikfreie Soja-Futtermittel
werden geringe Aufschläge verrechnet. Man kann aber bei der Fütterung
von Milchkühen auch auf Raps etc. ausweichen."
Bei Müllermilch würde man sich einfach zu wenig um
die Sache kümmern, kritisiert [6] Greenpeace:
Die Unternehmensgruppe Theo Müller behauptet alles
getan zu haben, um Gen-Pflanzen im Tierfutter der Milchkühe
auszuschließen, doch Greenpeace-Recherchen ergeben ein anderes Bild.
Danach gibt es zurzeit keine Kontrollen der eingesetzten Futtermittel durch
Müller und keine entsprechenden Verträge zur gentechnikfreien
Fütterung. Zudem fand Greenpeace auf vier Müllermilch-Höfen in
Futtermittel-Stichproben einen erheblichen Anteil genmanipulierter
Soja.
Müller selbst hält laut einer Presseaussendung an
der Strategie der "Vermeidung von gentechnisch veränderten Zutaten" in
seinen Produkten fest.
So finden Sie von unseren Unternehmen der
Müller-Gruppe keine Produkte, die hinsichtlich Gentechnik gekennzeichnet
wären, da entsprechende Zutaten oder Verfahren für unsere Produkte
nicht zum Einsatz kommen.
Generelle Ablehnung von "Gen-Food" scheint es im Hause
Müller allerdings nicht zu geben. So heißt es in der oben zitierten
Pressemitteilung einige Absätze weiter:
Unabhängig davon ist festzustellen, dass
gekennzeichnete Erzeugnisse ebenso sicher und hochwertig sind wie Erzeugnisse,
die nicht der Kennzeichnung unterliegen. Für die Sicherheitsbewertung von
Lebens- und Futtermitteln ist bei uns das BfR (Bundesinstitut für
Risikobewertung) zuständig. So wird eine Zulassung für gentechnisch
veränderte Produkte nur dann erteilt, wenn sie keine nachteilige
Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt haben und den
Verbraucher oder Anwender nicht irreführen.
Gentechnikgegner verweisen aber darauf, dass man über
gesundheitliche Auswirkungen derzeit einfach noch zu wenig weiß, zumal es
keine Langzeitstudien gibt. Bei möglichen Umweltschäden hingegen gibt
es aber inzwischen etliche Studien, die Böses ahnen lassen. So wurde der
frühere britische Umweltminister Michael Meacher [7] , der
einst die ersten Großflächenversuche in Großbritannien
angeordnet hatte, zu einem der vehementesten Gegner von Gentechnologie in der
Landwirtschaft.
Links
[1] http://www.muellermilch.de [2]
http://www.greenpeace.org/deutschland/ [3]
http://www.müll-milch.de [4]
http://act.greenpeace.org/ecs/s2?sk=fxd&i=1421&la=de [5]
http://www.milchindustrie.de/frameset.html [6]
http://www.greenpeace.org/deutschland/?page=/deutschland/fakten/gentechnik/muell-milch/index [7]
http://www.dosto.de/gengruppe/texte/landwirtschaft/landw4.html |